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Midwest [2022] - Midwestern USA, Oklahoma, New Mexico, Colorado








Reisestationen


Ziel
Nächte
Hotel
Stars
Franklin Park
1
Best Western Plus O'hare
**
Cleveland
1
Indigo Cleveland Downtown
****
Columbus
1
DoubleTree Suites by Hilton Hotel Columbus Downtown
***
Louisville
1
Hilton Garden Inn Louisville Downtown
***
Springfield
1
Tru by Hilton Springfield Downtown
***
Lawton
1
Hampton Inn & Suites Lawton
**
Albuquerque
2
Hilton Garden Inn Albuquerque Downtown
***
Santa Fe
3
Hilton Santa Fe Historic Plaza
****
Durango
2
DoubleTree by Hilton Durango
****
Fort Collins
2
Best Western University Inn
**
Rapid City
3
Tru by Hilton Rapid City Rushmore
***
Omaha
1
EVEN Hotel Downtown
****
Dubuque
1
Grand Harbor Resort
***
Chicago
3
Hilton Garden Inn Chicago Downtown Riverwalk
***





Reiseroute


Landkarte - Midwest [2022]


Reisebericht

Fakten

November 2019:
Wir kamen aus den USA zurück und konnten damals nicht einmal ansatzweise erahnen, dass ab sofort ein anderes Kapitel in der Weltgeschichte aufgeschlagen wird. Corona beschäftigt natürlich auch uns seit mehr als zwei Jahren. Nach dem 3. Versuch hat es im April 2022 endlich wieder geklappt. Die 32. USA Reise kann starten!

Obwohl in den USA kaum einer mehr auf Corona Rücksicht nimmt, hat das Land mit enormen Auswirkungen zu kämpfen, die auch wir Touristen empfindlich spüren. Deshalb findet Ihr gleich mal ein paar Fakten, die sich diametral von den Vor-Corona-, aber auch Vor-Kriegszeiten, unterscheiden.

Mietauto und Mobilität:
Klar hat in Spanien ein Auto auch schon vor vielen, vielen Jahren 100 Euro und mehr pro Tag gekostet. Aber das ist natürlich nicht mit einem USA Urlaub zu vergleichen, da man das Auto permanent und nicht nur tageweise braucht. Als Corona Fahrt aufnahm, haben die Mietwagenfirmen sukzessive ihre Flotten verkauft. Als es nun wieder losging, waren wenige Fahrzeuge zur Verfügung; die Lieferung der neuen Fahrzeuge dauert wegen der Chip-Krise und den nicht mehr funktionierenden Lieferketten an. Deshalb sind die Mietautos bis zu 100 % und mehr (vergleiche Hertz) teuerer geworden. D.h., dass sich der Preis im Schnitt fast verdoppelt hat. Für einen Standard-SUV (z.B. Jeep Grand Cherokee) haben wir bei Alamo für 25 Tage 3.700,20 USD bezahlt. Und unser Lieblingspartner Hertz ist zur Zeit so gut wie unbezahlbar.

Leider war es das noch nicht mit den schlechten Nachrichten, was die Fortbewegung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten betrifft. Die Mineralölfirmen machen nicht nur in Europa mit dem Ukraine-Krieg Kasse, auch in den USA. Viele von uns kennen die Benzinpreise von Shoshone im Tal des Todes. Sie waren immer die plakativ vorgetragenen Zahlen für Höchststände. Ob das immer noch so ist, weiß ich nicht, da wir in diesem Urlaub nicht in diesem Gebiet waren. Die ehemaligen "Tal-des-Todes-Preise" sind jedoch zur flächendeckenden Normalität geworden. In Illinois bekam man eine Gallone für 4,50 bis 5 USD. Auf unserer weiteren Strecke nach Südwesten sind sie in seltenen Fällen bis auf 3,5 Dollar gesunken und in New Mexico, Colorado und South Dakota lagen sie bei rund 4 USD. Wir sind 5.990 Meilen gefahren und haben für 1.039,41 Dollar getankt.

Alleine das Mietauto und dessen Fortbewegung haben Kosten in Höhe von 4.739 Dollar für dreieinhalb Wochen verursacht!

Hotel:
Dass sich die Inflation nach gut zwei Jahren sichtbar zeigt ist klar, und dass die Zinspolitik der Zentralbanken seit langem unterstützen, dass sich die Inflation überdurchschnittlich entwickelt, ist ebenfalls transparent. So haben sich die Hotelpreise zirka 10 - 20% nach oben bewegt. Leider ist diese Teuerung durch rückläufigen Service verstärkt. So ist z.B. der Room-Service oftmals nur auf Anforderung oder nur alle 3 - 4 Tage möglich. Natürlich benutzt man das Handtuch zuhause auch mehrmals, aber ist es nicht auch ein kleiner Luxus im Hotel ... Umweltschützer hören jetzt lieber weg! Kaffee nachbestellen muss aber auch noch sein.

Restaurants und Einkäufe:
Auch hier wird die Inflation deutlich. Die Preise in guten Lokalen sind entsprechend den Hotels gestiegen. Beim Einkaufen haben wir festgestellt, dass sich die Preise nur noch bestimmter Produkte entscheidend von Deutschland unterscheiden und damit ein Kauf lohnt.


Prolog

Jetzt aber! Genug der schlechten Nachrichten, - obwohl ... als ich um 4 Uhr morgens in Chicago Jetlag-geplagt aus dem Fenster starre, erstarre ich, - es schneit!

Chicago, Schnee am ersten Tag

So ein Meilenschnäppchen der Lufthansa tut gut, aber natürlich bekommt man nichts geschenkt. Die Aufgabe bestand nun darin, den Kurs Richtung USA West zu halten und die Highlights auf der Strecke durch die Staaten des Mittleren Westens mitzunehmen. Das Ganze wird bei 32 beginnen und bei 32 enden. Ich spreche von Grad, denn der erste Tag in Chicago brachte 32 Grad Fahrenheit, was bekanntlich 0 Grad auf unserer hiesigen Skala bedeutet. Am Ende des Urlaubs war die Hitze in Chicago brutal, es hatte erneut 32 Grad, jedoch jetzt Celsius.

Aber jetzt ab nach Cleveland in Ohio, - mit Sommerreifen durch den Winter! Wir freuen uns endlich wieder hier zu sein und unser Plan für diese 25 Tage ist lang und in der Umsetzung beschwerlich. Wir werden vieles erleben, Schnee, eine Tornadowarnung, nette Städte des Mittleren Westens und anstrengende und schöne Hikes, insbesondere in Oklahoma, New Mexico, Colorado und South Dakota.

Cedar Falls - Hocking Creek [Hocking Hills State Park]
Kitchen Mesa [Carson National Forest]



Samstag, 16.04.2022

Der Tag vor dem Abflug war anfangs etwas sehr aufregend. Zuerst waren wir am Flughafen, um einen PCR-Test zu machen. Der durfte frühestens einen Kalendertag vor dem Abflug durchgeführt werden. Zwei Stunden später konnte abgefragt werden, wie der SarsCoV2-PCR-Test ausgegangen ist. Ich wollte einfach nicht daran denken, dass wir positv sind. Und Gott sei Dank kam es, wie es kommen sollte!

Wir hatten nun alles in der Hand, um durchzustarten. Negativ-Test, alle Impfunterlagen sowie das Einreiseformular für die USA, das "Combined Passenger Disclosure and Attestation to the United States of America". Übrigens, das USA Disclosure Formular muss man immer mitführen, aber es interessierte keinen! Schwitz!

Die Lufthansa bot an, die Testergebnisse und die Impfunterlagen elektronisch hochzulanden. Das hat auch wunderbar geklappt. Die Meldung, dass alles ok sei, kam umgehend zurück. Schien mir fast eine elektronische Antwort zu sein. Egal! Einchecken, auf geht's!

Nach 5 Wochen Fast-Quarantäne, um den Urlaub nicht zu gefährden, waren wir am Abend vor dem Abflug wieder beim Italiener. Schön und gut war's und morgen geht es endlich los!



Sonntag, 17.04.2022

Eine kurze Kosten-/Nutzenanalyse ergab, dass es günstiger ist, mit dem eigenen Auto zum Münchner Flughafen zu fahren, um es dort bei einem Parkservice unterzubringen. Jedenfalls war es bequemer und billiger als zwei Taxifahrten. Ich kann den Parkservice Krätschmer empfehlen, wir haben das schon mehrmals praktiziert.

Und am Flughafen ging alles ganz schnell. Die Schlangen vor der Business-Class waren schlicht und ergreifend nicht vorhanden und schwupp-di-wupp sitzen wir in der Lounge des Satellitenterminals und warten. Es gibt keinen Leberkäs, sondern nur ganz gesundes Zeugs, aber das haben wir zuhause auch :-).

Vor der Amerika-Kontrolle staut es sich jedoch. Es gibt verschiedene Lanes mit Destinationen. Ganz links die Business-Lane für Chicago, war fast leer. Das ältere Mädel wusste eigentlich nicht so recht, was sie kontrollieren sollte. Sie schien sich auch etwas zu langweilen und auf meine Frage, ob sie nicht die Informationen der hochgeladenen Dokumente hätte, war sie sprachlos. Etwas rumgewurschtelt und dann ab zum Gate. Nach einer halben Stunde begann das Boarding. Es ist auszumachen, dass der A350-800 nicht mehr der Neueste seiner Zunft ist, da die LH-Lackierung noch den alten Kranich darstellt. Egal!

An Board ist Maskenpflicht, aber einige wenige meinen, dass das für sie nicht gilt. Es scheinen wohl die ehmaligen First-Class Passagiere, eine erste Klasse im A350 gibt es nicht mehr, oder Hon-Circle zu sein, die wohl glauben, dass ihre Welt anders ist. Wir sind auch nicht gierig auf die Masken, aber wenn es eine Regel gibt, gilt sie so lange, bis es eine andere gibt. Und ganz ehrlich, wir finden es nicht angenehm, aber auch nicht schlimm eine Maske zu tragen.

Mit Tabletten schlafen wir nach dem Express-Menü rund 4 Stunden und nach insgesamt 9 Stunden landen wir auf dem O'Hare International Chicago, Kennung ORD.

Anflug ORD Chicago

Die Koffer sind gleich da und bei der Imigration geht auch alles ganz fix. Passkontrolle, Foto, Fingerabdrücke, - also wie immer. Auf zu Alamo! Auch hier ist nichts los, wir sind momentan die einzigen, die am Schalter stehen. Mit einem Upgrade für zunächst 48, dann 24 US Dollar pro Tag und am Ende in Summe 500 Dollar haben wir einen Jeep Grand Cherokee bekommen. Baujahr 2021, praktisch neu, etwas demoliert, aber abseits der Lackschäden ein wunderbares und sehr gutes Auto. Ich habe alle Schäden protokollieren lassen, was mir Unverständnis einbrachte. Ich hätte doch Vollkasko? Aber ich zahle nicht die Schäden anderer, die sich diese Versicherung ggfs. sparen! Basta!

Nach 10 Minuten Fahrt auf der Mannheim Road waren wir im Best Western Franklin Park. Dass es ein B.W. Plus sein soll, erstaunt. Und die Nachbarschaft ist etwas rötlich beleuchtet. Die Nacht war bis 4 Uhr ok. Aber dann schaue ich aus dem Fenster und es ist alles weiß und es schneit immer noch. Die Vorhersage war nicht gut, aber Schnee war keiner dabei.




Montag, 18.04.2022

Um 6 Uhr, nachdem die Koffer "wanderurlaubsgerecht" umgepackt sind, geht's los. Wir suchen ein IHOP für die ersten Eier und in Hillside werden wir fündig. Das Frühstück war lecker, der Kaffee war so amerikanisch, wie es die Erinnerung sagt. Dieser Moment signalisiert das Ende einer über zweijährigen Wartezeit. Wir sind zufrieden!

Auf der Interstate 290 fahren wir ziemlich nah an den Wolkenkratzern vorbei, die jedoch nur halb zu sehen sind. Die Wolken erdrücken die Windy City. Als wir die Interstate 90 erreichen, beginnen die Mautstationen und nach 32 Meilen verlassen wir Illinois und erreichen Indiana, - die "Crossroad of America".

Je weiter wir nach Osten kommen, umso schlimmer wird das Schneetreiben. Aber der Grand Cherokee pflügt fast stoisch durch die teilweise komplett mit Schnee bedeckte Autobahn. Als wir nach 190 Meilen nach Ohio einfahren sind wir bereits in der Eastern Time Zeitzone. Das heißt zunächst einmal eine Stunde verloren.

Da das Wetter nicht besser wird, entscheiden wir, den geplanten Hike vor Cleveland ausfallen zu lassen und biegen an die Küste des Lake Michigan ab. In Port Clinton bestücken wir unsere Getränke und Vorräte im Walmart. Zurück auf der I-90 muss ein Tankstopp her. 3,68 US Dollar pro Gallone, billiger als in Deutschland, aber für amerikanische Verhältnisse eine Sauerei! Aber immer noch besser als in Illinois, da haben wir die 5 an erster Stelle des Preisschildes gesehen.

Erster Tankstopp

374 Meilen, 8 Stunden, wir sind in Cleveland und beziehen ein schönes Zimmer im 7. Stock des Indigo Hotels. Als wir nach dem Duschen an der Hotelbar sitzen, ist die Welt wieder etwas mehr in Ordnung. Es regnet! Wir bleiben gleich zum Essen, - die Flasche Bier hat es in Las Vegas vor zwei Jahren zum gleichen Preis gegeben.

Nach dem Essen hat es tatsächlich aufgehört zu regnen und es klarte auf. Wir wagen einen kleinen Spaziergang, auch, um Cleveland zu fotografieren. Es hat nur 0 Grad Celsius und der Wind macht daraus -10 Grad, aber nur die Harten kommen in den Garten. Also mit Lichtgeschwindigkeit durch die Stadt, - schön war es nicht!

Um 20 Uhr war Ende Gelände!

Cleveland
Cleveland
Cleveland
Cleveland



Dienstag, 19.04.2022

Nach 9 Stunden seeligen Schlafes sind wir ausgeschlafen und fit. Es gab ein Two-Egg-Breakfast, das vollkommen ausreichend war. Über den Kaffee sprechen wir nicht mehr. Um 8.20 Uhr sind wir auf der Straße, es hat ein Grad Celsius und es schneit. Auf der Interstate 77 spitzt aber nach einer viertel Stunde die Sonne durch. Ein Zeichen, nicht mehr und nicht nachhaltig. Heftiges Schneetreiben begleitet uns bis zum Trailhead im Cuyahoga Valley National Park an den Brandywine Falls.


Wir parken unser Auto am Trailhead zu den Brandywine Falls. Die liegen direkt unterhalb des Parkplatzes und wer nur zu den Fällen will, der hat einen kurzen Weg. Wir aber nehmen noch vor der Holzbrücke den Stanford Trail nach links und wandern 1,43 Meilen bis zum Stanford House.

Das Stanford House ist ein historisches Farmhaus, in dem man auch wohnen kann. Nett schaut es aus, selbst im Regen. Auf der anderen Seite der Stanford Road beginnt der 0,15 Meilen lange Zubringer-Trail zum Ohio und Erie Canal Townpath Trail, dem wir dann nach links folgen.

Stanford House

Der Ohio and Erie Canal war ein Kanal, der in den 1820er und frühen 1830er Jahren in Ohio gebaut wurde. Das System verband die Stadt Akron mit dem Cuyahoga River in der Nähe seiner Mündung in den Lake Erie in Cleveland und einige Jahre später mit dem Ohio River in der Nähe von Portsmouth. Er hatte auch Verbindungen zu anderen Kanalsystemen in Pennsylvania.

Ohio and Erie Canal

0,5 Meilen weiter sind wir in Boston. Boston entwickelte sich im frühen 18. Jahrhundert entlang des Ohio-Erie-Kanals. Mitte des Jahrhunderts hatte Boston Bootswerften, eine Sägemühle, eine Ziegelei und ein Lagerhaus. Nette alte Gebäude, u. a. eine historische Garage und Tankstelle sind zu sehen.

Ohio and Erie Canal

Wir überqueren noch den Cuyahoga River und treten dann den Rückweg an. Zurück am Stanford House, nehmen wir nicht den Trail, sondern folgen der für Autos gesperrten Stanford Road nach links. Nach gut einer Meile auf der Straße geht es links runter zum Creek, den dann eine große Fußgängerbrücke überquert. Wir folgen der Brücke und gehen auf der anderen Seite bis zu den beeindruckenden Brandywine Falls. Holzwege führen hinunter zu den Fällen und natürlich darf eine Aussichtsplattform nicht fehlen.

Brandywine Falls

Für's Erste war das ein schöner Hike, mit schönen alten Häusern, einem beeindruckenden Creek, dem historischen Kanal und tollen Wasserfällen. Und jetzt geht's weiter nach Columbus, der Hauptstadt von Ohio.

Nach leichtem Schneefall sehen wir auf der Interstate 71 endlich blauen Himmel. Es gibt zwar immer wieder Schauer, aber wir erreichen eine Höchsttemperatur von 43 Grad Fahrenheit, das sind immerhin +6 Grad Celsius. Nach 160 Meilen erreichen wir Columbus. Das Doubletree ist ok, wir haben eine große Suite im 7. Stock mit Blick auf den Scioto River bekommen. Aber nun auf zum Stadtspaziergang!

Das State House ist ganz nett und ein paar andere Gebäude lohnen sich auch. Die Stadt ist sehr leer, viele geschlossene Läden und Restaurants. Auf der Suche nach einer Bar finden wir das Buckeye Bourbon House, das auch ein Restaurant ist. Eine coole Lokation, die zum Marriott gehört. Eine hohe Halle mit toller Bar. Das Essen war auch gut und preislich vernünftig.

Bilder Columbus Ohio
Bilder Columbus Ohio
Bilder Columbus Ohio
Bilder Columbus Ohio

Die Nacht begann nicht gut. Unser Zimmersafe meinte, er müsse Alarm geben. Das Batteriefach war ohne Schraubenzieher nicht zu öffnen, unser Taschenmesser funktionierte auch nicht. Also musste ein Techniker kommen. Es war dann aber gleich erledigt.




Mittwoch, 20.04.2022

Die Nacht endete, wie sie begann, mit Ärger. Frühstück war angekündigt, aber es gab keines. Nur Kaffee und Muffins. Ok, - Preise sind höher, Service ist schlechter, so ist die Zeit heutzutage! Dafür sind wir schon um 7.30 Uhr auf der Straße. Es wird ein langer Tag und er beginnt mit einem strahlend blauen Himmel. Herrlich!

Eine schöne hüglige Straße bringt uns zum Hocking Hills State Park. Der Parkplatz ist riesig und ein durchaus beachtliches Visitor-Center deutet auf eine starke Frequentierung zumindest zu den Stoßzeiten hin. Wir sind die ersten und alleine; es hat -2 Grad Celsius, aber die Sonne strahlt. Nur zwei Angestellte fahren mit dem Golf Cart in Schlangenlinien allen Müll der am Boden liegt ab und sammeln ihn ein.

Wir starten auf dem Buckeye Trail. Dieser Wanderweg führt durch ganz Ohio und uns nun, nachdem wir gleich nach links auf den Old Man's Cave Gorge Trail abgebogen sind, zu den Upper Falls. Eine kleine Brücke überspannt den Wasserfall, aber der Weg führt anschließend gleich in die wunderschöne Schlucht und von dort aus kann man das spritzende Nass auch von unten bestaunen.

Hocking Hills State Park - Upper Falls

Es ist wunderschön hier, idyllisch in erdenen Farben. Nach 0,75 Meilen erreichen wir eine riesige Höhle, einen Alkoven. Bis hierher war der Trail eine "Einbahnstraße", d.h., dass der Rückweg oberhalb der Schlucht zum Visitor Center zurück führt. Und bald sind wir an den Lower Falls, die sich aus namhafter Höhe in einen kleinen See ergießen. Sehr schön!

Hocking Hills State Park - Lower Falls

Der Gorge Trail führt uns weiter nach Süden bis zum Queer Creek, dem der Weg dann nach Osten folgt. Immer wieder prasselt ein kleiner Wasserfall in die Schlucht. Einer hat den Namen Wispering Falls, der sich wirklich kaum hörbar neben den Trail ergießt. Nach insgesamt 2,2 Meilen sind wir an den Cedar Falls.

Hocking Hills State Park - Whispering Falls Hocking Hills State Park - Cedar Falls

Der Trail wird wieder zur Einbahnstraße und führt nach oben zum Parkplatz. Wir verlassen den Rundweg und gehen auf eine Service Road zu, die mit einer Schranke versperrt ist. Hier führt der blau gekennzeichnete Trail moderat nach oben. Unser nächstes Ziel ist die Ash Cave. Aber zunächst überqueren wir nach 4,4 Meilen eine Straße. Gegenüber geht es zum Fire Tower. Wir halten uns aber rechts, denn diese "Sehenswürdigkeit" lassen wir aus. Bald sind wir an einem Einstieg zur Ash Cave, aber auch hier gilt eine Einbahnregelung. Zunächst ist der Ausstieg aus der Cave und erst etwas weiter kommen wir zum Parkplatz, der den Beginn des kurzen Weges zur Ash Cave bildet. Nach 6 Meilen in knapp 3 Stunden stehen wir in diesem gewaltigen Alkoven. Der Boden ist sandig und von oben donnert der Wasserfall geschätzte 25 Meter in die Tiefe. Klasse!

Hocking Hills State Park - Ash Cave

Es ist einiges los hier, man kann ja ganz amerikanisch fast alle Attraktionen mit dem Auto anfahren. Wir aber machen uns jetzt auf den Rückweg, der durch die One-way-Regelung etwas kürzer ausfällt. Es hat mittlerweile angenehme 15 Grad Celsius. Nach knapp 5 Stunden sind wir wieder am Auto.

Dieser State Park ist wirklich eine Perle des Mittleren Westens der USA. Mit dieser Erkenntnis machen wir uns auf nach Louisville in Kentucky.

Auf der Fahrt nach Louisville kommen wir an Cincinnati vorbei, eine der bedeutendsten Handels- und Fabrikstädte der Vereinigten Staaten. Die Skyline kann sich sehen lassen, richtig toll. Der Ohio River, der durch die Stadt fließt, ist gleichzeitig Staatsgrenze. Wir kommen von Ohio nach Kentucky.

Bei 22 Grad Celsius kommt Louisville in Sicht. Auch Louisville, die größte Stadt in Kenntucky, liegt am Ohio River. Der Herr an der Rezeption des Double Tree Hotels ist nicht so freundlich, wie die Temperaturen inzwischen. Er hängt dauernd am Telefon und wirkt genervt von seinen Kunden. Der Kentucky Slang, wenn er zudem noch schnell gesprochen wird, ist ebenfalls kaum verständlich. Und weil das nicht alles ist, haben wir uns über das überteuerte (250 USD), aber abgewohnte Zimmer geärgert.

Wir machen uns auf zum Stadtspaziergang und sind angenehm überrascht. Louisville ist eine schöne und moderne Stadt. Europäisch anmutende Wohngebäude, so richtig unamerikanisch wie in Portland, sind entstanden. Es sind keine vernagelten Schaufenster, wie sonst im mittleren Westen üblich, auszumachen. Viele Bars und Restaurants, insbesondere in der 4th Steet, säumen unseren Weg. "The Porch" war auffallend, das Abendessen war gut und der Service exzellent. Der Absacker an der Hotelbar musste mit Bier aus Dosen vollzogen werden. Also wirklich ...

Louisville Kentucky
Louisville Kentucky
Louisville Kentucky
Louisville Kentucky



Donnerstag, 21.04.2022

In der Nacht hat es heftig geregnet, am Morgen war es dann Gott sei Dank nur noch bewölkt. 15 Grad Celsius! Das Frühstück war schon ok..

Um 8.45 Uhr geht es endlich los. Wir düsen die Interstate 64 nach Westen. Nach der Überquerung des Ohio Rivers sind wir in Indiana. Und leider setzt Regen ein. Am Exit 86 geht es auf die 237 N und dann auf die County Road 8 N zu den Hemlock Cliffs. Am leeren Trailhead regnet es leider immer noch, - es hat 14 Grad.

Wir folgen einem Waldweg nach Süden bis Stufen hinunter in den Canyon führen. Unten angekommen wendet sich der gut sichtbare Trail nach links. Immer wieder gibt es Abstecher zu den Cliffs. Nach rund 0,6 Meilen sind wir an der Hauptattraktion angekommen. Ein riesiger Alkoven mit Wasserfall erwartet uns und der Trail führt hinauf in die gigantische Höhle. Moosbewachsene Wände, teilweise mit Käselöchern führen uns durch den Alkoven. Von oben prasselt der Wasserfall auf den Canyonboden. Wir bleiben hier trocken!

Im weiteren Verlauf führt der Trail wieder an den Cliffs entlang, vorbei an satt grünen Felsen, und dann geht es wieder hinauf zum Trailhead, um den Loop zu vollenden.

Hemlock Cliffs Hemlock Cliffs

Nach 140 Meilen sind wir über den Wabash River nach Illinois eingereist. Der Gateway Arch von Saint Louis leuchtet uns entgegen. Offensichlich wurden wir davon abgelenkt oder angezogen, auf alle Fälle haben wir eine falsche Ausfahrt erwischt, was die Fahrt mitten durch Saint Louis nach sich zog. Nun gut, diese Verzögerung holen wir auf, denn irgendwann gewinnen wir eine Stunde. Wir erreichen Missouri bei 25 Grad, - geht doch!

Rolla, ohhhhhh, - da war ich schon wegen Poison Ivy im Krankenhaus. Heute passieren wir die Stadt nur auf der Autobahn. Kurz vor Springfield ziehen pechschwarze Wolken auf und wir bekommen eine Thunderstorm Warnung. So schlimm wird es dann doch nicht und wir erreichen die Stadt nach insgesamt 9 Stunden.

Das Tru Hotel von Hilton ist das Nachfolgemodell der Hampton Inns, natürlich nagelneu, frisch und modern. Das nette Zimmer ist etwas klein, aber sauber mit großem Bad; empfehlenswert. Nach der Dusche schauen wir uns Springfield an. Es ist ein nettes Städtchen, kein Hochhaus versperrt den Blick, und man merkt an den historischen Häusern, dass wir dem Westen immer näher kommen.

Springfield Missouri
Springfield Missouri
Springfield Missouri
Springfield Missouri

Das Abendessen im Flame Steakhouse war der Hammer!




Freitag, 22.04.2022

Das Frühstück im Tru war wie meistens auch im Hampton ganz o.k.. Als wir um 7.20 Uhr auf dem Weg sind, ist es bewölkt, aber warm. Die Interstate 44 bringt uns weiter nach Westen und nach 80 Meilen erreichen wir Oklahoma. Bei Tulsa die Überquerung des Arkansas River und es geht dann an Oklahoma City vorbei. 366 Meilen dauert es, aber dann "riecht" es endlich nach USA West! Auf der OK 49 die ersten Kakteen bei Medicine Park.

Wir sind in den Wichita Mountains. Die ersten Büffelherden nehmen nicht einmal Kenntnis von uns. Die Präriehunde schon eher. Und nach 6,5 Stunden Fahrt sind wir am Grab Eyes Trailhead, auch Sunset Trailhead genannt, in der Charon Gardens Wilderness. Die Krabbenaugen warten. Hoffentlich haben sie sich keine Entzündung geholt, denn es ist sehr windig. Bereits auf der Fahrt erreichten uns entsprechende Warnungen. Aber jetzt die Wanderstiefel an und auf geht's!

Der Trail beginnt am südwestlichen Ende des Parkplatzes und führt dann links auf einer Brücke über den Creek. Ein zunächst breiter Weg endet am Beginn der Charon Gardens Wilderness. Ein paar Stufen hinhauf und 0,6 Meilen durch den Wald. Dann wird die Sicht frei und der Blick auf diese tollen Felsen weitet sich. Irgendwie erinnert die Felsenlandschaft an den Joshua Tree National Park.

Wir sind 0,93 Meilen unterwegs und der Trail teilt sich. Ein Schild zeigt nach links zum Treasure Lake und "straight ahead" zu den Grab Eyes. Der Trail wird steiniger und führt nun moderat nach oben. Kurz darauf erreichen wir ein Hochplateau und gerade aus sieht man sie schon oben "funkeln". Ein Amphitheater voller toller Felsen erwartet uns, einfach traumhaft.

Grab Eye Trail [Wichita Mountains - Charon Gardens Wilderness] Grab Eye Trail [Wichita Mountains - Charon Gardens Wilderness]

Plötzlich meint eine Klapperschlange sie hätte Vorfahrt und überquert den Trail in dem Moment, als wir dort ankommen. Wir haben ihr die Vorfahrt gelassen, geklappert, um sich zu bedanken, hat sie aber nicht. Eher ein Wunder, dass wir sie gesehen haben, denn der Blick schweift immer wieder nach oben, um die Grab Eyes aus verschiedenen Winkeln zu betrachten. Das sieht teilweise sehr lustig aus, denn man kennt die nach aussen ragenden Augen aus so manchem Zeichentrickfilm.

Nach 1,83 Meilen sind wir am Ende des Grab Eyes Trail. Hier oben hat man eine gute und schöne Aussicht, die Augen selbst sind über uns und nicht mehr zu sehen. Verschiedene Trails führen hier noch weiter, aber für heute ist es genug.

Nach knapp 2 Stunden sind wir wieder am Auto und nach kurzer Strecke am Hampton Inn in Lawton, Oklahoma. Dieses Haus ist nicht mehr schön, auch das Zimmer ist ziemlich abgewohnt. Und Housekeeping gibt es nur auf Rezept, nein, auf Request. Wir gehen nach dem Duschen ein paar Meter zum Red Lobster, das war das Beste, was die umgebende Infrastuktur hergab. Das Essen war grauenhaft, der Kendall Jackson gut.

In dem Zimmer über uns war die Hölle los. Ein Anruf bei der Rezeption beendete Gott sei Dank den Spuk.



Samstag, 23.04.2022

Die Stühle im Frühstücksraum waren mit Stoffbezug, aber dermaßen verdreckt, dass wir froh sind, sofort die Hiker-Hosen angezogen zu haben. Um kurz vor 8 geht es los, das Wetter ist bewölkt, es ist windig und es ist warm.

Die US 62, ausgebaut wie eine Interstate, führt an die Wichita Mountains, die wir dann nach rechts über die Indiahoma Road ansteuern. Es geht erneut nach rechts ins Wildlife Refuge und dann die Treasure Lake Road zum Charon’s Garden/Post Oak/Treasure Lake Trailhead. Muss die Namensgebung so kompliziert sein?

Am nördlichen Ende des Parkplatzes beginnt der Charon Gardens Wilderness Trail. Es geht in Richtung Sunset, d.h., dem Trailhead, an dem wir gestern zu den Grab Eyes gestartet sind, entgegen.

Charon Gardens Wilderness Trail [Wichita Mountains]

Nach 0,3 Meilen halten wir uns links, d.h. oben. Vom Trail gehen immer wieder Abstecher nach rechts zum See hinunter. Nach 0,6 Meilen ist der Trail erneut beschildert. Wir erreichen einen kleinen Dry Fall, der nicht trocken ist, aber nach beiden Seiten wunderbar und leicht umgangen werden kann. Weiter am Creek entlang, vorbei an mehreren Gumpen, aber die Füße bleiben trocken. Auch im Creek halten wir uns im linken Einschnitt, vorbei an einem Hirschskelett. Ab und zu haben wir den Trail verloren, aber in diesem engen und kleinen Canyon kann man sich nicht verlaufen.

Charon Gardens Wilderness Trail [Wichita Mountains]

Nach 1,9 Meilen sind wir am Abzweig zu den Grab Eyes, das ist mehr oder weniger der Umkehrpunkt, wir gehen an der nächsten Gabelung nach rechts. Anfangs erfreuen wir uns an dem schönen breiten Weg, aber das ändert sich bald, als es steiniger wird.

Nach 2,4 Meilen stehen wir vor einem riesigen Boulderfeld. Die Brocken sind gigantisch und so kommt es, dass der hier notwenige Abstieg ein Seil erfordert hätte. Die Rettung kommt, da Monika rechts oben ein Wanderer auffällt, der durch die Felsen steigt. Wir kehren also kurz um und halten uns an einen, nämlich den Trail, der rechts wunderbar das Boulderfeld umrundet. Ein paar kinderleichte Klettereinlagen genügen und wir haben das Hindernis überwunden. Der Trail führt nun weiter am Elk Mountain vorbei und trifft nach 3,2 Meilen wieder auf den Hinweg

Charon Gardens Wilderness Trail [Wichita Mountains]

Nach gut 3,5 Meilen sind wir an der Abzweigung zu den Post Oaks Falls. Ganz nett ist es hier, - etwas hineinklettern zum Wasserfall und man steht unmittelbar davor. Die Wand ist schwarz und über den glatten Fels kommt das Wasser entgegen.

Nach 3,7 Meilen und knapp 3 Stunden sind wir wieder am Trailhead

Post Oak Falls [Wichita Mountains]

Die nächste Wanderung soll uns zur Spanish Cave und zum Auge führen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Alleine diesen Hike zu beschreiben fällt schwer bishin zudem, dass es fast unmöglich ist. Aber von vorne: Der Trailhead liegt rund 0,5 Meilen südlich am Ende des Post Oak Lakes. Zuerst wollten wir zu Fuß hingehen, aber nachdem uns bei der Anfahrt dort ein kleiner Parkplatz aufgefallen ist, steigen wir ins Auto und parken neben dem Stauwehr.

Post Oak Lake [Wichita Mountains]

Wir folgen dem Weg nach Süden parallel zur Straße rund 0,1 Meilen und steigen runter und nach rechts über den kleinen Bach. Steine halten die Füße trocken. Dann geht es 0,15 Meilen nach Osten. Es folgen 0,15 Meilen nach Süden. Immer wieder muss man Felsformationen ausweichen oder darüber steigen. Den Trail haben wir oft verloren und dank der GPS-Daten wiedergefunden. Die Richtung wechselt erneut nach Osten und folgt dem Spanish Canyon. So manches Gestrüpp musste durchstiegen werden. Nicht schön, nicht angenehm, aber notwendig.

Nach 0,6 Meilen erreichen wir die "Spanish Cave". Arschlöcher, sorry, haben sie total beschmiert, aber das gibt es leider immer mehr. Nach 50 Minuten wildem umherklettern stehen wir unter dem Auge. "The Eye" ist wirklich faszinierend, - es könnte auch "The Octopus" heißen, finde ich.

Spanish Cave [Spanish Canyon - Wichita Mountains] The Eye [Spanish Canyon - Wichita Mountains]

Zurück sind wir dank GPS-Track-Aufzeichnung um 15 Minuten schneller, so dass wir insgesamt keine eineinhalb Stunden für diese komplexe Wanderung gebraucht haben. War sie es wert?

Es ist noch nicht vorbei. Östlich vom Spanish Canyon liegt der Trailhead zum Forty Foot Hole in der Boulder Picnic Area. Großfamilien mit Hunden feiern das Wochenende. Wir passieren die Picnic-Tische und fahren weiter zum nächsten, dem letzten Parkplatz.

Der Weg führt uns ein Stück nach oben. Aber bereits nach 0,5 Meilen ist das Loch, das wohl 40 Fuß tief ist, auszumachen. Es ist wohl der Abfluß des Cache Creeks, der mehrere Seen beherbergt. Restwasser schlummert in den Absätzen, die wohl zur rechten Zeit impossante Wasserfälle sein könnten. Nett, teilweise imposant und für eine gute Meile hin und zurück schon o.k..

Forty Foot Hole [Wichita Mountains] Forty Foot Hole [Wichita Mountains]

Nach einem ausgedehnten Hiker-Tag tut eine Dusche immer gut. Aber auch die inzwischen vorherrschenden 29 Grad Celsius brachten uns ins Schwitzen.

Am Abend treffen wir Christian und fahren mit Uber zur Bricktown Brewery. Lustig war, dass die Uber Tante zuerst mal durch das McDonald’s Drive Thru gefahren ist, bevor sie uns abholte. Gerochen hat man nix, aber im Auto sollte man trotzdem nichts berühren. Der Dreck war heftig. Aber egal, - es war wie immer ein netter, kurzweiliger Abend.

Doch plötzlich, und eigentlich so mitten drin, gingen alle Handys auf einmal an. Das war ziemlich ungewohnt und unheimlich für uns Bayern. Tornadowarnung mit der Aufforderung, wir sollten sofort einen Unterschlupf aufsuchen. Dann kam die zweite Warnung, aber irgendwie hat es niemanden so wirklich interessiert. Christian hat nur trocken gemeint, wir gehen in die Küche, da hat's keine Fenster. Draußen tobte ein Gewitter vom Feinsten.

Tornado Warning

Leider hat das Lokal die Situation zum Anlass genommen, um zu schließen. Der Schlürschluck musste also im Hotelzimmer stattfinden. Der Tornado ist vorbeigeschrammt, aber gefährlich wurde es trotzdem noch. Das Lyft-Auto, das uns zum Bierkauf und ins Hotelzimmer fuhr, hatte eine kleine Macke. Der Scheibwischer funktionierte gefühlt nur alle drei Minuten. Es regnet aber noch in Strömen, aber wie durch ein Blumenladenfenster fand er den Weg. Wir haben es überlebt und beim Schlürschluck im Zimmer 100, echt unglaublich schön im Vergleich zu unserer Bude, wurde es wieder gemütlich!




Sonntag, 24.04.2022

Nach einem gemeinsamen Frühstück geht es weiter nach Westen. Die US 62 bringt uns gut voran. Die Unwetter der Nacht sind Geschichte, aber es ist kühler geworden und die Wolken kreisen am Himmel.

Der Lenker des Jeep bleibt in der Spur, er muss nicht bewegt werden, denn es geht endlos geradeaus dem Westen der USA entgegen. In Altus kommen wir an einer riesigen AirForce Base vorbei. In Reih und Glied begrüßen uns Bomber und Kampfflugzeuge. Plattes Land muss interessant gemacht werden. Ansonsten sind alle Orte entlang der US 62 fast verlassen und ausgestorben. Verfallene Häuser, Pressspannplatten statt Fenster, säumen die Straße.

Wir fahren durch weites Land und die ersten Tumble Weeds werden über die Straße geweht. Wir sind endlich im Westen und nach 62 Meilen gibt es auch die erste Kurve. 90 Meilen liegen hinter uns, als wir in Texas "einreiten". Eine Rest-Area ist dekoriert wie eine alte Bahnhofshalle. Kutsche, Koffer und andere Eisenbahndevotionalien sind aufgebaut. Nett!


In Amarillo wechseln wir nach drei Stunden auf die Interstate 40, es geht vorbei an der sogenannten Cadillac Ranch. Es wäre nicht weit nach Süden in den Palo Duro und in den Caprock Canyon. Aber wir halten die Richtung und nach 278 Meilen sind wir in New Mexico. Das Land of Enchantment schenkt uns eine Stunde, - es ist Mountain Time. Dafür wird das Benzin immer teuerer. Wir tanken das letzte Mal unter 4 Dollar die Gallone.

Nach 7,5 Stunden für 496 Meilen sind wir in Albuquerque. Zum wiederholten Male begrüßt uns die Stadt, aber nachdem wir bisher immer im Hyatt, das jetzt Clyde heißt, oder im Andaluz, das jetzt ein Curio Hilton ist, übernachtet haben, sind wir dieses Mal im Hilton Garden Inn gelandet. Ein nagelneues Hotel, in dem wir uns gleich wohl fühlen.

Ganz anders ist inzwischen die Stadt, - zumindest hier in Downtown drücken sich immer mehr Penner herum. Das Essen im "Mas" war aber wie immer gut, der Service - wie sagt man - poor!



Montag, 25.04.2022

10 Grad, Sonne! Die Interstate 25 bringt uns nach Bernalillo. Auf der US 550 leuchtet die Red, später auch die White Mesa bei San Ysidro. Das ist der Ort an dem wir die Blinker nach rechts setzen. Und schon eine digitale Anzeige mitten im Pferdemist :-). Es sind einige Straßen geschlossen. Ein Waldbrand breitet sich aus. Bei der Ausfahrt aus San Ysidro ist der Rauch weit in der Ferne in Richtung Los Alamos sichtbar. Der Highway 4, den wir nach Norden fahren, soll ab Milemarker 27 gesperrt sein. Während der Fahrt rechnen wir und es klappt.

Wir biegen in die NM 485 ein und es geht nach oben; der Rio Guadalupe begleitet uns. Kurz vor der Guadalupe Box erreichen wir die Gilman Tunnels und was steht da? Wie in 2019 leuchtet das gelbe Schild, dass die Tunnels gesperrt sind. Anders als in 2019 ist aber die Schranke offen und es gibt weit und breit keinen Grund zu sehen, warum wir jetzt nicht weiterfahren sollten. Nach den Tunnels verläßt uns der Teer und es geht tiefer in den Canyon. 6 Meilen vor unserem Trailhead ist an einer Durchfahrt erneut ein Anschlag angebracht, dass die Straße gesperrt ist und man ausserdem eine Permit benötigt. Jetzt kommen neben der Verwirrung auch Bedenken hoch. Die Auflösung dieses Durcheinanders kommt später.

Wir fahren zurück zum Highway 4 und biegen dort nach Norden in den Canon de San Diego ein. Ein schöner Name für einen sehr schönen Canyon.

Nach 2,9 Meilen ist rechts neben der Straße ein Parkplatz an knall-roten Sandwänden. Wir sind alleine am Trailhead zur Mesa de los Datiles. Der Name klingt spanisch harmlos, fast poetisch, aber der Hike wird sich später alles andere als harmlos herausstellen. Aber jetzt auf in den Kampf, Rucksäcke an den Mann und die Frau, GPS läuft und wir nun auch.

Mesa de los Dantiles - Trailhead

Etwas rechts vom Parkplatz endet eine Wash, die nun gleichzeitig den ersten Teil des Trails bildet. In der Wash geht es nach Osten und es geht bergauf. Über Stock und Stein hangeln wir uns, vorbei an einem Hoodoo, nach oben. Die Steigung ist noch nicht der Rede wert. Nach knapp 0,4 Meilen beendet der erste Dryfall, der einen kleinen Alkoven ausgefräst hat, den ersten Teil der Wash-Wanderung. Wir steigen aus dem Alkoven nach rechts aus und kommen auf ebenes Terrain.

Mesa de los Dantiles

Aber bereits nach kurzer Zeit zeichnet sich das kleine Flußbett wieder ab. Und wir steigen weiter durch dieses Bett auf. Bald erwartet uns eine kleine Klettertour. Nichts Weltbewegendes, aber die Hände braucht man schon, um auf der linken Seite nach oben zu steigen. Nachdem bisher alles rot war, kommen jetzt weiße Gipsfelder, die eine Flanke nach links oben bilden. Kleine Hoodoos stehen oben als Wachposten.

Mesa de los Dantiles Mesa de los Dantiles

Eine knappe Meile sind wir jetzt unterwegs und vor uns versperrt eine gewaltige rote Wand den Weg. Nach rechts oben geht es über eher lockeren Fels heraus aus dieser "Falle". Oben angekommen geht es nach links über einen kleinen Pass, der sozusagen das Verbindungsstück zum Canon Cercado bildet. Es dauert nicht lange, bis wir den Canyonboden erreicht haben, der gleichzeitig und natürlich auch ein Bachbett ist. Dieser Wash folgen wir nach rechts. Wir sind etwa 1,6 Meilen unterwegs und dann erkennen wir Gott sei Dank den Ausstieg aus dieser Wash.

Und jetzt geht es ziemlich nach oben. Teilweise über Geröll, immer bedroht von Kakteen, sind auch kleinere Klettereinlagen notwendig, um den nächsten Absatz zu erreichen. Es ist alles kein Problem, aber wir sind extrem vorsichtig bei der Steilheit und dem losen Geläuf.

Nach 0,3 Meilen haben wir das steilste Stück geschafft. Gott sei Dank waren immer wieder Cairns aufgebaut, aber ab und zu haben wir ziemlich gesucht, um den nächsten zu sehen. Und nun eröffnet sich ein anderes Problem. Wir queren einen sandigen Berghang. Bei losem Sand kein Problem, die Frisur hält. Es gibt aber vom Wind gepresste Stellen, die wir nicht gehen können, da die Gefahr abzurutschen latent ist. So weichen wir diesen Stellen nach oben aus, umrunden eine riesigen Hoodoo und kommen nach zirka 2 Meilen in das "Tal der Hoodoos".

Teilweise gigantische Dinger säumen den Weg durch das Tal. Die Felsen haben Löcher und insgesamt ist es so, wie im Frijoles Canyon des Bandelier National Monuments. Und der größte Vorteil ist, dass hier niemand ausser uns ist. Wir schreiten das Tal im Uhrzeigersinn ab. Nach knapp 3 Meilen sitzen wir bei einer kleinen Brotzeit da und staunen. Staunen über diese Natur, staunen über diese Geologie und staunen über uns. Nein, wir sind einfach happy, dass wir es geschafft haben.

Mesa de los Dantiles Mesa de los Dantiles

Nach über 5 Stunden sind wir zurück am Auto. Der Hike selbst war nicht so schön und sehr anspruchsvoll, aber das Ziel war fantastisch! Es hat sich wahrlich gelohnt.

Auf dem Rückweg haben wir uns im Visitor Center aufklären lassen, was es mit der Sperrung und der Permit bei den Gilman Tunnels auf sich hat. Die Permit wird nur für das Einsammeln von Brennholz benötigt und von einer Sperrung wusste niemand etwas. Nun gut, typisch, aber der Weg ist frei. Für heute ist es leider schon zu spät.

An der Hotelbar hat das Bier gezischt und im Artichoque Cafe war der Wein aus der Bourgogne einfach wunderbar. Das Essen war ok, die Speisekarte hatten wir vielfältiger in Erinnerung.

Fortsetzung folgt ...

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« Discover the unknown! »

Monika Zehrer    Fritz Zehrer