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USA Travel Guide
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USA Reisebericht - USA Travelogue
Wheeler [2014]


  1. PDF Version [17,2 MB]
  2. Reisestationen [Entfernungen, Reisezeiten, Hotelwertungen]
  3. Reiseroute [Karte]
  4. Reisebericht [Tag für Tag USA pur]


Reisestationen

Ziel Nächte Meilen km Zeit Hotel Stars
San Francisco 3 13 20 00:23 Hyatt Regency ****
South Lake Tahoe 2 187 301 03:11 Inn by the Lake **
Ely 1 503 809 09:08 La Quinta Inn ***
Las Vegas 3 371 597 06:01 The Bellagio *****
Moab 2 459 739 07:21 Best Western Canyonlands Inn ***
Grand Junction 4 143 230 04:00 Hampton Inn **
Vernal 2 206 331 04:49 SpringHill Suites
***
Pinedale 1 227 365 04:27 Hampton Inn & Suites ***
Douglas 1 354 570 06:55 Holiday Inn Express ***
Rapid City 2 344 554 06:36 Hilton Garden Inn ****
Dickinson 2 355 571 08:44 Hampton Inn & Suites ***
Omaha 1 703 1.131 10:31 Hilton Garden Inn ***
Kansas City 2 472 759 07:33 Hilton President ****
Tulsa 1 392 631 07:24 Double Tree ***
Oklahoma City 2 267 430 04:49 Sheraton ****
Amarillo 2 366 589 06:15 Hampton Inn & Suites ***
Creede 2 402 647 06:42 Arbor House Inn ***
Albuquerque 2 343 552 06:50 Andaluz ****
Las Vegas 3 571 919 08:40 The Cosmopolitan *****
Salt Lake City 2 474 763 07:40 Hilton Salt Lake City Center ****
Twin Falls 3 397 639 06:33 Holiday Inn Express ***
John Day 1 358 576 07:01 Best Western John Day **
Hood River 2 211 339 03:55 Best Western Hood River ***
Portland 2 63 101 00:59 Vintage Plaza ****
San Francisco 1 633 1.018 09:40 Hyatt Regency ****
49
8.840
14.223

 

Reiseroute

Reiseroute 2014 Wheeler

 

Reisebericht (Tag für Tag USA pur)

Wir Läufer sind doch alle gleich. Ob Jung oder Alt, Anfänger oder Routinier, schweizer Ehemann oder iranische Singlefrau, uns quälen die gleichen Sorgen. Wir haben Angst, dass es weh tut.

Ja, es hat sehr weh getan, als mitten im Canyonlands Nationalpark der Hiking-Kilometer 25 angebrochen war. Lächerliche 4 Kilometer noch, nur noch ein paar Anstiege, jetzt komm! Die einzigartige Natur der roten Needles und der faszinierenden Canyons, die auf dem Hinweg mehr für das Auge boten, als das jetzt der Fall ist, ist vollkommenen verblasst. Hände an die Knie, Kopf nach unten, - es gibt kein Körperteil, das nur annähernd schmerzfrei wäre. Und als dann bei Kilometer 27 zwei so Offroad-Typen ihre Pneus auf dem steinigen und steil nach oben führenden Untergrund quälen, die Luft mehr verpesten, als ich mit meinen Zigaretten, spätestens dann war es Zeit, dass ein Ende hergeht. Der kurze Abstieg zum Elephant Hill Trailhead treibt einem fast die Tränen in die Augen. Nein, nicht die Abgase, sondern die Vorfreude auf das Ende der Qualen und den hoffentlich noch kühlen Eistee, setzt die letzten Reserven frei. Ich kann kein Wasser mehr sehen! Nach 9 Stunden war alles gut. Einsam und verlassen, in vollkommene Ruhe gehüllt, sitze ich da, genieße die Zigarette und die aufragenden roten Felsen rings um mich rum und sehne mich nur noch nach einem: die Dusche!

Canyonlands Nationalpark Needles District

Nein, das war nicht unser längster Hike in diesem USA-Urlaub. Während unserer fast zweimonatigen Reise werden uns noch einige Gewaltmärsche fordern. Einer davon, zum namensgebenden Wheeler Monument und der dort oben auf über 11.400 Fuß thronenden Geologic Area, war wohl der faszinierendste.

Begleitet uns nun auf 311,99 Wander- und 17.606 Autokilometern, soviel für die Freunde der Statistik, durch den westlichen Teil des Kontinents. Viel Spaß!

Dienstag
Anstatt mich gedanklich und physisch auf die lange Flugreise nach San Francisco vorzubereiten, sitze ich um 7 Uhr früh beim Zahnarzt. Ungeplant versteht sich, aber die Sache ist dann Gott sei Dank schnell behoben. Auf den "Schock" hin wurde das Verkehrsmittel von der S-Bahn auf das Taxi verlegt, obwohl die Koffer bereits gestern ihren Weg zur Lufthansa gefunden haben. Das Frühstück ist vorerst ebenfalls dem Zahnarzt zum Opfer gefallen. Und so sitzen wir jetzt beim Dallmayr am Münchner Flughafen und hauen uns einen Leberkäs' rein; soweit die theoretisch gedankliche Vorstellung. Praktisch lief das ganz anders ab, denn wir sitzen zwar beim Dallmayr, aber wir werden nicht bedient. O.k., wenn ihr mein Geld nicht wollt, dann eben zum Airbräu. Auch hier dauert es einige Minuten bis ein Kellner sich bequemt. Das Essen war ausnehmend schlecht, mehr fällt mir dazu nicht ein.

Lauter nette Leute in der Winston Süchtlings-Lounge, nur die Luft. Aber man raucht ja nicht, um saubere Luft zu bekommen, also insofern alles standesgemäß. Die Luft in der Business-Lounge der Lufthansa war dann schon etwas sauberer. Und zu Essen gibt 's auch was: Leberkäse! Und der schaut dann dermaßen gut aus, dass ich fast in Versuchung gerate. Fast, wie gesagt!

Es gibt eine Premiere zu feiern, wir sind die ersten im Flugzeug und um 16.25 Uhr, also gut neun Stunden nach dem Zahnarzt, der Start. 11 quälende Umrundungen des großen Zeigers auf der Uhr später sind wir die ersten an der Immigration. Ziemlich ausgeschlafen feiern wir den erneuten Sieg! Es ging gewohnt grimmig und zügig, nur die Koffer haben sich etwas Zeit gelassen. Hallo Lufthansa, zuhören: Die Business Class in den Airbussen von MUC nach SFO, aber auch nach LAX ist bald Sperrmüll, nicht mehr zeitgemäß und nicht kundenbindend!

Ich Depp reiß aus dem schwarzen Chevy Tahoe die letzte Sitzreihe raus, denn ich will auf die umgeklappten Teile nicht die Koffer stellen. Der Hertz Supervisor nimmt sie mir aber nicht ab. Logisch, wie soll er die je wieder zuordnen und wo soll er sie aufbewahren. Also bau ich sie wieder ein. Außerdem wird dieser Tahoe den Flughafen in San Francisco nie mehr wiedersehen, wetten!

Chevy Tahoe

Die kurze Fahrt ins Hotel, ein schönes Zimmer mit Balkon im 8. Stock, erste Getränkeversorgung bei Walgreens gegenüber und ein Bier an der Hotelbar beschließen den Anreisetag. Gute Nacht!

Mittwoch
Dieser Tag beginnt wie ein jeder dieser Tage. Um 4 Uhr war Schluss! Die Starbucks-Kaffee-Kapsel schmort in der Maschine und der Output war wunderbar. Auch unten in der Lobby gab es eine Kaffeebar und als wir um 5:45 Uhr die heiligen Hallen des Hyatts verlassen, hatten wir wenigstens schon mal ausreichend schwarze Brühe im Bauch.

San Francisco Oakland Bay Bridge

Wir stehen abseits des Embarcadero an der Bay und die ersten natürlichen Lichtstrahlen erreichen San Francisco. Vor uns überspannt die neue Bay Bridge das Erdbebengebiet. Ein paar Möwen sind auch schon unterwegs und genießen mit uns die aufgehende Sonne. Als der schimmernde Schein langsam über den Horizont unter der Bay Bridge hindurch spitzt, strahlt es in die Fenster der Häuser und die strahlen zurück. Ein kräftig roter Schriftzug "Port of San Francisco" versucht dagegen anzukommen, verblasst aber zunehmend im heller werdenden Tageslicht. Es ist einfach schön, wieder hier in dieser finanzierenden Stadt zu sein.

San Francisco San Francisco

Wir marschieren am Embarcadero entlang. Die Straßen sind in der inzwischen so überfüllten Touristenstadt noch leergefegt. Vereinzelt zeigt sich der ein oder andere Jogger, um Sauerstoff und Power für die Arbeit zu tanken. Das ein oder andere Restaurant ist neu und bringt uns bereits jetzt ein paar Alternativen für das Abendessen.

Am Pier 41 steht ein Fahrkartenautomat, der eher einem Stromkasten, denn einem modernen Roboter ähnelt. Wir kaufen die Tickets für die Angel Island Fähre (8 USD one way pro Person), die um 9:45 Uhr ablegt. Vorher suchen wir noch verzweifelt nach einem Frühstückslokal. Wir kennen zwar einige in dieser Gegend, aber die haben alle noch zu. Das Blue Mermaid im schönen Argonaut Hotel, ganz am Ende der Piers, hat die Pforten bereits geöffnet. Die Eier schmecken fantastisch. So gestärkt wandern wir weiter Richtung Golden Gate, die Brücke erstrahlt inzwischen im grellen Tageslicht, machen kehrt am North Point und gehen zurück zum Wharf.

Angel Island, die ein State Park ist, liegt in der Bucht von San Francisco. Sie ist die größte Insel der Bay und hat 57 Einwohner. Die stehen aber nicht am Strand, als wir nach 30 Minuten Überfahrt in der Ayala Cove ankommen. Wir haben herrliches Wanderwetter! Vorbei am Visitor Center führt nach 750 Meter eine Treppe an die Rundstraße, die Perimeter Road. Autos gibt es hier kaum und so gehen wir unbelästigt, auch von anderen Touristen, die Straße nach rechts Richtung Golden Gate Bridge. Erste herrliche Blicke auf Tiburon und Sausalito zeigen tolle, in den Hang gebaute Häuser. Nach zwei Kilometern schieben sich die Wolkenkratzer von San Francisco immer weiter ins Bild. Mehrere Aussichtspunkte, teilweise mit Bänken ausgestattet, laden zum Verweilen ein. Die Rundsicht ist gigantisch, die komplette Bay liegt uns zu Füßen. Von der Oakland Bay Bridge auf der linken Seite bis zur rechts gelegenen Golden Gate, mitten drin Alcatraz und im Hintergrund die Stadt, - einfach fantastisch!

Angel Island

Nach 4 Kilometern nehmen wir links die Fire Road und dann den North Ridge Trail hinauf zum Mount Livermore. Ausreichende 240m über normal Null; man muss sich nur um die eigene Achse drehen und das 360 Grad-Kino genießen. Buchten mit Sandstrand komplettieren die Kulisse. Schade, dass die Fährzeiten keinen Sonnenauf- oder Untergang zulassen. Wir verlassen den Mount Livermore nach Norden zurück zur Dock Arena. Es sind dann doch 9 Kilometer geworden.

Nach 9,5 Stunden sind wir zurück auf unserem Zimmer. Etwas müde, aber unsere Herberge hat einen Balkon. Da lässt es sich nicht nur gut rauchen, sondern auch erholen. Nach einem Bier an der Hotelbar wechseln wir in das Hotel-Restaurant. Der Rombauer ist noch genau so gut, wie vor ein paar Monaten, und das Essen war lecker. Am Ende mussten wir uns doch noch ärgern, weil der Ober unsere Gläser dermaßen vollschüttete, damit der Wein leer wird. An diese amerikanische Eigenart können wir uns nur schwer gewöhnen und manchmal, aber nur manchmal, sind die Kerle einfach schneller als wir.

Um 20 Uhr war Schicht im Schacht und 9 Stunden seliger Schlaf beginnt.

Donnerstag
San Francisco muss erwandert werden! So nehmen wir uns jedes Mal mindestens einen halben Tag Zeit, um kreuz und quer, links und rechts von der Marketstreet die Details dieser Stadt unter die Lupe zu nehmen. So soll das auch heute sein.

Kurz nach 7 Uhr brechen wir auf und finden ziemlich schnell das "Elephant Castle" (Ecke Clay / Front). Unkompliziert und gut, so das Fazit. Selbst den Kaffee kann man trinken. Unsere Stadtwanderung, einige schöne Hotels haben wir auch abgeklappert, um für die künftigen Aufenthalte Anregungen zu bekommen, endet im Apple Store. Ein gutes Trading-Programm 5 gegen 5S und selbst die alte Schale haben sie kostenlos ausgetauscht. Was man nicht alles tut, um die Verkaufszahlen zu steigern - Danke Tim Cook!

Am Lands Lookout nahe des Cliff House' ist der Ausblick nicht mehr so vielversprechend. Wolken haben das Blau des Himmels vollends verschwinden lassen. Auch egal, wir brechen von hier zu einem kleinen Küstenhike auf. Der Coastal Trail wird bereits nach wenigen Metern wieder verlassen. Es geht runter zu einer Aussichtsplattform zu den Sutro Bath. Auch der Arch Rock muss für Archhunter nochmal sein, keine Frage. Der Coastal Trail, auf dem wir uns nun wieder befinden, bietet wunderbare Perspektiven auf das Golden Gate und die gleichnamige Brücke. Auch bei dem inzwischen leichten Nebel sieht es cool aus. Am Ende biegen wir erneut links ab. Treppen erleichtern den Abstieg. Vom Strand aus steht der Eagle Point im Weg und nur ein kleiner Aufstieg dorthin bringt erneut tolle Blicke auf die einzigartige Golden Gate Bridge. Nach knapp vier Kilometern sind wir wieder am Auto. Die Hike-Abschluß-Zigarette am Parkplatz und der erneute Versuch, die Sitze der letzten Bank irgendwo zu verstauen. Letzteres scheitert! Auch gut!

Golden Gate Bridge

Als wir zum Abendessen ins "La Mar" am Embarcadero aufbrechen, sprüht der Himmel, leider nicht zu unserer Freude. Das peruanische Restaurant, respektive deren Weinliste und das Essen entschädigt. Alles schmeckt ganz ausgezeichnet. Auf dem Heimweg haben wir uns die illuminierten Lichter der Bay Bridge angeschaut, die uns die letzten Eindrücke für einen gesunden Schlaf bringen.

Freitag
Nach zwei wunderschönen Tagen verlassen wir San Francisco um 8 Uhr bei sonnigen 61 Grad. STOPP - Mel's Drive in ... wunderbar!

Obwohl Sacramento ja bekanntermaßen die Hauptstadt von Kalifornien ist, liegt sie jetzt fast leer und verlassen zu unseren Füßen. Ein paar Menschen treiben sich am Capitol und in der touristisch aufgepeppten Oldtown rum. Ansonsten sind viele Restaurants und Läden verwaist. Ein paar Fotos und ein Spaziergang durch die Oldtown. Das war mal wieder ganz nett, aber eigentlich nur ein Zeitfüller.

Sacramento

In Placerville ist da schon mehr los, vermutlich, da der Freeway akkurat hier zur kurvigen Bergstraße mutiert. Auf 7.000 Fuß sinkt das Thermometer auf 47 Grad Fahrenheit - endlich mal wieder Schnee, wie habe ich mir das gewünscht ;-). Als wir nach 193 Meilen South Lake Tahoe erreichen, ist es zwar alles andere als warm, aber der See ist nicht zugefroren, welch ein Glück im Mai. Wir fahren aber gleich weiter und besuchen noch die Hauptstadt von Nevada, Carson City. Das kann man getrost "in der Pfeife rauchen", was meistens auch für die Hauptstädte anderer US-Staaten zutrifft, aber die Fahrt dorthin ist wenigstens von schöner Landschaft begleitet.

Carson City

Bevor der Chevrolet Tahoe wieder an den Lake Tahoe kurvt, steuere ich eine Tanke an, die Luft anbietet; Luft für die Reifen versteht sich! Das Thema wird uns begleiten. Jetzt ist es so, dass die Kontrolle des Luftdrucks über das Menü zeigt, dass die unterschiedlichsten Werte ein etwas seltsames Fahrverhalten des Ungetüms verursachen. Ein Reifen ist schon mal von einem anderen Hersteller, was auch nicht das gelbe vom Ei ist. O.k., für Luft muss man in den USA bezahlen - gerne! Bei der Kontrolle des Profils stelle ich jedoch bereits jetzt nach ein paar Meilen fest, dass die Innenseite des linken Vorderreifens einen nicht mehr sehr frischen Eindruck macht. Wie gesagt, wir werden dieses Thema noch sehr zu spüren bekommen.

Das Inn by the Lake machte im Internet einen guten Eindruck, vor Ort sieht es aber nicht so toll aus. Es ist schon alt und abgewohnt und obwohl wir ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den See haben, ist es überteuert. Bowlingspieler sind wir nicht, aber die einzige Bar in Walking Distance ist die Bar im Bowling Center. Hier kommt man wenigstens mit den Hiesigen ins Gespräch und der Barkeeper verrät uns, dass 100 Meter weiter ein gutes Fischrestaurant sein soll. "Freshies" in der Lakeview Plaza ist nicht leicht zu finden, aber das hawaiiansche Essen überrascht und zwar äußerst positiv.

Samstag
Nach einem wunderbaren Frühstück im "Bear Beach Cafe" gleich neben unserem Hotel fuhren wir um 8 Uhr bei sonnigen 39 Grad Fahrenheit, ja richtig gelesen, los zum Mount Tallac. Nach nur 7 Meilen stehen wir am Anfang der Mount Tallac Road und dabei bleibt es auch, denn die ist gesperrt. Eine Meile zusätzlich bis zum Trailhead. Na gut, obwohl - mal 2 sind ja schon mal 3.200 Meter mehr. Nicht aufregen, ist ja alternativlos!

Am Trailhead steht eine Box, um eine Permit zu beantragen und sie sich selbst kostenfrei auszustellen. Ich frage mich sowieso immer, was das soll. Und überhaupt waren keine Formulare mehr drin. Also weiter, nicht aufhalten lassen von den Bürokraten! Ein wunderbarer Wanderweg führt nach oben auf eine Ridge, die eine herrliche Aussicht bietet. Unten der Fallen Leaf Lake, dahinter der Lake Tahoe, eingerahmt von hohen Bergen. Die Sonne scheint und wärmt uns ein wenig auf.

Mount Tallac

Es geht den Bergrücken entlang, gut eine Meile und dann hinunter, um Anlauf für den eigentlichen Aufstieg zu nehmen. Der Floating Island Lake mit dem Mount Tallac im Hintergrund sorgt für angenehmes Ambiente. Die Natur meint wohl, dass man zur Ruhe kommen soll, um die kommenden Höhenmeter mit Enthusiasmus zu bewältigen. Ziel erreicht, aber nur kurz, denn als wir den Wald verlassen, kommt der Schnee. In ein paar Spuren stampfen wir hinauf und als wir nach 3,6 Kilometern den Cathedral Lake erreichen, hat die Sonne den restlichen Schnee verräumt.

Ab hier wird die Natur weiter und gibt den Blick frei auf die Seen. Eine Gruppe Mädels versucht sich am Aufstieg, aber am ersten Schneefeld geben sie auf. Ein thailändisch aussehendes Gruppenmitglied beginnt zu beten und dankte Gott, für ihre Freunde und die schöne Landschaft. Bald ist die Baumgrenze erreicht. Leider wird der Trail auch steiler und so touristisch der Weg bisher war, wir kommen nun ins Hochgebirge. Das drückt sich auch in drastisch sinkenden Temperaturen aus. Über ausgedehnte Schneefelder erreichen wir den finalen, jedoch noch durchaus langen Anstieg zum Gipfel. Der Pfad verliert sich jedoch in Schneeverwehungen und wir versuchen unser Glück querfeldein. Jedoch sind die schneefreien Flächen nun mit gröbstem Schotter und mittelgroßen Steinen bedeckt.

Mount Tallac

Dieser Weg wird kein leichter sein, wir kommen nur zögerlich auf dem Untergrund voran. Ganz oben sind zwei Bergsteiger auszumachen, die über die Schotterpiste den letzten Kamm queren. Selbst aus dieser Entfernung ist ihnen die Mühe anzusehen. Nachdem wir Mitte Mai nicht mit diesen Temperaturen gerechnet haben, liegen unsere warmen Bergsteigersachen daheim. Alles haben wir angezogen, was wir dabei hatten, aber frieren trotz der Anstrengung. Ende Gelände, das macht keinen Sinn! Zurück marsch, marsch. Es muss nicht alles sein, zumal wir die grandiose Aussicht auch von tieferen Standpunkten aus schon hatten. Nach gut 5 Stunden erreichen wir wieder das Auto - Heizung an! Wir sind wirklich froh, dass wir uns aufwärmen können.

Der verbaute Nevada-Teil von South Lake Tahoe hat einen North Face Store, - wir kaufen uns warme Jacken! Hier in diesem Stadtteil ist die Hölle los. Zwar ist es schade oder gar unverzeihlich, wenn die Natur mit Casinos vollgepflastert ist, aber günstiger und schöner hätten wir wohl hier gewohnt. Als wir wieder auf unserem Zimmer sind, setzt Schneetreiben ein. Stürmischer Wind peitscht die Schneeflocken quer vor unserem Fenster vorbei. Rauchen auf dem Balkon wird schwierig und unangenehm. Gut, dass wir jetzt nicht auf dem Gipfel sind.

Nach einem Bier in der Sportsbar - ähm, ist Bowling ein Sport? -, gehen wir nochmal zu "Freshies". Das Essen war erneut fantastisch und insgesamt nicht teuer. Mittlerweile scheint wieder die Sonne, aber es ist immer noch saukalt und an den Berghängen sieht man, dass es ziemlich geschneit hat. Wieso fällt mir jetzt das Lied "Winter in Kanada" ein; habe ich eigentlich Schneeketten im Auto?

Sonntag
Die Balkontüre war heute Nacht offen, ich habe Reif auf der Nase. Heizung an, - in diesen Gefilden ist so was Gott sei Dank vorhanden. Draußen ist schönstes Wetter, aber das Thermometer zeigt nur 31 Grad, also unter 0. Und die Deppen haben die Rasensprengung nicht abgeschaltet, so dass die Gehwege vor dem Hotel, dort, wo das Wasser über das Grün hinaus schoss, vereist sind. Was ist heute? 11. Mai? Aha!

Nach dem Frühstück verlassen wir "Sibirien" und fahren nach Ely. Auf dem Sooner Summit, 2.178 Meter, frischer Schnee und nach wie vor eisige Kälte. Selbst die Zigarettenpause fällt schwer. Austin, nicht in Texas, sondern Nevada, ist kein Ort, in dem man leben möchte. Auch Eureka ist nicht besser. Aber der Werbeslogan, der am Ortseingang steht: "The friendliest town on Americas loneliest highway", stimmt! An der Tanke war zwar der Kaffee ausnehmend schlecht, aber die Leute, die schon etwas "gewöhnungsbedürftig" aussahen, waren sehr freundlich. Immerhin!

Great Basin NP

Wir durchqueren auf der US 50 ein Tal nach dem anderen und unser Tahoe steigt dann kommentarlos auf die umliegenden Gipfel; der Connors Pass ist mit 2.353 Metern der höchste. Nach knapp 6 Stunden, 347 Meilen, erreichen wir Ely. Na ja, Las Vegas ist es nicht, Escalante könnte jedoch dem Vergleich Stand halten. Mir fällt wieder der Spruch mit "tot über den Zaun hängen" ein. Das La Quinta Inn ist aber nicht schlecht, also zumindest im Rahmen des Ambientes, das das Dorf verbreitet.

Es geht weiter zum Visitor Center des Great Basin Nationalparks. In solche Rentnerzusammenkünfte gehen wir kaum, aber nachdem die umliegenden Berge auch schneebedeckt sind, wollen wir uns über die Straßenverhältnisse erkundigen. Erstes Ziel, noch heute, soll der Mount Wheeler mit seinen Viewpoints und eine Gipfelwanderung sein. Das junge Mädel schämt sich, wird rot im Gesicht - vielleicht ja auch von der Kälte -, konstatiert aber, dass ab Lehman Campground, und das ist noch ziemlich unten, die Straße auf den Wheeler gesperrt ist. O.k., an einen schönen Nachmittag in Ely ist nicht zu denken, deshalb beschließen wir, uns die morgige Strecke zum Lexington Arch anzusehen. Wieso wird die jetzt noch röter im Gesicht? Die Dirtroad zum Arch-Trailhead ist nicht mehr befahrbar, sie wurde weggeschwemmt und wann sie wieder offen ist, steht in den Sternen. Auf die Frage hin, wie viele Meilen es von der Stelle bis zum Arch sind, schätzte sie rund 10 Meilen, - also zwanzig Meilen insgesamt. Vergiss es!

Schneider sind fleißige Leute, - eine Schneiderfahrt ist eine unnötige Fleißaufgabe. Also fahren wir zurück zum Hotel und checken ein. Mangels Alternativen (nur McDonalds und Arby's), kaufen wir uns im Supermarkt nebenan Sandwiches, Tomaten und Cookies. Das war der Höhepunkt des Tages, kaum zu glauben!

Montag
Im Tagebuch steht: Fritz hat eine Sauerei im Frühstücksraum vollbracht! Ach komm', zwei Quadratmeter Kaffee. Zu meiner Verteidigung ist anzubringen, dass ich nichts, aber auch gar nichts dafür kann. Ich nehme mir diesen heimeligen Styroporbecher, gieß' Kaffee ein und wundere mich schon, warum das Teil in meiner Hand immer leichter wird. Bis die Schlussfolgerung in meinem alten Hirn verarbeitet wurde, war es zu spät, es war kein Kaffee mehr im Becher. Bin ich nun Copperfield? Nein, der Becher hatte einfach unten ein Loch. Ich an die Rezeption, vermutlich war heute mein Gesicht rot, und die junge Dame kam mit Lumpen und Wasser - danke! Um 7:40 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Las Vegas, Gott sei Dank!

Als wir bei plus 4 Grad Celsius über die US 6 nach Süden fahren, bleibt die lehrreiche Erkenntnis, dass es in Nevada nicht nur Wüste gibt. Urlaub nördlich des 40sten Breitengrades ist hier im Westen im Frühjahr immer riskant. Die hohen Berge versetzen den so als sonnig und heißt gekannten Staat in eine eisige Winterkulisse, selbst im Mai. Aber es scheint die Sonne vom strahlend blauen Himmel im Great Basin und Meile für Meile klettert auch das Thermometer. Die Gipfel werden von Hügeln abgelöst, Natur pur, ansonsten gibt es hier nichts. An der Kreuzung der 318er mit der US 95 setzt sich der Wüstenwind massiv in Bewegung und zaubert immerhin 63 Grad Fahrenheit in die Luft.

Die Interstate 15 zeigt insbesondere von Norden kommend immer wieder ein eindrucksvolles Bild. Myriaden von Sand- und Staubpartikel ziehen unten durch das Tal, in dem Las Vegas nun fast wie eine Geisterstadt wirkt. Erst als der Verkehr nach Apex zunimmt, zeichnen sich die Casinos immer klarer vor dem Hintergrund der Spring Mountains ab. Obwohl wir erst zum Jahreswechsel einige Tage hier verbracht haben, ist es immer wieder ein schönes Gefühl zurückzukehren.

Da wir noch sehr früh dran sind, fahren wir zuerst ins Premium Outlet am Charleston Blvd.. Welch ein Kontrast, - heute früh die Einsamkeit und jetzt treten sich die Menschen fast auf die Füße. Das Angebot war auch schon mal besser und so ziehen wir ziemlich bald wieder ab. Nächster Stopp ist der Best Buy. Ich habe mir ein neues GPS-System gegönnt. Es hat alles wunderbar geklappt, zuhause noch bestellt und an die Filiale liefern lassen. Und damit wir jetzt sauber ankommen, lassen wir den Tahoe noch durch eine Waschanlage. Es ist zwar erst 14 Uhr, aber wir versuchen unser Glück im Bellagio und tatsächlich können wir schon einchecken. 19. Stock im Spa Tower mit Blick auf den Fountain, was will man mehr.

Wir schlendern nun bei sehr angenehmen 26 Grad Celsius durch Las Vegas. Unser kleine Runde führt zum neuen Riesenrad, The Linq. Die kleine Geschäftsstraße wurde nett gestaltet, aber 34,95 USD und dafür 30 Minuten in einer Riesenrad-Kabine stehen, sparen wir uns. Das Cromwell Hotel ist mittlerweile auch fast fertig. Wenn man über das Casino der ehemaligen Bill 's Gambling Hall in die Empfangshalle geht, riecht es aber leider immer noch etwas streng. Hinter dem proppenvollen Pool des Flamingos entdecken wir ein relativ neues Hilton Grand Vacation, das zumindest im Eingangsbereich und von außen sehr einladend aussieht.

Nach dem Duschen gönnen wir uns zwei Bier an der Shadow Bar im Caesars und gehen anschließend zum Essen ins Spago. Das Futter war wie immer sehr gut und auch der Ramey hat wunderbar geschmeckt. Es war nicht viel los im Lokal und entgegen der Erkenntnis vom Outlet, scheinen doch noch nicht so viele Touristen dazusein. An der Baccara Bar im Bellagio gab es noch einen kleinen "Schlürschluck".

Der Vorhang bleibt offen und so begleitet uns die Glitzerstadt in einen seligen Schlaf. Good night Las Vegas!

Las Vegas

Dienstag
Wir versuchen inzwischen immer, den Jetlag hinauszuzögern, denn nicht nur "der frühe Vogel fängt den Wurm", sondern die Natur ist besonders schön, wenn sie ins frühe Morgenlicht getaucht wird. Und jetzt, als die Sonne über den Dächern von Las Vegas aufgeht, liegt auch die ansonsten so hektische Stadt friedlich da. Kaum ein Auto, kaum ein Mensch, bevölkern den Strip. Zeit, um nach dem Frühstück im Café Bellagio zu einem Hike aufzubrechen, der seit Jahren auf unserer Liste steht: Der Goldstrike Canyon!

Es geht nach Süden zur US 93 und beim Hacienda Casino am Exit 2 geht es ab. Wir biegen gleich rechts ab. Das Schild "Goldstrike Canyon" weist uns weiter nach links und nach kurzer Fahrt auf ungeteertem, aber PKW-tauglichem Terrain sind wir am Parkplatz und Trailhead. Hier ist jetzt schon einiges los und wir sind alles andere als alleine, als wir in den Canyon aufbrechen. Diese schöne Wanderung, es geht moderat bergab, führt uns erneut vor Augen, welch tolle Hikergebiete esrund um Las Vegas gibt.

Nach zirka 1,5 Kilometer wird der Canyon langsam enger, es gibt einige kleine Steinbögen auf den Felswänden. Und dann der erste, noch trockene Fall; wir umklettern ihn links ohne Probleme. Nach 2,4 Kilometer eine weitere, jedoch kleine Klettereinlage. Mit Hilfe eines Seils geht es nach unten, abenteuerlich, aber noch nicht herausfordernd. Rechts, an der Wand des Canyons sprudelt heißes Wasser aus dem Felsen. Ein kleines Becken könnte als Badewanne dienen, aber es ist sowieso "gesund" warm, so dass wir das bleiben lassen.

Goldstrike Canyon

Nach der 4. Seilpartie wird es heftig, für uns jedenfalls. Selbst die jungen Mädels und Burschen haben Probleme, meistern die Stelle nicht ganz unbeschadet, - ein paar Kratzer hier und wunde Hände da, etwas Blut darf es dann schon sein. Handschuhe wären nicht schlecht, aber mädchenhaft, gell! Und so stehen wir da und beobachten, ringen mit einer Entscheidung und als dann eine Gruppe Jungs massive Probleme beim Aufstieg hat, einer quält sich durch einen kleinen Wasserfall, wird das ungute Gefühl verstärkt und mahnt uns zur Umkehr. Was soll 's, wir sind am Anfang unseres Urlaubs, no risk! But no fun, too! Es wurmt, es ärgert, verdammt, vielleicht hätte man doch ... ? Insbesondere, weil die Aufstiege auf dem Rückweg dann so einfach waren - komm', das weiß man doch, dass es bergauf immer besser geht - wird der Ärger noch verstärkt. Also gut, vorbei! Nach 3 Stunden für 7,5 Kilometer waren wir zurück am Auto. Kleine Trainingseinheit in Vorbereitung auf das Abendessen.

Goldstrike Canyon

Nach einer notwendigen und erfrischenden Dusche landen wir in den Canal Shops im Venetian und im Palazzo Tower. Sehr schön, - kein Seil und Haken, sondern nur eine Kreditkarte notwendig.

Wir reservieren für morgen Abend im "Sensi" und schwingen uns in ein Taxi, das uns zum alten Strip fährt. Ich hatte nicht mehr in Erinnerung, dass das so weit war, der Fahrpreis zeigt es jedoch. Jetzt sitzen wir im Golden Nugget an einer Nichtraucherbar und genießen ein Bier. Die Niederlage im Goldstrike Canyon wird nicht mehr thematisiert, gut so! Es zieht uns weiter zur Livemusik in die Rush Bar. Hey super, alles was so die 60er und 70er Jahre hergaben. Und dass das gute Musiker waren zeigt auch, dass sie das spärliche Publikum gefragt haben, was sie spielen sollen. Und woher seid ihr? Germany! Was wollt Ihr hören? Mark Knopfler! Und dann hat der das Gitarrensolo von Sultans of Swing hingelegt, es war eine wahre Pracht.

Das Abendessen im Charthouse war fantastisch, Tuna Shrimps, Mahi, selbst der Cheesecake war gut, aber viel zu groß. Das Nichtstun, far niente, ist herrlich und so heißt auch der Wein, den wir sehr genossen haben. Zum Abschluss staunen wir nicht schlecht, was hier am alten Strip los ist. Livemusik, Lightshow, man kann schön sitzen - eine nette Abwechslung -, jedoch kommt dann so ein Abend schon recht teuer, wenn man die 50 Dollar Taxi einrechnet.

Mittwoch
Nach dem üppigen Cheesecake gestern Abend lassen wir das Frühstück ausfallen. Schade, dass es in Las Vegas in den meisten Hotels keine Kaffeemaschine auf dem Zimmer gibt. Ich marschiere runter zu Starbucks, aber da wäre ich wohl eine Stunde gestanden. Also fahren wir halt nüchtern in den Red Rock Canyon, zwei Wanderungen warten.

Die Flamingo Road bringt uns auf die Spur, über die Interstate 215 Nord am Exit 26 treffen wir auf den Charleston Blvd., der uns zum State Park führt. Mit 7 USD ist man dabei und nach 21 Meilen erreichen wir unseren Trailhead am Sanstone Quarry. Wir waren erst vor 4 Monaten hier, als wir den Elendshike auf den Turtlehead Mountain gegangen sind. Der Parkplatz ist genau so voll.

Der Weg geht durch die Wash und biegt dann nach rechts in die Felsen ab. Wir sind mitten in den Calico Hills. Rot und Gelb wechseln sich ab, mischen sich, wachsen zusammen. Es geht vorbei an Brain Rocks und roten Wänden, an denen sich zwei junge Kletterer üben. Der Trail ist gut zu finden und wunderbar gewartet. Teilweise sind Treppen eingeschlagen, die Steigungen sind sehr moderat. Obwohl, so kurz vor dem Ziel geht es über ziemlich losen Sand rechts hinauf. Nach knapp 2 Kilometern sind wir oben an den Calico Tanks. Wasser ist nur noch spärlich vorhanden und das Highlight liegt auch ein paar Meter weiter. Wir nehmen noch eine kleine Felsenwand an der Südostseite und genießen anschließend einen herrlichen Blick auf den Red Canyon und Las Vegas. Netter Hike, knapp 2,5 Meilen!

Calico Tanks Red Rock Canyon

6 Meilen weiter steht unser Tahoe jetzt am IceBox Canyon Trailhead. Ein sichtbarer Pfad führt durch die Wüstenlandschaft in Richtung Südwesten in die Berge. Die Sandstone Bluffs sind durchaus mächtig und das wird uns bewusst, als wir im IceBox Canyon angelangt sind. Mitten in der Wash geht es über einen Boulder nach dem anderen hinauf. Die Steinquader werden immer größer, der direkte Weg ist meistens der beste. Hier hört man die Stimmen aus den aufragenden Wänden - die Kletterer sind unterwegs. Dort, an dem die Wash zu einem rund 40 Meter hohen Wasserfall mutiert, Wasser gibt es leider nur von Januar bis März, und nur der Mutigste noch weiter kann, ist die Eisschachtel. Angenehm kühl? Na ja ...

Icebox Canyon

Ich erklimme den ersten Absatz, mache ein paar Fotos und schiele dann in die Tiefe. Runter, ja klar, muss ich wohl, aber wie? Mit viel Mut und am Ende mit etwas Harakiri, etwas Glück und ziemlich erleichtert stehe ich nun wieder auf "friedlichem" Terrain. Oben trauen sich ein paar Unmutige nicht mehr weiter, ein Hund ist auch dabei. Er zögert und wagt es dann doch. Gejaule und Blut, und nun völlig verängstigt, hat er wohl das Gefälle etwas unterschätzt. Die blutige Pfote musste er nicht mehr benutzen, denn sein Herrchen hat ihn tragend durch die Boulder wieder sicher zum Trailhead gebracht. Den haben wir nach knapp 3 Meilen auch wieder erreicht. Das war ein spannender Hike, keine Frage. Blutdruck normal!

War da nicht was mit dem Frühstück? Oh ja, wir sind noch nüchtern. Und da kommt uns so ein kleiner Subway wie gerufen. Diese Pause tat gut. Dann duschen und Shopping, - und zwar in dieser Reihenfolge. Das Fashion Island lädt zu einem Bummel ein.

Vor dem Abendessen nehmen wir einen Drink an der Hyde Bar, aber das ist nicht mehr so schön wie früher als das Lokal noch die Fontana Bar war; nur noch teurer und Touristen-Abzocke mit ein wenig viel Schickimicki. Sehr gut, aber auch etwas überteuert, war es im Sensi. Zwei schöne Tage in Las Vegas gehen zu Ende. Morgen geht es nach Moab.

Donnerstag
Dieses Mal hat die Geduld für Kaffee und Zimtschnecke gereicht und so verlassen wir Las Vegas bei angenehmen 82 Grad nicht mehr nüchtern. Die Interstate 15 führt uns durch Baustellen und durch die Wüste. Die kleine Pause in Cedar City, inzwischen sind wir in Utah und verlieren eine Stunde, wäre nicht der Rede wert, außer dass das Sandwich aus dem Walmart direkt wieder in die Mülltonne wandert. Es war einfach nur hässlich und ungenießbar!

Die Rockies erwarten uns, als die Interstate 70 beginnt und über die Tushar Mountains führt. Einsam spulen wir Meile für Meile herunter. Salina ist das letzte Anzeichen menschlicher Zivilisation und dann 110 Meilen lang nichts. Erst als Green River immer näher rückt, rechts die gelben Felsen der San Rafael Desert an den Seitenscheiben vorbeiziehen, sind wir im so geliebten Canyonlands. Die 191 nach Süden führt uns über den Colorado River nach Moab. Kurz nach dem Fluss wird schon wieder ein neues Hotel gebaut, die Straße rauf zum Sunset Grill ist nun endlich neu geteert - wurde auch Zeit - und das Best Western Greenwell Inn ist neu renoviert. Als wir im BW Canyonlands Inn einchecken, fällt auf, dass die Frühstücksterrasse noch einmal vergrößert wurde. Das ist inzwischen ein durchaus angenehmes Highlight am Morgen, es wirkt sehr einladend.

Das Zax wartet und wir machen es uns an der Bar gemütlich. Nach einem Verdauungsspaziergang wird es Zeit, denn morgen steht ein Powerhike auf dem Programm.

Freitag
Der Wecker klingelt um 6 und bereits um 7 Uhr düsen wir nach Süden zum Canyonlands Nationalpark in den Needles District. Nach 80 Meilen, die in 90 Minuten zu schaffen sind, parken wir am Elephant Hill und sind inmitten dieser faszinierend roten Landschaft gefangen.

Nach Süden geht der Trail zum Chesler Park hoch, wir nehmen aber die Jeeproad nach Nordwesten. Es beginnt gleich mit einem namhaften Anstieg, aber alles ist noch frisch und die Beine spuren. Bald wird es flacher und es geht wieder bergab in den Elephant Canyon. Wir wandern durch diese erstaunliche Landschaft und erblicken nach rund 5 Kilometern die ersten Needles; einfach schön. Wir sind in der Devils Pocket und machen die erste Pause. Die Kulisse ist einzigartig, rote Felsen rahmen saftig grüne Wiesen ein und im Hintergrund stehen die Spitzen der Needles wie die Wächter dieser großartigen Natur Spalier.

Canyonlands NeedlesCanyonlands Needles

Weiter geht es nach Westen zum nächsten Canyon, der Devils Lane. Ein Teppich aus Gras und schneeweißen Blumen, eingerahmt von roten Felsen und Wänden, führt uns durch dieses Tal. Die Orientierung wird hier trotz GPS etwas "tricky", die Jeeproad führt links und rechts den Canyon entlang, jedoch unsere Wanderrichtung gerade aus mitten auf eine rund 5 Meter hohe Felswand zu. War es das oder wie? Als wir an der Felsenmauer ankommen, suchen wir leider vergeblich den Aufstieg. Der versteckt sich nämlich - man orientiere sich rechts - hinter großen Büschen und es dauerte seine Zeit, bis wir ihn gefunden haben.

Canyonlands NeedlesCanyonlands

Als wir oben stehen und zurück auf die Blumenwiese blicken, haben wir bereits das angenehme Gefühl der Einsamkeit. Es ist aber keine Zeit für Sentimentalitäten, es geht weiter voran, bergauf und wieder runter, auf in den nächsten Canyon. Der Pfad ist gut markiert. Viele Cairns, manche sind echte Kunstwerke, geben eine wunderbare Orientierung. Ein Durchbruch führt uns hinab in den Cyclon Canyon. Blumen soweit das Auge reicht. Eine kleine Wash passieren und dann geht es rechts hoch durch riesige Quaderfelder, The Grabens.

Nach 9 Kilometer sind wir im Red Lake Canyon, den wir erneut queren. Von Wiesen und Blumen gibt es hier kaum eine Spur. Die canyonbreite Sandwash hat alles zugedeckt, die Natur wird rauer. Nachdem wir die kleine Wüste überquert haben, finden wir mühelos den Ausstieg und steigen auf zu den immer grauer werdenden Felswänden des Lower Red Lake Canyons. Teilweise geht es rechts des Pfades weit über 100 Meter senkrecht in die Tiefe. Ein Zwischenplateau bringt uns jedoch sehr sicher und ohne Höhenangst weiter.

Canyonlands Needles

Nach 11 Kilometer stehen wir erneut auf einem Plateau und können ganz in der Ferne den Colorado River erkennen. Das ist unser Ziel. Es geht sehr rasch in Serpentinen eine Scharte hinunter. 1,2 Kilometer sind es, bis wir am Canyonboden ankommen. Ich denke bereits an den Rückweg und eigentlich graust mir jetzt schon vor diesem Aufstieg. Wir folgen der Wash, umgehen etliche Dryfalls nach links und nach 14,5 Kilometer sind wir in 4 Stunden und 10 Minuten an unserem Ziel.

Canyonlands Needles ColoradoCanyonlands

Die Füße brennen schon etwas und es wäre schön, wenn das Wasser des Flusses etwas Kühlung verschaffen könnte. Es gibt aber leider keine geeignete Stelle, an der wir die Beine ins Wasser halten könnten. Viel Buschwerk verschließt den Zugang zum majestätisch dahingleitenden Colorado River. Neben einem großen, bunten Kaketeenfeld machen wir eine verdiente Pause und sind uns einig: Die Wanderung durch die zahlreichen Canyons war das Ziel und das Highlight. Ein wunderbarer Hike, aber wir haben leider erst die Hälfte geschafft und so mahnt die noch zu bewältigende Entfernung zum Trailhead zum Aufbruch.

Der Startschuss knallt schnell und er kommt unvermittelt und spätestens als wir über das Zwischenplateau den Ausstieg aus dem Lower Red Lake Canyon angehen, wird aus einer Wanderung eine sportliche Herausforderung. Die Natur verblasst, sie tritt in den Hintergrund und weicht dann gänzlich der Suche nach den GPS-Punkten, an denen wir auf dem Hinweg Wasserflaschen gebunkert haben. Wir hangeln uns von Canyon zu Canyon zurück. Immer wieder bleiben wir stehen, nicht, um die Natur erneut zu bewundern, sondern um die Hände auf die Knie zu nehmen und mit dem Gesicht nach unten die letzten Kraftreserven zu mobilisieren.

Als wir den letzten Aufstieg aus dem Elephant Canyon angehen, treffen wir auf zwei Offroad-Vehikel, die die Luft verpesten und uns aufhalten. Das Ziel, die zwei Fahrzeuge zu überholen gelingt uns auf dem letzten Plateau. Die hatten eine Brotzeit und kühle Getränke dabei; wie habe ich mir gewünscht, dass sie uns etwas angeboten hätten. Und dann hoffte ich nur noch, dass sie Durchfall von dem kalten Zeugs bekommen.

Die Tränen standen mir fast in den Augen, als wir endlich unseren Tahoe erblickten. Die Vorfreude auf das Ende und einen kühlen Eistee war groß und überwältigend. Und nach 4,5 Stunden Rückweg, insgesamt waren es gut 29 Kilometer, rauscht das Zeugs nur noch so in unsere Mägen. Ich sitze da, um mich herum ist es ruhig, rauche eine Zigarette und bin froh, dass wir es geschafft haben.

Zum Abendessen gibt es nur noch ein Sandwich bei Subway, wir sind total fertig!

Samstag
Heute Nacht war die Jugend von Moab unterwegs, es war ziemlich laut. Sagt zumindest Monika, ich habe nichts, aber auch gar nichts mitbekommen. Als wir bei sonnigem Wetter auf der Terrasse frühstücken, naht der Abschied von Moab und seinen Canyons. Wir machen uns auf nach Colorado.

Über die Lasal Junction geht es nach Osten. Hier ist es dann vorbei mit den roten Felsen. Durch den Manti-Lasal National Forest erreichen wir das Paradox Valley und fahren dann entlang des Dolores River nach Norden. Eine echte Bergstrecke, sie erinnert uns an Südfrankreich, und jetzt wäre ein Motorrad recht. Als wir an unserem vermeintlichen Trailhead zum Juanita Arch ankommen, müssen wir leider trotz intensiver Suche feststellen, dass der Fluss zu viel Wasser hat und nachdem wir auf die andere Seite müssten, war es das auch schon mit der Wanderung.

Mitten in der Pampa startet ein Hubschrauber. Er fliegt wohl einen Golfer aus dem exklusiven Hotel Gateway Canyons. Ein bombastisches Anwesen, zumindest von außen. Und als wir auf dem Weg zur Highway 50 sind, werden die Berge schroffer und felsiger und dann wieder rot. Über Grand Junction erreichen wir das Colorado National Monument.

Am Trailhead der "Küche des Teufels" ist gerade noch ein Parkplatz frei. Wir nehmen den kurzen und sehr touristischen Weg nach Süden. Aber wir haben Glück, denn die Massen sind offensichtlich gerade auf dem Rückweg. Und so sind wir nach knapp einem Kilometer alleine und stehen nun inmitten der roten Felswände, die sozusagen die Wände der Devils Kitchen bilden. Der Blick in die Weite ist ein Genuss; eine nette Lokation für wenig Aufwand.

Devils Kitchen

Es geht hinauf nach Glade Park. Ein kleiner Zwischenstopp am oberen Ende des Serpents Trail, denn links unten liegt der nicht sehr fotogene Culvert Arch und dann sind wir bald oben auf dem Plateau. Hier beginnt alles am Glade Park Store. Diese zentrale Schaltstelle der mit Buchstaben bezeichneten Roads ist sozusagen das Leuchtfeuer, von dem aus die einzelnen Trails mit dem Auto angefahren werden. Es ist wenig los, die touristischen Massen bleiben alle im National Monument - gut!

Der Teer hat sich bald verabschiedet, aber die Dirtroads sind gut gepflegt und bereiten keinerlei Schwierigkeiten. Die GPS-Daten des Battleship Rock und des Eleven Road Arch sind an Bord, aber wir wissen, dass beides auf privatem Land steht. Nach kurzer Überlegung lassen wir es bleiben. Es fehlt zwar jeglicher Warnhinweis, aber es muss ja nicht sein. Wir erreichen den Shield Arch, der bereits von der Straße aus gut zu sehen ist. Aber das genügt uns natürlich nicht, so dass wir die Flip-Flops gegen die Turnschuhe tauschen und uns auf den kurzen Weg machen. Querfeldein wandern wir Richtung Felsen, es ist gerade einmal eine zehntel Meile. Der Steinbogen klebt am Felsen, ziemlich symmetrisch steht er da und er ist groß.

Shield Arch

Nach einem Blick auf die Uhr beschließen wir, für heute Schluss zu machen und fahren in unser Hotel. Das Hampton Inn in Grand Junction hat auch schon bessere Tage gesehen, aber hier an der West Main Street lässt sich gut wohnen. Eine Brewery und einige durchaus gute Restaurants finden sich in Fußreichweite. Nach der Brewery sitzen wir nun in der Winery. Das Essen war schon ok, aber überteuert.

Sonntag
Heute Nacht hatten wir Pech mit den Nachbarn über uns. Es ist unglaublich, was für einen Lärm manche Leute machen können. Die Rücksichtslosigkeit ist aber nicht nur in den USA ein inzwischen ärgerliches Problem. Beim Frühstück wird alles klar, - eine Mädchen--Fußballmannschaft hat hier genächtigt und das Buffet ist bereits ziemlich leergeräumt.

Wir fahren den Broadway, es ist die CO 340 West, 12 Meilen und die Kings View Road zur Horsethief Canyon State Wildlife Area. An einer Station mussten wir einen Zettel ausfüllen mit Namen, Adresse, Autonummer etc., etc.. Ein paar Meter weiter ist der von uns recherchierte Trailhead, der uns zu den Ute Canyon Arches führen soll. Leider hat der Kommerz zugeschlagen, der Zugang ist inzwischen privat. Wir fahren zurück zum naheliegendsten Trailhead und stehen nun bei strahlendem Sonnenschein am Pollock Bench Trail.

Der P1 Trail führt moderat nach oben, immer weiter dem Pollock Canyon entgegen. Links bauen sich die imposanten Felsen auf und rechts unten fließt der Colorado ziemlich gemächlich, fast gleichgültig, dahin. Nach 2,5 Kilometer folgen wir dem Schild Pollock Bench - Rattlesnake Canyon. Ja, wer die Offroadfahrt zum Rattlesnake scheut, der kann von hier aus per pedes zu den einzigartigen Steinbögen gehen. Wir bleiben jedoch auf der Pollock Bench. Atemberaubende Blicke in diesen gewaltigen Canyon sind inklusive. Gigantische Alkoven lassen erahnen, welch wahnsinnige Felsentore hier entstehen.

Pollock CanyonPollock Canyon

Als wir nach 3,25 Kilometer am Umkehrpunkt des Loops angekommen sind, sind "The Windows of Pollock Bench" auszumachen. Wir versuchen einen Abstieg in den Canyon zu finden, um dieser Natur noch näher zu kommen, aber leider vergebens. Der Rückweg oben am Rücken der Bench ist nicht so spannend, es geht durch Büsche und man hat bei weitem nicht die Aussicht. Insgesamt waren wir 12 Kilometer unterwegs, eine schöne und leichte Wanderung, - empfehlenswert.

Nächster Stopp ist erneut Glade Park. Kurz nach dem Milemarker 15 auf der DS Road steht rechts die tolle Ela Natural Bridge. Wir parken an der Straße, direkt vor einem Gatter aus Stacheldraht, öffnen es und lassen uns nicht mehr aufhalten, obwohl anzunehmen ist, dass es sich auch hier um privates Land handelt. Wir gehen den gut sichtbaren Feldweg weiter, immer der schönen, ziemlich isoliert stehenden Felsformation entgegen. Nach 350 Metern beginnt der Sumpf, der bei dem momentanen Wasserstand nicht zu passieren ist. Aber die Sicht auf die Naturbrücke ist trotzdem gut und fantastisch. Die umliegende Felsenlandschaft erstrahlt in weiß und gelb und rot.

Ela Natural Bridge

Wir fahren diese Straße weiter zur S 9 8/10 Road, - wer lässt sich nur solche Namen einfallen? Ein Parkplatz mit Picknicktischen ist gleichzeitig der Trailhead zum Miracle Rock, der aufgrund seines Aussehens auch Kartoffelfelsen, Potato Rock, genannt wird. Ein Pfad führt den Berg hinauf, es sind nur 600 Meter. Und da steht er dann, dieser Balanced Rock. Gelber Stein, zirka 10 Meter hoch, versucht die Waage zu halten, um nicht ins Tal zu stürzen. Von hier oben sind die Rundblicke wunderschön und allemal den kurzen Aufstieg wert. Die Landschaft ringsum ist wirklich außergewöhnlich. Die Felsen sind schön geformt, so riesig und wirken doch so weich und rund. Auch die unzähligen Alkoven, die das Wasser in Millionen von Jahren geschaffen hat, unterbrechen die glatt geschliffenen Felsenwände und wirken oft wie überdimensionale Augen, mit denen die gelben und roten Felsen neidisch in die grünen Hochebenen schauen.

Miracle Rock Potato Rock

Wir essen im Bistro Italiano, das einzig authentische waren die Grissini. Und dann war da noch der Magnetstreifen der Zimmerkarte, der nun schon das zweite Mal ihren Dienst versagte. Auch wenn das Mädel an der Rezeption meint, dass man die Teile nicht zusammen mit einem Handy in die Tasche stecken sollte, - bei anderen Hotels hatten wir noch nie Probleme. Vielleicht doch chinesische Billigware, Paris braucht Geld?

Montag
Heute Morgen war schon kurz vor 6 Uhr Schluss mit dem Schlaf. Also brechen wir nach dem nicht sehr guten Frühstück hier bei sonnigen 70 Grad auf und fahren erneut zum Pollock Bench Trailhead. Wir versuchen, über den East Pollock Branch Trail näher an das Pollock Double Window ranzukommen.

Wir starten den gleichen Trail wie gestern und bei 2,55 Kilometer nehmen wir den Abzweig nach rechts zu den Rattlesnake Arches. Nach 2,8 km geht es gerade aus zum Trail R1 und dann runter in den Canyon. In Serpentinen tasten wir uns über blanken Felsen nach unten. In der Ferne sieht man Wohnungen mit Garage, die in die Felsen gebaut sind. Krieg der Sterne oder wie? Sieht auf alle Fälle spacig aus. Auf einem Zwischenplateau machen wir Pause, sitzen in den roten Felsen und staunen. Die Kulisse ist grandios! Man kommt sich in den gigantischen Felswänden ziemlich klein und unbedeutend vor.

Pollock Canyon

Der zweite Teil des Abstiegs führt über Felsen, er ist ziemlich steil, aber wenn man trittsicher ist, kein großes Problem. Unten am Canyonboden wird es wieder eine absolut relaxte Wanderung. Der gut sichtbare Pfad führt über Wiesen durch die Schlucht. Nach 5,2 Kilometer verabschiedet sich der Trail nach oben. Dies wäre der Ausstieg aus dem Pollock Canyon, der weiter zum Rattlesnake führt. Wir verlassen hier aber den Trail, bleiben also sozusagen im Canyon, und steigen hinunter in die Wash. Bald kommt die Kreuzung, an der sich der Pollock Canyon in seinen East und West Zweig teilt. Wir nehmen die Wash nach links, na ja, eigentlich geht es fast gerade aus, - den East Branch.

1,13 etwas härtere Kilometer geht es durch ein teilweise enges Flussbett. Nicht sehr angenehm zu gehen, immer wieder Sand und Fels, der überwunden werden muss. Auch ein paar Gumpen mit etwas Wasser erfordern den ein oder anderen Schlenker. Aber die Belohnung folgt bald. Dort, wo sich der Canyon wieder weitet, wartet eine wunderschöne Landschaft. Wir steigen nach rechts aus der Wash aus und gehen querfeldein über eine saftige Wiese. Das Grün leitet uns an massiven und hohen roten Felswänden vorbei. Die Orientierung bleibt der Canyon.

Pollock Canyon

Nach 7,1 Kilometer treffen wir auf den Rest einer Zivilisation. Eine alte Hütte steht mitten in dieser Wiese. Innen zeugen ein alter, verrosteter Ofen und ein Regal mit Geschirr davon, dass es wohl noch nicht so lange her ist, dass jemand hier wohnte. Just bei dieser Hütte queren wir die Wash auf die linke Seite und steigen hoch. Grund ist, dass der Canyon durch einen Dryfall "verschlossen" wird. Der dunkle Stein dieser Wand lässt annehmen, dass sich hier Lava festgesetzt hat.

Gott sei Dank finden wir wieder einen Trail, der sogar mit Cairns markiert ist. Hier oben ist es einfach wunderschön, ein kurzes Stück den Trail entlang sind glitzernde Quarzsteine zu finden. Sie funkeln in der Sonne. Der Weg führt durch Juniperbäume und wenn man zurückblickt, sieht man in den tollen Canyon und sogar bis auf die Interstate. Irgendwie gibt dieser Blick in die Zivilisation subjektiv Sicherheit und man kann die Einsamkeit hier beruhigter genießen.

Nach 7,6 Kilometer überqueren wir eine von links kommende Wash und gehen querfeldein halb links nach oben. Nach 8 Kilometern sieht man auf der rechten Seite zuerst den Alkoven und dann schieben sich "The Windows of Pollock Canyon" immer mehr in den Blick. Nach drei Stunden für 8,4 Kilometer suchen wir uns ein schattiges Plätzchen, wo wir Pause machen und uns wie kleine Kinder freuen, dass wir den Weg so ganz alleine gefunden haben (keine GPS-Daten!), und dass die Fenster auf der gegenüberliegenden Canyonwand so schön und einzigartig sind.

The Windows of Pollock Canyon

Der Rückweg fällt - wie so oft - etwas leichter, da wir dem Trail länger folgen können. In die Wash knallt dann unerbittlich die Sonne rein und eine bunte Smaragdeidechse, bitte nagelt mich nicht fest, könnte doch was anderes sein, sieht uns genüsslich zu, wie wir schwitzen. Dafür packe ich den Foto wieder aus dem Rucksack und die Eidechse posiert uninteressiert vor der Linse. Nach 16,77 Kilometern, wir waren 6 Stunden unterwegs, sind wir zurück am Auto und ganz happy. Das war eine tolle Wanderung!

Pollock Canyon

Walmart und tanken bei Sam's Club. Offensichtlich geht das nur mit Mitgliedskarte, aber der Tankwart leiht uns seine, als wir uns als depperte Deutsche outen. In Kürze fährt er nach Deutschland und kann es kaum mehr erwarten. Wir freuen uns auch auf ihn ;-).

Nach dem üblichen Programm im Hotel wollten wir in der Brewery ein Bier genießen, aber heute war die Bar voll. Wir gehen weiter bis zur Blue Moon Bar und bekommen dort unseren Durst gestillt. Da wir schon am Ende der Main Street sind, nehmen wir das "626 on Rood", ja, an der gleichnamigen Avenue. Wir haben lange nicht so gut gegessen. Es war anders, als das was man immer, auch in guten Restaurants, und überall bekommt. Der Blue Marlin war ein Traum - alles sehr empfehlenswert.

Kleiner Absacker, CB, der "alte" Westfale, nennt ihn ja Schlürschluck, in der Le Rouge-French Wine Bar, und dann nichts wie ab ins Bett.

Dienstag
Heute Nacht hat unser Herr Nachbar ab 0.30 Uhr seinen Fernseher bis morgens laufen lassen. Die Lautstärke war Gott sei Dank noch erträglich. Das Frühstück war jedoch heute gut, aber es war wieder ziemlich viel los und da ist ein Toaster eindeutig zu wenig.

Als wir um 7.30 Uhr Grand Junction verlassen, scheint die Sonne, es hat morgens 70 Grad. 14 Meilen sind es bis Glade Park. Über die B South Road fahren wir weiter Richtung Jones Canyon, das Pavement endet nach 3,6 Meilen. Es geht 2 Meilen über privates Land, was aber erlaubt ist. Nach 12,3 Meilen Gravel Road, wobei die letzte Meile etwas ruppig wird, erreichen wir den Jones Canyon Trailhead. Wir stehen mitten in einem Hochplateau, ganz alleine versteht sich.

Jones Canyon Trailhead

Es geht fast eben eine Jeeproad entlang, die durch das Plateau der Black Ridge Canyons Wilderness verläuft. Die ausgedehnten Wiesen links und rechts des Weges sind saftig grün und wiegen ihr Zittergras sanft im Wind. Die roten Felswände wirken nicht bedrohlich und ragen einige hundert Meter entfernt dem Himmel entgegen. Nach drei Kilometern versperrt ein Gatter den Weg, aber es ist leicht zu öffnen. Nach zwei weiteren Kilometern führt der Weg hinaus auf eine breite Ridge, links fällt die Wand hinunter zum Little Dolores River, rechts das Gefälle zu Seitenarmen des Jones Canyon. Leider ist die insgesamt abfallende alte Jeeproad eingerahmt von Bäumen und Sträuchern, so dass man ab und zu schon ein paar Meter nach links gehen sollte, um einen Blick in das Tal zu erhaschen. Dort unten beobachten wir einen kleinen Viehtrieb, - das Geschrei der Cowboys, das Muhen der Kühe und das Knallen der Peitschen dringt herauf.

Nach 11 Kilometern erreichen wir einen Landing Strip. So wie das aussieht, ist hier schon länger nichts mehr gelandet. Die Jeeproad verliert sich, wir queren die Landebahn und wandern querfeldein, bis wir an einem Zaun einer Ranch landen. Wir müssen zur Kante des Jones Canyon und dafür den Zaun überqueren. Wir unterqueren ihn lieber!

Nach 13 Kilometern stehen wir an der Kante des Jones Canyon, nachdem wir einer kleinen Wash nach rechts gefolgt sind. Die Höhenlinien der topographischen Karte haben es bereits in der Theorie vor Augen geführt, es geht aber so was von zapfig in die Tiefe. Gegenüber sehen wir bereits unser Ziel und der Spruch "so nah und doch so fern" trifft die Situation am Besten. Ein Weg nach unten ist nicht zu erkennen, wir probieren es nach rechts und versuchen in Serpentinen runter zu kommen. Aber es wird zu gefährlich und zudem versperren nach kurzer Zeit Steinquader den Weg. Also wieder rauf. Die Oberschenkel beginnen bereits etwas zu brennen, die "Anreise" von 13 Kilometern war zwar fast flach, aber ja auch nicht kurz. Nächster Versuch gerade aus und nach links, dort wo sich eine glatte Felsenwand in den Canyon zieht. Am Fuß dieses Felsens queren wir nach links und dann tut sich eine Stelle auf, an der wir relativ direkt zum Canyonboden steigen können. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Macht euch vom Abstieg eine Trackaufzeichnung, der ihr beim Rückweg folgen könnt!

Unten angekommen treffen wir auf einen Trail, den wir nach links wandern. Oberhalb einer und durch eine Wash bringt uns der Weg bis zum Aufstieg zu unserem Ziel. Perseverance, das Wort bedeutet Ausdauer, so heißt der gigantische Steinbogen, der hoch oben an der Felsenwand thront. Ausdauer ist gefragt, denn jetzt beginnt das letzte Stück, der Aufstieg zum Arch. Über ein Boulderfeld geht es steil bergauf und wir waren durchaus froh, als wir nach 14,4 Kilometer und 4 Stunden unter diesem wahnsinnig großen Felsentor angekommen sind. Das Ziel und die Blicke in den Canyon belohnen unsere Ausdauer. Es ist schön hier! Mitten im Nirgendwo, eingerahmt von wuchtiger Natur, ein schönes Fotomotiv und eine Zigarettenpause.

Perseverance ArchPerseverance Arch

Der Aufstieg zurück gestaltete sich dann doch nicht ganz so schwierig wie der Abstieg vermuten ließ. Leider geht dann der lange Rückweg in Summe bergauf und irgendwann melden sich die Gebeine und Muskeln. Hinter einer Felsengruppe und unter Bäumen haben wir Wasser "geparkt"; nicht nur, dass wir froh darüber sind, nein, es ist auch durchaus eine Motivation, das Wasser aufzuspüren und sich von Wasserstelle zu Wasserstelle zu hangeln. Wir waren aber dann doch glücklich, nach 28,5 Kilometer in 8 Stunden und 20 Minuten wieder im Auto zu sitzen. Eistee und Flippis warten!

Das Abendessen in der Rouge-French Wine Bar war ausgezeichnet. Und die ist nur ein paar Meter von unserem Hotel entfernt. Das war heute sehr notwendig :-)

Mittwoch
Als ich heute morgen das Licht der Welt erblicke, denke ich an "Grand Junction and vicinity", also an die Stadt und deren Umgebung, und vergleiche es mit Moab. Zwar hat Grand Junction aktuell ein wesentlich anderes "Layout", Eisenbahnknotenpunkt versus Cowbow- und Künstlerdorf (Akronym: Mormons, Ores, Artists und Bicycles), und ist von daher mit der "Canyonlands Metropole" kaum einig, jedoch finden wir an beiden Orten das, was wir im Kern an den USA so lieben. Herrliche Canyons, einzigartige Landschaften, erreichbare Einsamkeit und sportliche Herausforderung während des Tages, kann an anderen Tageszeiten mit gutem Essen, komfortablem Wohnen und zivilisiertem Leben ergänzt werden. Auch daher ist es schade, dass sich unsere Wege erneut trennen, Grand Junction, denn wir müssen weiter. Der Norden des Westens wartet; auf geht 's!

Ein kleines Fazit über das Hotel ist möglicherweise hilfreich: Wir waren dieses Mal sehr enttäuscht, was den Zustand des Hampton's betrifft. Außerdem verlangen sie 5 $ pro Nacht für das Parken. Also hier im Nirwana ist das schon eine Frechheit, obwohl es natürlich nicht mit den Parkgebühren in San Francisco konkurrieren kann. Nun gut, - schräg gegenüber wäre ein ziemlich frisches Springhill and Suites Marriott, das zumindest von außen und im Rezeptionsbereich einen tadellosen Eindruck hinterlässt. Das nächste Mal daran denken wäre nicht schlecht, gelingt aber oftmals nicht. Ja, ja, das Alter!

Obwohl die gestrige Schlemmerei fast abartig war, entscheiden wir uns gegen das Frühstück im Hotel und stoppen auf unserer anbrechenden Nordtour an einem iHOP. Das "ei" vor dem "hop" - Apple lässt grüßen - steht für Eier. Gut war' s! Und so bleibt nur noch eines zu tun. Unser Tahoe braucht dringend eine Wäsche.

Links neben der US 50 West läuft die Eisenbahn, rechts die so typischen Gewerbegebiete der US-amerikanischen Städte und über uns bedeckter Himmel, aber vor uns alles blau, hell und nun nix wie hin. Bei Loma schlagen wir auf der 139er die nördliche Richtung ein und diese Straße wird zu einer tollen Gebirgsstrecke. Der "Aufstieg" zum Douglas Pass ist gesäumt von gelben Felsen und als wir in den gleichnamigen Creek abwärts rollen, werden die Felsen wieder rot. Einige Hoodoos stehen Spalier und als wir in Rangely auf die Colorado 64 wechseln, geht es vorbei an farbigen Badlands und stinkenden Gasfeldern. Der Ort Dinosaur, wieder einmal ein Dorf, in dem man nicht einmal tot über den Zaun hängen möchte, bringt einen kitschigen Vorgeschmack auf das was nun bald kommt. Nach 135 Meilen haben wir das Dinosaur National Monument erreicht.

Dinosaur National Monument

Gleich am Besucherzentrum - ich frage mich, warum so ein monströser Bau sein muss, wenn kaum ein "Schwein" da ist - beginnt der Fossil Trail. Man könnte auch mit einem Trolley zur Ausstellungshalle hoch fahren, aber ein kleiner Spaziergang, mehr ist es nicht, durch die Natur tut gut. Leider beginnt der Hike nicht sehr spannend, da er vorbei an dem Lager führt, das so ein National Monument für sein Equipment und seine Fahrzeuge braucht. Aber nach rund 700 Metern geht es nach links ab in die Hügel. Plötzlich erstrahlt eine wunderschöne und farbenprächtige Felsenlandschaft. Der Weg führt sehr moderat bergauf zu einer Felsenwand, in dem einige Dino-Knochen bewundert werden können. Na ja, - es ist bald geschafft. Und als wir die Fahrstraße erreichen, sind es nur noch ein paar Meter zur Exhibit Hall, die wir nach knapp 1,2 Meilen entern. Obwohl das Dinozeugs nicht so unser Ding ist muss man feststellen, dass die dortige Wand mit der Darstellung der ausgegrabenen Dinoreste sehr gut und interessant gestaltet ist. Lange halten wir uns aber nicht auf und treten den Rückweg an.

Dinosaur National MonumentDinosaur National Monument

Der Himmel reißt auf und es wird sehr windig. Sandstürme jagen über das Land und es wird Zeit, dass der Subway in Naples mal ein bisschen Geld verdient. Nach dieser kleinen Stärkung machen wir uns zum Fantasy Canyon auf. Bereits auf der 45er Süd ist inzwischen ein Wegweiser zum Canyon angebracht. Wenn ich daran denke, wie kompliziert es mir vor ziemlich genau 10 Jahren vorkam, ggfs. war es das auch, bis wir mitten in diesem außergewöhnlichen Steinhaufen standen. Seither hat sich die Hauptattraktion, der sogenannte Teapot, für immer verabschiedet. 2006 ist er entweder einem Anschlag oder einem Gewitter zum Opfer gefallen. Aber keine Angst, der Canyon ist auch so ein Reise wert.

Fantasy Canyon VernalFantasy Canyon Vernal

Zurück zum Schild. Es weist den Weg auf die Glen Bench Road und nach links beginnt die kleine Offroad-Fahrt. 5 gut zu fahrende Meilen, gepflegt durch die Ölfirmen, die hier ihre Kohle, respektive das Gas "scheffeln", führen zum Canyon, der eigentlich keiner ist. Wie der Name der Landschaft Fantasy Canyon bereits vermuten lässt, bleibt es vielfach der Fantasie des Besuchers überlassen, was man in die Felsformationen hinein interpretiert. Ein inzwischen gekennzeichneter Trail führt durch die fragile Landschaft. Kamele, Hunde, Gnome, fliegende Schildkröten, zum Himmel ausgestreckte Hände, die jeder Pfarrer in Bayern gerne sein eigen nennen würde, - es gibt nichts, was es nicht gibt. Obwohl die Mittagszeit natürlich nicht des Fotografen Lieblingszeit ist, klickt die Canon unaufhörlich. Der Wind bläst weiter den Sand in die letzten Poren, aber das ist in den Badland nichts außergewöhnliches.

Fantasy Canyon VernalFantasy Canyon Vernal

Das Marriott in Vernal ist ein sehr einladendes Hotel. Schön gemacht und ziemlich neu. Das kann man von Vernal nicht behaupten. Wir irren ziemlich umher, um etwas anderes als Fastfood zu erwischen und dann landen wir letztendlich im Café Rio, einem Mexikaner, der direkt neben unserem Hotel vor sich hinstinkt. Das Essen war ganz o.k., die M&M's und Reese's aus dem Hotelstore mussten aber anschließend sein.

Donnerstag
Das Frühstück war gut, Steffi benimmt sich aber absolut daneben! Sie schickt uns durch wunderschöne Landschaften, aber leider in eine Sackgasse. Dort, wo sie einen Durchstich auf unsere Route zum Jones Canyon vermutet ist nichts als Gebirge. Der ganze Weg wieder zurück über den Steinaker Dam kostet uns insgesamt eine gute halbe Stunde. Wie wenn wir Zeit hätten ... Technik ist nur gut, wenn sie funktioniert.

Die 500 Nord führt uns erneut aus der Stadt und der Diamond Mountain Highway schraubt die Höhenmeter nach oben. Die Passstraße führt auf ein Hochplateau mit einer tollen Aussicht auf die Ebene. Als wir nach 20 Meilen den Jones Hole Highway erreichen, wissen wir, dass wir endlich richtig sind, denn genau dieser Canyon ist unser Ziel. Eine imposante Felswand entlang geht es dramatisch hinunter in die Schlucht und zur Jones Hole National Fish Hatchery, an der wir parken. Im Süden der Fischaufzuchtstation beginnt der Wanderweg.

Der Trail in den Canyon ist gut auszumachen. Entlang des Creeks wandern wir zwischen Schatten spendenden Bäumen, die immer wieder einen Blick auf die umliegenden Felsgiganten freigeben. Der Bach führt genug Wasser und schlängelt sich wunderschön durch das Tal. Malerisch der Kontrast des satten Grüns der Bäume, der gelben und weißen Blumen, die mitten aus den Steinhaufen im Fluss wachsen, mit dem Rot und Gelb der Felsen. Der Trail war seit Mitte 2013 gesperrt, da ein beachtliches Stück der rechts liegenden Felsenwand abbrach und vermutlich mit ohrenbetäubendem Lärm senkrecht abstürzte. Massive Steinquader in Trailnähe zeugen davon.

Jones Hole Creek

Nach etwas mehr als 2 Kilometern geht es über eine kleine Holzbrücke auf die rechte Seite des Creeks und zirka 300 Meter weiter führt ein kleiner Abzweig zu Piktogrammen am Felsen, der bald wieder auf den Hauptweg trifft. Nett! Nach 2,7 Kilometer öffnet der Ely Creek nach rechts einen Spalt und ein kurzer Pfad, es sind wohl rund 400 Meter, führt zu den gleichnamigen, zirka 3 Meter hohen Wasserfällen. Da an der Gabelung 0,5 Meilen zu den Fällen stand, dachten wir, dass da noch was kommen muss. Die halbe Meile ist jetzt aber um und hier sieht nichts mehr nach Wasser aus, also zurück. So verwirrend kann eine falsche Meilenangabe sein! Manchmal frage ich mich, was die Ranger den ganzen Tag so treiben, - Schnarrchzapfen!

Jones Hole CreekJones Hole Creek Pictogramm

Jones Hole Creek

Nach knapp viereinhalb Kilometern thront hoch oben auf der Ridge ein gewaltiger Steinbogen. Adler kreisen über das sich weitende Tal und nur die Sonne verschlechtert die Sicht in die Höhe. Nach knapp 7 Kilometern sind wir fast am Ziel. Schilder "Day use Area" weisen den Weg und nun stehen wir am Green River. Einsamkeit ist jedoch Fehlanzeige. Eine Jugendgruppe ist mit Schlauchbooten unterwegs und hat hier ihr Mittagessen gefuttert. Der Guide bietet uns etwas an, sehr nett, aber wir lehnen dankend ab. Abseits der unzähligen rotweißen Schlauchbote, Mann sind die windig, sitzen wir auf einem angeschwemmten Baumstamm und genießen die Szenerie. Trotz des schnell fließenden Green Rivers erweckt er nicht den Eindruck, wie wenn er für diese gigantische Furche in den Felsen verantwortlich sein könnte. Ein paar Stromschnellen sind in Sichtweite und wir haben Zweifel, ob die Boote, die eher so aussehen, wie wenn sie in den unzähligen Touristenorten und den einschlägigen Geschäften am Gardasee gekauft worden wären, das überleben könnten.

Jones Hole Creek Green River

Unsere wassergekühlten Füße sind wieder einsatzbereit, es geht zurück. Über den Zusammenfluss des Jones Creek mit dem Green River machen wir uns auf den Weg. Das Geraschel links und rechts des Trails kommt von Schlangen und Eidechsen, aber es ist teilweise so still, dass der Körper immer in Alarmbereitschaft ist. Warum? In dem Canyon gibt es Bären und Monika hat immer noch kein Bärenglöckchen. Das könnte gefährlich werden, gell. Plötzlich kommen braungraue Fellstrukturen in den Blick. Ich hätte mich wohl nicht über die Bären lustig machen dürfen. Aber es sind nur, - ja was sind das denn? Steinböcke, Bergziegen? Sie sperren auf alle Fälle ungerührt den Weg, ein amerikanischer Ruf "Don't block the trail" hilft auch nichts, und fressen so vor sich hin. Dass wir den Weg jetzt benutzen wollen, scheint denen so etwas von egal zu sein. Also, ein paar Fotos und ausgewichen, also drum rum geschlichen.

Jones Hole Creek

Nach 13,7 Kilometern - 5 Stunden - sind wir wieder am Trailhead. Diese Wanderung war toll, zwar nicht kurz, aber kaum Höhenmeter.

Nachdem wir unsere Vorräte im Walmart aufgefüllt haben, gibt es Hendl (unbayrisch: Hähnchen) im KFC. Na ja.

Freitag
Das gute Frühstück entschädigt für die ansonsten in Vernal unzureichenden Genussmöglichkeiten. Wir sind zufrieden, aber als uns Steffi erneut in die gestrige Richtung schickt auch sehr gespannt, ob wir dieses Mal richtig sind. Die wohlbekannte US 191 bringt uns weiter nach Norden, erneut am Steinaker Dam vorbei und nach weiteren 8 Meilen biegen wir links in die ungeteerte Straße zum Moonshine Arch ein. Kein Teer, sondern Sand, aber sehr gut zu fahren. Nach 0,5 Meilen weist ein Schild "Moonshine Arch" in die richtige Richtung und nach 1,2 Meilen kommt ein kleiner Parkplatz, der eher wie ein Viehgatter aussieht. Bis hierher hätte es auch ein PKW geschafft. Es ginge noch weiter, aber die nun sehr krumme und sehr sandige Dirtroad wird für ein Mietauto eher ungeeignet.

Die nun echte Jeeproad bringt uns zu Fuß weiter an eine Gabelung, der wir nach rechts folgen, bevor es vor einem Privatzaun nach links geht. Erneut nach rechts und dann den Berg hinauf, über tiefen Sand und nicht sehr flach. So früh wollen die müden Beine noch nicht so richtig, es fehlt ihnen offensichtlich auch an Wärme, denn es hat nur 53 Grad. Als wir nach kurzer Zeit oben ankommen, steht der Moonshine Arch empfangsbereit. Man sieht den Bogen von links hinten und kann sich weder die Dimensionen, noch das Aussehen so richtig vorstellen.

Moonshine Arch

Aber nach 1,2 Kilometer wandern, stehen wir vor dem Arch und der ist gewaltig und wunderschön. Er hat seinen Platz vor einer Wand und einem großen Alkoven gefunden. Die schuppigen und gedrehten gelben Felsen bilden den Rahmen für diese Höhle, die auch ein Felsentor hat. Aus dem Alkoven heraus, durch den Moonshine Arch hindurch, breitet sich die gelbe Landschaft aus und der Blick kann bis zum Wasser des Stausees folgen.

Moonshine Arch

Wir klettern zwischen Alkoven und Arch eine kleine Wand hoch und von dort aus ist das Felsentor begehbar. Ein toller Aussichtspunkt auf die Swirls in der Umgebung. Der Steinaker State Park ist ein netter Fleck USA, nur schade, dass momentan die Sonne nicht richtig durchkommt. Nach einer Stunde sind wir wieder am Auto.

Moonshine Arch

Auf der 191er geht es weiter nach Norden. Schilder erklären immer wieder die Gesteinsschichten und -Formationen, die wir passieren. Es geht über hohe Berge und tiefe Täler, wir nehmen die UT 44 bis zur Red Canyon Road, biegen ein und erreichen das Visitor Center der Flaming Gorge National Recreation Area. Hier beginnt unsere nächste Wanderung auf dem Canyon Rim Overlook Trail. Das Wetter sieht nicht gut aus, es hat immer nur noch 53 Grad, also Jacken an.

Bereits nach 180 Metern kommt der erste Overlook. Man blickt hinunter in den Red Canyon und auf den Green River, der hier zum Flaming Gorge Reservoir aufgestaut ist. Im Wasser spiegeln sich die roten, mit dunklem Grün der Wälder gepunkteten Bergrücken und der Himmel, der nun doch ab und zu wenigstens weiße Wolken zeigt. Schön ist es hier!

Flaming Gorge National Recreation Area

Nach zirka drei Kilometern führt der Weg weg von der Kante und durch den Wald. Das ist weniger spannend. Schöner wird es wieder nach gut 4 Kilometern, als wir den Greens Lake erreichen. Die ersten Wassertropfen durchbrechen das spiegelglatte Nass. Dahinter im Gebirge blitzt und donnert es aus allen Rohren. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees stehen schöne Lodges und jetzt wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn man auf einer geschützten Veranda das Schauspiel beobachten könnte. Für uns wird es Zeit, zum Auto zurückzukehren. Wir erreichen unseren Schutzbunker nach insgesamt 8,15 Kilometer und 2 Stunden und 20 Minuten; gerade noch rechtzeitig, denn der Himmel öffnet jetzt sämtliche Schleusen.

Flaming Gorge National Recreation Area

Den Scheibenwischer auf volle Pulle gestellt, erreichen wir erneut die 191er. Nach dem Flaming Gorge Dam prallt die Sonne auf die schwarzen Wolken, Licht im Tunnel sozusagen, es hört zumindest auf zu regnen. Bald sind wir in Wyoming und cruisen über ein Hochplateau. Meilenweit keine Zivilisation. Erst als die Interstate 80 in Sichtweite kommt, merken wir, dass wir nicht alleine auf der Welt sind. Wir folgen der Autobahn aber nur 6 Meilen, denn dann geht es wirklich zu den hohen Bergen. Schneebedeckt liegt die Wind River Range vor uns. Das Bergmassiv besteht aus unzähligen 3000ern und der Gannett Peak mit seinen 4.200 Metern fällt in dieser weißen Wand eigentlich nicht mehr auf. Im Vordergrund Weideland und Prärie - das ist Wyoming.

Acht Stunden hat es gedauert, bis wir Pinedale erreichen. Leider steht unser wirklich sehr schönes Hampton Inn am Ortsrand, so dass wir mit dem Auto in die Brewery zum Essen fahren müssen. Nun freuen wir uns auf die Wanderung morgen am Green River Lake zur Clear Creek Natural Bridge. Sie verspricht einzigartige Natur, zumindest auf Google Earth.

Wyoming

Samstag
Die gestern in der Abendsonne so strahlende Landschaft hat sich gewandelt. Der Blick aus dem Fenster des so liebevoll im Detail gestalteten Hotels verspricht nichts Gutes. Die Grautöne der Salzreste des vergangen Winters auf dem Parkplatz und die vom Nachtfrost gezeichneten Wiesen verschmelzen zu einem Einheitsbrei. Und trotzdem fahren wir noch frohen Mutes unserem lang ersehnten Hike entgegen. Über die 191er Nord und die Highway 352 steuern wir bei inzwischen 44 Grad Fahrenheit den Clear Creek und den Green River Lake an. Nach 30 Meilen ist Schluss mit lustig. Es erwartet uns eine ungeteerte, rote Straße, die sich bereits anfangs zu einem großen Parkplatz weitet, an dem sich einige für einen Spaziergang mit ihren Hunden rüsten. Die rote Erde endet nach 200 Metern abrupt und von der Seite ragt eine Schneewand in die Spur. Es wären noch 19 Meilen, aber das kann man getrost vergessen. Selbst mit Winterreifen ein hoffnungsloses Unterfangen, da der Schnee immer höher wird und die letzten Reifenspuren signalisieren, dass hier auch die mächtigsten Trucks gewendet haben. Das war 's, keine Alternativen und nun?

Nach kurzer Beratung steuern wir schleunigst unser Hotel an. Wenn es hier für uns nichts mehr zu holen gibt, müssen wir die kommende Nacht stornieren und dort anhängen, wo sich weitere Möglichkeiten über die aktuelle Planung hinaus ergeben. Die Sache ist dann ganz einfach, wir ziehen das Anreisedatum in Douglas eine Nacht vor und erweitern unseren übernächsten Aufenthalt in Rapid City um eine Nacht. Eingepackt und nun auf nach Douglas.

Bei Farson biegen wir links auf den Highway 28 E und überqueren bei Regen den 2.300 Meter hohen South Pass. Als wir den Peak überwinden meint es der Wettergott gut mit uns; es reißt auf und herrlichster Sonnenschein dringt in das aufgeheizte Auto. Die weite Prärie weicht den Badlands, rote Felsen und sattgrüne Wiesen kommen aber zurück. Über Landers und Riverstone erreichen wir die County Road 206, auch bekannt als Ten Mile Road. Es sieht nicht danach aus, wie wenn hier der von uns eingeplante Trona Arch stehen könnte, denn außer grünen Hügeln und ein paar vereinzelt stehenden Häusern bleibt der Fels aus. Nicht noch eine Pleite heute, oder?

Als wir rechts auf die Zero Road einbiegen stehen plötzlich Felsen mitten in der Prärie. Die Sonne strahlt, taucht die Landschaft in ein grelles Licht und sorgt dafür, dass die CR 210 staubtrocken und gut befahrbar ist. Dank der Gasförderanlagen sind alle Zufahrten in wunderbarem Zustand, aber ein Problem scheint sich nun doch noch zu stellen. Die Richtung die wir einschlagen ist von Wolken bedeckt und diese Wolken haben eine fast abartig dunkle Färbung. Und just als wir an unserem Trailhead mitten auf der Straße parken, öffnet der Himmel die Schleusen so stark, dass ein Aussteigen nicht möglich ist. Es blitzt und donnert unaufhörlich und jetzt hoffe ich nur, dass der Lehmanteil des Untergrundes nicht so hoch ist, dass wir hier die Nacht verbringen müssen. Es beginnt zu hageln und die Körner donnern auf den Tahoe, so dass ein Gespräch kaum mehr möglich ist.

Der Vorteil von Gewittern ist, dass sie oftmals schnell wieder verschwunden sind und so war es dann auch. Nach 20 Minuten Weltuntergangsstimmung tröpfelt es nur noch und die Straße verspricht zwar dreckige Schuhe, ist aber dank eines sandigen Untergrundes keine Gefahr für die Abreise. Unsere Kofferraumtür mutiert zur schützenden Markise und auf Plastiktüten wechseln wir die Schuhe. Eine kleine Sauerei war es schon, aber nun sind wir bereit und wandern regen- und hagelfrei über eine nasse Wiese und dann den kleinen Berg hinauf. Es dauert nur 9 Minuten und schon stehen wir vor dem Natrona Arch.

Natrona Arch

Ein schöner Steinbogen, mitten in einem Felsrücken durchgebrochen, erlaubt eingerahmte Blicke auf die weite Landschaft. Ein Gorilla und ein Löwe küssen sich, aha, und damit sind nicht wir zwei gemeint. Eine Seite des Felsentores sieht, zugegeben mit viel Fantasie, wirklich so aus. Rund um den Arch sind noch weitere Löcher im Felsen. Hier ist die Natur so anders, als ein paar Meter weiter, die Felsrücken stehen ziemlich isoliert und ragen in die Weiten der saftig grünen Prärie. Obwohl wir den Steinbogen ausgiebig erkundet und mehrmals durchschritten haben, ist dieser Minihike nach knapp dreißig Minuten erledigt.

Natrona Arch

Die Piste hat den Regen gut überstanden und führt uns zurück auf den Teer. Es ist kaum zu glauben, aber nur ein Stück die Straße zurück ist alles staubtrocken. Ob es das schlechte Wetter heute nur auf uns abgesehen hat? Auf alle Fälle strahlt nun wieder die Sonne und wir entern den Yellowstone Highway, auf dem plötzlich eine Herde Rindviecher alles blockiert. Nicht wie früher auf Pferden, sondern ganz modern auf Motorrädern und Quads, treiben die Cowboys die Herde an. Gut, dass der Tahoe eine gewisse Höhe hat, ich will keinen Augenkontakt mit den Viechern. Oh, haben wir etwa vergessen die Klimaanlage auszuschalten? Als die Herde durch ist, muss schneller gefahren werden, damit die geöffneten Fenster etwas angenehmere Luft in das Fahrzeug bringt.

Wir sind mal wieder an einer Interstate angekommen; die I-25 verlassen wir am Exit 151 und die Natural Bridge Road bringt uns in einen kleinen Canyon, in dem die Hölle los ist. Großer Parkplatz, Wohnmobile, Zelte, rauchende Grills, Picknicktische, Spielplätze -Zivilisation pur! Und mitten durch fließt der La Prele Creek. Der durchaus ansehnliche Bach hat die Ayres National Bridge erschaffen, ein riesiger Felsdurchbruch. Fast idyllisch findet das Wasser seinen Weg durch das Felsentor, das ohne Anstrengung von beiden Seiten betrachtet und natürlich fotografiert werden will.

Ayres Natural Bridge

Zurück zur Interstate und ab nach Douglas. Tja, das Holiday Inn Express in diesem Nest ist wie ein Holiday Inn Express eben ist, aber für eine Nacht ist es o.k., wenngleich etwas überteuert. Ein paar hundert Meter entfernt, direkt neben McDonalds und Co., finden wir ein Lokal ("Chutes") und sitzen nun an der Bar, an der das Rauchen erlaubt ist. Zwei Bier läuten das Ende des durchaus interessanten Tages ein. Und als die Steaks in diesem Etablissement auch noch gut sind, ist alles gut.

Sonntag
Immer am North Platte River entlang erreichen wir den einsamen Ort Guernsey. Eisenbahnschienen der Burlington Northern Santa Fe Railroad soweit das Auge reicht, eine verwaiste Kaserne und LKW-Verkehr ohne Ende, selbst am Sonntag. Es regnet schon wieder. Das Fort Laramie lassen wir links liegen, wir waren schon mal hier und haben es uns angesehen; es war ganz nett meiner Erinnerung nach. Nebraska wartet und plötzlich erhebt sich aus dem saftigen Grasland eine hellbraune Ridge. Die Sonne spitzt durch die Wolken, um das Ganze in Szene zu setzen.

Scotts Bluff National Monument

Der Old Oregon Trail führt uns ins Scotts Bluff National Monument. In den 1850er Jahren fuhren hier die Planwagen der Siedler durch. Das Tagebuch bemerkt: 1860 hat man bei uns schon Fußball gespielt. Wir wandern den Saddle Rock Trail auf einem geteerten Pfad durch die wirklich schöne und außergewöhnliche Landschaft. Es geht bald, jedoch sehr moderat nach oben. Immer wieder unterbrechen wir den Aufstieg, denn der Blick in die Ferne auf die Prärie und die Felsenlandschaft ist wunderbar. In Switchbacks dem Himmel entgegen, geht es in einem Tunnel durch den Felsen und dann dauert es insgesamt nur eine knappe Stunde, bis wir den letzten Viewpoint erreichen. Man kann auch mit dem Auto hier hochfahren, das finden wir aber langweilig. Interessanter ist schon die Tatsache, dass es eine Cellphone Audiotour gibt. Wer also amerikanische Geschichte liebt, der sollte "einschalten". Das Wetter hat gehalten, die Gegend gefällt uns sehr gut, zumal wir auf dem Rückweg auch noch einen Steinbogen entdecken. Nach 6,5 Kilometer, knapp 2 Stunden, sind wir zurück am Auto.

Scotts Bluff National MonumentScotts Bluff National Monument

Die amerikanische Prärie begleitet uns weiter nach Norden, es regnet ab und zu, aber Gott sei Dank nur kurz. Als wir den Nebraska National Forest erreichen, tauchen aus der Ebene erneut und ziemlich unvermittelt Felsen auf. Wir haben hier ein Ziel, den Roberts Arch. Leider ergießt sich just zu dem Zeitpunkt das Nass auf die Erde, als wir über eine ungeteerte Straße den Trailhead ansteuern. Den Felsenbogen könnte man von unten sehen und fotografieren, aber das wollen wir nicht und fliehen deshalb vor dem Sauwetter.

Kurz vor Rapid City erreicht uns ein gewaltiges Unwetter, - selbst der schnellste Gang der Scheibenwischer wird den Wassermassen nicht mehr Herr. Fast im Schritttempo geht es nur noch voran, in kürzester Zeit sinkt das Thermometer von 76 auf 60 Grad. Doch ganz plötzlich ist alles wieder vorbei. Steffi spricht aber nicht mehr mit uns, vermutlich hat sie, respektive die Satellitenverbindung der Blitz getroffen. Wir erreichen trotzdem schnell und sicher das wunderschöne Hilton Garden Inn, in dem wir bereits auf unserer großen Reise genächtigt haben.

Unsere Suite ist super, sehr geräumig und der Preis unterscheidet sich nur marginal vom letzten Holiday Inn Express in Douglas. Wir genießen das Bier an der Hotelbar und eine gute Flasche Wein zum Abendessen im Hotelrestaurant. Das Essen war leider nicht so der Hit.

Montag
Heute ist der geklaute Tag von Pinedale. Wir sind kurz nach 9 auf der Interstate 90 und fahren nach Osten zum Badlands National Park. Zuerst nehmen wir uns den Loop mit dem Auto vor, ärgern uns über die Schleicher und sind begeistert, wie schön es hier ist, - wir waren 10 Jahre nicht mehr hier. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir über das Buffalo Gap National Grasland, den zackigen Hügeln des Parks und dessen unzähligen Viewpoints das Ben Reifel Visitor Center. Kurz danach ist der Parkplatz, der Ausgangspunkt etlicher Trails und Viewpoints ist.

Nachdem wir den Notch Trail, insgesamt nur 2 Kilometer, mit seiner Felsenleiter und des am Ende lohnenden Viewpoints in die Prärie hinter uns haben, schlendern wir noch kurz den Windows und den Door-Trail. Beide Wege führen über Holzplanken. Die Wanderwege, eigentlich sind es nicht einmal Spaziergänge, kann man getrost abhaken, denn neben der Menschenmassen gibt es nicht viel zu sehen.

Badlands National Park Windows TrailBadlands National Park

Interessanter ist da schon der Castle Trail, der am gleichen Parkplatz, nur an der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt. Es ist mittlerweile sehr heiß - High noon! Der Weg führt mitten durch das Grasland und schlängelt sich sehr bald durch die Steinschlösser, Castles, deren asymmetrische Formen sich wohltuend vom hellblauem Himmel abzeichnen. Hier ist es sehr schön, was auch daran liegt, dass die Massen vorne am Parkplatz und den anderen Trails, d.h. Overlooks, bleiben.

Nach 2,3 Kilometer überqueren wir eine Dirt Road, die National Park Road, und hier gabelt sich der Weg und kreuzt sich mit dem Medicine Root Trail. Wir nehmen die linke Variante und bleiben auf dem Castle Trail. Eine herrliche Felsenlandschaft begleitet uns. Immer wieder bleiben wir stehen, genießen Sonne und die Natur, und sehen uns in der Entscheidung bestätigt, hier einen Tag anzuhängen. Nach 5,1 Kilometer erreichen wir erneut den Medicine Root Trail, dem wir jetzt weiter folgen. Hier befindet sich sozusagen der Umkehrpunkt der Wanderung. Abseits der Sandberge führt der Weg nun durch die Prärie. Rechts die zackigen Hügel, links Grasland soweit das Auge reicht und der Höhenunterschied es zulässt.

Der mit roten Stangen markierte Castle Trail kommt erneut in Sicht. Das Rot verblasst jedoch zunehmend, da aus dem blauen Himmel ziemlich schnell eine schwarze Hölle entsteht. Wir dürften ungefähr noch eine gute Meile vom Trailhead entfernt sein. Der Donner hallt bereits durch die Castles und der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Und nun entsteht eine Situation, die man gerne als Wanderer vermeiden will und in der Regel auch unterschätzt. Der Trail wird zum Bach und der Untergrund wird zum "Glatteis". Die nasse Wiese ist momentan noch der beste Weg, aber es gelingt in den Wirren der Felsen nicht immer auszuweichen. Wie auf rohen Eiern bewegen wir uns manchmal vorwärts. Als die Felsen erneut der Prärie weichen, wird es einfacher. Patschnass erreichen wir nach 6,7 Meilen das trockene Auto. Ein gutes hatte das Wetter - interessantere Fotos:

Badlands National Park Castle Trail Medicine Root Trail

Zum Abendessen strahlt Gott sei Dank die Sonne wieder. Wir erinnern uns an einen sehr lustigen Abend mit Leuten aus New Jersey vor 10 Jahren und das war an der Bar im T.G.I. Fridays. Nachdem das Etablissement in "walking distance" ist, machen wir uns dorthin auf und hatten gute Ribs und Steaks. Bei einem abschließenden Glas Wein an der Hotelbar genießen wir dieses nette und schöne Hotel. Rapid City ist wirklich immer eine Reise wert.

Dienstag
Das war ein schöner Tag gestern, aber nun werden wir Gebiete im Norden erkunden, in denen wir noch nicht waren. Wir sind gespannt!

Bei Sturgis, der Harley Hochburg, verlassen wir die Interstate und fressen Meile für Meile nur Gras. Erst im Custer National Forest wird es gebirgiger. Wir nähern uns einer Ridge und biegen sozusagen auf deren unteren Rücken in die ungeteerte End Road ein. 5 Meilen geht es durch Wald, die Forststraße ist einigermaßen in Ordnung, bis wir auf einem Hochplateau landen, auf dem die Forststraße vom Gras verschluckt wird. Hoffentlich erwischt uns der Bauer nicht, denn wir donnern mit unserem Tahoe sozusagen durch die Wiese bis der GPS-Punkt erreicht ist, von dem aus ein kurzer Fußmarsch zu einer Aussicht auf den Battleship Rock führt. Mitten in dem isolierten Felsen ist das Windows. Man könnte zu dem Steinbogen runter wandern, aber leider haben wir nicht die Zeit, schade! Aber der Blick auf das Window und das weite Land ist toll. Die Gegend sieht aus wie ein überdimensionaler Golfplatz mit Sandbunkern, Greens und Wasserhindernissen.

Window Rock at Battleship Rock

Nach 196 Meilen erreichen wir North Dakota, zum ersten Mal, die Ölförderung nimmt zu und endlich weiden neben der Straße Bisons. Hier gibt es mehr Ackerland als Gras und die vielen Ölpumpen sind von den US-amerikanischen Farmern wohl gerne geduldet, vermuten wir doch eine horrende Einnahmequelle für die Bauern.

Die Dirtroads bei Grassy Butte sind alle rot. Hier stehen grasige Hügel und drum herum ein paar Kühe. Die Landschaft sieht aus wie das Auenland der Hobbits. Dort, wo das Gras auf den Hügeln das Zeitliche gesegnet hat, erstrahlen tollste Farben. Es ist unerwartet schön hier. Als wir den Teer verlassen kommen anfangs noch ein paar Höfe, aber dann sind wir alleine. Nach knapp 6 Meilen, die nur bei wirklich trockenem Wetter zu meistern sind, stehen wir im Nirwana. Rundherum bunte Hügel, ein Bach, ausgedehnte Wiesen in saftigem Grün und vor uns eine Wanderung, die schon zu Beginn etwas schwieriger wird, da der Trail praktisch nicht existiert. So entfernen wir uns von unserem Rest der Zivilisation querfeldein. Hügel rauf, Hügel runter, durch den Bach, Füße nass! Nach gut eineinhalb Kilometer haben wir unser Ziel erreicht, aber das Ziel ist nicht (mehr) da. Der Grassy Butte Arch, laut Bild - und hier ist nicht die Zeitung gemeint - ein wunderschöner, kleiner Arch, ist nicht zu finden. Irgendwann geben wir auf und wandern zurück. Ich weiß schon, warum ich mich bei der Notation der GPS-Daten sehr konzentriere. Ärgerlich, aber nichts zu machen und ein erster Eindruck von der schönen Landschaft hier oben ist auch gewonnen.

Grassy Butte Grasland

Wir beziehen im Hampton Inn in Dickinson unsere sehr geräumige Suite am Ende des Gangs, - ein Traum! Aber wir müssen noch zum Walmart, denn unser Tahoe braucht unbedingt einen Ölwechsel. Nichts geht mehr, das Autocenter hat Feierabend, ein Termin für morgen ist nicht zu bekommen, aber First in, First out heißt halt früh aufstehen. Im Walmart haben wir dann versucht Wasser zu kaufen. Ein paar Flaschen haben wir noch erwischt, denn der Markt war von den Ölarbeitern leergeräumt. Unglaublich was hier los ist, obwohl es von Touristen - außer uns - keine Spur gibt.

Mittwoch
Heute heißt es früh aufstehen, wir haben viel vor, und außerdem möchte ich der Erste beim Ölwechsel sein. Als ich bereits um dreiviertel 7 vor dem verschlossenen Tor stehe, reihe ich mich leider erst als 2. ein. Mist! Nach 2,5 Stunden war ich, respektive der Tahoe, dann fertig und habe die Wartezeit genutzt, um Vorräte in dem nun halbwegs gefüllten Walmart einzukaufen.

Frisch geölt donnern wir auf der Interstate 94 Richtung Billings und über den Exit 32 stechen wir ins Little Missouri Grasland ein, über das das Painted Canyon Visitor Center erreicht werden kann. Wir sind im Theodore Roosevelt National Park. Den kennt kaum einer, aber wir werden heute erleben, dass das völlig ungerechtfertigt ist.

Links vom Visitor Center beginnt der Painted Canyon Trail. Es geht hinab zu den Butten, hinein in die farbigen Badlands und die Burning Hills. Die Sonne scheint, der kräftige Wind hat die Wolken verblasen. Wir wandern durch den wunderschönen Canyon und sind beeindruckt. Rot, Gelb, Weiß, Grün, - das sind die dominierenden Farben. Insgesamt hat der Rundweg nur eine Länge von 0,8 Meilen und die lohnen sich in der Tat.

Theodore Roosevelt National Park South Unit

Das Hobbit-Land liegt vor uns mit seinen bezaubernden Grashügeln, Hoodoos und Zwergenbergen. Wir tauchen in den Theodore Roosevelt National Park ein, hier sind wir in der South Unit, und klappern ein paar kurze Trails und Viewpoints ab. Zwei Kolonien von Prärie Dogs machen aus einer statischen Landschaft ein wuseliges Schauspiel.

Nächster Halt ist der Window Canyon Trail am Little Missouri River. Ein kurzer Weg führt hinauf zu einer kleinen Ridge, die als Aussichtspunkt auf den Fluss, der just hier eine weite Biegung macht, dient. Vorher steigen wir links vom Trail in einen kleinen Canyon ab, in dem weiße Geister wohnen. Gipsfels, geschliffen vom Wind und vom Wasser, aufgereiht wie ein Irrgarten. Eine Stufe darunter ein gelber Hoodoo auf weißem Sockel, der den Seiteneinschnitt zum Fluss bewacht. Über die Ridge und einer schönen Aussicht auf den Little Missouri geht es zurück zum Trailhead, der nach einer halben Meile erreicht ist.

Theodore Roosevelt National Park South UnitTheodore Roosevelt National Park South Unit
Theodore Roosevelt National Park South UnitTheodore Roosevelt National Park South Unit

Wir sind nun am Buck Hill. Ein sogenannter Wendehammer bildet gleichzeitig den Parkplatz. Der Trail führt auf den Hügel hinauf, wir kommen das erste Mal ins Schnaufen. Oben pfeift der Wind über das Auenland und unsere Köpfe. Butten soweit das Auge reicht, die 0,4 Meilen haben sich gelohnt, wir sind einfach nur begeistert von dieser Landschaft.

Theodore Roosevelt National Park South Unit

Die Ausfahrt aus dem Südteil des Parks wird ab und zu von einem Bison bevölkert. Obwohl ich kein vorsichtiger Mensch bin, nehme ich doch die Geschwindigkeit zurück, denn diese Fleischberge dürften bei einem Crash die Gegenwehr einer Betonmauer haben. Aber jetzt ist die North Unit dran; es sind rund 85 Meilen bis zum Parkeingang.

Dieser Nordteil ist ebenfalls eine grandiose Landschaft. Höhere Hügel, mehr Fels, respektive Sand und eine neue Farbe: Schwarz. Die Kohle hat die Freiheit erreicht und liegt offen auf so manchem Hügel. Die Kanonenbälle warten. Es sind nur ein paar Meter vom Parkplatz und man sieht die braunen Ungetüme in und an der Wand kleben. Einige liegen auf dem Weg rum. Es sind zwar weniger Canonballs als wir erwartet haben, aber die sind gewaltiger als gedacht.

Theodore Roosevelt National Park North Unit

Am Caprock-Coulee Natural Trail versuchen wir uns jetzt. Leider ist vom nächtlichen Regen noch etwas Sumpf geblieben und so erreichen wir manchmal hüpfend, vorbei an farbenprächtigen Badlands, ein Hochtal. Weit hinten ist eine Prärie-Dog-Town und nachdem die Gegend wunderbar ist, beschließen wir uns auf den Weg dorthin zu machen. Stellenweise ist der Trail überflutet, aber mit ein paar Ausweichmanövern und Umgehungen schaffen wir die 1,6 Kilometer zu den Tieren locker. Mei san di nett! Nach 3,3 Kilometer sind wir zurück am Auto. Ein herrlicher Tag geht zu Ende.

Theodore Roosevelt National Park North UnitTheodore Roosevelt National Park North Unit

Direkt neben unserem Hotel ist das Sanfords, eine stilecht eingerichtete Cowboykneipe. Das Essen war mehr als reichlich und auch gut. Heineken hatten sie auch, was will man mehr.

Donnerstag
Der "Ausflug" in den Norden war schön, hat aber den Nachteil, dass wir uns etliche Meilen vom Epizentrum der USA- Wanderungen entfernt haben. Aber wir gehen heute den Rückweg an und werden ein paar Städte in der Tornado Alley besuchen. Heutiges Ziel ist Omaha, gute 700 Meilen liegen vor uns.

Um 7 Uhr brechen wir auf und nehmen die Interstate 94 nach Osten. Bereits nach 35 Meilen erreichen wir die Central Time Zone und verlieren eine Stunde. Knapp 100 Meilen sind es bis Bismarck, der Hauptstadt von North Dakota. Und als wir dort den Missouri River überqueren merkt man an der veränderten Landschaft, dass wir den Osten der USA erreichen. Unzählige Seen liegen links und rechts der Autobahn, verwaiste Landstriche ohne Zivilisation, die Ausfahrten haben nur Nummern, kein Ortshinweis. Der wirkliche Indikator, dass nun der Osten erreicht ist, ist das fehlende Arrowhead Wasser ,-). Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird schneller, die Leute im Osten nehmen es mit dem Speedlimit nicht so genau.

Nach 289 Meilen sind wir in Fargo, die großen Seen oder Minneapolis wären auch nicht mehr so weit entfernt, und es heißt: Ab nach Süden! South Dakota durchqueren wir komplett. Unsere alten Freunde "Lewis und Clark" treffen wir auch mal wieder. In Sioux City kommt erneut der Missouri in Sicht und führt uns an der Grenze von Nebraska zu Iowa weiter. In Iowa reduziert sich das Speedlimit auf 70 mph, die Interstates sind hier auch etwas schmaler.

10 Stunden und 708 Meilen hat es gedauert: Omaha, "O what a city!" Die größte Stadt Nebraskas weckt keine Erwartungen, dient eigentlich nur als Zwischenstation, aber wir werden sehen, dass der Spruch absolut berechtigt ist. Das Hilton Garden Inn ist schon etwas sehr abgewohnt, nicht sehr schön, aber das Restaurant Spencer, das direkt dem Hotel angeschlossen ist, war fantastisch.

Omaha

Nach dem Essen brechen wir zu einem kleinen Spaziergang auf und sind ganz begeistert, wie toll diese Stadt rund um den Old Market ist.

Freitag
Dieses Hilton kann dem in Rapid City nicht das Wasser reichen, die sanitären Anlagen sind veraltet und undicht. Im Frühstücksraum ist es nicht sehr sauber, kein guter Start!

Aber das ändert sich schnell. Bei schönstem Wetter erwandern wir Omaha. Eine schöne Stadt, mit einer netten Skyline. Alte Fabrikgebäude aus rotem Backstein sind liebevoll restauriert. Die ursprünglichen Beschriftungen wurden erhalten und man fühlt sich zurückversetzt in eine lang vergangene Zeit. Rot ist auch die Farbe, die rund um den Old Market dominiert. Viele kleine Restaurants und Bars sind aufwendig mit Blumen geschmückt und den Weg weist der Straßenbelag aus roten, alten Ziegeln.

OmahaOmaha

Die Downtown besteht aus wenigen Hochhäusern, dazwischen immer wieder Kunst und natürlich dürfen Bronzeskulpturen von den alten Siedlern nicht fehlen. Im Heartland of America Park hat man einen tollen Blick auf die Skyline, im Vordergrund der Conagra Lake mit Springbrunnen. Dieser See zieht sich mit seinen Ausläufern durch die komplette Downtown. Sozusagen im Rücken windet sich der breite Missouri an der Grenze zwischen Nebraska und Iowa entlang. Nach gut zwei Stunden haben wir ziemlich viel gesehen und stellen fest, dass Omaha durchaus noch eine Nacht verdient hätte.

Omaha

Wir aber checken aus und fahren auf der Interstate 29 weiter nach Süden. Auch Missouri erlaubt nur 70 Meilen pro Stunde, aber egal, wir erreichen Kansas City nach knapp 200 Meilen. Es ist bereits später Nachmittag, als wir in einer kleinen Kirchengemeinde am Rande der Stadt ankommen. Auf dem Gelände des Unity Village gibt es mitten im Wald einen Steinbogen. Den wollen wir uns ansehen, haben aber bereits bei der Anfahrt ein paar Probleme wegen einer gewaltigen Baustelle. Irgendwann stehen wir dann auf einem Parkplatz und sind dem Arch ziemlich nahe. Das GPS zeigt, dass es nur wenige 100 Meter wären, aber wir finden keinen Zugang, das Gestrüpp ist sehr dicht und ein Trail Fehlanzeige. Erfolglos ziehen wir weiter!

Nach 5 Stunden seit der Abfahrt in Omaha sind wir im Hilton President Kansas City und haben ein schönes Zimmer im 11. Stock. Das altehrwürdige Gebäude erinnert uns irgendwie an das Strater Hotel in Durango. Übrigens, - Kansas City liegt nicht, wie man vielleicht annehmen könnte in Kansas, sondern in Missouri.

Nach einem Bier an der Drum Bar gehen wir zum Abendessen ins Bristol Seafood, das wie unser Hotel im Powerlight District liegt. Das Essen war sehr gut, der Wein zu warm und unsere Bedienung unmöglich! Auf dem Heimweg treffen wir auf ein Live-Konzert, hören ein bisschen zu, aber es war so laut, dass der ganze Körper bebte.

Samstag
Nach einem guten Frühstück starten wir unseren Citytrip zuerst in die Downtown. Die City Hall hatte leider geschlossen, auf dem Dach wäre eine Aussichtsplattform gewesen. Wir schlendern nach Norden durch die Stadt bis zum City und River Market. Unzählige Marktstände mit Naturalien, aber auch Dingen, die man nicht braucht, fast wie bei uns am Viktualienmarkt. Das Highlight hier ist aber der Blick auf die Skyline der Stadt. Wir gehen noch auf eine Aussichtplattform am Fluss und wandern dann weit nach Süden in den Crown Center District.

 

Die Union Station wurde wirklich schön restauriert, aber das Crown Center besteht im wesentlichen aus dem Westin Hotel und einem Legoland. Mit Kindern sicherlich eine Station wert, wir aber machen uns bald wieder auf die Socken. Heute ist Hard Rock Konzert und aus allen Richtungen strömen die Headbanger dem Veranstaltungsort entgegen. Nette Typen sind da dabei, - und alle waren gut drauf . Wir zwängen uns durch die Menschenmassen und wandern auf das Liberty Memorial,wo wir alleine sind.

Kansas CityKansas City

Von hier oben ist der Blick auf die komplette Stadt möglich. Eine tolle Skyline! Leider wird es von Minute zu Minute dunkler und als wir dann auf dem Weg zum Westpoint District sind, beginnt es zu regnen. Wir suchen Unterschlupf in einer Bar. Unser nächstes Ziel sollte die Country Club Plaza sein, aber der Wettergott meint es nicht mehr gut mit uns. Es gießt wie aus Kübeln und wir erreichen durchnässt gerade noch ein Best Western. Die netten Mädels an der Rezeption rufen uns ein Taxi. Der Scheibenwischer wird den Wassermassen kaum Herr und die Konzertbesucher hüpfen durch die nassen Straßen dem Ereignis entgegen.

Kansas City

Nach einem kurzen Stop in unserem Hotel scheint wieder die Sonne und wir laufen zum 18th and Vine Historic Jazz District. Das hätten wir uns echt sparen können, es gibt hier zwar ein paar nette Häuschen, Kneipen und ein Jazz Museum, aber so richtig sehenswert ist nichts. Im Großen und Ganzen ist Kansas City bei weitem nicht so schön wie Omaha, es erinnert uns sehr an Saint Louis, aber auch dort hat es uns besser gefallen.

Mangels echter Alternativen landen wir zum Abendessen wieder im Bristol.

Sonntag
Nach einem Frühstück, das einem Hilton nicht würdig war - das war eher Best Western Standard -, verlassen wir Kansas City. Die Sonne scheint, aber nicht mehr lange, denn als wir die Interstate 49 South am Exit 157 verlassen, verdeckt den Planeten Wald soweit das Auge reicht. In Clinton geht es auf die 13er und der Truman Lake in seinen gigantischen Ausmaßen ist eine angenehme Unterbrechung des "grünen Zeugs". Auf der Straße liegen tote Gürteltiere und kleine Schildkröten krabbeln so lange über die Straße, bis es "Bum" macht. Nach einem Gewirr von Farmroads erreichen wir den Parkplatz am Lost Hill Park.

Der South Dry Sac Trail ist geteert, aber nach 170 Metern wandern wir nach rechts querfeldein eine Abkürzung. Es sind keine 400 Meter und wir erblicken im Wald den Dry Sac Arch. Leider führt es kurz, aber sehr steil nach oben und das Terrain ist noch feucht. So wird es zur wackeligen Angelegenheit, bis wir unter dem netten Steinbogen stehen. Unten am Einstieg ist ein Höhleneingang, der jedoch verschlossen ist. Nach 20 Minuten sind wir zurück am Auto.

Dry Sac Arch

Die Stadt Springfield überrascht uns mit ihrer Größe, insbesondere die Gewerbegebiete sind gigantisch, was vermutlich daran liegt, dass Springfield ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt ist. Es geht weiter über den James River und einige Roads, die mit Buchstaben gekennzeichnet sind. Und als wir mitten im Wald die Hootentown Road erreichen, ist schon wieder Schluss. Privates Land verwehrt uns den Zutritt zum gleichnamigen Arch. Unser nächstes Ziel liegt direkt an der Y-Road. Der riesige Ash Cave Arch, Steinbogen und Höhle zugleich, könnte mit dem Auto befahren werden. Eindeutige Spuren zeugen davon, dass die Jugend der Gegend hier eine Feier- und Feuerstätte hat. Sehr schön und nicht anstrengend!

Nach 299 Meilen erreichen wir Oklahoma. Die US 60 bringt uns zur Interstate 44, auf der endlich wieder das Speedlimit nach oben geschraubt wird. Mit 75 Meilen pro Stunde plus X donnern wir über den Arkansas River und kommen nach knapp 400 Meilen in Tulsa an. Das Doubletree steht im Messezentrum, ist auf der Höhe der Zeit und wir bekommen ein sehr schönes Zimmer im 12. Stock.

Nach einem Bier an der Hotelbar sind wir total durchgefroren. Die spinnen, die Amis, vermutlich haben sie mit ihrer Klimaanlage fast den Nullpunkt erreicht. Wir fahren mit dem HHonors Hotelbus zum Ambassador Hotel in das Chalkboard Restaurant. Das Essen und der Wein waren lecker, aber für Tulsa fast zu teuer.

Montag
Heute Nacht sind einige Gewitter über die Stadt gezogen, - bis in die Morgenstunden hat es geregnet, geblitzt und gedonnert. Als wir um 8 Uhr aufbrechen, ist es trocken und es wird heller am Himmel. Wir sind mit dem Auto etwas durch die Stadt und zum Arkansas River gefahren, aber wenn man ehrlich ist, kann man diese Stadt getrost vergessen. Das Frühstück war entsprechend.

Wir kommen in den Süden der USA, der Wald verliert sich, - viel Wasser und Sumpf und milchige Luft! Über die Indian Nation Turnpike, die OK 62 und 270 landen wir in Hartshone. Auf nach rechts in die Pampa auf die 7. Straße, rechts auf die Spahn Road und dann die ungeteerte Arch Road. Sie ist gut zu befahren, aber dann im letzten Abschnitt ist der Grader unterwegs und türmt einige Dreckhaufen mitten in der Dirtroad auf. Der Tahoe hat aber genügend Bodenfreiheit und außerdem sind die Haufen weich, so dass keine Schäden zu befürchten sind.

Wir parken an der Road direkt vor einem kleinen roten Gatter. Dahinter beginnt der Trail, dem wir nur 0,12 Meilen folgen müssen. Dann stehen wir vor einer tollen Steinbrücke in felsiger Umgebung mitten im Wald. Das Wasser unter der Lime Arch Bridge ist ruhig, das Felsentor spiegelt sich darin. Das Ganze hat etwas mystisches und zudem sind wir sehr vorsichtig, denn hier gibt es Poison Ivy. Und der amerikanische Holzbock ist auch unterwegs. Mich mögen die offensichtlich sehr gerne, einige hängen jetzt schon wieder an meiner Hose. Es ist mittlerweise sehr schwül und hat 86 Grad, - Süden halt!

Lime Arch Bridge

Leider müssen wir bis zur Interstate alles zurückfahren und das bei furchtbaren Straßenverhältnissen. Das Speedlimit, das zwischen 65 und 70 liegt, kann gerade so erreicht werden, ohne dass der Rücken Schaden nimmt. Alles Indianerland hier, überall Casinos, Maut für ihren Turnpike, Schlaglöcher und verdreckte Rest-Areas.

Nach knapp 300 Meilen sind wir in Oklahoma City, dessen Wahrzeichen, das Devon Energy Center mit 50 Etagen und einer Höhe von 257 Metern ist. Es ist von weitem sichtbar, aber auch jetzt, als wir von unserem Zimmer im 15. Stock des Sheratons auf die Stadt blicken, steht es eindrucksvoll da. Ein Bier an der Hotelbar und ein sehr gutes Abendessen in der Bricktown im Mickey Mantle Steakhouse beschließen den Tag.

Oklahoma City

Dienstag
Frühstück gibt es gleich auf unserem Stockwerk, wunderbar, kostet nix, noch wunderbarer! Gut gestärkt brechen wir zu einem Wandertag auf. Über die Interstate 44 geht es nach Westen. Exit 45 führt uns in die sehr schöne Berglandschaft der Wichita Mountains. Die OK 49 windet sich durch das Wildlife Refuge, Büffel stehen am Straßenrand und die Präriehunde strecken neugierig ihre Köpfe in die Sonne. Nach 103 Meilen sind wir nun am Beginn des Sunset Trails in der Charon Gardens Wilderness.

Gleich hinter den Picknickplätzen beginnt der Trail auf den Elk Mountain. Die Brücke über den Headquarters Creek ist der Auftakt und dann führt der Weg breit und über steinige Stufen immer gut sichtbar nach oben. Ab und zu lassen wir den Blick auf diese fantastischen Felsenlandschaften schweifen. Es ist wirklich schön hier.

Nach 1,4 Kilometer schlägt das GPS an und wir verlassen den Haupttrail. Über einen Pfad geht es auf ein Hochplateau. Dort, wo sich die letzten Reste eines sichtbaren Wegs verlieren, liegen die Boulder in der Wiese und zwischen den niederen Büschen. Das Tempo verlangsamt sich, denn entweder man geht Schlangenlinien oder über die Boulder weiter. Zwei riesige Felsen sind links auszumachen, um die geht es hinten herum und hier könnte man ihn fast übersehen. Nach 2,4 Kilometer, für die wir 47 Minuten gebraucht haben, klebt er an einer kleinen Wand, der Centennial Arch. Er ist nieder, hat aber über 12 Meter Spannweite. Das Gestein erinnert an die Alabama Hills, raue Lavastrukturen und ein dunkles Braun. Links daneben liegt in einer von Wasser ausgeschabten Spalte ein weiterer Steinbogen. Gelbe Blumen blühen vor seinem dunklen "Eingang". Es ist wirklich sehr schön hier!

Centennial Arch

Centennial Arch

Wir gehen etwas anders zurück und stehen irgendwann vor dem Schild "Elk Mountain Summit - End of Trail". Ja, wir sind wohl etwas zu weit abgekommen, aber dafür belohnt uns ein herrlicher Rundblick auf die weite Landschaft.

Nach 5,5 Kilometer sind wir wieder am Auto - zwei schöne Wanderstunden -, es geht zurück zur Autobahn, die wir am Exit 53 wieder verlassen. Über die OK 277 Nord fahren wir durch die Pampa von Oklahoma. "Nette" Dörfer, hier möchte wohl niemand tot über den Zaun hängen. Apropos Zaun: Wir stehen nun an einem offenen Gate, das Schild der Marathon Oil Company übersehen wir jetzt mal und fahren rein. Man kann direkt zum Fuß des mitten in der Landschaft stehenden Hügels fahren, aber so unverschämt wollen wir dann auch nicht sein. Ein paar Schritte reichen für eine gute Perspektive auf den Caddo Arch.

Caddo Arch

Nach 300 Meilen sind wir zurück in Oklahoma City und nachdem wir schon im Auto sitzen, besuchen wir das Capitol, das etwas außerhalb der Downtown liegt. Es wäre ja ganz nett, aber vor dem imposanten Gebäude stehen ein Ölbohrturm und drei Silos. Wir sind doch nicht in Texas, oder? Also zurück zum Hotel und wieder los, aber dieses Mal ohne Auto.

Über die Bricktown mit seinen Kneipen, Bars und Restaurants, und den Chickasaw Bricktown Ballpark (Home of the Oklahoma City RedHawks) schlendern wir zum Bricktown Canal. Dort warten Boote, die die Touris etwas rum fahren. Wir gehen lieber zu Fuß zum Oklahoma Landrun Monument. Ganz nett hier, - Bronzefiguren und Siedlergefährte überqueren den Fluss und erinnern an die Vergangenheit. Dieser Riverwalk könnte es San Antonio nachmachen, aber es sind wohl einfach zu wenig Touristen hier.

Oklahoma CityOklahoma City

Bei mittlerweise 33 Grad Celsius marschieren wir zurück in die Downtown und besichtigen zuerst das sehr gediegene Hilton Skirvin. Schade, dass das Restaurant keine gute Speisekarte hat. Es geht weiter durch die Häuserschluchten bis zum Oklahoma City National Memorial. Diese nationale Gedenkstätte erinnert an den Bombenanschlag von Oklahoma City vom 19. April 1995. Es wurde zu Ehren der Opfer, der Überlebenden und der Rettungskräfte in Downtown Oklahoma City auf dem Gelände des ehemaligen Alfred P. Murrah Federal Buildings errichtet, das durch den Anschlag zerstört wurde. Irgendwie haben sie das drauf, die Amerikaner, so eine Gedenkstätte zu bauen und zu inszenieren, sehr beeindruckend, eigentlich bedrückend.

Oklahoma City

Oklahoma City

Zurück im Hotel, - die Klimaanlage tropft und zwar gewaltig. Ich rufe an: Room change! Dann ein Rückruf, der Techniker ist unterwegs. Wir packen schon mal vorsorglich und gehen runter an die Bar. Wir melden uns an der Rezeption und erst als der Manager in Erscheinung tritt, heißt es, der Techniker wird sich das sofort ansehen. Aha, das ist also die Definition von sofort. 30 Minuten später kommt mein neuer Spezl, der Manager, und sagt, alles sei in Ordnung, wir können in unserem Zimmer bleiben und außerdem übernimmt mein Freund die Barrechnung. Als wir dann zum Essen aufbrechen heißt es, ein Bier müssen wir bezahlen. Aha, jetzt aber, - ich werde grantig, laut und bestehe darauf, dass ich alles bezahle. Also entweder oder, wir sind hier ja nicht im Kindergarten. Die Rechnung war dann auch noch falsch, aber ich habe jetzt Hunger.

Zum Essen waren wir nochmal im Mickey Mantle, nachdem Opentable.com für die Mantle Wine Bar nicht funktionierte. Weiterer Ärger mit der Vorspeise und irgendwie will der Tag nicht zu einem guten Ende kommen. Nun ja, dafür haben wir am Trinkgeld gespart. Und jetzt funktioniert unser Schlüssel im Hotel nicht, es hört nicht auf. Auf dem Zimmer war dann alles erledigt und in Ordnung und was steht denn da auf der Kommode? Ein Schampuseimer mit all den Getränken, die wir an der Bar vor dem Essen bezahlt haben. Aber weil wir keine Alkoholiker sind, haben wir nichts angerührt. Ällabätsch!

Mittwoch
Heute früh waren wir gespannt auf die Hotelrechnung. Wir konnten uns nur kostenpflichtig für das Internet anmelden und nachdem wir das mehrmals getan hatten, war die Frage, ob wir für alle Anmeldungen oder pro Tag zahlen müssten. Die Sorge war umsonst, als "Starwood prefered" war alles kostenlos. Dafür mussten wir 20 Minuten auf unser Auto warten, weil sie einen falschen Karren vorgefahren haben. Ein Valet-Parker hat es wenigstens gemerkt und sich gekümmert. Man ist ja schon dafür dankbar.

Sattelt die Hühner, wir reiten nach Texas! Gesagt, getan und statt der Hühner wird der Chevy gesattelt. Jeder Handgriff ist eingespielt, das geht inzwischen ratzfatz. Um 8 Uhr sind wir dann endlich auf der Straße. Obwohl die Interstate 40 die kürzeste Verbindung zu unserem nächsten Ziel wäre, fahren wir nicht direkt nach Westen, sondern nehmen eine südlichere Route. Über die Interstate 44 geht es nach Lawton - hier ist landschaftlich eindeutig der Übergang in den Westen der USA - und nach 188 Meilen erreichen wir Texas. Die ersten roten Felsen - wir kommen nach Hause!

99 Grad Fahrenheit erwarten uns nach 265 Meilen im Caprock Canyons State Park. Der Ranger im Besucherzentrum ist offensichtlich noch beim Mittagessen oder er hält Siesta. Auf alle Fälle hat er seine angeschlagene Mittagszeit wohl gleich mal um eine halbe Stunde verlängert. Es sei ihm gegönnt - Besucherzentrum geschlossen! Die 4 USD Gebühr haben wir dann in einen Umschlag gesteckt und sind die Parkstraße bis zum Eagle Point Trailhead gefahren. Bereits nach 5 Minuten haben wir die Eagle Point Natural Bridge erreicht. Das Schönste war, dass es in der Naturbrücke, die letztendlich eine Höhle mit zwei Ausgängen ist, angenehmer war, als in der brütenden Hitze draußen. Aber diese kurze Wanderung zeigt uns bereits, wie schön es hier ist. Rote Felsen mit durchaus viel grünen Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen. Toller Kontrast!

Caprock Canyons State Park

Wir fahren weiter zur North Prong Primitive Camping Area und wollen von hier aus den Haynes Overlook Trail B gehen. Obwohl hier nichts los ist, macht sich eine Rangerin daran, an die Informationstafel am Trailhead etwas zu hängen. Und nachdem die Daten für den Trail, die ich im Internet gefunden habe, keinen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlassen haben, mache ich, was ich sonst nicht mehr mache: ich stelle eine Frage. Was ist denn der schönste Trail, um diesen Park kennenzulernen? Fahrt noch einen Parkplatz weiter zum South Prong, hier startet der Trail A und der war aus Sicht der jungen Texanerin der Hike schlechthin. Also gut, rein ins Auto und einen guten Kilometer weiter, bis die Straße in einem großen Parkplatz endet. Das ist Texas, alles riesig. Auf dem Parkplatz könnten 5 Sattelschlepper Platz finden. Wir parken neben dem einzigen Auto, das noch vor Ort ist und marschieren los.

Es geht hinunter in die South Prong Wash und dort trifft man unmittelbar auf ein Highlight. Ein feuerrote Wand, die das Wasser sozusagen ausgegraben hat, ist mit weißem Quarz durchzogen. Wie kleine und große Adern durchstreift das Weiß den roten, gepressten Lehm. Ohne Höhenunterschiede geht es die Wash entlang, eingerahmt von roten Felswänden und oben auf die Caprocks. Wir treffen auf eine komische Gruppe von Leuten, die vor den Bäumen stehen und anhand einer Karte immer etwas beratschlagen. Was machen die nur? Irgendwann wird klar, dass es sich um Geocacher handelt. Das sind die Menschen, die anhand von GPS Daten irgendwelche Verstecke suchen, aus denen sie eine Spielzeugfigur rausnehmen und einen Kugelschreiber reinlegen. Sorry, - aber ich finde das irgendwie ... Nun gut, wir ziehen weiter und nach gut zweieinhalb Kilometern wollen wir schon fast umkehren. Aber dann geht rechts ein Trail den Berg hinauf.

Caprock Canyons State ParkCaprock Canyons State Park

Ein Blick in die Augen, - wir sind uns einig, also los. Ja, wir haben es kurz bereut, denn es geht fast einen Kilometer so was von aufwärts, dass wir pitschnass geschwitzt sind. Kein Wunder, die 100 Grad Fahrenheit hat die Sonne schon längst in den Steilhang gebrannt. Nach 3,3 Kilometer stehen wir oben und haben einen schönen Rundblick auf die Canyons. Wir überlegen lange, ob wir den Trail weitergehen sollen, denn es ist unklar, ob wir über den Haynes Overlook Ridge Trail den ersten Parkplatz erreichen. Nachdem der Overlook noch etwas weg ist, wir zu wenig Wasser dabei haben und auch noch nur mit Turnschuhen ausgerüstet sind, wäre ein Zurück nicht sehr angenehm, um es mal vorsichtig zu formulieren. Aber das Leben ist ja an sich ein Risiko und so wandern wir weiter und das ist gut so.

Caprock Canyons State Park

Die rauher werdende und nun weiß-gelbe Felsenlandschaft hier oben bietet fantastische Blicke auf die bewachsenen roten Canyons. Die Weite wird atemberaubend und wunderschön. Und als wir nach 6,6 Kilometer den Haynes Overlook erreichen und wir so in die Ferne blicken wird klar: alles richtig gemacht, denn zudem geht es von hier auf dem Trail B runter zum North Prong. Die Felsen glühen selbst bei dem jetzt noch hohen Sonnenstand, es ist einfach toll. Nach einer angemessenen Pause folgen wir dem Trail nach unten. Teilweise recht steil geht es in die Tiefe und die Turnschuhe geben nicht den Halt, den wir bräuchten. Aber es ist zu meistern. Ab und zu halten wir inne und genießen immer wieder die Blicke auf eine faszinierende Landschaft.

Nach 7,4 Kilometern haben wir den Canyonboden erreicht und folgen dem Trail D zum North Prong Parkplatz. Jetzt wäre ein Shuttle recht, aber hier ist niemand. Nur der schwarze Teer dampft in der Hitze und wir quälen uns auf der Straße noch eine gute Meile zu unserem Auto. Wir sind heilfroh, dass wir nach 9,7 Kilometern angekommen sind und das edle Nass nun über die Gurgel in den Magen kommt. Mann, - tut das gut! Das Thermometer zeigt 110 Grad, im Auto dürften die Temperaturen noch etwas höher sein. Also Motor starten, Türen zu und erst mal die Klimaanlage auf Volldampf!

Als das Lenkrad dann endlich ohne Blasenbildung berührt werden kann, hält uns mitten auf der Straße ein junger, verwirrter Mann auf. Er wusste nicht mehr wo er war und wo er hin musste. Wir haben aber erkannt, dass er zu den Geocachern gehört und haben ihn dann zum Parkplatz zurückgefahren. Dort wartete inzwischen ein Freund und beide waren offensichtlich sehr froh, dass sie sich wiedererkannt und getroffen haben.

Steffi zeigt uns noch 100 Meilen bis Amarillo, also Gas! Als wir am Hotel ankommen, steht da aber nicht wie erwartet ein Hampton Inn, sondern ein Baymont. Mist! Ich rein zur Rezeption und das freundliche Mädel erklärt mir, dass das Hampton ein paar Meilen weiter westlich steht. OK, wir haben es gleich gefunden und checken ein, - es ist inzwischen 19 Uhr. Selten hat eine Dusche so gut getan und nachdem nur ein paar Meter weg ein Outback Steakhouse auf uns wartet, gibt es keine Entscheidungsspielräume mehr.

Das Tagebuch bemerkt abschließend: Fast alle kleinen Orte, durch die wir heute fuhren, sind wie ausgestorben - verfallene Häuser, geschlossene, zugenagelte Geschäfte, nicht mal mehr ein Postoffice und das heißt einiges.

Donnerstag
Laut Wetterbericht soll es heute nicht so heiß werden. Das wäre schön! Und tatsächlich, angenehme 73 Grad begleiten uns nach Süden auf der Interstate 27 bis zum Exit 106: Palo Duro Canyon State Park - Eintritt 5 Dollar pro Person.

Nach 32 Meilen sind wir schon am Trail zum Judy's Arch. Er ist bereits kurz nach der Abzweigung der Road 5 von der Parkstraße aus zu sehen. Der kurze, sehr ausgetretene Weg, führt in das Konglomerat von rotem Lehm und Sand. Von oben hat sich das Wasser in eine Wand gefressen und öffnete den Arch, der daher und eigentlich eine Bridge ist. Mehrere Löcher zeigen Richtung Himmel und der rote "Fels" hat die unterschiedlichsten Schattierungen.

Judy's Arch Palo Duro CanyonJudy's Arch Palo Duro Canyon

Dieser State Park ist faszinierend mit seinen Farben, Felsen und Hoodoos. Selbst im grellsten Sonnenlicht kommen die bunten Gesteins- und Sandschichten gut rüber. Wir stehen jetzt nicht unweit des Felsbogens am Head des Lighthouse Trails, direkt am Abzweig Road 5 und Parkstraße. Der Trail ist breit und gut sichtbar, sich zu verlaufen ist praktisch unmöglich. Spuren von Mountainbikes zeigen, dass es hier nicht nur zu Fuß entlang geht. Mangels Höhenunterschiede wird die Wanderung zum Spaziergang, wir können uns vollends auf die tolle Landschaft konzentrieren. Schon bald erhebt sich ein gelb-rot-weißer Berg, der Capitol Peak. Am südwestlichen Ende bildet ein riesiger Hoodoo den Abschluss, der Trail führt an der östlichen Seite vorbei nach links in die Sunday Flats, denen wir nun nach Südwesten folgen.

Palo Duro Canyon State ParkPalo Duro Canyon State Park

Die Wände, die hoch zur Capitol Mesa führen sind bunt bemalt und in der flachen Wash des Sunday Creeks stehen mächtige Hoodoos. Rote Klippen mit weißen Streifen und knallgelbe Sandberge begleiten uns. Das Ziel, die Leuchttürme, sind schon von weitem sichtbar. Hier ist schon mehr los als im Caprock State Park und ein paar Verrückte sind auch unterwegs. Ein junger Mann, der sich bereits auf dem Rückweg befindet, uns also entgegen kommt, hat eine Schlange um den Hals. Na ja, wenn er es braucht.

Palo Duro Canyon State Park Palo Duro Canyon State Park Lighthouse

Nach 4,4 Kilometer stehen wir am Aufstieg zum Lighthouse, eigentlich sind es ja zwei Leuchttürme. Zapfig geht es in die Höhe und das erste Mal auf diesem Hike wird es wirklich anstrengend. Der Sand, der im Trail liegt, erschwert das Vorwärtskommen. Aber es rentiert sich. Nach 4,65 Kilometer stehen wir mitten in dieser außergewöhnlichen Felsformation. Der Wind pfeift hier oben den Sand in das Tal und sorgt vermutlich dafür, dass diese Leuchttürme aus hartem Gestein immer höher werden. Wir genießen den Blick ins Tal und auf die umstehenden Bergformationen, deren Spitzen ja eigentlich die Ebene markieren, die durch Wasser und Wind zu einem tiefen Canyon formiert wurden. Nach 9,5 Kilometer, knapp 3 Stunden, sind wir zurück und sind uns einig, dass diese Wanderung, auch wenn sie touristisch ist, sehr schön war.

Nächster Stopp, wir sind zurück nach Amarillo und auf der Interstate 40 nach Westen gefahren, ist die Cadillac Ranch. Kein Naturschauspiel, sondern die Idee eines nicht ganz sauberen Zeitgenossen, etliche Cadillacs in den Boden zu rammen bzw. dort halb zu vergraben. Mit Sprühflaschen dürfen die Besucher den Autos immer neue Anstriche verleihen. Auch hier ein buntes, jedoch künstliches Farbenspiel. Ganz nett und mit viel Glück kann man auch ein Foto schießen, ohne dass Leute störend vor dem Objektiv stehen.

Cadillac Ranch AmarilloCadillac Ranch Amarillo

Jetzt haben wir noch Zeit, all die Dinge zu erledigen, die in den letzten Tagen zu kurz kamen - Einkaufen, Carwash und sogar Wäsche waschen, um insbesondere die Wanderkleidung auf unsere restlichen Tage vorzubereiten. Abends im Outback haben wir eine nette Amerikanerin kennengelernt, die mal als Studentin in Zermatt, Schweiz, war. Eine sehr angenehme Person, nicht so schrill und hysterisch wie die meisten Amis, sehr natürlich und nicht aufgesetzt. Sie arbeitet im Gesundheitswesen und hat uns auch erzählt, wie schlimm es in dem Bereich in den USA zu- eigentlich abgeht. Aber meist war sie richtig glücklich, als wir das gemeinsame Thema Schweiz, wir sind ja passionierte Motorradfahrer, besprochen haben. Die alten Erinnerungen haben sie offensichtlich so gefreut, dass sie uns einen Drink spendiert hat, bevor sie ihre Kinder vom Volleyballtraining abholen musste.

Freitag
Heute Nacht zog ein schweres Gewitter mit Hagel über Amarillo hinweg, es hat mächtig gegen die Fensterscheiben und auf das Dach gedonnert. Heute früh ist es bewölkt und es hat kühle 65 Grad. Steffi schickt uns quer durch die Prärie zur Interstate 25, - das Wetter wird besser! Nach dem Ort Texline überqueren wir die Staatsgrenze nach New Mexico, - wir sind 118 Meilen unterwegs und gewinnen dank Mountain Time eine Stunde.

Kurz vor der Interstate kommen die Rockies in Sicht, gestern waren wir noch mitten in der Wüste und nach 218 Meilen erreichen wir Colorado. Es geht über den Raton-Pass, vorbei ist es mit den langen Geraden, nach Trinidad. Kurzer Spaziergang und Kaffeepause, das tat gut! In Walsenburg fahren wir auf die Highway 160 und dann die 12er, die hier "Highway of the Legends" heißt. Im Hintergrund droht bereits der Schnee auf den hohen Bergen.

Durch La Veta, ein netter Ort mit hübschen kleinen Läden, vorbei am Golf Club erreichen wir nach 289 Meilen den Profil Rock. Eine sehr unstabil wirkende Wand hat mehrere Löcher, ähnlich des Arch Cluster beim Shiprock. Sie sieht schön aus und wir können direkt von der Straße aus fotografieren, obwohl uns nach der langen Fahrt ein paar Schritte gut getan hätten. Aber ein Zaun und entschlossen dreinblickende Kühe versperren den Weg.

Profile Rock Colorado

In Alamosa machen wir dann nochmal Pause, gehen ein wenig durch den beschaulichen Ort und erreichen dann nach 407 Meilen unser Ziel, den Ort South Fork. Aber es ist noch zu früh, um einzuchecken und so fahren wir am Rio Grande entlang, rechts die wunderschöne Palisades Rock Formation bis zur Gravelroad, die hinauf zur Hanson Mill führt. Unten steht ein Schild "Under Construction", wir lieben es, aber es war dann kein Problem, den Trailhead zum Wheeler Monument zu erreichen. Alles klar für morgen, - die Offroadfahrt zum Wheeler ist wie erwartet gesperrt, aber es ist sowieso unklar, ob der Hike oder die Fahrt länger dauert. Morgen werden wir näheres erfahren.

Zurück zum Fluss und weiter nach Creede. Diesen Ort, wir waren 2008 das erste Mal hier, hatten wir nicht mehr so nett und "busy" in Erinnerung. Wir stürmen einen Sportladen, erkundigen uns nach eventuellen Problemen auf dem Wheeler Trail, es scheint alles o.k., und kaufen neue Wanderschuhe für Monika. Dann zurück und nach 451 Meilen parkt unser Tahoe vor dem schönen Arbor House Inn. Das Bed & Breakfast liegt idyllisch an der South Fork des Rio Grande. Da es Frühstück erst ab 8.30 Uhr gibt und wir morgen zu einem Megahike starten, bekommen wir ein Fresspaket sozusagen mit auf den Weg.

Zum Abendessen gehen wir die Meile ins Dorf und finden mit dem Rockaway Café ein ursprüngliches, nettes Lokal. Das Essen war o.k..

Samstag
Das Abenteuer beginnt um 6 Uhr, die Sonne hat diese Hemisphäre noch nicht ganz erreicht. Wir sind bereits jetzt ziemlich durchgefroren, da die Heizung im Zimmer irgendwie nicht anspringt und draußen hat es momentan nur 35 Grad Fahrenheit, was dem Gefrierpunkt verdammt nahe kommt. Nur der Kaffee, den wir uns noch auf dem Zimmer gönnen, wärmt punktuell.

We hit the road at 7 o'clock. Stilecht, aber sicher auch durchgefroren, fährt ein Harleyfahrer durch die Gebirgslandschaften, die erst nach und nach vom Schein des Planeten erreicht werden. Der Rio Grande scheint auch zu frieren, denn er erweckt den Eindruck, wie wenn er besonders schnell weiter möchte. Nach 15 Meilen das ersehnte Schild "Pool Table Road". Sie führt uns nach oben immer dem Himmel entgegen. Die gut zu befahrbaren 10 Meilen bis zur Hanson Mill schlängeln sich durch kleine Wälder und über weite Berghänge. Als wir in zunehmender Höhe der leuchtenden Sonne entgegen kommen, eine Vollbremsung! Der tiefstehende Planet leuchtet direkt auf meine Windschutzscheibe und nachdem die alles andere als sauber ist, kommt die Weiterfahrt einem Blindflug gleich. Gemächlich und teilweise auf gut Glück geht es dann trotzdem voran und Gott sei Dank blenden die Bäume bald die Sonne wieder ab.

Wir sind an der Hanson Mill, das Thermometer zeigt inzwischen 39 Grad, und stehen mitten im Rio Grande National Forest. Die Dirt Road 600, die hinauf führt, ist wie gestern und 2008 geschlossen. Wir werden feststellen, dass die Straße den Namen nicht verdient und es mit einem Mietauto vermutlich fahrlässig blöd wäre, das Teil zu befahren. Es stellt sich nur die Frage, warum es nicht unten an der Abzweigung angeschlagen ist. Man könnte sich doch die 10 Meilen sparen. Egal, wir packen jetzt unsere Rucksäcke, schnüren die Bergschuhe und machen uns auf den Wheeler Area Trail 790.

Die ersten beiden Kilometer führt der Weg bergab durch einen Zauberwald. Der Wind rauscht durch die Wipfel und das Knarren der Bäume erzeugt eine unheimliche Atmosphäre. Erst dann wird das Gelände offener und weiter. Der Blick richtet sich hinunter in den East Bellows Creek. Es ist kein Boden auszumachen, aber das Wasser rauscht laut und gewaltig und nach einem Blick auf die topographische Landkarte wird klar, dass wir diesen Bach überqueren müssen. Nach 3,5 Kilometern führen Serpentinen tatsächlich ans Wasser, das hier zwischen 3 und 5 Meter breit ist. Es sieht auch nicht so aus, als ob eine Lavaquelle das Nass geheizt hätte und nach ein wenig hin und her die Erkenntnis: Es hilft nichts, - Augen zu und durch! Wir hetzen durch das Wasser, das bis zu den Knien reicht. Auf der anderen Seite leeren wir unsere Schuhe und winden die Strümpfe aus. Lustig war 's und die weiße Hornhaut zeugt von einem kleinen Kälteschock. Aber nach ein paar Schritten wärmt sich der Fuß auch wieder auf und so stapfen wir frohen Mutes bis zum Canon Nueve. Der Bach biegt nach rechts ab und der Trail nimmt die entgegengesetzte Richtung nach Nordwesten. Nun geht es hinauf auf den Silver Park und nach 5,4 Kilometern in dieser mächtigen Natur begegnet uns unnatürliche Kunst. Ein paar Unerschrockene haben hier einen Riesenhoodoo aus Steinen errichtet; da war wohl jemandem sehr langweilig.

Nach sechseinhalb Kilometern erreichen wir wieder den Wald. Der Trail wird flach, aber der Boden ist ziemlich nass, so dass fortwährend Umgehungen für trockene Füße sorgen müssen. Wir sind inzwischen auf über 11.300 Fuß, also bald auf 3.500 Meter. Das Atmen fällt uns in dieser Höhe zunehmend schwerer, der Druck auf den Kopf wird spürbar. Über eine weite Hochebene erreichen wir nach 9,8 Kilometer - wir sind jetzt drei Stunden unterwegs - die Dirt Road 600, die von unten herauf in einem großen Rechtsbogen, also unendlich länger als der Trail, nach oben führt. Der Augenschein stellt fest, dass diese Strecke nur noch durch ein Quad befahrbar ist, obwohl überall versucht wurde, die tiefen Löcher mit schweren Ästen zu minimieren.

Wheeler Geologic Area

Es geht wieder bergab, immer die Dirtroad und der Waldgrenze entlang. Nach 11 Kilometern führt die Strecke ins Unterholz; Baumstämme blockieren den Weg und ein paar hundert Meter weiter der Hammer! Erster Sichtkontakt, durch die Bäume hindurch, mit der Wheeler Geologic Area, die auch als Wheeler Monument bekannt ist. Meilenweit nur Wald und Wiesen und dann auf einmal so eine Felsenlandschaft. Man kann es kaum beschreiben. Wir haben schon viel, aber noch nichts ähnliches gesehen.

Nach 11,65 Kilometer ist die Road zu Ende und der Trail geht nun ziemlich bergauf. Nach 12,3 Kilometern beginnt der sogenannte Wheeler Loop, ein Rundweg um das Monument herum. Wir gehen nach links und verlassen kurz darauf den Trail und damit den Wald zum ersten Viewpoint. Wir stehen plötzlich mittendrin in dieser zauberhaften Landschaft mit Zwergen, Hoodoos, Wellen und Zelten. Uns fehlen die Worte. Nur der Fotoapparat macht Lärm. Außerirdische haben hier ihre Eier abgelegt, die sich fast wie Tannenzapfen schuppen. In Reih' und Glied stehen sie senkrecht und warten nur darauf, dass E.T. sie abholt.

Wheeler Monument

Bis jetzt hatten wir Glück mit der Sonne, aber es kommen dicke Wolken bedrohlich nahe, als wir den zweiten Viewpoint erreichen. Aber das Licht hat uns auch hier den Gefallen getan. Wir haben es unterstützt indem wir mit einem kleinen Berglauf die Zeit bis zum nächsten Fototermin verkürzten. Hier steht eine Bank und lädt zum Verweilen ein. Aber wir haben noch keine Zeit, denn wir müssen noch etwas weiter zum 3. Viewpoint. Und so stehen wir jetzt nach gut 13 Kilometern auf schneeweißem Felsen und blicken hinunter in die unbeschreibliche Geologie.

Wheeler Monument

Wheeler Monument

Zurück am zweiten Viewpoint erwartet uns die Bank und die Sonne. Überglücklich staunen wir das Monument an. Extraterrestrische Eier, Säulen und Tore, die der verlassenen Felsenstadt Petra in Jordanien in nichts nachstehen, graue Felsen, die ein Indianerdorf respektive deren Zelte nachgebildet haben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nur die Zeit tut es, denn der Rückweg dürfte vermutlich weitere 4 Stunden in Anspruch nehmen.

Wheeler MonumentWheeler Monument
Wheeler MonumentWheeler Monument

Und so war es dann auch. Zu allem Überfluss hat es auch noch kurz geregnet, aber als wir die letzte Steigung nach der Wasserdurchquerung angegangen sind, ist ein Ende abzusehen. Aber das muss jetzt auch her, denn wir sind schon ziemlich Kroki. Es waren weniger die Höhenunterschiede, als die Wanderhöhe selbst, die immer über 3.150 bis zu 3.500 Metern lag, die uns etwas fertig machten. Na ja, - 26 Kilometer ist ja auch nicht sehr kurz für eine Bergwanderung. Aber die Temperatur mit durchschnittlich 65 Grad war perfekt. Und so stehen wir jetzt endlich wieder vor unserem Auto, trinken Eistee, ich rauche gemütlich eine Zigarette, bin zufrieden mit mir und der Welt und wir beide sind noch immer hin und weg von der Landschaft dort oben.

Das Abendessen gibt es beim Mexikaner, direkt auf der anderen Straßenseite unserer Herberge. Wir sind für heute auch genug gelaufen. Als wir zurückkommen hängt ein Zettel an unserer Tür, ob wir morgen um 8.30 Uhr zum Frühstück kommen? Die Herbergsmutter hat wohl ein Späß'le g'macht. Da sind wir schon ...

Sonntag
Der Westen treibt uns voran, in einer Stunde gäbe es Frühstück, aber was soll 's? Wir lassen uns nicht aufhalten und wenn man ganz ehrlich ist, diese "intimen Veranstaltungen" in diesen Bed & Breakfast-Herbergen ist nicht so unser Ding. Es geht also erneut am Rio Grande entlang. In Creede ist noch alles dicht. Am Sonntag wollen die Leute selbst auf dem Land etwas ausschlafen. Und Kühe, die gemolken werden müssen, haben die ja auch schon lange nicht mehr. Auf der 149er liegt der Mineral Arch, tut er auch wirklich, aber ein Zaun hindert uns an dem Hike. Wir drehen um.

Wieder zurück in South Fork, das waren 79,5 Meilen umsonst, sitzen wir endlich beim Frühstück im Old Firehouse. Es ist eine nagelneue Baracke, das Café war 2008 noch in Creede. 9 Uhr: Eineinhalb Kilometer weiter westlich hätte es ein vermutlich gutes Frühstück gegeben, das wir bereits bezahlt haben. Blöd sind wir schon, gell, aber manchmal geht es uns damit sehr gut. Und jetzt geht es uns gut, denn gut gestärkt brechen wir erneut auf.

Wir fahren auf der 160 East bis zur County Road 17, dann die 15 und 66. Die 66er ist bereits ungeteert, aber frisch gegradet, so dass es unproblematisch ist, voran zu kommen. Es geht nach rechts, das Schild zum Natural Arch weist auf die CR 660 und dann nach links auf die CR 659. Auf dieser Dirtroad sind es noch 1,6 Kilometer bis zum Arch. Sie wird immer als "very rough" beschrieben, aber auch hier wäre es für einen PKW mit guten Reifen kein großes Problem. Wir parken direkt unter einer Ridge, auf der der La Ventana Saguache Arch thront.

La Ventana Saguache Arch Rio Grande National Forest

Ein kurzer, aber steiler Aufstieg verbrennt die Frühstückskalorien. Aber es dauert keine 10 Minuten, dann sind wir oben. Das Felsentor, diese Bezeichnung trifft es hier wirklich, steht auf diesem Bergkamm und bildet den Rahmen für unglaubliche Blicke in die Ebenen und die Rockies. Wir genießen diese Momente, auch wenn Unheil droht, denn die Wolken sind inzwischen bedrohlich schwarz. Insbesondere in der Richtung zum Wheeler Monument massiert sich das Unwetter. Da haben wir gestern vermutlich sehr viel Glück gehabt.

Auf nach Albuquerque ins schöne Wetter! In Alamosa geht es rechts und nach 190 Meilen erreichen wir New Mexico. Wir fahren über eine Hochebene, das Taos Plateau, an einem Schildvulkan vorbei, und betrachten die dunklen Wolken inzwischen im Rückspiegel. Kurz vor Espaniola suchen wir eine Autowaschanlage, aber zum Anstellen haben wir keine Zeit und sonntags ist dann doch zuviel los. In Santa Fe erreichen wir die Interstate 25, es hat 82 Grad, von dunklen Wolken keine Spur mehr.

Das Hotel Andaluz empfängt uns freundlich, aber unser Zimmer ist noch in Arbeit. Aber irgendwann sitzen wir an der Hotelbar, genießen ein Bier und denken zurück an den gestrigen Hike. Im Hotelrestaurant wechseln wir einmal den Platz, denn die Klimaanlage bläst uns fast das leckere Essen vom Tisch. Dann drehen wir noch eine Runde durch Albuquerque, aber es hängt hier am Messezentrum viel Gesindel herum, das macht keinen Spaß.

Montag
Es hat bereits früh morgens sehr angenehme Temperaturen, so dass Frühstück im Freien angesagt ist. Walmart und Carwash, eine unschlagbare Kombination, aber die war "Out of Order", die Autowaschanlage. Und so muss uns unser Dreckskarrn über die Interstate 40 bis zum Exit 175, Tijeras, bringen. Nach 20 Meilen parken wir am Trailhead, am Ende einer Anwohnerstraße.

Wir starten in der Sandria Wilderness im Cibola National Forest auf dem Crest Trail 130. Nach 700 Metern sind wir an den Travertine Falls. Aber die sind nur ein kleines Rinnsal. Es ist angenehm, da der Weg größtenteils im Schatten liegt, hat aber den Nachteil, dass man außer Wald nichts sieht. Aber unsere Zeit wird kommen. Nach 3 Kilometer ist sie immer noch nicht da. Wir stapfen im Wald und hier ist der Umkehrpunkt der Wanderung. So wie das aussieht, werden wir auch auf dem Rückweg keine Blicke auf Albuquerque oder ins freie Land haben. Der Trail geht zurück als Upper Faulty Trail 195A und nach 5 Kilometer gibt es dann endlich etwas zu sehen. Unten liegt die Ebene und ein Kraftwerk - sehr spannend! Wir erreichen den Faulty Trail und sind nach 8,45 Kilometer zurück. Also das passiert uns selten: Der Bursche der den Trail im Internet beschrieben hat, hat geschwärmt und ihn zu seinem Lieblingstrail erkoren. Monaco Franze: Ein rechter Scheißdreck war 's!

Sandia Mountain

Wir fahren in die Uptown von Albuquerque ins Coronado Center: Powershopping! Und dann endlich Auto waschen, denn wir wollen natürlich gepflegt in Las Vegas ankommen.

Heute gehen wir ins Hyatt an die Bar und zum Abendessen. Und so sitzen wir nun, ich bestelle mir ein Heineken und muss mich schon wieder ärgern. Mangels Flaschenöffner gibt die Bardame meine Flasche einem Stammgast und der macht das Teil mit seinem Ehering auf. Also, ich bin sprachlos und das kommt sehr selten vor. Nachdem auch noch die Speisekarte inzwischen nicht mehr so der Hit ist, wechseln wir wieder in unser Hotelrestaurant.

Dienstag
Wir haben die Strecke nach Las Vegas, obwohl nicht das erste Mal gefahren, etwas unterschätzt und morgens getrödelt, so dass wir erst kurz vor 9 auf der Piste sind. Immer die Interstate 40 nach Westen, nach 162 Meilen erreichen wir Arizona und nach 493 Meilen bei Kingman geht es ab auf die 93er nach Norden.

Las Vegas, 108 Grad Fahrenheit, das Cosmopolitan erwartet uns. Es ist noch nichts los am Check-in und John D. gibt uns ein Upgrade in ein höheres Stockwerk. So ist 's recht! Ich stehe im 34. Stock im Westend Tower und blicke von unserem Balkon auf die Fountains des Bellagios. Es tut gut hier zu sein.

Das Essen im Spago war gewohnt gut und anschließend sind wir noch etwas auf Einkaufstour gegangen. Im Aria an der Lobbybar gab es noch einen Absacker und nach dem letzten Blick vom Balkon sind wir mit Sicht auf den Eifelturm selig eingeschlafen.

Las Vegas

Mittwoch
Nach dem Frühstück im Bellagio liegen wir am Bamboo Pool und genießen es, bis nachmittags einmal nichts zu tun. Dann sind wir noch in die Fashion Show Mall, aber der Weg dorthin war schon schweißtreibend, so heiß ist es heute.

Das Abendessen im Blue Ribbon war einzigartig - eine echte Empfehlung!

Donnerstag
Der nächste Faulenzertag beginnt mit einem sehr guten Frühstück im "The Henry", dann zum Pool. Nachmittags durch die Miracle Mile Shops im Planet Hollywood und abends ins Palazzo. Wir sitzen an der Bar des Lavo, hier wären wir gerne zum Essen geblieben, aber wir hatten bereits im Table 10 reserviert. Service und Essen waren abartig - abartig schlecht!

Freitag
Heute früh gibt es nur Kaffee auf dem Zimmer, wir sind von der Bewegungslosigkeit und dem permanenten Fressen sozusagen "closed to the edge"! Aber das wird jetzt wieder anders, denn wir brechen zu unserer abschließenden Hikerrunde in den Nordwesten auf. Es geht die Interstate 15 nach Nordosten in Richtung Salt Lake City. Nach 86 Meilen erreichen wir kurz Arizona und dann Utah. Leider verlieren wir hier wieder eine Stunde.

Die Interstate überfährt den Heiligen Sankt Georg sozusagen, wir auch, denn erst nach Saint George, am Exit 22, setzen wir den Blinker und schleichen die Main Street durch Leads. Ziemlich am nordöstlichen Ende des Dorfes geht es nach links in die Silver Reef Road, unter der Autobahn durch und nach drei Meilen wird die Straße im Dixie National Forest ungeteert. Die Dirtroad führt zuerst am Leeds Creek entlang und umrundet anschließend das Red Reef nach links. Bis zum Big Hollow Creek ist die Straße wunderbar zu befahren, erst die letzte Meile wird ein wenig rauer und ist hier vermutlich für PKWs nicht mehr geeignet. Wir parken an einem von maximal zwei Möglichkeiten direkt am Trailhead, gegenüber der Road 903, der sich mitten auf der Yant Flat befindet.

Der Trail ist eine alte, teilweise sehr sandige Jeeproad, - sie führt uns nach Süden. Es geht moderat nach oben. Nach 850 Metern halten wir uns rechts und nach 1,8 Kilometer verlassen wir den Trail und gehen querfeldein an die Canyonkante des Cottonwood Creeks, die wir nach 2,35 Kilometern erreichen. Ein weiteres Naturwunder liegt vor uns. Brainrocks in Rotweiß mit Aussicht auf die Ebene und das Dorf Washington. Fantastisch!

Yant Flat

Wir steigen auf felsigem Untergrund hinunter und genießen die farbenfrohe Landschaft mit den außergewöhnlichen Felsstrukturen. Swirls, Scharten, Hügel, Schildkrötenpanzer, ein Höhepunkt jagt den anderen. Weiße Wellen bemalen rote Steine und schwingen sich von einem Hügel zum anderen. Dazwischen versucht die Flora etwas Boden gut zu machen. Das gelingt jedoch nur spärlich.

Yant Flat

Yant Flat

Nachdem wir in einer Linkskurve rund einen Kilometer von einer Felsformation zur anderen gewandert sind, erreichen wir ein enges Flussbett, das in Richtung Heath Wash führt. Boulder sind zu übersteigen oder Ausweichmanöver müssen her, um der Wash folgen zu können. Das ist nicht sehr angenehm, aber das Ergebnis belohnt uns. Am Ende des schmalen Flussbettes werden die Farben noch intensiver und abwechslungsreicher. Gelb kommt hinzu und die schuppigen Hügel des Abhangs sind einfach nur toll. Hier ist das wahre Highlight dieser Lokation.

Yant Flat

Nach 8 Kilometern, wir waren dreieinviertel Stunden unterwegs, sind wir zurück am Trailhead und am Auto. Eine sehr schöne Wanderung geht zu Ende und wir donnern weiter nach Nordosten. Ein "kleines Päuschen" im Subway bringt verbrauchte Energie zurück und kurz nach 20 Uhr sind wir in Salt Lake City. Das Hilton hat für uns ein schönes Zimmer im 17. Stock mit Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge. Wir nehmen noch ein Bier und einen Salat an der Bar des Spencer's im Hotel und dann ist es genug für heute.

Samstag
Das Frühstücksbuffet ist gut, es gibt frisch zubereitete Omeletts oder Eier und das, was es halt überall gibt und dazu gehört. Um 9 Uhr starten wir bei bewölktem Himmel, es hat 61 Grad. Wir sind in den Rockies und im Norden angekommen. Der Exit 365 auf der Interstate 15 gehört uns und es geht nördlich des großen Salzsees über die Utah 13 und dann links in die 7200 Nord. Das ist der Golden Spike Drive, der zur gleichnamigen National Historic Site führt. Das Schild "East Tour" weist uns den Weg auf eine ungeteerte, jedoch vernünftig zu befahrende Gravelroad. Auf zum Chinesen!

Der Chinese Arch, politisch korrekt heißt er nun Chinaman's Arch, wie wenn es auf der Welt keine anderen Probleme gäbe, steht auf einem Hügel und lenkt den Blick auf die wunderschöne Landschaft. Rechts liegen die Promotory Mountains und vor uns beginnt nach einer ausgedehnten Ebene die North Bay des Salt Lake. Wie ein verschobener Türrahmen steht dieser nette Steinbogen im Gelände.

Chinese Arch aka. Chinamans Arch

Es geht zurück zur Interstate 15. Am Exit 385 quält sich die breite Utah 30 über die Hügel und Berge, bis zum wunderschönen Ort Logan. Dort geht es auf die 89er, vorbei an einer imposanten Universität, prachtvollen Häusern links und rechts des Logan Rivers, dann der mondäne Logan Country Club, - die Straße bricht in den Logan Canyon ein. Es sind rund 0,4 Meilen bis zum Trailhead, der nach dem Milemarker 466 links liegt.

Der Wanderweg zum Wind Cave Arch ist gut beschildert und führt in Serpentinen nach oben durch den Wald. Er gibt aber sehr bald immer wieder tolle Ausblicke auf die umliegenden Berge und ins Tal frei. Bereits nach einem Kilometer ist der ungewöhnliche Felsbogen sichtbar. Nach drei Kilometern, 47 Minuten, stehen wir nun mitten in dieser Höhle mit vielen Öffnungen. Der Ausblick ist gigantisch und die Wind Cave macht ihrem Namen alle Ehre, denn die schnell bewegte Luft pfeift durch "alle Ritzen". Es ist ziemlich touristisch hier, aber wir haben einen guten Slot erwischt und die Sonne kommt auch noch durch. Nach 6 Kilometern in knapp zwei Stunden sind wir wieder am Trailhead.

Wind Cave Arch

Wind Cave ArchWind Cave Arch

Im Gateway Shopping Center erledigen wir die letzten Einkäufe, genießen ein Bier in der unweit vom Hotel liegenden Brewery und einen leckeren Tunfisch im Market Street Grill and Oyster Bar.

Sonntag
Es geht bergauf, denn es hat bereits morgens 66 Grad. Steffi wartet mit einer kleinen Überraschung auf uns, denn unsere nächsten beiden Ziele sind irgendwie zuhause "in der Leitung verschwunden". Also PC ausgepackt und Übertragung gestartet. Ich liebe die Technik.

Als wir auf der Interstate 15 den Kartoffelstaat Idaho nach 95 Meilen erreichen, ist eine Tank- und Zigarettenpause notwendig. Und als ich so vor mich hindampfe und das Auto mangels Alternativen mehrmals umrunde, stoppt mein Blick auf dem linken Vorderreifen. Gut, dass der Lenker eingeschlagen ist, denn ansonsten wäre das Malheur nicht zu entdecken gewesen. Nach außen sieht der Reifen top aus, aber an der inneren Lauffläche kommt der Pneu den Slicks der Formel 1 nach etlichen Runden schon sehr nahe. Scheint wohl der Sturz nicht zu stimmen. Sieht nicht gut aus, ich fühle, ziemlich dünner Gummi knapp vor der Leinwand. Dieses Thema wird uns begleiten, beschäftigen und eskalieren.

Exit 93 in Blackfoot geht es über den Snake River und unzählige Landstraßen nach Arco und Howe. Noch nie gehört? Macht nichts, wir auch nicht! Mitten im Little Lost River Valley, wie bezeichnend, geht es über ausschließlich rechtwinklige Kurven und schnurgerade Straßen an die Ausläufer der Lemhi Range. Der Teer verabschiedet sich und die Dirt Road, die uns jetzt nach Osten führt, wird immer steiniger. Reifenpanne hier im Nirgendwo? Dürfte keinen großen Spaß machen. Also siegt irgendwann die Vernunft und wir laufen die restlichen 1,2 Meilen bis zum Wind Tunnel Arch.

Wind Tunnel Arch

Einsam durchstreifen wir die ansteigende Ebene entlang der Dirtroad zu einer Felsenwand . Das Auto entfernt sich und ich versuche immer wieder zu erkennen, ob es auch noch auf "vier Füßen" steht. Erst kurz vor dem Felsentor geht es querfeldein bergauf. Im Slalom um Kakteen und kratzige Sträucher, erreichen wir den braunen Arch. Mitten drin hat es sich ein Baum bequem gemacht und von hinten rahmt der Steinbogen das Bild in die Ebene des Little Lost River Valleys.

Wind Tunnel Arch

Als wir uns auf dem Rückweg nochmal umdrehen, wird der Arch von der Sonne angestrahlt. Leider zu spät, aber wir sind schon froh, dass es nicht regnet. Nach 3,75 Kilometern, eine knappe Stunde hat es gedauert, sind wir zurück, nachdem wir fast hysterisch geworden sind, so viele Heuschrecken peppten immer wieder aus der Ebene auf unsere Körper. Bäh!

Wir fahren erneut auf die 20er und über die US93 am Crater of the Moon National Monument vorbei. Eine tolle Lokation, meilenweit pechschwarze Lava, Lavakegel mit vereinzelt leuchtenden grünen Bäumen als Kontrast. Leider fehlt auch hier die Sonne und uns die Zeit. Um 17 Uhr sind wir in Twin Falls, beziehen ein schönes großes Zimmer und zum Abendessen gehen wir ein paar Schritte ins Chilli's. Das Essen war o.k., das Ambiente nicht.

Montag
Wir brauchen Kraft für den Tag und so lassen wir das Continental Frühstück sausen und essen Spiegeleier im IHOP. Es ist 8.15 Uhr, stark bewölkt und es hat nur 55 Grad. Schade, denn ein echtes Highlight wartet: Die City of Rocks - Gooding Unit.

Die Interstate 84 bringt uns nach Westen bis zum Exit 157; es geht dann auf der ID 46 nach Norden. Gooding, ein Dorf, wie man sich ein Dorf in Idaho vorstellt, und dann unmittelbar nach der Flat Top Butte nach dem Milepost 128 links ab in die City of Rocks Road. Es regnet inzwischen bei 49 Grad, aber Gott sei Dank ist die ungeteerte Straße sandig und auch sonst wunderbar befahrbar, so dass die 8,58 Meilen lange Offroad-Fahrt gelingt. Wir parken unser Auto sozusagen mitten in den Wolkenkratzern der City.

City of Rocks Gooding Unit

Der Trail führt zuerst die Straße weiter. Beeindruckende Felsformationen erfordern immer wieder Abstecher nach links oder rechts. Nach 1,5 Kilometern wird der Blick von der Steinlandschaft abgelenkt, die nun sichtbare weite Ebene wird nur durch ein paar Creeks unterbrochen, reicht aber unglaublich hinaus. Und wenn das Wetter schöner wäre, könnte man bestimmt bis zur Interstate sehen.

City of Rocks Gooding UnitCity of Rocks Gooding Unit

An einem Zaun, 2,3 Kilometer vom Trailhead entfernt, verlassen wir den Trail und steigen nach Westen in einen Seitenarm des Coyote Creeks ab. Steil geht es hinunter. Der Canyon ist von mächtigen Sträuchern mit weißen Blüten zugewachsen. Die vereinzelt stehenden Felsen der City sind Vergangenheit, hier finden wir eine Siedlung nach der anderen. Eng zusammen wachsen sie in den Himmel, die Felsen, und die Spitzen bilden Tier- und Menschenköpfe nach. Die dunkelbraunen Felsen sind mit hellgrünen Flechten überzogen. Es ist wunderbar.

City of Rocks Gooding UnitCity of Rocks Gooding Unit

Leider müssen wir wieder kurz nach oben, denn die Flora hat sich so breit gemacht, dass ein Durchkommen im Canyon unmöglich wird. Aber schon bald sind wir wieder am Canyonboden und wandern in ein kleines Seitental mit schönen Felsformationen. Wieder zurück gehen wir den Hauptcanyon des Coyote Creeks nach rechts. Es beginnen 3,8 Kilometer mit teilweise abenteuerlichen Passagen. Der Canyon verengt sich und wir marschieren durch den Bach, der, trotz Regen, kaum Wasser führt. Einmal mussten wir hochsteigen, da riesige Boulder den Weg total blockierten. Links und rechts des Weges türmen sich die Felsen auf, die Adler kreisen am Himmel und begleiten uns. Es ist schön und schön einsam hier. Die Spitzen der Felsnadeln lassen ungeahnte Interpretationen zu und die Büsche mit ihren schneeweißen Blüten bilden sozusagen den Teppichboden des Gemeindezentrums der Stadt.

City of Rocks Gooding Unit

Wir halten uns immer rechts in der Hauptwash, auch wenn es ab und zu nicht den Eindruck macht, dass es hier weiter geht. Ein Trail wird immer wieder sichtbar, verliert sich zeitweise aber auch. Kurz vor der Quelle, der Coyote Spring, geht es nach rechts. Aber nicht bevor wir auf der anderen Seite der Abzweigung den City Double Arch erspähen und erkunden. O.k., aber nun zurück zum Auto. Der Weg zur Coyote Spring funktioniert leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Zuerst klettern wir links über steile Boulder. Leider in der Erkenntnis, dass es hier nicht weiter geht. Dann gehen wir wieder zurück und sehen eigentlich keine Möglichkeit mehr. Jedoch ein letzter Versuch rechts durch die Büsche klappt dann wunderbar. Der Eingang in das Buschwerk ist kaum zu erkennen, aber wenn man ihn mal gefunden hat, ist der Weg durch den Großstadtdschungel recht einfach.

City Double ArchCity Double Arch

Noch vor der Quelle steigen wir hoch und kommen wieder in unsere Wolkenkratzergegend. Das Auto ist nicht mehr weit, aber die gut 11 Kilometer City-Sightseeing mit Hindernissen haben dann gereicht. Wir waren fünfeinviertel Stunden unterwegs. Eine tolle Gegend, sie sieht uns wieder, dann hoffentlich bei schönerem Wetter und angenehmeren Temperaturen.

Bei der Heimfahrt schüttet es in Strömen. Was sagt uns das? Es hätte schlimmer kommen können! Das Abendessen im Outback Steakhouse war gewohnt gut.

Dienstag
Heute früh ist es sehr kalt, dafür scheint die Sonne, als wir um 8.30 Uhr das Hotel verlassen. Wir nehmen die gleiche Strecke wie gestern, nur dass wir schon nach 24 Meilen die 46er verlassen und nach links zur Little City of Rocks einbiegen. Die 1,15 Meilen abseits des Teers bis zum Parkplatz vor einer Mauer sind ungeteert, wurden aber trotz einiger größerer Löcher auch von PKWs befahren.

Eine Mauer aus braunen Findlingen scheint den Zugang zum Little City of Rock Canyon zu versperren, was sie vermutlich auch mal tat, aber auf der rechten Seite führt der Weg in den weiten Canyon. Links und rechts steigen die Hügel zur Ebene an, mal steil, mal eher sanft. Die Steinsäulen markieren die Abhänge und stehen teilweise gewaltig in den Himmel. Es ist schön hier!

Little City of Rocks Gooding

Bereits rechts, ziemlich am Talboden, wartet ein gewaltiger Steinbogen auf uns. Der Pillar Arch mit seiner schlanken Öffnung steht da, wie der Buchstabe A. Etwas schief, aber vermutlich wendet er sich von der riesigen Steinsäule ab, die auf seiner hinteren Flanke steht. Wir queren den Canyon und steigen auf der linken Seite zum Caterpillar und Elephant Arch auf. Von hier oben sieht man wunderbar in den Canyon, der in einem weiten Bogen nach rechts hinten verläuft.

Little City of Rocks Gooding

Wir folgen dem Einschnitt, immer wieder fasziniert von den dunkelbrauen, mit hellgrünem Moos durchsetzten Steingebilden. Wie aufgereihte Zinnsoldaten, die einen Überfall planen, lauern sie an den Hängen des Canyons. Nach knapp 2 Kilometern teilt sich das Tal. Wir sitzen etwas erhöht in der Sonne, genießen die Wärme und die Aussicht, - diese kleine Felsenstadt ist unglaublich! Wir halten uns nach rechts und beschließen, nach 2,5 Kilometer nach Süden zur Ebene aufzusteigen, um das Schauspiel von oben zu betrachten. Querfeldein quälen wir uns nach oben. Steinsplitter erschweren das Vorwärtskommen, der Schweiß fließt endlich wieder. Aber es sind keine 200 Meter, die uns von der Oberkante des Little City of Rocks Canyons trennen.

Little City of Rocks GoodingLittle City of Rocks Gooding

Die Rund- und Aussicht von hier oben ist gigantisch. Die von unten so mächtig wirkenden Steinsäulen erwecken den Eindruck von filigranen Nadeln. Im Hintergrund die weite Ebene, in der Gooding liegt. Das Braun des Canyon verliert sich dort in das saftige Grün des Farmlandes. Nachdem wir einen Einschnitt umgehen mussten, tauchen wir in das Gewirr der Felsen ein. In Schlangenlinien umrunden wir die Brocken und "alle Meter" thront ein Steinbogen über unseren Köpfen. Dog Arch, Trunk Arch, Five Finger Arch, - aber nicht nur der Archhunter hat die hellste Freude an dieser Natur.

Little City of Rocks GoodingLittle City of Rocks Gooding

Dort, wo der Canyon beginnt, finden wir einen Abstieg ins Tal. Die Sache ist dann gleich erledigt und nach 5,4 Kilometern in dreieinviertel Stunden beschließen wir unsere Wanderung. Bis auf den Aufstieg war es eher ein relaxter, angenehmer Spaziergang durch ein Wunderland aus Steinen und Arches.

Nachdem wir einen Hike zu Lavabrücken abgebrochen haben - wir hatten einfach keine Lust mehr -, stehen wir nun auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Oh, oh, - der linke Vorderreifen ist kurz vor dem Kollaps, die Leinwand schaut an der Innenseite der Lauffläche durch. Ein Wunder, dass er die Offroadfahrt heute überstanden hat. Das Problem muss gelöst werden! Und nachdem die Einkäufe erledigt sind, fahre ich zu einem Reifenhändler, der Gott sei Dank nahe an unserem Hotel war. Ich habe das Reserverad aufziehen lassen, das war aber in einer Stunde erledigt. Und gekostet hat es nichts, denn die Firma konnte direkt mit Hertz abrechnen. O.k., dann sind wir jetzt ohne Ersatzreifen unterwegs. Das ist zwar alles andere als gut, aber zumindest ist das akute Problem erledigt. Die Sache ist aber noch nicht ausgestanden.

Abendessen gibt es im Applebee's. Na ja!

Mittwoch
Wir verlassen Twin Falls bei Regen und satten 45 Grad über die Interstate 84 nach Westen. Kurz vor Wendell meldet sich der Tahao, respektive das Monitorsystem. Es zeigt den gewechselten Vorderreifen als Flattire an. Blinker nach rechts und runter von der Autobahn. Das Teil sieht jedoch wunderbar aus, aber vorsichtshalber fahre ich zu einer kleinen Werkstatt in Wendell. Alles ist gut, meint der Fachmann! Der Reifen ist nicht ins System integriert. Komischerweise wird er aber angezeigt. Nun gut - irgendwann muss man jemandem vertrauen, insbesondere dann, wenn man es nicht besser weiß.

Auf der Weiterfahrt kontrollieren wir trotzdem ab und zu die Pneus. Und nun zeigt sich leider, dass der Vorderreifen rechts auch seinen Geist aufgibt. Gleiche Stelle wie links, innen an der Lauffläche kein Profil mehr. Jetzt reicht' s! Boise, die Hauptstadt Idahos, hat einen Internationalen Flughafen, Gowen Field, und damit dürften alle namhaften Autovermietungen vor Ort sein. Der hochmoderne Airport beherbergt einen mondänen, ausladenden und schönen Hertz-Counter. Nur die Arbeitsprozesse sind alles andere als modern. Die nette Hertz-Dame hat irgendwann 15 Zettel vor sich liegen, kennt sich kaum mehr aus, braucht den Supervisor, aber nach 30 Minuten habe ich dann ein neues Auto. Es ist exakt der gleiche Tahoe, nur die Reifen sind 1a. Problem erkannt, Problem gebannt! Mit einem sehr guten Gefühl donnern wir nach Oregon.

Auf dem Central Oregon Highway, der US 20, vorbei an orange-gelben Hügeln hat der Regen endlich aufgehört. Und auf dem John Day Highway, OR 26, sind wir dann wirklich auf dem Land. Die Autofahrer grüßen sich, nett! Mitten in den Bergen zieht Nebel auf und die Temperatur fällt unter 50 Grad. Jedoch über den Brogan und den Eldorado Pass kommt die Sonne durch. Zahllose Bergstrecken, jetzt bräuchten wir ein Motorrad, führen uns durch den Malheur National Forest. Irgendwann nach dem Dixie Summit kurvt die Straße in ein wunderschönes Tal hinunter, Prairie City, das vom John Day River und dessen Zuflüssen gegraben wurde. Im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Berge der Strawberry Range.

Nach dem Milemarker 172 nehmen wir dir Keeney Forks Road nach rechts. Es geht hinauf! Links und rechts der Straße raucht es - nein, kein Nebel - und bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass abgebrannte Baumstümpfe noch glimmen. Wird schon gut gehen, die Feuerwehr verlässt doch nicht einen Ort, an dem Gefahr in Verzug ist, oder? Wir sind oben an der Kreuzung, die bezeichnenderweise 4 Corner heißt. Wir biegen nach rechts ab, die Straße wird ungeteert. Ohhhh! Rote Fahrzeuge, daneben viele Menschen mit Gasmasken und Helmen. Ahhhh, da sind sie ja, die Firefighter. Cheffe winkt uns durch, also alles ist gut!

Die gut zu fahrende Dirtroad bringt uns nach 9,5 Meilen zum Arch Rock Trail 258. Wir stehen nun praktisch mitten im Wald. Turnschuhe genügen für den kurzen Hike. Ein schmaler Pfad führt uns nach oben. Relativ moderate Steigung, aber endlich Bewegung. Schon nach 400 Metern stehen wir vor dem schönen Arch Rock, der hier in der Umgebung irgendwie nicht erwartet wird. Nach 20 Minuten sind wir zurück am Auto, treffen einen Waldarbeiter, der uns seine Lebensgeschichte erzählen will. Schön, Dich getroffen zu haben, aber wir müssen weiter.

Arch Rock Maleur Forest

Um 17 Uhr, es hat sonnige 73 Grad, kommen wir im Ort John Day an. Ein Elendsnest, aber mangels Alternativen das beste, was man kriegen kann. Das Zimmer im Best Western ist sauber, was will man mehr. Wir gehen in eine hiesige Bar und die zahnlosen Menschen sind sehr nett zu uns. Das Abendessen im Outpost Restaurant war unerwartet gut.

Donnerstag
Das Frühstück reduziert sich auf Kaffee und ein süßes Teilchen. Wir haben gestern Abend echt zuviel gegessen und so toll ist das Continental Breakfast im B.W. auch nicht. So starten wir bereits um 7.30 Uhr, - es geht den John Day Highway weiter. Das ist eine unglaublich malerische Strecke entlang des John Day Rivers. Mit jeder Meile werden die umliegenden Felsen bunter. Nach 36,5 Meilen erreichen wir über die OR 19 die Sheep Unit des John Day Fossil Beds National Monuments. Das Visitor-Center hat noch geschlossen und wir fahren direkt ins Blue Basin zum Trailhead des Overlook Trails.

Ein schmaler Pfad führt am Felsmassiv entlang zur Turtle Cove, mit den ausgewaschenen, im Schatten hellblau schimmernden Zinnen und Hoodoos. Es geht nun moderat bergauf, grüne Boraxfelsen und rote, eisenhaltige Hügel wechseln sich auf dem braun-rot-gelben Untergrund ab. Nach zwei Kilometern kommt die erste Aussicht in das Tal, in dem der John Day River dunkelbau dahin fließt, eingerahmt von grünen Uferpflanzen und farbenfroher Geologie. Rote und gelbe Hügel spitzen aus den sanften Hängen. Hier steht eine Bank. Ein Schild weist darauf hin, dass das der einzige schattige Platz auf dem Trail ist: Zigarettenpause!

John Day Fossil Beds National Monument

John Day Fossil Beds National Monument

In Serpentinen geht es weiter nach oben. Nach 2,3 Kilometern stehen wir am Rim und ein kurzer Nebenpfad führt direkt zu einem Overlook. Der hufeisenförmige Canyon breitet sich in voller Pracht vor uns aus. Alle Grauschattierungen, die bei bestimmten Lichtverhältnissen eine blaue Farbe annehmen, zieren die ausgewaschenen Felsstrukturen. Die unwirkliche Mondlandschaft wird von der bunten Umgebung eingerahmt. Dunkelrote Felshügel, saftig grüne Wiesen und gelbe Felswände komplettieren das wunderschöne Bild. Es ist echt sehr außergewöhnlich und schön hier, - wir genießen es!

John Day Fossil Beds National Monument

John Day Fossil Beds National Monument

In Serpentinen geht es hinunter in den Canyon, das sogenannte Blue Basin. Nach knapp 5 Kilometern haben wir den Boden erreicht und wandern nun rechts in den Canyon hinein. Ausstellungen von Fossilien am Trail entlang sind ja auch ganz interessant, aber schöner sind die Felsskulpturen, die sich unmittelbar neben dem Pfad erheben. Irgendwann endet der Wanderweg und wir kehren um. Eben und immer geradeaus führt uns der Trail aus dem Canyon hinaus und zurück zum Auto, das wir nach knapp zweieinhalb Stunden und 6,5 Kilometern erreichen. Die Wanderung war einfach, wir schwitzen trotzdem, denn es hat inzwischen über 80 Grad.

4,5 Meilen weiter halten wir an einer Picnic-Area, die gleichzeitig der Trailhead für zwei kurze Wanderungen ist. Der Flood of Fire Trail und der Story in Time Trail zeigen erneut eine interessante und farbenfrohe Geologie.

Landschaftlich wunderschöne Strecken führen uns über die Oregon-Highways 19 und 206. Bald taucht die Cascade Range und die Vulkane des Ring of Fire auf. Gewaltig, fast mahnend stehen diese Bedrohungen in der Landschaft. Ein sogenannter Mountain Identifier zeigt uns drei Gipfel, die besonders nahe und gut auszumachen sind: Mount Adams, Mount Hood, der schönste, und Mount Jefferson. Wie mit Sahne übergossen strahlt uns der ewige Schnee dieser Berge entgegen. Wolken umkreisen die Gipfel. Im Vordergrund drehen Windräder ihre Kurven. Die Kulisse ist einzigartig!

Ring of FireRing of Fire

Nach 171 Meilen erreichen wir den Columbia River, der die Grenze zwischen Oregon und Washington State ist. Auf der Interstate 84 geht es immer am Fluss entlang weiter nach Westen bis Hood River. Um 15.30 sind wir im Best Western angekommen. Das Beste am Zimmer ist der Balkon, der praktisch direkt am Fluß und an der Hood River Bridge steht. Ein herrliches Rauchereck, habe mich selten so wohl gefühlt.

Hood River

Die Hotelbar ist wunderbar, aber im Restaurant haben wir uns wie vor vier Jahren geärgert. Schlechter Service ist das Hauptübel hier, das Essen ist ganz o.k.. Bei unserem Verdauungsspaziergang entdecken wir auf der anderen Seite der Interstate, erstaunlicherweise kommen wir gefahrlos und sogar auf Gehwegen dorthin, ein Restaurant. Leider war es ein Chinese, also keine Alternative für morgen, - für uns jedenfalls.

Eagle Creek High BridgeFreitag
Monika hat die Nacht nachgedacht und am frühen Morgen die Bestätigung gesucht: Ich habe in unserem Reisebericht 2010 nachgelesen, dass wir damals schon im Ort nach einem Restaurant gesucht haben und nicht fündig wurden. Nun gut, beim Frühstück war der Service schon besser, bei Eiern und Speck kann man nicht soviel verhunzen, nur der Kaffee war saumäßig, was ja in den USA auch nichts besonderes ist. Aber anscheinend war die braune Brühe so furchtbar, dass das Tagebuch zu der Erkenntnis kommt: Wir hatten in diesem Urlaub wenige so schlechte Kaffees.

Das Wetter sieht heute leider auch nicht besonders aus. Nebelfelder hängen in den Bergen und die dunklen Wolken haben es fast bis zur Wasseroberfläche des Columbia Rivers geschafft. Auf der Interstate 84 nach Westen spannt sich ein Regenbogen über das Flussbett und sieht mit seinen kräftigen Farben fast kitschig und wie eine Brücke in Kinderbüchern aus.

Nach 24 Meilen verlassen wir die Autobahn am Exit 40, unterqueren die Straße und fahren zurück zum Exit 41. Das ist notwendig, da es den Exit 41 in Fahrtrichtung Westen nicht gibt. Der Platz zwischen Interstate und Berg ist hier einfach zu klein geraten. Auf der Eagle Creek Road erreichen wir den gleichnamigen Trailhead. Im Gegensatz zu vor 4 Jahren, parken wir unmittelbar am Wanderweg und nicht wegen Überfüllung ganz hinten am Straßenrand.

Das Wetter hat sich einigermaßen beruhigt, zumindest kein Regen mehr, aber die Nebelschwaden hängen noch fest in den Bergen. Der Weg führt durch einen wunderschönen, mit Moos bewachsenen Wald. Die Farne lauern am Wegesrand und zeugen von permanenten Feuchtgebieten. Immer wieder tropft es aus der Wand und auch der Trail hat einige Wasserstellen, die uns jedoch vor keine großen Probleme stellen. Wir kommen an den Lower und Upper Punchball Falls und so vielen anderen Fällen vorbei, die wir aber bereits gesehen und natürlich fotografiert haben. Unser Ziel liegt dieses Mal viel weiter oben.

Auf der High Bridge machen wir kurz Pause, der Blick in die Tiefe ist atemberaubend. Es ist nicht die Höhe, aber die tolle Flussführung, die hier aussieht, wie ein von Menschen errichteter Kanal. Die engstehenden Felswände, die voll mit Moos bewachsen sind, zwängen das Nass auf eine Breite von vielleicht drei Metern.

Bald nachdem wir die 4 1/2 Mile Bridge passiert haben, endet der Touristenweg und wir kommen in die Mark O. Hotfield Wilderness. Nun führt ein Bergpfad weiter nach oben und tief in den Mount Hood National Forest hinein. Nach gut 6 Meilen haben wir Sichtkontakt. Die Tunnel Falls sind unglaublich schön. Sie stürzen über eine Kante rund 50 Meter in die Schlucht. Das weiß schäumende Wasser durchbricht das intensive Grün des Regenwaldes. Der nasse und dunkle Pfad hält auf den Wasserfall zu. Man denkt nicht, dass es weiter geht. Aber der Name ist Programm. Hinter dem Wasserfall führt ein kurzer Tunnel auf die andere Seite. Der Weg wird zur echten "Vertigo Mile". Die wirklich schwindlig machende Meile ist zwar keine 200 Meter lang, aber ich musste mich durchaus sammeln und am gespannten Seil festhalten. Der Blick zurück ist es wert, die Tunnel Falls begeistern.

Tunnel Falls Eagle CreekEagle Creek Tunnel Falls

Aber es ist noch nicht vorbei. Es geht links um 's Eck und dann kommen die Twister Falls, die auch Eagle Creek Falls genannt werden. Mit einem Bergkamerad, Mist, der hatte eine Wurschtsemmel dabei, haben wir Pause nach 10,25 Kilometer gemacht. In 2,5 Stunden waren wir oben. Und dann kam die eigentliche Mutprobe, nämlich an einem kleinen Absatz die Twister Falls zu fotografieren. Mit ausgestreckten, zitternden Händen habe ich versucht, die Kamera ruhig zu halten und die in sich verdrehenden Wasserfälle fotografiert. Klar, die Perspektive könnte besser sein, aber ich bin ja nicht lebensmüde.

Eagle Creek Twister Falls aka. Eagle Creek Falls

Wir machen uns auf den Rückweg, die Sonne kommt immer mehr durch und erlaubt uns noch ein paar Fotos auf der Highbridge. Schon ziemlich unten, machen wir noch den Abstecher zu den Upper Punch Ball Falls. Hier ist die Hölle los: Menschenmassen. Ganz nach vorne, klick und weg! Nach fast 21 Kilometern sind wir nach knapp 6 Stunden wieder am Auto.

Upper Punch Ball Falls Eagle Creek

Wir haben beschlossen, heute Abend an der Bar zu essen. Es war gemütlich und gut.

Samstag
Auf nach Portland, das Stadtleben ruft! Aber nachdem es keine 100 Meilen bis zur Stadt der Rosen sind, wollen wir der Natur im Washington State noch einen Besuch abstatten. Die Maut über die Hood River Bridge kostet einen Dollar und ich frage mich, ob dieser Preis den Aufwand der Wegelagerer überhaupt deckt. Über dem Fluß ist die Sonne zu ungeahnter Form aufgelaufen und strahlt in die gigantische Bergwelt auf der gegenüberliegenden Flußseite. Als wir am nördlichen Ufer am Highway 14 entlang cruisen, leuchtet von links der Mount Hood. Dieser Vulkan ist schon faszinierend. Mich erinnert er immer wieder an ein Teil mit Schokoladenüberzug, das es in der Bäckerei gibt; nur in weißer Schokolade halt.

Ansonsten sieht es hier, zumindest aus der Entfernung, so aus wie am Gardasee. Auch die schmalen Tunnel ähneln der Streckenführung von Riva nach Limone. Die Tunnel haben einen Schalter am Eingang, auf den die Radfahrer drücken können. Dann flasht es für die Autofahrer, aufgepasst, Biker. Italienische Unterwanderung im Nordwesten der USA, sehr interessant ;-)

Mount Hood Oregon

Zurück zum eigentlichen Geschehen. Gegenüber wandern die Trailheads in die verschiedenen Creeks und deren Wasserfälle an unserem geistigen Auge vorbei. Ettliches haben wir über die Jahre gesehen, einiges bleibt offen und verlangt nach einem erneuten Besuch. Nur das Wochenende sollte man aussparen. Da sind die Tagesausflügler auch aus Portland und Umgebung da und auf den Trails geht es zu, wie bei uns im Voralpenland.

Nach 17 Meilen nehmen wir die Hot Springs Avenue in die Wind River Recreation Area, in Carson rechts auf die Wind River Road und nach dem Milemarker 5 rechts auf die Old State Road und kurz danach nach links in die Panther Creek Road. Es geht dem Bach entlang durch den Wald. Die Straße wird schmal und die ersten Camper, alle Campsites sind belegt, haben ihre Grills angeheizt, um das Frühstück zu kochen. Ich tippe mal auf Eier.

Nach 7,3 Meilen geht nach rechts eine Dirtroad ab. Gleich zu Beginn, vor dem Schild "Fish and Wildlife Boundery", ist Platz für unser Auto, also Stopp. Wir sind bereits ein paar Gedanken weiter, denn eigentlich sind wir auf der Suche nach dem Trailhead etwas weiter gefahren, immer wieder ausgestiegen und gescoutet, und waren schon fast am verzweifeln. Unten in der Schlucht hörte man das Wasser, aber der Weg dorthin war nicht zu finden. Wir wollten schon aufgeben, aber der letzte Versuch startet nun, just vor dem Schild. Ich suche am Straßenrad und finde einen Pfad, der steil in die Tiefe führt. Der Zugang war von einem kleinen Erdhügel verdeckt.

Turnschuhe sind jetzt, da wir sozusagen im Abhang hängen, beileibe nicht das richtige Schuhwerk für den erdigen und sehr steilen Abstieg. Wir haben uns aber von Baum zu Baum, von Wurzel zu Wurzel gekämpft, vorbei an einer Felsenwand, und stehen jetzt nach kurzen 0,24 Kilometern am Fuße der fantastischen Panther Creek Falls. Das Wasser kommt unvermittelt aus dem Wald und streichelt einen Felsen in seiner ganzen Breite. Unzählige Kanäle schäumen das Wasser in ein helles Weiß, das hier im dunklen Wald wunderbar zu Geltung kommt. Alte Baumstümpfe, Vorsicht Rutschgefahr, sind vom grünen Moos bedeckt und liegen kreuz und quer in der Gegend. Eine beeindruckend schöne Szenerie.

Panther Creek Falls Washington

Als wir nach oben blicken sehen wir doch tatsächlich eine Aussichtsplattform, - unglaublich! Aber der Weg, den wir gegangen sind, führt keineswegs dorthin. Wieder oben gehen wir deshalb an der Straße noch etwas weiter und finden einen breiten und kurzen Trail, der uns zu dieser Plattform führt. Auch nett, aber von der Aussicht her nicht so toll wie am Fuße des Wasserfalls. Gut, dass wir zuerst den anderen Weg gefunden haben, denn dann hätten wir vielleicht diese Aussicht nicht genießen können.

Panther Creek Falls Washington

Die Bridge of the God bringt uns erneut nach Oregon und auf der Interstate 84 donnern wir am Columbia River entlang nach Portland. Samstagsstau, aber um Punkt 12 Uhr fahren wir das Kimpton Vintage an. Und wir haben Glück, unser Zimmer steht bereit. Monika stellt fest, dass das kleine Bad eines Kimpton nicht würdig ist und das Kimtpon Monaco, in dem wir das letzte Mal waren, sowieso viel besser und schöner ist. Recht hat sie! Dann ziehen wir los und erledigen die wirklich letzten, vielleicht auch vorletzten Einkäufe für daheim. Nachdem es in Oregon keine Steuer gibt, hat mich der Apple Store so magisch angezogen, dass ich jetzt mittendrin stehe und ... Das Abendessen im Jake's Crawfish war gut, der Rombauer noch besser.

Sonntag
Nach einem guten Frühstück gleich nebenan im Hotel Lucia, starten wir zu unserem Stadtspaziergang. Das Wetter paßt, man kann aber schon eine Jacke vertragen. Vor allem am Willamette River entlang wird es frisch. Die Stadt fasziniert uns und wir fragen uns erneut, warum wir diese City mit viel europäischem Flair so lange links liegen gelassen haben. Ich bin der Meinung, dass es die Reiseführer unserer Anfangszeit waren, die Portland immer als Rosenstadt darstellten und wohl heute noch tun. Und nachdem wir keine Rosen mögen, lag es wohl nahe, dass wir immer einen großen Bogen darum machten. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass ich noch keine einzige Rose in Portland gesehen habe. Vielleicht wollte ich sie aber einfach nicht sehen.

Portland OregonPortland Oregon
Portland OregonPortland Oregon

Am Nachmittag fahren wir nach Woodburn. Nochmal die letzten Einkäufe im Outlet, aber viel hatten sie nicht, was uns angesprochen hätte. Und nachdem wir zurück sind, gehen wir noch in den wunderschönen Pearl District. Nun sitzen wir an der Hotelbar und schauen Fußball. Ja, es ist Weltmeisterschaft und Portugal spielt gegen die USA. Aha!

Das Abendessen im Ringside Fishhouse war sehr gut.

Montag
Heute haben wir eine lange Fahrt vor uns, denn wir müssen zum Flieger. Wir brechen früh auf, gönnen uns noch eine Tasse Kaffee und verbringen 500 Meilen auf der Interstate 5. Entlang des Pazifischen Ozeans, vorbei am Mount Shasta und den kalifornischen, inzwischen gelb-braunen Hügeln, erreichen wir Redding und knacken die 100 Grad Fahrenheit. Three digits, wie der Ami sagt! Vor der Oakland Bay Bridge Stau, - hier kann man den Brückenzoll noch physisch bezahlen. Das müssen wir auch, denn ob das getauschte Auto für die automatische Abbuchung ausgestattet ist, erschließt sich uns nicht. Und die Strafen sollen ja sogar die 200 Dollar übersteigen. Auf alle Fälle zwängen sich jetzt sage und schreibe 17 Spuren auf 5 zusammen. Nur die Nerven nicht verlieren, gell.

Um 18 Uhr checken wir im Hyatt Regency ein, unser Zimmer ist dieses Mal im 16. Stock. Der Concierge konnte uns keinen Tisch mehr in der Waterbar reservieren, also habe ich es dann über Opentable versucht und siehe da, es war problemlos. Schnarchzapfen, wenn ich das schon immer höre, wie vertraut die Burschen mit den Restaurants telefonieren. Wie wenn sie schon gemeinsam im Urlaub gewesen wären. Und dann ergebnislos, Schnarchzapfen halt.

Vorher waren wir noch in der Lounge ganz oben im Hotel. Der Rundblick über die Bay ist unbeschreiblich. Das Abendessen in der Waterbar war es auch, unbeschreiblich meine ich - ein gelungener letzter Abend.

Dienstag
Wir genehmigen uns ein letztes Mal ein amerikanisches Frühstück im Elephant Castle. Der Kreis schließt sich, und nach einem kleinen Stadtspaziergang läuft alles ab, wie immer. Fast jedenfalls, denn Hertz wird Probleme machen. Wir fahren noch auf die Twin Peaks, genießen die letzten Blicke auf die City of the Bay, tanken voll und geben das Auto ab. Das Mädel kann mich aber nicht auschecken, denn das System kennt den Wagen nicht. Ich soll doch bitte an den Goldmember Schalter gehen. Der füllige Kollege studiert das Problem, kommt aber auch zu keinem Ergebnis und schickt mich weiter zum nächsten Schalter. Jetzt werde ich grantig und immer wenn ich grantig bin, werde ich laut. Und wenn dann mein Englisch nicht ausreicht, um alles so auszudrücken, wie ich es möchte, dann werde ich noch grantiger. Und dann haben die Amis eine schlechte Meinung von uns Deutschen. Sollen sie, ist mir jetzt wurscht, ich bin grantig und laut. Gott sei Dank ist davon offensichtlich der Supervisor aufgeschreckt und hat den Schalterheini gefragt, was er eigentlich will. Es ist doch alles bezahlt, also check ihn aus. Geht doch!

Die Schalter der Lufthansa öffnen um 17.45 Uhr, es ist jetzt 16 Uhr. Hätte ich wohl länger streiten müssen, das wäre nicht so langweilig wie die Rumsitzerei. Die Lounge der United, die die Lufthansa mitbenutzt, ist immer noch die alte und das Angebot hat sich seit dem letzten Mal auch nicht verbessert. Aber irgendwie geht die Zeit dann doch vorbei. Wie nur in SFO üblich, wird das Handgepäck kontrolliert, ob es auch wirklich nur 8 Kilo hat und dann heißt es einsteigen und ab.

Das mit dem Express Menü ist ganz praktisch. Man bekommt alles auf einmal, das warme, in der Regel eh nicht so tolle Essen fällt aus und man ist fertig, wenn man fertig sein will. Schlaf gut, - haben wir auch. Völlig unaufgeregt verläuft der Flug, doch ein kleiner, jedoch angenehmer Aufreger wartet auf mich, als ich in der Früh die Augen öffne. Stehen da zwei Stewardessen vor mir und singen Happy Birthday. Schön haben sie nicht gesungen, aber dank der Flasche Schampus, wohl aus der First Class geklaut, sei ihnen verziehen. Danke Lufthansa!

A340 600 Lufthansa

« Wo Straßen enden, beginnt Dein Weg! »
« Where the road ends, your hiking trail begins! »

Monika Zehrer | Fritz Zehrer