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USA Reisebericht - USA Travelogue
Whales [2002]


  1. PDF Version [0,4 MB]
  2. Reisestationen [Entfernungen, Reisezeiten, Hotelwertungen]
  3. Reiseroute [Karte]
  4. Reisebericht [Tag für Tag USA pur]


Reisestationen

Ziel Nächte Meilen km Zeit Hotel Stars
Boston 4 230 *) 370 04:00 Wyndham - The Treemont ****
Atlantic City 1 346 557 06:53 Caesars ***
Baltimore 1 155 249 02:34 Wyndham Inner Harbor ***
Chicago 3 694 1.115 12:05 Wyndham Chicago ***
Niagara 2 538 866 09:10 Marriott Courtyard ***
Montreal 2 422 679 07:15 Wyndham Montreal ***
Quebec 1 153 246 02:24 Hilton ***
Bar Harbor 2 272 437 06:30 Best Western Inn **
Boston 3 285 459 04:58 Marriott Copley Place ***
New York City 3 246 396 05:30 The Roosevelt ***
22
4.154
6.684

 

Reiseroute

Reiseroute 2002 Whales

 

Reisebericht (Tag für Tag USA pur)

  1. Schinkennudeln
  2. United we stand!
  3. Late Check-in
  4. Der Reisetag - ab Frankfurt aufgepasst!
  5. Boston - wir kommen!
  6. Lieber Handy als pleite
  7. Die Revolution beginnt: Der Freedom Trail
  8. Beacon Hill
  9. Hard Rock Café Boston - Schock: Kreditkarten weg!
  10. Cape Code und Provincetown
  11. Wale in Sicht!
  12. Plymouth
  13. Boston jogging
  14. Cambridge - Harvard University
  15. Boston shopping
  16. Atlantic City
  17. Baltimore
  18. 1.115 Kilometer nach Chicago
  19. Chicago und Milwaukee
  20. Searstower
  21. Schneefall in Detroit
  22. Niagara - Geisterbahn
  23. Niagara Fälle und Toronto
  24. Kingston am St. Lorenz Strom
  25. Montreal
  26. Auf nach Quebec!
  27. Drogentest
  28. Acadia National Park
  29. Memorial Day Weekend in Boston und Salem
  30. New York
  31. Der letzte Tag

 

Wissen Sie eigentlich, wie gut einfache Schinkennudeln schmecken, wenn sie drei Wochen und länger in den USA waren? Nein? Ich sage euch, sie schmecken fantastisch! Das Essen in den Vereinigten Staaten ist seit dem letzten Jahr nicht besser geworden. Auch wenn man gutes Geld in ein so genanntes Gourmetlokal (wir waren in mehreren) investiert, stimmt diese Aussage. Ich weiß nicht, vielleicht liegt es auch an mir. Wir waren heuer in North End, Boston. Dort soll es die besten Italiener in den USA geben. Wir haben ihn nicht erwischt! In Kanada, zumindest nordöstlich von Toronto, dort, wo der europäische Teil beginnt, war das anders. Echtes Brot, kein Toast! Aber gut, - zugenommen haben wir trotzdem oder vielleicht deswegen!

Aber vorab noch zu einem anderen Thema, das die USA heuer sehr bewegt: United we stand! Patriotisch waren sie ja schon immer, aber ein dreiviertel Jahr nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center (WTC) ist es einfach als unglaublich zu bezeichnen, was hier abläuft. Es gibt kein Auto ohne Flagge, kein Haus, das das star-spangled Banner nicht gehisst hätte. Unser Mietauto war auch ausgestattet. Auch auf allen Brücken über die Interstates, den Autobahnen auf denen nur langsam gefahren werden darf, ist die US-amerikanische Flagge zu sehen. Eine Nation, - eine Mannschaft, um es in die Fußballersprache zu übersetzen. Es mutet manchmal lächerlich an, aber irgendwie ist es trotzdem beeindruckend, wie diese aus allen Nationalitäten zusammen gesetzte Nation geeint ist. Oder ist es der kleinste gemeinsame Nenner? In den USA leben die verschiedensten Nationalitäten in jeweils fast isolierten, eigenen Vierteln, in ihren eigenen Traditionen und Lebensstilen. Ob das die Afroamerikaner, die Italiener oder die Chinesen sind, um nur einige von mehreren Beispielen zu nennen. Von einer Nation zu sprechen führt daher fast in die Irre. Es liegt also nahe, dass es einfache Symbole sein müssen, die Einigkeit auslösen und die Nation repräsentieren könnten. Ich hör' auf, es wird zu philosophisch.

Zurück zu den Fakten: Vorgestern, 30.05.2002, wurde das letzte Stück des World Trade Centers abtransportiert. Nein, es wurde nicht abtransportiert, es wurde zu Grabe getragen. Es war eine Prozession. Das FDNY (Fire Department New York), einige Feuerwehrleute zumindest, waren dann am Fulton Market bei einem kleinen Umtrunk: Sie haben es sich verdient! Wir waren am Ground Zero. Man sah zwar nur eine große Baustelle, jedoch ist es sehr bedrückend, nur ein großes Loch zu sehen, wo noch vor Monaten mehrere sehr stattliche Gebäude in den Himmel ragten und so viele Menschen ihr Leben sinnlos verloren haben.

Warum nun - und dann geht es auch schon los - dieser Bericht Whales heißt, ist den Insidern klar. Whalewatching in den Gewässern vor Boston und Provincetown (Stellwagenbank). Schauen Sie sich den Bildbericht über Wale (und Delfine) bei den Bildern (Whale Watching Boston) dazu an!

Aber nun genießen Sie 21 Tage USA und Kanada, viel Spaß!

Donnerstag
Der Reisestress hat eigentlich bereits einen Tag zuvor begonnen und Koffer packen meine ich damit nicht. Von der Innenstadt in München, von der aus man mit dem Auto in der Regel 30 - max. 45 Minuten zum Flughafen braucht, waren wir fast zwei Stunden unterwegs: Late Check-in! Zwei Koffer und das wichtige Beauty Case waren schon mal bei der Lufthansa in Obhut gegeben, - die Plätze waren reserviert (am Notausgang mit viel Beinfreiheit!). Damit konnten wir bequem am Reisetag mit der S-Bahn fahren, - nur mit Handgepäck in Form von zwei Rucksäcken. Vor allen Dingen aber genügt es, eine Stunde vorher da zu sein.

Der Flug nach Frankfurt war an sich problemlos. Wir kamen mit leichter Verspätung an, da unser Gate noch nicht frei war. Nichts unübliches, für Frankfurt zumindest. Den Weg vom Terminal A (Inland) zum Terminal B (international) traten viele Mitreisende an. Und diese Gruppe machte sich frohen Mutes auf, die Flieger auf das nordamerikanische Festland zu ergattern. Von Nervosität keine Spur, jedoch wurde das Schritttempo erhöht, je näher man sein Flugzeug vermutete. Uns wurde jedoch schnell der Unterschied zwischen räumlicher und zeitlicher Nähe bewusst. Kurz vor dem Ziel prallten wir im wahrsten Sinne des Wortes auf Menschenwände. Und wem die Mehrzahl von Wand in diesem Zusammenhang nicht plausibel erscheint muss wissen, dass es drei Hindernisse zu überwältigen gab. Passkontrolle, Handgepäckkontrolle und nochmals Passkontrolle mit Abgleich der Passagierlisten. Teilweise in 10er-Reihen, die sich durch zwei Kontrollgates zwängen mussten, standen wir an. Die Menschenmassen wurden nervös. Teilweise war die Abflugzeit bereits erreicht. Zwei Flughafenangestellte versuchten die Massen zu beruhigen, die Flieger würden warten. Aber so mancher, in der Fliegerei unerfahrene Zeitgeist, war nicht zu besänftigen. Einer stand mir unmittelbar im seelischen Vorgarten und erst als ich ihm die Frage stellte, ob er meint früher dran zu sein, wenn er mir meine Schuhe ruiniert, war wieder ein kleiner Abstand hergestellt. Der Zeitgenosse hatte wohl am Vorabend auch noch eine Portion Knoblauch zu sich genommen. Wie auch immer, es hat sich über eine Stunde hingezogen und wir betraten unseren Jumbo exakt zur Abflugszeit. Da jedoch noch auf mehrere Passagiere gewartet werden musste, kam die Durchsage Boarding completed mit 30 Minuten Verzögerung,
Hinweis: Wenn Sie über Frankfurt fliegen, sagen Sie Ihrem Reisebüro, dass Sie eine Maschine früher fliegen wollen!

Diese Verspätung wird auf einem Transatlantikflug locker und problemlos aufgeholt, obwohl es Richtung Westen immer langsamer geht, als umgekehrt. Das liegt an den Jetwinden, die Richtung Osten die Flieger antreiben. Achten Sie mal auf die Geschwindigkeiten über Grund und Sie werden feststellen, dass heimwärts die Zahl um rund 100 km/h und mehr höher ist.

Pünktlich um 15.30 Ortszeit setzt die 747-400 der Lufthansa zur Landung in Newark, New Jersey, an. Das Wetter ist diesig und kalt (ca. 10 Grad Celsius). Die Koffer waren schnell da und auch die Einreise war ungewohnt zügig, dank fehlender Warteschlangen, erledigt. Auf zu Avis. Ein gutes Auto, ein Oldsmobil Alero, aber die Farbe: hellbraun! Auch egal. Hauptsache die Koffer passen in den Kofferraum und das tun sie. Und das Auto war nagelneu, was will man mehr.

Wir sind deshalb über Frankfurt geflogen, da die Ankunftszeit früher ist, als der Nonstop-Flug von München aus. Denn wir wollen ja heute noch nach Boston fahren. Der ein oder die andere wird sich nun fragen, warum nicht direkt nach Boston fliegen? Weil wir auch nach New York wollten und New York zwischendrin, mit Auto, bringt nichts. Wie auch immer, - um 17.30 Uhr machten wir uns auf den Weg.

Wie könnte es anders sein, wir hatten zwar einen exakten Plan (Map'n'Go), haben uns aber gleich verfahren, respektive nicht die Ausfahrt auf die I-95 erwischt. Dieser Fehler war aber schnell korrigiert. Scharf an New York vorbei, ein paar Staus auf der Washington Bridge und auf der US Highway 15, aber nach fast exakt 4 Stunden und 230 Meilen checkten wir im Wyndham Bosten, Broadstreet, ein. Ein schönes Hotel! Ein Schlummertrunk an der Hotelbar und die 18,5 Stunden Reisezeit sorgten für sofortigen Ruhezustand des Körpers.

Freitag
Trotz des gestrigen, sehr anstrengenden Tages waren wir um 4.30 Uhr wach. Oh Gott! Diese unchristliche Zeit. Dieses Jahr haben wir uns ein Triband-Handy mitgenommen und versuchten zuhause anzurufen. Keiner da! Nun gut, aber das Handy ist inzwischen Pflicht. Außer Sie haben ein wenig zuviel Kleingeld. Falls Sie im Hotel den Anruf versuchen: Nach dem dritten Klingelton, also noch ohne Verbindung, kostet es rund 17 Dollar. Ja, Sie haben richtig gelesen. Also beim nächsten Handyvertrag darauf achten, dass Sie ein Handy bekommen, das auch in den USA funktioniert. Diese Gebühren sind zwar auch nicht als Schnäppchen zu bezeichnen, aber erschwinglich (Beispiel: T-Mobil über Voicestream für 4 Minuten und 53 Sekunden = 7 € und 32 Cents).

Nach dem Frühstück sind wir um 7.30 Uhr auf den Straßen von Boston. Es ist herrliches Wetter und schon auf den ersten Metern stellen wir fest, dass Boston eine sehr schöne, schnuckelige Stadt ist. Schnuckelig, so steht es jedenfalls in unserem Tagebuch, das Monika führt. Frauen halt! Die Hauptstadt von Massachusetts mit etwa 665 000 Einwohnern liegt an der Mündung des Charles Rivers an der sog. Massachusetts-Bay. Ja, ihr Katholiken, Boston ist Erzbischofssitz, ein schnuckeliger versteht sich ;-)

Wir marschieren zum Boston Common, dem angeblich ältesten öffentlichen Park (1634) der Welt (oder der USA oder der Ostküste, who knows). Ursprünglich gehörte das Land William Blackstone, dem ersten Siedler (1622), der das Land an Governor Winthrope verkaufte. 1830 wurde es dann verboten, dass Kühe im Boston Common weiden und so war der Weg frei, um den Stadtpark zu etablieren. Heute ist der Boston Common nicht weniger als das Herz von Boston. Auf alle Fälle beginnt hier auf der Seite der Tremont Street der Freedom Trail. Am Visitor-Center startet der Trail! Er ist nicht zu verfehlen, unübersehbar ist die rote Markierung auf den Wegen.

They were brave.....
Farmers and tradesmen, mothers and slaves. They were daring. daring enough to raise arms against an empire. Bold enough to fight a royal army on the fields and farms and muddy streets of Colonial Boston. They were rebels whose hearts were ignited by the spark of liberty. Revolutionary thinkers who stood steadfast against the tyranny of an unjust crown. They were America’s first patriots and they would not surrender freedom.
The Freedom Trail tells their story. It is the story of America. The Trail is more than bricks arid buildings. It is more than words painstakingly inscribed on ancient, yellowed scrolls. It is the life and breath and voice of a people who declared their independence and built their country on the solid principles of democracy.
Walk The Freedom Trail. Step by step, you will discover the dramatic history of this country’s birth. The sites along The Freedom Trail are not re-creations or adaptations. They are real. Each has its own special role in the beginning of a nation. Listen as you travel. You will hear the stories. You will find your own.
As The Freedom Trail weaves its way through Boston’s proud past, it will lead you to the vitality and abundant energy of the city today. One that resounds with bustling commerce, cultural diversity, theater, art, fine cuisine and intellectual inquiry. Boston’s vibrant character echoes the spirit of those early patriots. They are the soul of Boston. And The Freedom Trail is its heart.

Geschichte gefällig, auf geht's! Die Revolution beginnt!

Quer durch den Park geht es zur ersten Station, dem State House. Es wurde von Charles Bulfinch entworfen und am 11.1.1798 fertig gestellt. Heute ist das mit seiner goldenen Kuppel unübersehbare State House das älteste Haus am Beacon Hill und der Sitz des Parlaments von Massachusetts. Besucher können die Hall of Flags und die Kammern (House and Senate) anschauen und einiges über die Geschichte sowie die Gesetze erfahren. Wer es sich antun will: Beacon Street: Montag mit Samstag von 10 bis 15.30 Uhr, Führung alle 45 Minuten.

Den Hügel, den wir zum State House erklommen haben, gehen wir nun brav wieder runter zur Park Street Church (www.parkstreet.org). 1809 gegründet, war sie mit ihrem 217-Fuss hohen Turm lange das einzige Wahrzeichen Bostons, das bereits von weitem gesehen werden konnte. Unter anderen historischen Ereignissen, waren es insbesondere die Anti-Sklaven-Reden Anfang des 19. Jahrhunderts, die diese Stätte berühmt machte. Von Mitte Juni bis einschließlich August werden Touren angeboten.

Nach ein paar Metern auf der Tremont Street kommen wir zum Granary Burying Ground, einem Friedhof. Alles andere als im Lot sind die Schiefertafeln, die als Grabsteine dienen. Interessant sind die ägyptischen Ornamente, die die Schiefertafeln zieren und uns in Boston immer wieder begegnen. Hier liegen viele Revolutionäre begraben: Samuel Adams (ist das nicht ein Bier?), Peter Faneuil, Paul Revere, John Hancock. Der Friedhof ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, im Winter bis 15 Uhr.

Weiter geht es zur King's Chapel, die 1688 auf dem städtischen Friedhof errichtet wurde, da niemand dem königlichen Governor ein vernünftiges Grundstück für seine nicht puritanische Kirche verkaufen wollte. 1749 wurde der erste amerikanische Architekt, Peter Harrison, angeheuert, um eine echte englische Kirche daraus zu machen. Direkt neben der Kirche liegt der Friedhof, King's Chapel Burying Ground. Als wir der School Street folgen kommt links das alte Rathaus. Im Hof davor steht eine Statue von Benjamin Franklin. Sie ist die erste Portrait-Statue, die in den USA errichtet wurde. Wir gehen ins alte Rathaus, von innen ist es schön anzuschauen. Ganz früher stand hier die erste öffentliche Schule, die Boston Latin School (1635).

Pause, genug Geschichte für's Erste. Kaffee im Starbucks (www.starbucks.com), - hier gibt es die verschiedensten Sorten. Stammlesern brauche ich nicht zu berichten, dass kaum ein guter dabei ist.

Nächste Station: The Old Corner Bookstore Building (www.historicboston.org). Thomas Crease erbaute dieses Haus 1718 an der Ecke von School und Washington Street für seine Apotheke und als Wohnhaus. Als Bookstore wurde das Haus 1832 bekannt, als das Ticknor und Fields Publishing House einzog. Berühmte Schriftsteller, wie Charles Dickens, Ralph Waldo Emerson, Herny Wadsworth Longfellow und Henry David Thoreau gingen ein und aus. Toll gell. Aber es geht weiter (haben Sie kein Rad an Ihrer Maus?)!

Das Old South Meeting House (www.oldsouthmeetinghouse.org), 1729 erbaut, war das höchste Gebäude in Boston. Während der Amerikanischen Revolution versammelten sich hier die Menschen, um gegen die britischen Gesetze, gegen Steuern und das Boston Massaker zu demonstrieren. Den Höhepunkt bildete die Demonstration am 16.12.1773, als 5.000 ärgerliche Kolonisten kamen, um gegen die Teesteuer zu wettern und mit der Boston Tea Party die Revolution starteten.

Nun sind wir am Old State House (www.bostonhistory.org), erbaut 1713. Es war das Hauptquartier der britischen Regierung. Das Haus war Markt, Börse, Versammlungsplatz und das Symbol der königlichen Autorität. Diese Haus spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte der Revolution, vom Boston Massaker in 1770 bis zur Lesung der Declaration of Independence auf dem Balkon in 1776. Ein Ring aus Pflastersteinen markiert die Boston Massacre Site, die heute eine Verkehrsinsel ist. Fünf Männer wurden hier am 5.3.1770 ermordet. Dabei war Crispus Attacks, der erste Schwarze, der in der Revolution starb (immer noch nicht genug? - Finger weg vom Mausrad!).

The Cradle of Liberty, also die Wiege der Freiheit: Faneuil Hall (www.nps.gov/bost/Faneuil_Hall.htm). Sie war Treffpunkt für viele feurige Meetings. 1742 von Peter Faneuil erbaut und als Geschenk an die Stadt Boston übergeben, war das Haus über 250 Jahre ein öffentlicher Treffpunkt. Auch hier protestierten die Einwohner von Boston gegen die Britischen Steuer-Gesetze von 1760. Diese Proteste führten eventuell zur Amerikanischen Revolution. Das Haus ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Wir sind inzwischen mitten im Quincy Market gelandet. Markthallen, Geschäfte, Restaurants, buntes Treiben. Durst - Hunger! Ceasars Salad, Fish and Chips, Heineken und Sprite in der Oyster Bar. Yes! Das Essen hätte es nicht unbedingt gebraucht, aber es ist halt nicht so wie bei uns. Wenn Sie nur etwas trinken wollen, dann halt nur an der Bar. Im Freien an einem Tisch sitzen geht in der Regel nur mit Essen. Bestenfalls ernten Sie ernste, böse Blicke, - wenn Sie nur etwas trinken meine ich. Es gibt leider auch keine Zwischenzeiten, denn die Amis (fr)essen ja den ganzen Tag und so sehen die Meisten auch aus.

So gestärkt bewegen wir uns Richtung North End, das Little Italy von Boston. Neben vielen italienischen Restaurants steht hier das Paul Revere House (www.paulreverehouse.org). Es wurde 1680 erbaut und ist damit das älteste Gebäude in Downtown Boston. Weiter in North End und endlich italienischer, guter Kaffee. Leider war es ziemlich heiß, so dass der Kaffee nicht unbedingt das richtige Getränk war ... Aber lieber ein paar Schweißperlen auf der Stirn, als guten Kaffee in den USA versäumt.

Bereits in Sichtweite, die Old North Church (www.oldnorth.com), erbaut 1723. Sie ist die älteste Kirche in Boston. Was um Himmels Willen ist ein Küster? Auf alle Fälle hat der Küster dieser Kirche, ein gewisser Robert Newman, am 8.4.1775 zwei Laternen aufgestellt, um Paul Revere und andere über britische Truppenbewegungen zu warnen. So ganz nebenbei war dies die Initialzündung für den War of Independence, den Unabhängigkeitskrieg.

An der Hull Street liegt der Copp's Hill Burying Ground, also ein weiterer Friedhof. Hier ruhen berühmte Personen aus North End. Außerdem sind hier tausende von freien Schwarzen, die in der so genannten New Guinea Community lebten, begraben. Das Land wurde der Stadt von der Copp-Familie übergeben, daher der Name - aha! Aufgrund der Höhenlage des Friedhofs auf einem Hügel mit guter Übersicht, nutzten die Briten diesen Fleck Erde, um ihre Kanonen während der Schlacht von Bunker Hill zu positionieren.

Über die Washington Street Bridge geht es nach Charlestown. Hier liegt die USS Constitution (www.ussconstitutionmuseum.org) auf dem Charlestown Navy Yard. Das alte Kriegssegelschiff ist schön anzuschauen. Ihre erste Mission gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte sie in die karibische See, um gegen die Franzosen zu kämpfen. Im Krieg von 1812 besiegte sie die HMS Guerriere. Da die Seiten des Schiffes aus Eisen sind, hat sie den Beinamen Old Ironside. Das Schiff kann auch besichtigt werden, es ist täglich von 9.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Leider waren vor uns endlose Schlangen, Schulklassen, so dass es mit dem Blick von außen getan war. Im Übrigen liegt hier noch ein Schlachtschiff, das ebenfalls besichtigt werden kann. Ein guter Tipp zuletzt: Gehen Sie bis zum Ende des Piers. Von dort hatten wir einen tollen Blick über die Skyline von Boston.

Sie haben es fast geschafft, der Freedom Trail nähert sich seinem Ende. Aber dieses Ende ist anstrengend und heißt Bunker Hill (www.nps.gov/bost). Und schon hecheln wir den Hügel, oder ist es gar ein Berg, hinauf. Don't fire until you see the whites of their eyes! also nicht feuern bevor das Weiße in den Augen nicht erkennbar ist. Diese legendäre Anweisung erfolgte am 17.6.1775 in der Schlacht von Bunker Hill, der ersten offiziellen Schlacht der amerikanischen Revolution gegen die Engländer. Ein 221-Fuß hoher Obelisk markiert den Ort. Wir sind ihn hoch gestiegen - puh, bei dieser Hitze und nach diesem Fußmarsch. Das war sie nun, eine historische Reise durch die Revolution, alles in allem rund 6 Stunden. Aber toll!

Wir machen uns auf den Rückweg und ich habe mir geschworen, dass das erste Taxi mir gehört. Pech gehabt, alle waren bereits besetzt. So müssen uns die Füße ein paar weitere Kilometer tragen. An der Waterfront vorbei gehen wir wieder bis zum Boston Common und dann rauf auf den Beacon Hill. Hier sind schöne Häuser (englischer Stil) und Gaslaternen, wirklich romantisch. Dann den Hügel wieder runter zum Charles River Basin. Dort steht sie, die Bank, die endlich dafür sorgt, dass die Füße zur Ruhe kommen. Es sind viele Jogger unterwegs. Als wir so am Wasser sitzen, die Nase in den Wind halten und der Blick Richtung Cambridge schweift, kommt die geniale Idee. Ich glaube es hat gezischt, als die heißen Füße das kühle Wasser berührten. Ich hoffe doch nicht, dass es sich hierbei um das Trinkwasserreservoir von Boston handelt. Ich sehe schon die Schlagzeile!

Wir ziehen weiter und wollen noch auf die Aussichtsplattform des Hancock Buildings. Leider ist sie seit dem 11.9.2001 geschlossen. Am Copley Square, genauer in der Clarendon Street, ist das Hard Rock Café von Boston. Ein kleines Bierchen an der Bar ... und dann ein paar T-Shirts einkaufen. Beim Bezahlen kommt der große Schock: Monikas Geldbeutel mit zwei Kreditkarten weg - Sch.... Nach der ersten Aufregung das Gehirn einschalten. Wann zum letzten Mal gesehen oder benutzt? Genau im Hotel das Frühstück bezahlt! Rein ins Taxi und zum Hotel. An der Rezeption die Auskunft: Es wurde nichts abgegeben, Mist! Jetzt noch schnell auf's Zimmer, vielleicht liegt er ja dort. Nein, tut er nicht. Tja und nun zur Polizei und Karten sperren, die Telefonnummern haben wir immer dabei. Just in dem Moment streift mein Blick unser Telefon, - es blinkt. Message! Die erlösende Nachricht: Security sagt, dass der Geldbeutel gefunden wurde und im Hoteltresor liegt. Mann, Schwein gehabt! Das wäre ein toller ersten Urlaubstag geworden. Aber die Unwissende an der Rezeption hätte ich erwürgen können. Also ich wieder runter zu dem Mädel, immer noch unwissend, aber nach ein paar aufklärenden Sätzen und ein paar Minuten hielt ich das gute Stück mit allen Karten und der Kohle in meinen Händen. Monika war fix und foxi, aber glücklich!

Am Longwharf ist eine tolle Bar (Landing) und von hier haben wir Bier und die letzten Sonnenstrahlen sehr genossen. Das Abendessen gab es dann im Charthouse, einem exklusiven Fischrestaurant. Exklusiv waren aber nur die Preise. Um 20.30 Uhr - schnarch ...

Samstag
Mit zunehmendem Alter scheint es immer schwieriger zu werden, sich an die neue Zeit zu gewöhnen. Dabei sind doch 6 Stunden kein großes Problem. Offensichtlich doch, denn um 5 Uhr ist Ende mit schlafen. Gut, dass wir eine Kaffeemaschine auf dem Zimmer haben.

Um 6 Uhr sind die Zähne auch geputzt und der Foto geladen! Auf nach Cape Code. Herrliches Wetter während der 120 Meilen für die wir 2,5 Stunden brauchen. Für Normalschläfer dürfte sich die Zeit entsprechend verlängern, da zwar etliche Meilen auf der Interstate (I-93 south) gefahren werden können, aber zum Ende wird es einspurig (US 3 und 6). Na ja, da die Amis absolute Rennfahrer sind, schätze ich schon, dass zur Hauptverkehrszeit 1 bis 2 Stunden mehr im Tagebuch stehen würden.

Provincetown (der Name klingt doch gut, oder?) lassen wir zuerst links liegen und fahren an die Spitze der sichelförmigen Halbinsel. Cape Code National Seashore: wilde Küsten, Sandstrände, Klippen, Dünen, Wälder, romantische Windmühlen und viele Fischerdörfer. Das Visitor-Center hat noch nicht offen, - es ist überhaupt kein Mensch zu sehen. Oder doch! Da steht einsam ein Ranger mit seinem Ranger (Auto) und dann fragen wir ihn doch gleich mal, wo es die Whalewatching-Tickets gibt. In Provincetown am Hafen. Diese Antwort wäre kurz und knapp und richtig gewesen. Aber man kennt ja seine Pappenheimer, insbesondere die National Parkfuzzis (Mann, bin ich böse). Lang und breit erklärt er, an der wievielten Kreuzung es rechts und dann wieder links geht. Ob er uns vorausfahren solle. Nein, danke mein Lieber, lass' uns bitte weiter fahren, mehr nicht. Ich hätte mir eine Zigarette anzünden sollen, dann wäre es schneller gegangen. Da ich ein höflicher Mensch bin, habe ich den Ranger nicht unterbrochen. Das war sicher seine gute Tat für heute. Und er fuhr uns gleich hinterher.

Am Hafen von Provincetown angekommen, haben wir für 10 Uhr bei Dolphin Tours eingecheckt. 40 $ für zwei Personen minus 10 % Rabatt dank unseres AAA-Passes. Sie kennen den AAA (sprich: triple A) nicht? Das ist der amerikanische Automobilclub und wenn Sie Mitglied im ADAC sind, dann bekommen Sie auch einen AAA-Ausweis. Der ist immer für Prozente gut, ob im Hard Rock oder eben beim Whalewatching. So, und jetzt gibt es Frühstück. Die Eier waren super, der Orangensaft ist immer gut in den USA, aber der Kaffee ... im Post Office Café. Ein Ehepaar betreibt den Laden. Das Paar besteht aus zwei Männern. Ja genau, die ganze Stadt scheint homosexuell zu sein, was ja nichts schlimmes ist. An der Bar lag eine Unterschriftenliste aus. Die Lokalbesitzer demonstrieren gegen ein Gesetz, das Provincetown zur Nichtraucherstadt machte. Da habe ich aber gleich unterschrieben, zwei Mal versteht sich. Im Übrigen ist auch Provincetown historischer Boden. Hier legten 1620 die ersten englisch-puritanischen Pilgerväter mit ihrer Mayflower an. Keine Angst, es kommt keine weitere Stunde Geschichtsunterricht.

Frisch gestärkt besteigen wir um 10 Uhr die Dolphin VI. Trotz wolkenfreiem Himmel war es saukalt. Pullover, Jeans- und Regenjacke nutzten nur bedingt. Eine typische Greenpeace-Lady (Strickpullover und komische Haare) erklärte, was wir sehen werden. Dann geht's raus, an Leuchttürmen vorbei, die einsam am Strand stehen. Mann kann sich so ein Teil mieten, bestimmt romantisch. Die Wartelisten scheinen lang zu sein. Na ja, vielleicht für ein frisch verheiratetes Paar und zwei Nächte ... Auf alle Fälle begegnet uns noch vor dem offenen Meer der erste Wal. Wie muss man sich das vorstellen? Also neben dem Kapitän sitzt der Späher. Er erspäht den Wal und der Kapitän gibt Vollgas. Dann taucht der Wal unter. Der Späher schaut und dann wieder Vollgas. Dank der Erfahrung des Kapitäns kommen wir rund 50 Meter ran. Wenn Sie nun meinen, Sie könnten mit einem Normalobjektiv das Geschehen einfangen, werden Sie sich wundern. Das Foto wird nur aus Wasser bestehen, außer der Zufall hilft und der Wal legt sich längsseits des Schiffes. Ein 200er Teleobjektiv sollte es schon sein (meine Fotos sind mit einem 300er Tele gemacht). Und nun beginnt das nächste Problem. Die Greenpeace-Mama sagt die Uhrzeit an, in welcher Richtung das Tier zu sehen ist. Ein Raunen geht durch die Menge, jeder sprintet auf diese Seite und jetzt suchen Sie mal mit einem 300er Tele das Vieh. Und wenn Sie dann noch den Autofokus eingeschaltet haben, dann kann es sein, dass das Ungetüm wieder auf Tauchstation geht, bevor sie abdrücken konnten. Es ist absoluter Stress! Auf alle Fälle sind die Tiere imposant, selbst von der Ferne. Dieser, unser erster Wal war ein sog. Humpback Whale. Ich habe ihn mit Flosse erwischt (schauen'S doch die Bilder an).

Das Boot nimmt wieder Fahrt auf, um zum eigentlichen Walrevier, der Stellwagenbank zu kommen. Diese Bank wird von allen Seiten, auch von Boston aus, angesteuert. Während der vierstündigen Fahrt sehen wir verschiedene Wale. Die geschilderte Prozedur wiederholt sich so alle 15 Minuten. Es begegnen uns Finback- und Minke-Wale. Ich muss sagen, es war einfach toll, zumal wir zum ersten Mal mit diesen Urgesteinen der Meere in Berührung kommen. Auf dem Rückweg begegnen uns Delfine, eine sog. Schule, ca. 15 - 20 Stück. Der Kapitän fährt das Schiff im Kreis und die Delfine surfen in den Wellen. Wie sie genau bezeichnet sind, weiß ich nicht. Jedoch handelt es sich nicht um die Spezies, die man im allgemeinen kennt und ganz grau sind. Sie sind eher braun auf der oberen Seite und ganz weiß auf der unteren. Die Delfine hatten genau soviel Spaß, wie die Zuschauer. Alle waren zufrieden und nach 4 Stunden ist es auch genug.

Es tat richtig gut, wieder im Auto zu sitzen, - kein Wind, keine Kälte! Auf dem Rückweg fahren wir noch am Cape Code Light House vorbei. Dieser Leuchtturm wurde vor einigen Jahren zurück ins Land versetzt, da er mit der abbröckelnden Steilküste abzustürzen drohte. Leider konnte man den schönen Leuchtturm von innen nur in Verbindung mit einer Tour besichtigen und dazu hatten wir keine Lust mehr.

Auf halber Strecke zurück nach Boston liegt Plymouth. Plymouth Rock heißt der Landeplatz, an dem die englischen Pilgerväter am 21. Dezember 1620 ebenfalls mit der Mayflower anlegten. Es war eine puritanische und ziemlich fanatische Gruppe religiöser Eiferer, die da landeten. Aber sie brachten dem neuen Kolonialland eine brauchbare Gesellschaftsform mit. So kann man sie getrost die Urgroßväter der amerikanischen Demokratie nennen. Man versucht in Plymouth die Erinnerung an die Zeit der Pilgerväter wach zu halten. Am State Pier liegt eine Nachbildung der Mayflower. Und am State Highway 3a ist die sog. Plimoth Plantation. Die ist so antiquiert wie ihr Name: ein Siedlerdorf von 1627, sorgsam rekonstruiert. Studenten spielen den Sommer über die Siedler - in der Tracht des 17. Jahrhunderts. Sie sprechen die Mundart von damals, kochen und essen wie vor dreihundert Jahren. Die Preise sind jedoch neuzeitlich: 20 Dollar pro Person. Da das Dorf in einer Stunde die Pforten schließt, haben wir dankend abgelehnt.

Für morgen haben wir die Weiterfahrt in den Acadia National Park geplant. Jedoch soll das Wetter schlecht werden. Es spricht also nichts gegen einen Shoppingtag im schönen Boston. Die Verlängerung um eine Nacht war kein Problem und nach ein bisschen verhandeln und dank AAA-Pass haben wir das Zimmer zum Voucherpreis bekommen. Dass das immer noch 145 Dollar waren, zeigt, dass die USA inzwischen alles andere als ein günstiges Reiseland ist.

Die Newbury Street in Boston ist wie die Theatiner Strasse in München. Teure Geschäfte, viel los! Mittendrin liegt TGI Fridays, - berühmt für Ceasars Salat und Baby Back Rips. Den Schlummertrunk gibt es im Hard Rock und der Verdauungsmarsch zurück ins Hotel, das im Finanzviertel liegt, ist zu bewältigen und tut gut. Nur ganz nebenbei: Boston ist gut zu Fuß zu erkunden.

Das waren zwei herrliche Tage, mit herrlichem Wetter, in Boston und Umgebung! Und morgen soll es wirklich schlecht werden? Aber der Weather Channel lügt nie, - leider.

Sonntag
Etwas besser und länger geschlafen, so eröffnet das Tagebuch diesen neuen Tag. Es ist zwar kalt und bewölkt, aber es regnet noch nicht. Also raus aus den Federn und rein in die Jogging-Schuhe. 42 Minuten schwitzen! Wir treffen unsere Joggergemeinde am Charles River Basin. Tolle Luft, schöne Aussicht auf Boston. Es hat gut getan und sicher die letzten Reste der durch den Flug verstopften Blutadern ausgespült. Es geht uns gut, da auch die US-amerikaner heute Muttertag feiern. Der wäre uns an sich wurst (wurscht, wie man bei uns in Bayern sagt). Das Gute daran ist, dass es im Hotel heute ein ganz besonderes, eben ein Muttertagsfrühstück gibt. Ich hab' mir gleich zwei Omelett reingedrückt. Und so hat mein Körper das zurück bekommen, was er beim Joggen verloren hat. Man bin ich führsorglich!

Kennen Sie das, wenn man endlich ein Gefühl für eine Stadt hat. Was ich meine ist, dass einem etwas vertraut vorkommt und vor allen Dingen, dass man die Richtungen einschätzen kann. Wir haben dieses Gefühl inzwischen für Boston und so marschieren wir in die richtige Richtung, Richtung Cambridge. Natürlich fährt auch eine U-Bahn hin. Aber mit dieser Fortbewegung lernt man eine Stadt nicht richtig kennen. Und so überqueren wir per pedes die Longfellow Bridge, schlendern die Main Street entlang, vorbei am berühmten M.I.T. (Massachusetts Institut of Technology) zur Massachusetts Avenue. Schätzungsweise haben wir gut eine Stunde bis nach Cambridge gebraucht. Cambridge einem Vorort von Boston, der von der Stadt inzwischen umschlungen ist und eher als Stadtteil bezeichnet werden kann. Dieses Cambridge ist nicht nur - wie der Name vermuten lässt - sehr englisch, sondern hier findet sich die berühmte Harvard University (www.harvard.edu). Eigentlich ist die Universität eine Stadt für sich, eine sehr englische Stadt. Wir sind dann durch den Campus geschlendert und haben uns immer gefragt, ob die Touristen oder die blitzgescheiten Studenten in der Mehrheit sind. Und es regnet immer noch nicht.

Zurück haben wir dann die Füße und Schuhe geschont und sind mit der U-Bahn zum Copley Square gefahren. Dort steht das Prudential Center, das zwei Attraktionen bereit hält: Eine Aussichtsplattform und ein Einkaufszentrum. Und so schauen wir nach wenigen Minuten vom 50. Stockwerk auf ein inzwischen nasses Boston. Von oben ist zu erkennen, wie britisch diese Stadt gebaut ist. Wenn Sie London anfliegen, erkennen Sie von oben gut die aufgereihten, aus Ziegel gefertigten typisch englischen Häuser. Boston hat weitläufige Viertel, die ebenso gebaut sind. Es hat was eigenes, was nicht unbedingt als typisch amerikanisches zu bezeichnen ist. Die Stadt bleibt aber auch von oben im wahrsten Sinne des Wortes überschaubar.

Wir schlendern durch das Einkaufszentrum, das nun wieder typisch amerikanisch ist. Wir schlendern und schlendern und oh Wunder, wir kaufen nichts. Das drückt natürlich auf die Stimmung (der Frau) und wir besteigen ein Taxi zu Macy's. Flip Flops sind modern, mehr sage ich dazu nicht!

Zurück zum Hotel und die Beine tun uns inzwischen wieder ziemlich weh. Sie haben uns ja schon wieder 5 Stunden quer durch die Stadt und die Geschäfte getragen. Das war Boston erster Teil, wir werden noch in diesem Urlaub zurück kommen. Aber zuerst gilt es ein anderes Problem zu lösen. Morgen wollen wir ja Richtung Norden zum Acadia National Park fahren. Aber der Wheather Channel sagt für dort ausnehmend schlechtes Wetter voraus. Auf der kanadischen Seite schneit es sogar, unglaublich, aber wahr! Und so sitzen wir jetzt an der Hotelbar, unsere Karten liegen vor uns, und es stellt sich die Frage, ob wir es riskieren wollen. Gott sei Dank haben wir inzwischen die Möglichkeit umzuplanen, da kein Hotel vorgebucht ist. Und wir beschließen, uns gen Süden zu orientieren.

Das Abendessen muss dank des Regens in unmittelbarer Nähe stattfinden. Black Rose heißt das irische Pub & Restaurant. Die hätte auch nicht schlechter geschmeckt, die schwarze Rose meine ich.

Montag
Nur Kaffee auf dem Zimmer und ohne Frühstück brechen wir um 7.20 Uhr gen Süden auf: I-93 south, I-90 west, I-84 west, I-91 south und I-95 south bringen uns, teilweise bei strömenden Regen nach 200 Meilen und 3,5 Stunden Fahrzeit nach New York. Über die George Washington Bridge begleiten uns die Skyscraper von Manhattan sowie der dort übliche Stau. Dann endlich auf der I-95 mit amerikanisch ausgerichtetem Volldampf (75 mph, ein bisschen zu schnell halt!) zum Ausgangspunkt unserer Reise, den Newark Airport. Wir wollen auf den Garden State Parkway. Irgendwie sind wir dann aber auf der Highway 9 gelandet und quälten uns endlos durch die Vorstädte von Newark. Wir hätten auf der I-95 bleiben sollen. Nach 39 Meilen Umweg sind wir auf dem Garden State Parkway und donnern unserem nächsten Ziel, Atlantic City, entgegen. Knapp 7 Stunden haben wir für die 346 Meilen gebraucht.

Die Spielerstadt des Ostens eifert Las Vegas nach, wird es jedoch nie erreichen. Die großen Hotels und Casino von Las Vegas sind jedoch auch hier zu finden. Wir checken im Caesars ein und bekommen für 100 $ ein schönes Zimmer im 41. Stock. Blick auf das Meer und auf den so genannten Boardwalk, einem Bretterweg, auf der einen Seite die Casinos, auf der anderen Seite der Atlantik. Die Luft ist feucht und milchig. Wir flanieren den Boardwalk entlang und nisten uns an der Bar des Hard Rock Cafés ein. Natürlich haben wir auch ein paar T-Shirts gekauft. Das Planet Hollywood liegt direkt neben unserem Hotel und es klar, dass wir auch hier ein wenig shoppen.

Das Abendessen gibt es vom hoteleigenen Buffet. Es war wirklich gut, jedoch im Vergleich zu Las Vegas teurer (19,95 $/Person). Frisch gestärkt, füttern wir einen einarmigen Banditen im Caesars mit 20 Dollar Kleingeld. Es war ziemlich schnell futsch. Weiter zum Trump Plaza-Bally. Ein schönes Casino! Man denkt, man ist im wilden Westen. An der Bar pokern wir noch ein wenig und gewinnen die 20 Dollar wieder zurück. Zweimal musste die Aufsicht kommen, da das Teil keine Kohle mehr in seinem Bauch hatte.

Die Spannung bleibt erhalten, als es noch zu einer Tornadowarnung kam. Außer Regen, der unser Hotelzimmerfenster wie ein Fenster eines Blumengeschäftes aussehen ließ, hat sich aber nichts getan. Nun gut, - Atlantic City, hat sich seit unserem letzten Besuch 1995 ziemlich verändert. Ein Las Vegas wird es nie werden, so dass uns dieser Nachmittag und Abend genügt. Morgen ziehen wir weiter.

Dienstag
Blauer Himmel lädt uns vor dem Frühstück noch zum Joggen ein. Die 35 Minuten-Runde auf dem Boardwalk war nicht schlecht. Wir frühstücken im Hotel-Café Roma, - war sehr gut! Um 9.30 Uhr sind wir auf dem Atlantic City Express Way und die ersten Quarter müssen für die Toll, die hier im Osten fast übliche Autobahngebühr, herhalten. Nach fast einer Stunde blicken wir auf die Skyline von Philadelphia. Diese geschichtsträchtige Stadt lassen wir aber rechts liegen. Wir waren 1995 hier und haben alles gesehen.

Je näher wir Baltimore, unserem nächsten Ziel kommen, desto dichter werden die Wolken. Es sieht nach Regen aus, das Wetter hält jedoch! Nach gut 2,5 Stunden und 155 Meilen checken wir im Wyndham Inner Harbor Hotel ein. Die Triple-A-Rate beträgt 165 $ pro Nacht.

In der Zeit der großen Segelschiffe spielte Baltimore eine bedeutende Rolle. Die Baltimore Clipper, die dort gebaut wurden, kreuzten durch alle Weltmeere. Der Hafen der Millionenstadt ist auch heute noch interessant. 4 Stunden erwandern wir die Stadt. In Little Italy gibt es nicht nur eine Menge italienischer Restaurants. Hier steht auch das Star Spangled Banner Flag House, in dem das erste Sternenbanner mit 15 Sternen genäht wurde. Im Garten befindet sich eine Karte der USA aus Stein. Jeder Staat ist durch seinen Stein bzw. seine Steinplatte gekennzeichnet. Ja, wenn Sie schon vorbei kommen, können Sie es sich ja ansehen.

Dann besteigen wir nicht eine organisierte Hafenrundfahrt, sondern das Wassertaxi. Es ist nicht nur billiger, es bringt uns auch zum Tide Point. Von dort aus fährt der Bus zum Fort McHenry weiter. Ungeduldig wie wir sind, wollten wir auf den Bus nicht warten und sind zu Fuß gegangen. Es war ein Weg von rund 20 Minuten. Das Fort McHenry National Monument and Historic Shrine am Patapsco River wurde im September 1814  von den Engländern 25 Stunden beschossen. Doch die amerikanische Flagge, die auf dem Gebäude wehte, nämlich die, die im Flag House genäht wurde, litt keinen Schaden. Ein Herr namens Francis Scott Key wurde dadurch zu einem Gedicht inspiriert: Oh say! Can you see, by the dawn's early light, what so proudly we hailed at the twilight's last gleaming .... Sag mir, kannst Du in der Morgendämmerung erkennen, was wir gestern bei Sonnenuntergang grüßten ... Das ist, Sie wissen es, der Text der amerikanischen Nationalhymne, The star-spangled Banner.

Wir spazieren durch die weitläufige Anlage, über ausgedehnte Wiesen, mit Blicken über den Hafen von Baltimore, vorbei an Kanonen. Die Gebäude im Fort zeigen Ausstellungen und die Originaleinrichtung von damals. Es ist ganz interessant und zu empfehlen. Zurück zum Wassertaxi, aber nicht zu Fuß, sondern mit dem feuerroten Bus. Wir sind ganz alleine. Das Taxi schippert weiter durch den weitläufigen Hafen und die Skyline von Baltimore wird in allen Details sichtbar. Wir steigen bereits am Fells Point aus und gehen zum Broadway Market. Diese Markthallen sind eingerahmt von Geschäften und Lokalen. Großer Trubel, buntes Treiben, - schön ist es hier.

Es ist Zeit für das Hard Rock Café, eines der schönsten, das wir bisher gesehen haben. Es ist sehr stilvoll in einem alten Fabrikgebäude (Powerplant) untergebracht. Zurück im Hotel, gehen wir schnurstracks in die Champions Sports Bar und essen zu Abend. Baltimore war eine, wenn auch (fast zu) kurze Reise wert. Es gäbe sicherlich noch einiges zu sehen. Eine tolle Stadt!

Mittwoch
Heute ist etwas angesagt, was wir nun schon einige Male praktizierten: Großreisetag! Unser Ziel heißt Chicago und ist 1.115 km entfernt. Wahnsinn werden sie vielleicht sagen. Aber zum Einen ist Auto fahren in den USA absolut stressfrei und zum Anderen sei die Frage nach Alternativen gestattet. Wir wollen einfach nicht irgendwo auf der Prärie versauern und einen Tag verlieren. Also auf geht's!

Um 7 Uhr geht es los: The road to success is always under construction! Ja, Baustellen haben wir auch einige passiert, aber Gott sei Dank ging alles ohne großen Stau, mit einer Ausnahme, ab. Nach 11 Stunden der erste Stau als wir in die Innenstadt von Chicago fahren. Es bleibt Zeit, die Skyline von der I-90 aus lange zu betrachten. Im Mittelpunkt steht der pechschwarze Sears Tower. Eine geschlagene Stunde brauchen wir zu unserem Hotel, dem Wyndham Chicago. Gegenüber ist ein Italiener, das Essen ist teuer und nicht zu genießen. Nach einem Verdauungsspaziergang zum Hard Rock Café, das im übrigen neumodern hässlich ist, und zum Chicago River mit Blick auf die unverwechselbare und schöne Skyline bei Nacht, ist Ende für heute.

Donnerstag
Es ist kaum zu glauben, aber die erste Woche ist vorbei. Und genau diese Woche hat es bei uns alten Menschen gedauert, bis wir wirklich mal länger haben schlafen können. Oder war es doch nur die ausgedehnte Autofahrt von gestern. Wie auch immer.

Chicago hat den 11.9. wohl mental besser verkraftet. Das Observation Deck auf dem John Hancock Building ist jedenfalls geöffnet. Um 9 Uhr sind wir in Schwindel erregenden Höhen im 94. Stock angelangt. Der Blick ist leider etwas getrübt, der Himmel Wolken verhangen. Nach Norden zieht sich die Küstenlinie des Lake Michigan. Der Blick beginnt mit einem Sandstrand und endet irgendwo in den Vororten Chicagos, -  dort, wo die Häuser Normalgröße erreichen. Gen Süden und Westen erhebt sich die unverwechselbare Skyline. Alles überragend der schwarze Sears Tower.

Nach diesem Überblick - im wahrsten Sinne des Wortes - gehen wir zum Navy Pier. Dort beginnt die Flussfahrt, genannt Architecture Cruise, die wir kurzfristig einplanen. Entlang des Chicago Rivers sind die imposanten Gebäude aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Vorbei am Wrigley Building, den Maiskolben, geht es bis zum Sears Tower. Es lohnt. Wieder angekommen beginnt es zu regnen und wir planen die Fahrt nach Milwaukee. Es schüttet inzwischen ohne Ende und erst kurz vor Milwaukee beruhigt sich das Wetter einigermaßen. Wir fahren etwas durch die Straßen und enden am Strand. Unglaubliche Kälte verhindert den längeren Aufenthalt. Eigentlich wollten wir das berühmteste Produkt dieser Stadt, Harley Davidson, erleben. Irgendwann meinte ich gehört zu haben, es gäbe so etwas wie ein H.D. Museum. Unwissende sollten fragen, aber diese Situation habe ich schon mehrmals geschildert. Was hilft's? Nix. Do you know ... Prompte Antwort. Selbstbewusst erklärt uns ein amerikanisches Ehepaar, das wohl erst kürzlich aus Mexiko eingereist war, wo das Harley Davidson Museum ist, bzw. sein könnte. Weiter sage ich nichts mehr. Wir machen uns auf den Rückweg. Ein kleiner Zwischenstopp in einer Mall, die jedoch auch nicht so der Hit war. Vor Chicago stehen wir im Stau, aber nach 6,5 Stunden Schneiderfahrt, so sagt man bei uns in Bayern zu einer Tour, die es nicht nur nicht wert, sondern eigentlich umsonst war, sind wir wieder im Hotel.

Irgendwann nach dem Abendessen sitzen wir an der Hotelbar und hoffen, dass das Wetter morgen besser wird.

Freitag
Es ist sehr kalt und windig, aber es regnet nicht mehr. Das West Egg Café ist gut, preiswert ist hier sowieso nichts.

Wir gehen nochmals an den Navy Pier, von dem aus die Skyline von Chicago herrlich anzuschauen ist. Dann beginnt unser fast 8 stündiger Fußmarsch kreuz und quer durch die Stadt. In Schlangenlinie nehmen wir uns Strasse für Strasse vor und arbeiten uns von der Küste bis zum Sears Tower vor. Klar, dass wir in den 104. der 110 Stockwerke fahren. Nach diesen Höhen brauchen auch die Füße eine Pause und wir besteigen die Hochbahn (Loop), um im Kreis fahrend eine weitere Perspektive der Stadt zu erleben. An der Michigan Avenue kommen wir sowieso mehrmals vorbei und die guten bzw. auch weniger guten Geschäfte haben ihr den Beinamen Magnificent Mile eingebracht. Richtung Norden, auf der anderen Seite des Chicago Rivers, kommen die Geschäfte, die es uns offensichtlich angetan haben. GAP, Guess, um nur einige zu nennen, haben zudem den Vorteil, dass Sitzgelegenheiten von demjenigen wahrgenommen werden können, der nicht gerade etwas probiert oder kauft. Mit den Schätzen des Orients beladen schleppen wir uns gerade noch ins Hotel.

T.G.I. Fridays ist just ein paar Meter von unserem Hotel entfernt. Und so lässt es sich nicht vermeiden, dass die ausgetrockneten Fettzellen erneut aufblühen.

Samstag
Als wir um 9.30 Uhr ausgecheckt haben und beim Besteigen unseres Autos merken, dass die Füße durch den gestrigen Gewaltsmarsch doch noch sehr in Mitleidenschaft gezogen sind, verlassen wir die Stadt. Es hat keine zwei Minuten gedauert und wir stehen im Stau. Irgendwann haben wir die Stadt hinter uns gelassen und blicken zurück auf die unverwechselbare und schöne Skyline. Auf der I-94 donnern wir mit über 70 mph Richtung Detroit. Als wir Michigan nach 1 1/4 Stunden verlassen, passieren wir die Zeitzone und in dieser Sekunde haben wir eine Stunde verloren.

Je näher wir Detroit kommen, desto dunkler werden die Wolken. Immer wieder kurze Schauer spülen das Blut der Tierkadaver, die die Interstate säumen, auf die Fahrbahn (ich müsste mal Krimis schreiben ;-). 290 Meilen sind es bis zur Autostadt. Der Regen wird weiß, ja es schneit leicht - unglaublich.  Durch den Windsor Tunnel erreichen wir die kanadische Grenze. Die Grenzerin hat Haare auf den Zähnen. Zumindest macht sie im ersten Moment den Eindruck. Die Fragen nach dem Wohin und wie lange und welcher Beruf ähneln in der Aussprache militärischen Anweisungen! Und als ich dann unser letztes kanadisches Ziel auch noch etwas europäisch ausspreche (Kweebeck = Quebec), war's ganz vorbei. Ein minutenlanger Vortrag lehrt uns nicht nur, dass es Kaibeck gesprochen wird, sondern auch warum es so ist. Dort wird eben der St. Lorenz-Strom schmal und deshalb ... auch gut!

Die kanadischen Autobahnen sind in einem hervorragenden Zustand und die Weite des Landes sorgt dafür, dass sie meistens schnurstracks durch die Landschaft gebaut sind. Geschwindigkeitsrekorde wären möglich. Dass das die Speedlimits verhindern ist auch klar. Hier wird nicht mehr in Meilen, sondern in Kilometer gemessen. Auch kein Problem, denn die Mietautos haben beide Maßeinheiten auf dem Tachoblatt. 100 km/h darf gefahren werden. Riesige Schilder, nicht nur nahe des Grenzgebietes, sondern immer wieder, machen deutlich, was einem bei Überschreitung erwartet:

  1. 120 km/h - 100 Can$ - drei Punkte

  2. 130 km/h - 143 Can$ - vier Punkte

  3. 140 km/h - 295 Can$ - vier Punkte

Kosten-/Nutzen-Analyse: Wir fahren 120 km/h!

Das Wetter wird besser, je weiter wir nach Nordosten vorstoßen. Nach 440 Meilen sind wir auf dem QEW, dem Queen Elisabeth Way, der uns zu den Niagara Fällen bringt. Nachdem wir von unseren früheren Besuchen wissen, dass die us-amerikanische Seite nicht so der Hit ist, haben wir uns vorgenommen in Kanada zu bleiben und hier ein Hotel zu suchen. Nach 9 Stunden für 538 Meilen sind wir da. Hier ist die Hölle los. Nicht nur, dass Menschenmassen unterwegs sind. Das Hilton ist ausgebucht. Was heißt hier das Hilton. Es gibt drei und alle sind proppenvoll. Wie kommt's? Es ist Victoria-Day-Weekend, vergleichbar mit dem amerikanischen Memorial- oder Labor-Day. Wir fahren durch den Ort Niagara, um unser Glück bei anderen Hotels zu versuchen. Aber was heißt hier Ort. An Geisterbahnen und Fahrgeschäften vorbei habe ich den Eindruck, als ob wir mitten durch unser Oktoberfest gondeln, - ein riesiges Spielcasino ... Unglaublich!

Etwas abseits des Trubels finden wir im Marriott Courtyard ein Zimmer. Es ist schön und geräumig und der Preis von 367 Can Dollar für 2 Nächte inklusive Frühstück und einem Abendessenvoucher für Fridays ist ok. Das nötigste wird ausgepackt und wir ziehen los: Hunger!

Wieder vorbei an den Geisterbahnen kommen wir zum Hard Rock Café of Niagara. Eines von zweien, denn auf der amerikanischen Seite gibt es auch noch eines. Das Kanadische ist überfüllt, nicht einmal an der Bar gibt es einen freien Hocker. Das Planet Hollywood ist nur ein paar Meter entfernt. Das ist nicht nur nett gestaltet, sondern hat frei Plätze an der Bar. Das Essen war gut.

Frisch gestärkt gehen wir in die USA. Über die Rainbow-Bridge, von der die inzwischen angestrahlten Wasserfälle gut sichtbar sind, geht es in das Nachbarland. Unkompliziert, aber es kostet 25 Cent, egal ob kanadische und us-amerikanische. Das Hardrock hier ist leer, - null los. Noch ein Bier an der Bar und mit der Erkenntnis, dass die Natur hier keinen mehr zu interessieren scheint, treten wir unsere Rückreise an. Ein leichter Schneeschauer beendet den Tag.

Sonntag
Das Wetter ist schön, aber es hat nur 5 Grad Celsius! Unser Weg führt uns wieder über die Rainbow-Bridge auf die us-amerikanische Ziegeninsel (Goat Island). An die Bridal Falls, dem Brautschleier-Wasserfall, kommt man von hier am besten ran. Auch der Horseshoe-Fall ist gut zu sehen (Prospect Park). Donnernd ergießt sich das Wasser des Erie-Sees, vom Niagara River durchs Land befördert, über eine Felsbarriere in den Ontario-See. Die donnernden Wasser, das bedeutet Niagara, in einem indianischen Dialekt.

Wenn der Niagara-Fall auch nicht der Welt höchster ist, selbst im Staate New York gibt es höhere, so gilt er doch als der majestätischste und mächtigste. Zweifellos ist er der ergiebigste für den Fremdenverkehr. Und es ist praktisch, dass er genau auf der Grenze zwischen den USA und Kanada schäumt. So haben beide etwas davon. Wie gesagt, die Kanadier haben die Nase vorn.

Der amerikanische Fall ist 328 Meter breit, der kanadische 640 Meter. Die Höhe beträgt 53 bis 55 Meter. Eigentlich wären die Fälle ja noch viel mächtiger, aber oberhalb wird Wasser abgezapft und erst weiter unter wieder zurück gegeben. Man braucht es für gigantische Kraftwerke. Ein kleiner Spaziergang auf der Ziegeninsel und zwar dorthin, wo die Touris nicht sind (Richtung Tree Sister Inseln) zeigt uns auch diese Stromerzeugungskolosse. Den Fällen bleibt nur rund ein Viertel der Wassermenge. Aber während der Touristen-Saison dreht man den Hahn aus Schönheitsgründen tagsüber etwas weiter auf.

Auf der Ziegeninsel gäbe es eine Menge zu unternehmen und man könnte über Höhlen und Aufzüge noch näher an den Bridal Fall heran kommen. Aber diese durchaus spaßigen Unternehmungen haben wir 1995 bereits hinter uns gebracht. Auch das Boot, Maid of the Mist, was so viel heißt wie Nebelmädchen, das direkt mitten unter den kanadischen Horseshoe-Fall führt, lassen wir bleiben. Wir wandern zum sog. Whirlpool. Eine Stunde Fußmarsch, vorbei an kleinen Bed&Breakfast-Häusern (teilweise echt nett, wir sollten es mal versuchen), ist es schon. Dieser Whirlpool ist dadurch entstanden, dass hier der Niagarafluss nach rechts abbiegt. Das Wasser fliest nicht nur so einfach um die Ecke, sondern dreht sich erst mal nach links, um erst dann die neue Richtung einzuschlagen. Eine Gondel fährt über diesen Whirlpool. Eigentlich wollten wir mit einem Jetboot fahren, denn wir hatten in Erinnerung, dass das von dort aus möglich ist. Aber die Jet-Boote fahren vom Ontariosee weg und der Weg wäre noch weit gewesen.

Wir besorgen uns ein Ticket für den Shuttlebus und fahren zum Horseshoe-Fall. Crowded nennt der Amerikaner das, was uns hier erwartet. In Dreierreihen stehen die Menschen und bewundern das Schauspiel. Wir beschließen, es ist jetzt 14 Uhr, noch nach Toronto zu fahren. 78 Meilen sind es, die, dank Autobahn (QEW), in einer guten Stunde zu bewältigen sind. Wir parken am Skydome, einem riesigen, überdachten Stadion, in dem die Toronto Blue Jays ihre Heimat haben. Genau daneben steht der CN-Tower, - und der hat das höchste Aussichtsdeck der Welt. Also nichts wie rauf (16 Can$ plus Tax). Die gigantische Höhe wird deutlich, wenn man sich auf den Glasboden traut. Über 500 Meter freier Fall wäre garantiert ;-) Es ist ein komisches Gefühl, auch wenn klar ist, dass es sich bei diesem Glas nicht um eine normale Fensterscheibe handelt. Atemberaubend ist der Blick auf den Ontariosee. Im Skydome besuchen wir kurz das Hard Rock Café und fahren auch zum Zweiten in der Younge Street. Ansonsten gibt es nichts mehr zu berichten, die Stadtwanderung haben wir 1995 gemacht.

Wieder zurück wird es Zeit, dass wir unseren Gutschein bei Fridays einlösen. Bei 4 Grad, Gott sein Dank noch nicht minus, gehen wir noch ins Hard Rock Café auf einen Schlummertrunk. Und als wir endlich wieder im Hotel waren, überraschte uns ein Feuerwerk über den Fällen, das wir vom Hotelzimmer aus ganz gut beobachten konnten.

Montag
Wir verlassen um 8.30 Uhr das Hotel bei schlechtem Wetter. Aber auf dem Weg nach Toronto kommt ab und zu die Sonne durch, das gibt Hoffnung.

Mit 120 km/h geht es auf der 401 immer Richtung Nordwest. Nach 223 Meilen erreichen wir Kingston, dort, wo der St.-Lorenz-Strom den Ontario-See verlässt. 1673 war Kingston noch Pelzhandelsstation, heute ist es ein lebhaftes Städtchen mit vielen Erinnerungen an die Pionierzeit. Die zeigt man Ihnen auf der Stadtrundfahrt, die zwischen Mitte Mai und September jeweils zur vollen Stunde gegenüber der City Hall beginnt.

Wir haben in der Nähe des Rathauses geparkt und schauten uns um. Eigentlich wollten wir eine Nacht hier bleiben und eine Schifffahrt auf dem Strom machen. Es gäbe hier, wie von vielen benachbarten Orten auch, die sog. 1000-Island-Tour. Leider geht nur eine Fahrt pro Tag, um 12 Uhr, und die war schon weg. Bei einem guten Kaffee haben wir dann entschieden, dieses Nest zu verlassen und weiter nach Montreal zu fahren. Es war eine gute Entscheidung.

Der Regen begleitet uns weiter. Eine kleine Brotzeit im McDonalds und nach 422 Meilen sind wir da. Wir checken für eine Nacht im Wyndham Montreal ein und machen uns auf die Socken. Der Eindruck von Montreal ist super. Wir landen nach einem relativ unkoordinierten Spaziergang im Hard Rock, wo sonst, und fahren mit dem Taxi zurück ins Hotel. Trotz leichtem Regen folgt der Dusche ein Fußmarsch nach Old Montreal zum Essen. Zuerst haben wir nur historische Gebäude gesehen, Restaurants Fehlanzeige. Als wir jedoch die richtigen Strassen erreichen, ein Lokal neben dem anderen. Und Sie kennen das sicher auch. Man begutachtet die Speisekarte und obwohl alles ok scheint, entschließt man sich noch das nächste Wirtshaus anzuschauen. Und das Nächste und das Nächste und eines noch ... Und am Ende landet man beim Ersten, das man für gut befunden hat. So war es auch und es war die richtige Entscheidung. Bestes Essen im Modavie (Rue St. Paul Ouest). Bestes Futter und guter französischer Wein. Dazu knuspriges Weißbrot, himmlisch ... Himmlisch waren allerdings auch die Preise, aber gut.

Bei einem Schlummertrunk an der Hotelbar ziehen wir das Fazit, dass Montreal eine sehr sehenswerte Stadt ist, wir eine Nacht verlängern werden, um uns morgen in aller Ruhe alles anzusehen.

Dienstag
Dank des guten und reichhaltigen Essens beschließen wir, das Frühstück ausfallen zu lassen. Ohne Kaffee geht aber nichts, aber wir haben eine Maschine auf dem Zimmer. So gestärkt wandern wir um 9.30 Uhr durch China Town. Man kennt die Tore von San Francisco und anderen us-amerikanischen Städten. Es ist noch nichts los, aber die geschlachteten Viecher baumeln auch hier in den Schaufenstern. Der so typische Geruch chinesischer Viertel fehlt aber noch.

Im Vieux Montreal, dem alten Teil der Stadt, haben sie rote Straßenschilder aufgestellt. Sie bringen uns zur Rue Notre Dame, an der die Hauptattraktion steht: Basilika Notre Dame. Sie ist wunderschön und ganz anderes als die Kirchen normalerweise aussehen. Blau ist sie innen, also nicht das Mobiliar, sondern die großen Fenster und damit das Licht. Wirklich toll und ein unbedingtes Muss. Wir schlendern durch die Strassen. Es sieht oftmals aus wie in Paris. Mächtige, für Nordamerika sehr alte Gebäude.

Weiter ins Quartier Latin, in dem sich Straßencafe an Straßencafe reiht. Milchkaffee und Erdbeerkuchen - lecker! Nette Straßenzüge mit kleinen Häusern und immer wieder Geschäfte und Cafes. Mit der Metro fahren wir dann zum Olympiagelände. Nun ja, es hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Es ist ziemlich herunter gekommen. Wir drehen eine Runde ums Stadion und die anderen Hallen. Man hätte mit dem Lift auf den Stadionträger, der sicherlich 100 Meter hoch in den Himmel ragt, fahren können, aber wir haben es dann gelassen. Wir haben eine andere Möglichkeit geplant, um die Stadt von oben zu bestaunen.

Zurück mit der U-Bahn in die City. Die Innenstadt bietet ausgezeichnete Möglichkeiten einzukaufen. Ein Geschäft neben dem anderen. Wir steigen aber zuerst die Peel Street hinauf. Ächz... und da eine Bushaltestelle. Rein in den Bus in der Hoffnung, dass uns dieses Gefährt auf den Mont Royal bringt. Denkste, der Busfahrer setzt nach zirka 100 Meter den Blinker rechts und sagt, dass wir hier aussteigen und zu Fuß weiter gehen müssen. Zwei Bayern in Kanada nehmen den Berg in Angriff. Es gehen Treppen hoch. Schnauf, - es waren hunderte von Stufen. Der Weg hat sich gelohnt. Von oben eröffnet sich ein herrlicher Blick auf die City. Wir folgen noch einem Trail zu einem Kreuz, das in der Nacht beleuchtet ist und versuchen dann quer-Feld-ein den bezwungenen Berg zu verlassen. Herrliche Berge, schwindelnde Höhen, Bergvagabunden sind wir, ja wir. Unter diesem Motto haben wir uns dann verlaufen, will heißen irgendwann versperrte uns ein steiler Abhang, von einer Schlucht will ich nicht sprechen, den Weg. Also zurück und auf dem offiziellen Weg nach unten.

Wie erwähnt, Montreal ist auch eine Stadt, die das Shopping-Herz höher schlagen lässt. Aber nicht nur an der Oberfläche. Die City hat auch eine so genannte Unterstadt und die verbindet nicht nur Bahnhöfe, sondern beherbergt ein Einkaufszentrum nach dem anderen. Es ist toll hier unten und man sagt, dass die Einwohner von Montreal hier ihre Winter verbringen. Kann ich mir gut vorstellen, denn auch für Restaurants ist ausreichend gesorgt. Was echt blöd ist, man verliert die Orientierung, die man erst wieder an der Oberfläche gewinnt. Und vielleicht noch ein letzter Tipp an Euch Shopperinnen: Hier ist es viel billiger als in den USA!

Nachdem wir fast 8 Stunden inklusive Bergtour unterwegs waren und selbstverständlich auch eingekauft haben (Auszug aus dem Tagebuch: Tasche, etc. - man beachte das etc.) waren wir froh wieder im Hotel zu sein.

Eine Sache ist heute unbedingt noch zu erledigen, und ich meine nicht das Essen. Der Memorial Day naht. Und wer den letzten Reisebericht The Wave aufmerksam gelesen hat, der kann verstehen, dass wir nicht wieder in einem Sun & Sands Motel das letzte Zimmer ergattern wollen. Da wir nochmals nach Boston wollen, wird es diese Stadt sein, in der wir ein Zimmer brauchen. Also her mit dem Handy und telefoniert: Wyndham ausgebucht, erstes Mariott ausgebucht, ... Aber das Mariott am Copley Sq. hat noch ein Zimmer für - festhalten - 349 US-Dollar die Nacht. Tja und dann noch die Parkgebühr. Was soll's!

Die Essensentscheidungstour fällt heute aus. Wir gehen wieder ins Moldavie und sind erneut sehr zufrieden.

Mittwoch
Strahlend blauer Himmel begleitet uns auf unserem Weg zum nördlichsten Punkt unserer Reise: Quebec (denkt an die Grenzerin, also nich Kwiebec sondern Kaibec;-). Nach 153 Meilen in 2,5 Stunden haben wir die Stadt erreicht und checken im Hilton (11. Stock mit Riverview - super!). Etwas besonderes ist nachzureichen: Das erste Mal haben wir die Klimaanlage im Auto auf kalt gestellt!

Der erste Blick zeigt das Wahrzeichen von Quebec, das Chateau Frontenac. Wir gehen los um alles in Augenschein zu nehmen. Aber vorher noch ein kleines Mittagessen außerhalb der Stadtmauer. Neben unserem Hotel ein Straßenzug mit netten französischen Restaurants. Wir sitzen im Freien, es ist warm und die Sonne, die wir so lange vermisst haben, scheint unerbittlich. Und das ist gut so!

Wir schlendern entlang der Stadtmauer, über die Zitadelle, hin zum St. Lorenz Strom. Quebec liegt auf einer Anhöhe und so haben wir einen tollen Blick auf den Fluss und die riesigen Schiffe, die Quebec passieren. Weiter geht es zum Chateau Frontenac. Hier hätte ich gerne gewohnt, aber in so alten Bunkern ist es oftmals Glückssache, ein schönes Zimmer zu erwischen. Zumal dieses Schloss sehr verwinkelt ist, ist die Gefahr groß, dass man ein Fenster zur Mauer hat. Wir betreten ehrfürchtig die Empfangshalle. Lüster, alte Möbel und Bilder, ein wahrer Schatz. Düsteres Ambiente, ein Schloss eben. Es thront über der Stadt.

Dann die Treppen und steilen Abhänge runter zur kleinen Stadt. Hier finden sich nette Geschäfte und Restaurants. Ein Kaffee in einem der zahlreichen Cafés. Unser Weg führt uns zum Hafen. Obwohl unser Plan auch um 16 Uhr noch eine Schifffahrt zur Island of Montreal und zu den Montmorency Falls zeigt, ging die letzte Fahrt bereits um 14 Uhr. Es ist halt noch nicht Saison. Pech gehabt. Wir besteigen die Fähre über den St. Lorenz Strom nach Levis. Schöne Blicke auf die Stadt runden die Erkenntnis ab, dass es hier zwar klein und übersichtlich, aber absolut schön ist. Viele Touristen teilen mit uns das Bier vor der Dämmerung. Abendessen gibt's dann später.

Donnerstag
Heute werden wir wieder US-amerikanischen Boden betreten. Das erste Stück ist Autobahn, aber dann nur noch Landstraße. Nach 92 Meilen erreichen wir die Staatsgrenze. Nichts los, aber das war wohl das Pech. Good mornin'  und das oberflächliche How are you? lassen Normalität erkennen. Die Grenzerin stellt Ihre Fragen, kontrolliert die Papiere. Dann aber wendet sich das Blatt. Ein Mitglied der US-Army erscheint und bittet, den Kofferraum zu öffnen. Auch gut. Er öffnet unsere Koffer, wühlt sich durch Plastiktüten mit Dreckwäsche und findet unsere Vitamin-Tabletten. Sie liegen abgezählt in neutralen Dosen. Und das war sch..... Was denn das sei. Trotz unserer Englischkenntnisse musste das Dictionary herhalten. Wir sollten doch mal das Auto abstellen und mitkommen. Wir nehmen im Zollhaus die harten Stühle, weiche gibt es nicht. Ein Trucker wird gefilzt. Wir warten und warten. Dann werden wir aufgerufen. Was sind das für Tabletten? Vitamine und .... Wo sind die Orignialverpackungen. Na zuhause im Mülleimer, wo sonst. Warum haben Sie das so gemacht? Na weil es einfacher ist, die Tabletten pro Tag abgezählt ... Friedensangebot meinerseits: Also die Tabletten können sie behalten, die brauche ich aber. Antwort: Wenn wir etwas behalten, dann alles, auch sie. Die meint uns! Der Leiter des Zollbüros kommt. Die Grenzerin fragt, ob sie einen Drogentest machen soll. Das sei ihre Entscheidung. Mit seinen nicht gerade sauberen Fingernägeln durchwühlt der Chef die Tabletten. Die Tabletten hätte er schon mal gesehen, der Schlauberger. Ich sage wie lange denn der Drogentest dauern würde. Ich dachte die holen jetzt einen Arzt, der uns Blut abzapft. Es sei hier nicht die Frage, wie lange etwas dauert, war die Antwort. Sie nimmt die Tabletten, geht zu ihrem Schreibtisch, öffnet eine Schublade, nimmt Pipette und eine Flüssigkeit, zerbricht eine Tablette und gibt die Flüssigkeit drauf. Spannung! Keine Drogen. Aber jetzt müsste doch alles vorbei sein. Nein, einige Minuten dauernde Erklärung ... und wir sollten doch künftig die Tabletten in den ursprünglichen Verpackungen lassen, damit man lesen könne, was das sei. Ich stell' mir eine Amerikanerin vor, die einen deutschen Text lesen soll. Ich stell' mir einen Drogenprofi vor, der die Verpackung originalgetreu .... und trotzdem, jetzt bin ich ganz still und nicke permanent zustimmend. It's done. Nach rund 45 Minuten fahren wir weiter.

Auf der Strecke sind wir ganz alleine. Es ist eine schöne Fahrt. Gebirgig, ab und zu ein See, ein Fluss begleitet uns. Die kleinen Dörfer auf unserem Weg haben die Flagge gehisst. In Bingham gibt es im Dorfrestaurant, Thompsons Restaurant, einen herrlichen, selbst gemachten Burger, genau war es ein Cheeseburger Deluxe, und ein echtes, amerikanisches Cola. Das war gut und nötig.

Nach 178 Meilen ging es in Skowhegan auf die US 2 East in Richtung Bangor, das wir nach 203 Meilen erreichen. Exit 45 A to Bar Harbor. Vorher, nach exakt 270 Meilen steht unser Best Western mitten in der Prärie. Nachdem wir das Gepäck abgeladen haben, fahren wir in den Acadia National Park. Unseren Golden Eagle Pass haben wir zuhause vergessen und so zahlen wir 10 Dollar Eintritt.

Wir erklimmen mit dem Auto den Cadillac Mountain, der mit 466 Meter der höchste Punkt an der Atlantik-Küste nördlich von Brasilien ist. Der Wind pfeift uns am Gipfel um die Ohren, aber wir haben einen herrlichen Ausblick auf die Küstenlinie, das Meer und das Hinterland. Dann fahren wir noch nach Bar Harbor. Eine nette kleine Hafenstadt. Hier hätte es auch ein schönes Hotel direkt am Hafen gegeben. Wir überlegen kurz, ob wir umbuchen sollen, aber dann war es uns doch zuviel. Whalewatching erst ab 31.5.. Schade, ich hätte dieses Schauspiel gerne nochmals erlebt.

Wir fahren zurück und das Abendessen nehmen wir in einem an der Landstrasse gelegenen Restaurant ein. Log Cabins heißt der Laden. Alles aus Holz und Hummer ohne Ende. Ich habe mich für die einfache Variante, Lazy, entschieden. Keine Arbeit beim Essen, aber es war dann nicht so toll.

Freitag
Continental Breakfast im Best Western. Na ja, der Orangensaft war gut. Auf zum Park. Dieser Park soll einer der schönsten in den USA sein. Aber subjektiv kann ich das nicht bestätigen. Die Parks im Westen .... Er besteht aus wild zerklüfteten Atlantik-Inseln mit Bergen, Felsklippen, Nadelholzwäldern und klaren, dunkelblauen Seen. 500 Arten von Wildblumen - darunter auch solche arktischen Ursprungs. Nun gut, ich würd' sie nicht erkennen. Außerdem können Sie Rotwild, Biber, Adler und Blaureiher sehen. 200 km Wanderwege. Auch davon werden wir Gebrauch machen.

Wir beginnen, die Park-Loop-Strasse zu befahren. Der erste Trail war gesperrt, da Adler meinten, irgendwo in der Nähe einen Horst bauen zu müssen. Dafür standen am Trailhead Fernrohre und ein Ranger erklärte einer Gruppe von Rentnern, welche Vögel sie trotz ihres schwachen Augenlichtes zu sehen bekommen.

Weiter zum Sand Beach, einem feinen Sandstrand. Wir überqueren den Strand und wandern auf einer kleinen Halbinsel den rund 2,2 km langen Trail. Immer wieder eröffnen sich Blicke auf die Küstenlinien. Schroffer Felsen, steil zum Meer hin abfallend, an den permanent das Wasser schlägt. Die Tour ist empfehlenswert.

Nun kommen wir an verschiedenen Aussichtspunkten vorbei. Immer wieder schöne Blicke auf das Meer. Am Thunder Hole erwarten wir mächtigen Donner. Ein Loch im Felsen soll dieses Geräusch verstärken. Jetzt jedoch zur Mittagszeit war das Meer zu ruhig, um diesen Erwartungen Rechnung zu tragen. Wir parken das Auto am Bubble Rock Trailhead. Relativ steil geht es hinauf. Oben, am South Bubble Rock, steht ein Balanced Rock, nicht so eindrucksvoll wie im Arches N.P., aber auch hier entsteht der Verdacht, dass das Teil, ein gewaltiger Brocken, bald das Zeitliche segnet, will heißen, abstürzt. Wir beschließen, noch den North Bubble Rock zu besteigen. Die Wanderung ist schön. Oben angekommen geht der Trail weiter. Wir sind uns aber nicht sicher, ob es ein Rundweg ist, riskieren es aber trotzdem. Bergab kommen wir immer tiefer in den Wald. Die Richtung stimmt auch nicht mehr, aber umkehren kommt jetzt nicht mehr in Frage. Unkonventionell und mit etwas Gefühl für die Richtung landen wir auf einer der vielen Arbeitsstraßen, die ein us-amerikanischer Präsident, war es Roosevelt, anlegen lies. Der Weg wird uns irgendwie auf die Strasse zurückbringen. Als er aber die falsche Richtung einschlägt, wandern wir wieder querfeldein. Nach fast zwei Stunden sind wir wieder im Auto.

Fazit: Wir sind in Gedanken zu sehr im Westen. Ein schönes Abendessen im Freien in Bar Harbor beendet diesen Tag und den Besuch im Acadia National Park.

Samstag
Es ist Memorial Day Weekend. Das Continental Breakfast lassen wir links liegen. Genau so wie die Dörfer in Main, die links und rechts der Autobahn sind. Starker Verkehr an den Toll Plazas und die waren nicht wenig. Nach 285 Meilen und 5 Stunden sind wir in Boston, Mariott Copley Square. Das teuere Zimmer kann sich aber sehen lassen, es ist eine riesige Suite. Dann ein Bier im Hardrock und mit etwas Glück haben wir anschließend in einem Straßencafe einen Platz im Freien ergattert. Wir schlendern durch die belebte Newbury Street und dank des Memorial Days müssen wir zwanzig Minuten an der Bar des Fridays auf unsere Plätze warten. Das Essen war wie immer gut.

Sonntag
Bewölkt und frisch, - ein gutes Jogging-Wetter. Frühstück im Hotel. Wir beschließen die Hexen in Salem zu besuchen. Es sind nur 22 Meilen.

Lauter schöne alte Sachen sind hier zu sehen. Denn Salem ist eine historische Hafen- und Handelsstadt; sie wurde schon 1626 gegründet. Viele der alten Häuser stehen noch - zum Beispiel das House of Seven Gabeles, von 1668, daneben das Hathaway House von 1682 und das Retire Beckett House von 1655. Alle drei können besichtigt werden. Im Essex Institut in der Essex Street finden Sie sehenswertes aus der Pionierzeit, sogar alte Puppenhäuser. Im Peabody Museum, auch in der Essex Street, werden Ausstellungen zur Schifffahrt gezeigt. Und das Stephan Phillips Memorial Trust House in der Chestnut Street enthält alte englische sowie amerikanische Möbel. Schließlich hat Salem auch ein rekonsturiertes Pionierdorf. Dort wird die Zeit um 1630 wach gerufen. Und am Washington Square gibt es ein Hexenmuseum. Denn 1692 wurden in dieser Stadt 19 Frauen und Kindern der Hexenprozess gemacht. Das Ergebnis war der Strang für alle. Der rot markierte Heritage Trail bringt Sie zu allen diesen Punkten.

Am Meer entlang fahrend kommen wir nach Manchester. Es ist ein scheinbar reicher Ort. Viele große, herrschaftliche Häuser inmitten ausgedehnter Parks. Diese Route 127 ist wirklich empfehlenswert. Durch Glouchester geht es nach Rockport. Ein kleiner Ort mit vielen Souveniershops, Boutiquen und Gallerien. Wir fahren weiter die 127er bis an das Ende dieser kleinen Halbinsel. Die Straße ist ein Loop und führt fast automatisch wieder zurück nach Boston.

Abendessen im Hardrock und Schlummertrunk in der Championsbar im Hotel.

Montag
Wir versuchen Tickets für das Whalewatching zu bekommen. Da wir aber bis 10 Uhr geschlafen haben, waren wir zu spät. Wir kaufen Karten für die Duck Tours durch Boston. Eine etwas andere Stadtrundfahrt. Bevor die Fahrt um 16 Uhr beginnt, gehen wir zum Quincy Market, um etwas zu essen. Shopping im Prudential Center und dann die Duck Tours. Mit einem Amphibienfahrzeug erkunden wir Boston zu Lande und zu Wasser. Informative, jedoch lockere Kommentare unseres Guide. Die Tour war mit 23 Dollar pro Person nicht gerade ein Schnäppchen, aber sie war es wert. Quak, Quak, ... Dieses Erkennungszeichen mussten alle Teilnehmer quaken, wenn wieder einmal ein Touri nach dem Amphibienfahrzeug schielt. Am Anfang dachte ich mir so ein Schmarrn, aber dann konnte ich jedes Mal herzhaft lachen. Und sie werden nicht glauben, wie lange ein so einfaches Quak, Quak im Kopf bleibt.

Es beginnt stark zu regnen. Wir gehen auf's Hotelzimmer. Und just dort, wo unser Rucksack mit Karten, Büchern und den Filmen stand, stand auch das Wasser! Wasserrohrbruch, unglaublich! Und dann ging's los. Housekeeping - Securtity - Housekeeping - Handwerker - fertig. Nach einer Stunde war alles erledigt.

Wir gehen in die Lobby und lassen uns ein italienisches Restaurant in North End empfehlen. Der Taxifahrer war Russe, 23 Jahre hier, kaum Englisch. Das Restaurant war teuer, das Essen und der Service schlecht. Zu Fuß zurück.

Dienstag
Megastau vor der Washington Bridge. Die Skyline von New York, leider ohne WTC, scheint so nah. 243 Meilen und 5,5 Stunden bis Newark Airport: Car rental return. Wir sind über die Interstates 90, 95 gefahren. Der Hinweg über die 15er war besser. Mit dem Taxi in die Megacity (49 $). Das Zimmer im Roosevelt-Hotel im 18. Stock ist echt in Ordnung, das Hotel selbst auch. Gerade in den Metropolen ist es oft Glückssache und da dieses Hotel nur drei Sterne hatte, waren wir schon sehr skeptisch.

Wir machen uns gleich auf den Weg zum Empire State Building und dachten schon, dass die Aussichtsplattform gesperrt sei. Dem war aber Gott sei Dank nicht so. Diese Stadt ist wirklich einzigartig und selbst von oben betrachtet einfach riesig. Der Blick gen Süden gibt einen ersten Eindruck von dem, was geschehen ist. Dort wo einst die mächtigen Zwillingstürme alles überragten ist nichts mehr. Wenn ich daran denke, dass ich das letzte Mal 1999 dort oben am Nordturm stand, überkommt mich schon ein komisches Gefühl.

Nach dem ersten Überblick gehen wir zum Times Square, der wie immer proppenvoll ist. Einkauf im Planet Hollywood und weiter zum Hard Rock Cafe in der 57sten Straße. Dort haben wir gleich zu Abend gegessen. An der Hotelbar kostest ein Heineken 0,3 sieben Dollar, - Prost.

Mittwoch
Um 9 Uhr brechen wir auf zum Washington Square. Früher strahlte das World Trade Center durch den Torbogen. Den Blick nach Norden gerichtet überragt das Empire State Building alles. Wir gehen zum Ground Zero. Wir wollen auf die Aussichtsplattform, allerdings braucht man Tickets. Und die gibt es zwar kostenlos, aber ungefähr 10 Blocks weiter am Fulton Market. Wieder zurück eröffnet diese Plattform einen widerlichen Blick auf eine riesengroße Baustelle, ein gähnendes Loch. Jede Menge Erinnerungsstücke und Fotos von Opfern an den Wänden. Es ist traurig, wenn die Teddybären der Kinder von verunglückten Vätern und Müttern auf einen herabblicken. Aber es ist nicht mehr zu ändern.

Rund um den Ground Zero sind viele Strassen gesperrt. Wir schlagen uns zum Financial Center und Battery Park durch. Die Staten Island Ferry ist umsonst und der Blick auf die Stadt und die Freiheitsstatue sowie Ellis Island ist ebenso schön, wie auf einer teuren Schifffahrt. Wieder zurück braucht es ein Sandwich an der Wall Street Plaza. Echt lecker das Teil. Wir brauchen die Kalorien für unseren Gewaltsmarsch über die Brooklyn Bridge. Die Blicke auf Manhattan sind unbeschreiblich. Die Brücke, die ja jeder kennt, ist ebenso ein schönes Bauwerk. Wir beschließen nach Brooklyn zu gehen und wandern über die Manhattan Bridge wieder zurück. Weiter nach Chinatown und Little Italy. Die Straßen sind in den italienischen Nationalfarben geschmückt. Cappuchino in der warmen Nachmittagssonne. Durch die Central Station sind wir nach 9,5 Stunden Fußmarsch am Hotel angekommen. Essen gibt es im Planet Hollywood (war gut und nicht so teuer). Es lohnt auch in dieser Stadt u.E.  nicht, gut Essen zu gehen.

Das in den amerikanischen Nationalfarben angestrahlte Empire State Building leuchtet uns den Heimweg.

Donnerstag
Wir gehen zum UN-Gebäude, wollen eigentlich eine Tour machen, die uns bisher nie gelang. Aber auch dieses Mal war der Plenarsaal wegen Renovierungsarbeiten gesperrt und wir lassen es bleiben. Im Garten des UN-Gebäudes ist es ruhig. Wir sitzen in der Sonne und denken an unsere Reise zurück. Schade, dass sie bald zu Ende geht. Die Schluchten New Yorks gehören uns: Rockefeller Center, Trumptower, kreuz und quer von einem Wolkenkratzer zum anderen. Wir kommen am Central Park an und gehen zum Strawberry Fields. Dann ein wenig Shopping im Bloomingdale's. Es war dann doch ein Medium Brown Bag ;-)

Mit der berühmten New Yorker U-Bahn fahren wir nach Süden von Manhattan bis Whitehall-Southferry. Am Fulton Market feiert das NYFD (New York Fire Departement), einige Feuerwehrleute zumindest, den Abtransport des letzten Stückes des World Trade Centers. Die waren echt gut drauf, es sei Ihnen vergönnt. Wir besteigen das Schiff zur 50-minütigen Lower Harbor Tour. Sie führt uns rund um den südlichen Teil von Manhattan. Das Wetter hat gepasst und so genießen wir Sonnenschein und letzte Blicke auf diese gigantische Stadt. Auf dem nicht gerade kurzen Rückweg zum Hotel kehren wir in der Houston Bar ein und sitzen gemütlich mit der nicht mehr arbeitenden Bevölkerung bei einem Bier.

Wieder 8 Stunden zu Fuß unterwegs und wir sind erschöpft und glücklich, als wir im Fridays die letzten Rippen und den letzten Caesar's Salad essen. Das kostet hier um 30 Dollar mehr, als in Boston. But that's New York City!

Freitag
Dieser letzte Tag läuft ein wenig anders. Unser Flug geht erst um 20 Uhr. Also zum Telefon gegriffen und mit der Lobby vereinbart, dass wir das Zimmer bis 15 Uhr behalten dürfen. Für 14.30 Uhr haben wir uns dann eine Limo (nicht gestretcht) bestellt. 

Es ist schon wieder sehr heiß heute, aber die ersten Wolken ziehen auf. Noch ein letztes Frühstück im Burger Heaven an der Madison Av.. So gestärkt schlendern wir die Fifth Avenue rauf und runter. GAP muss noch ein paar Teile abgeben und um 12 Uhr sind wir wieder im Hotel. Die letzten Sachen werden verstaut, duschen und ab in die Limo, einem Lincoln Towncar (45 $, ein Taxi ist auch nicht billiger). In 45 Minuten waren wir am JFK Airport, das Gepäck war schnell aufgegeben. Wir haben dann in der neuen Abflughalle eine nette Bar entdeckt. Ein kleiner Zwischenfall: Feuer in der Küche, Abtransport des Kochs mit dem Krankenwagen.

Unsere Maschine kam verspätet aus München und der Abflug verzögerte sich leicht. Die Zeit am Flughafen verging eigentlich relativ schnell, obwohl es 4 Stunden waren. Aber dann saßen wir noch 2 Stunden lang im Flugzeug, ohne einen Meter vorwärts zu kommen. Es zog nämlich exakt über den Startbahnen ein Gewitter auf und sämtliche Flugbewegungen waren gesperrt. Die hatten genügend zu tun, um die Vögel, die sich im Anflug befanden, möglichst schnell auf den Boden zu bringen.

Das Glitzern der Stadt begleitet uns ein Stück auf unserem Weg nach München.

Das war USA 2002. Eine Reise mit viel Abwechslung. Kanadische Wälder und Städte. Boston, eine Stadt, in die man reisen sollte und zum 3. Mal New York City. Das Wetter hätte besser sein können, aber was soll's! Wenn Sie mich heute, am 30.09.2002, fragen, wo ich nächstes Jahr meinen Haupturlaub verbringe: Wenn Gott und der Geldbeutel wollen: Tief im Westen (der USA versteht sich), wo die Sonne verstaubt ...!

« Wo Straßen enden, beginnt Dein Weg! »
« Where the road ends, your hiking trail begins! »

Monika Zehrer | Fritz Zehrer