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USA Reisebericht - USA Travelogue
Keep Hiking [2017] - Illinois to Nevada, Texas and Missouri


  1. PDF Version [13,6]
  2. Reisestationen [Entfernungen, Reisezeiten, Hotelwertungen]
  3. Reiseroute [Karte]
  4. Reisebericht [Tag für Tag USA pur]


Reisestationen

Ziel Nächte mi. km Zeit Hikes mi. Hotel Stars
Chicago 3 18 29 00:35 26.2 The Congress Plaza Hotel ****
Marquette 3 424 682 06:21 19.8 Ramada Marquette ***
Duluth 2 272 438 05:21 9.7 Holiday Inn Hotel & Suites Downtown ***
Rapid City 2 757 1.218 11:22 5.4 Hampton Inn Rapid City ***
Laramie 2 426 685 07:00 9.2 Hilton Garden Inn Laramie ****
Grand Junction 2 319 513 05:41 8.5 Fairfield Inn & Suites ***
Page 3 387 622 06:19 20.4 Lake Powell Resort ****
Las Vegas 3 273 439 04:25   Elara Hilton Grand Vacations ****
Scottsdale 3 305 491 04:58 20.0 Hyatt Place Scottsdale Old Town ***
Albuquerque 2 475 764 07:13 5.0 Hyatt Regency ****
Las Cruses 2 266 428 05:33 11.6 Hilton Garden Inn ***
Big Bend NP 3 370 595 06:04 24.6 Chisos Mountain Lodge **
Lubbock 2 373 600 07:09 2.0 Hampton Inn ***
Oklahoma City 1 379 610 06:16 6.2 Hampton Inn & Suites Bricktown ***
Rolla 2 427 687 07:09 3.0 Hampton Inn ***
Saint Louis 3 105 169 01:39   St. Louis Union Station Hotel ****
ORD 0 298 479 04:35   direkt zum Flughafen  
38
5.874
9.451
171,6

 

Reiseroute

Reiseroute 2017 Keep Hiking

Reisebericht (Tag für Tag USA pur)

  1. Prolog
  2. Chicago
  3. Marquette
  4. Duluth
  5. Rapid City
  6. Laramie
  7. Grand Junction
  8. Page
  9. Las Vegas
  10. Scottsdale
  11. Albuquerque
  12. Las Cruses
  13. Big Bend National Park
  14. Lubbock
  15. Oklahoma City
  16. Rolla
  17. Saint Louis

Als wir die Petroleumindustrie des Permian Basin rund um Odessa und Midland, Texas, endlich hinter uns gelassen haben, wandelt sich das Landschaftsbild von permanent nickenden Ölpumpen und hoch aufragenden Bohrtürmen auf sandigem Terrain hin zu roter Erde, die den Nährboden für die Baumwollindustrie südlich von Lubbock bildet. Das flockige und bauschige Weiß der noch nicht abgeernteten Blüten bedeckt die nun hügelige Landschaft. Im Hintergrund stehen die Häuser der Ranches wie Oasen in der Wüste, die eingerahmt von Bäumen den Horizont belagern. Feldstrukturen wechseln je nach Perspektive von wirrem Milchshake zu exakt abgegrenzten, in "Reih und Glied" stehenden Wattebällen. Die geerntete Baumwolle steht bereits gepresst und abgepackt in der Größe von Containern am Rande der Felder und zeugt davon, dass die in europäischen Köpfen vielleicht noch vorhandenen Vorstellungen einer Südstaatenatmosphäre lange der Vergangenheit angehören. Nachdem die Fahrt vom Big Bend National Park bereits einige hundert Meilen andauert, versuchen wir eine kleine Offroadtour, um die Landschaft nicht nur mit den Augen einzufangen. Also nichts wie rein in den Feldweg.

Baumwolle  Baumwolle

Die Rückfahrt auf den breiten Texas Highway 87 verläuft problemlos und deutsch. Alles frei, also ab. Mit erlaubten 75 Meilen pro Stunde steuern wir seelenruhig Lubbock an. Doch plötzlich blinkert und funkelt es im Rückspiegel. Alle Farben der US-amerikanischen Flagge schwirren durch mein Auge. Das durchdringende Sirenengeräusch ist nicht nötig, um den Blinker nach rechts und den Cadillac Escalade auf den Standstreifen zu befördern. Und, was hat man gelernt? Hände sichtbar auf's Lenkrad und warten bis der Officer kommt. Gedacht, getan!

Schräg hinten, Hand an der Waffe, lauert der bärtige Texaner durch mein Seitenfenster, das ich öffne. Einer freundlichen Begrüßung folgt die Frage, ob ich wisse, warum er uns angehalten hätte. Nö! Er hat von der Gegenfahrbahn beobachtet, wie ich von der Nebenstraße auf den Highway gefahren bin. Und? Und warum ich am Stopp-Schild an der Einfahrt nicht angehalten hätte? Das tut mir jetzt leid, sorry, mein Fehler. Anweisung: Führerschein und Fahrzeugpapiere! Mist, ich merke, wie ich dann doch nervös werde. Wieso haben sie keinen kalifornischen Führerschein? He? Ja, das Auto ist in Kalifornien zugelassen, aber es ist ein Mietwagen und das ist ein deutscher Führerschein. Er ab in sein Sirenenfahrzeug. Nach gefühlten 15 Minuten rollt er wieder auf unser Fahrzeug zu. Mit diesem Führerschein dürfen sie hier in Texas nicht fahren! Das könnte böse enden.

Aber bevor wir mit einem potenziellen Ende beginnen, fangen wir erst mal an. Eine besondere USA Reise! Arbeit und Urlaub sozusagen vereint, denn bevor Naturerlebnisse auf dem Programm stehen, gilt es einen Marathon zu bestehen. Der einzige Grund, um das alte Schlachtross ORD, also Chicago O'Hare International, anzufliegen, verursacht zudem Kollateralschäden. Um zu den eigentlichen Hiker- und Naturdestinationen zu kommen, müssen die Great Plains hin und auch wieder zurück gequert werden. Das werden ein "paar" zusätzliche Meilen.

Chicago Marathon - Monika auf den letzten Metern

Jetzt aber auf! 7.542 Meilen oder 12.135 Kilometer von Michigan, Minnesota, South Dakota und Wyoming in die Four Corners Staaten; Las Vegas darf nie fehlen und dann südlich bis nach Texas an die mexikanische Grenze. Und wieder hoch über Oklahoma, Missouri nach Illinois. Klingt gewaltig, war gewaltig, tat aber nur ab und zu weh!

Donnerstag bis Sonntag


Montag
Um 6 Uhr sitzen wir im Auto und fahren über die Interstates 90 und 294 nach Norden. Unterwegs gibt es endlich Frühstück im iHOP und die notwendigen Einkäufe im Walmart erledigen wir gleich anschließend. Monika ist leider Opfer des sogenannten "Open-Window-Effekts" geworden. In den ersten Stunden und bis zu drei Tagen nach intensivem Training oder Wettkampf ist die Immunabwehr geschwächt und der Körper anfälliger für Krankheitserreger. Je härter die vorangegangene Belastung war, umso länger und höher ist in der Folge die Infektanfälligkeit. Monika ist krank!

Die Durchfahrt durch Milwaukee beeindruckt selbst auf der gewundenen Interstate. Alte Häuser, die etwas französisch anmuten säumen den Weg. Als wir dann über die Interstate 43 die Green Bay erreichen, macht sich schon der Indian Summer bemerkbar und die US 41 bringt uns weiter nach Norden. Erste Verkehrsschilder weisen auf Schneemobile hin. Gott sei Dank ist es noch nicht soweit. Wir erreichen Nord-Michigan. Der Blick auf den gleichnamigen See - für mich ist das ein Meer, da ich kein Ufer auf der gegenüberliegenden Seite sehe - ist gigantisch. Ein anderes Amerika!

Wir erreichen nach 384 Meilen Munising am Lake Superior. Nach 9 Stunden die ersten Leuchttürme. Das rückwärtige Licht, das Rear Light, liegt im Wald, fast zugewachsen, und es ist dem Autor nicht bekannt, ob es aus diesem Grund notwendig war, auch ein Front Light zu bauen.

Munising Rear Light Munising Front Light

Der See liegt etwas aufgewühlt da. Er ist gigantisch, als ob er auf uns zu warten scheint. Wir fahren an der Küste entlang, die Laubbäume wiegen sich in gelben und roten Farben im Wind. Den Nadelbäumen merkt man an, dass sie die meiste Zeit im Wind stehen, der ihnen ihre Frisur versaut. Das tiefe Blau des Lake Superior rollt noch gemächlich dem Strand aus Felsen und Sand entgegen, das grüne Gras wendet sich fast wie beleidigt ab. Wir steigen nochmal aus und halten die Nasen in den Wind. Es ist wärmer als gedacht, aber natürlich bei weitem nicht Badehosen-tauglich.

In Marquette folgt der dritte Leuchtturm des Tages. Rot gestrichen, wie die Scheunen in Wisconsin, steht das Marquette Harbor Light auf einem Felsen, der eine kleine Bucht mit Sandstrand abschließt. Ganz anders als die beiden vorhergehenden Zapfen, - fast wie eine Kirche.

Marquette Harbor Light

Das Ramada in Marquette hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel, aber das Zimmer ist o.k.. Abendessen gibt es an der Hotelbar, das Restaurant hat heute zu - war gut!


Dienstag
Die Erkältung von Monika ist mit Aspirin und Ibu noch in Schach zu halten und nach dem guten Frühstück im Hotelrestaurant ist es endlich soweit: Keep hiking!

Die Straße führt uns 43 Meilen auf dem Highway 28 zurück nach Munising und von dort, wo sich die 28er nach rechts verabschiedet, gerade aus auf die H58 East entlang der Pictured Rock Cliffs. Bald verschwindet der Lake Superior und die Munising-Van-Meer-Shingleton bringt uns immer tiefer in den Hiawatha National Forest. Wir sind ganz alleine im Wald von North Michigan, als uns das Navigationssystem nach links auf den Chapel Drive lotst. Die ungeteerte Straße ist wunderbar zu befahren. Mit einer Linkskurve kommen wir in die Pictured Rock National Lakeshore, die Forest Road heißt jetzt Chapel Road und wird dann zur Camp Road. Nach 5,1 Meilen sind wir an der Chapel und Mosquito Area, dem Trailhead.

Der Parkplatz ist gut ausgebaut und gepflegt und unsere erste Wanderung kann beginnen. Das System ist noch nicht eingespielt: Wanderschuhe an - GPS starten - Rucksack packen und schultern und los! Am nördlichen Ende beginnt der Mosquito Falls Trail. Er führt uns in den dichten Mischwald. Es ist Anfang Oktober und die Bäume haben eine wunderbare Laubfärbung. Rote Blätter erreichen den Waldboden nicht, sondern hängen wie Christbaumkugeln in den Nadelbäumen.

Nach knapp 0,3 Meilen erreichen wir den Mosquito River. Zuflüsse sind mit kleinen Holzbrücken gut zu überqueren. Nach einer Meile sind wir an den Fällen. Na ja, ganz nett, aber das Staunen bleibt aus.

Mosquito Falls

Es geht 0,6 Meilen zurück zur Kreuzung Mosquito River und Chapel Loop und wir setzen unsere Waldwanderung in Richtung Küste fort. Es zieht sich weitere 1,4 Meilen bis wir endlich am Mosquito Campground den See erreichen. Der Blick auf das nicht enden wollende Wasser ist fantastisch und der Lakeshore Trail führt nach rechts immer oberhalb des Ufers entlang.

Nach 3,7 Meilen erreichen wir das erste Highlight, den Lover's Leap Sea Arch.

Lover's Leap Sea Arch
Lover's Leap Sea Arch

Wir suchen einen Weg hinunter, dorthin, wo das Wasser die Öffnung des Arches um- und durchspült, sind aber chancenlos! Zirka 0,4 Meilen weiter kommt links ein Viewpoint auf den Steinbogen und dann verbessert sich der Blick immer mehr, je weiter wir den Trail gehen. Sich umzudrehen lohnt immer wieder; der Wanderpfad ist nun gesäumt von Aussichtspunkten. Über kleine sichtbare Pfade, die an die Kante der Steilküste führen, sind neue Eindrücke zu erhaschen. Weiße, gelb-braune oder auch schwarze Felsen schieben sich in den Lake Superior und trotzen dem Wetter. Der Wald liegt wie eine Decke auf dem Stein. Doch auch dieser Schutz hilft zur rechten Zeit nichts mehr, denn der bewegte See leckt unaufhörlich und letztendlich erfolgreich an den Klippen.

Pictured Rock National Seashore
Grand Portal Sea Arch

Nach 6,2 Meilen erreichen wir den Grand Portal Point. Das riesige Grand Portal, ein weiterer Steinbogen, ist zu sehen. Aber erst nach ein paar hundert Metern kommen wirklich spektakuläre Viewpoints, die das Ungetüm ins richtige Licht stellen. Sozusagen im Durchgang des Portals liegen aufgestapelt die Felsbrocken, die immer wieder von der Unterseite des Arches abbrechen und das Zeitliche segnen. Aber der Kollaps ist noch weit entfernt.

Neben den Steinbögen sind eine Menge Alkoven und Abbrüche zu sehen, die der See über Jahrhunderte geschaffen hat. Selbst bei nicht so gutem Wetter ist ein tolles Farbenspiel garantiert. Oberhalb versuchen die Bäume immer noch verzweifelt die Küste zu halten, aber der ein oder andere Stamm steht schon sehr schräg an der Klippe.

Knapp 7 Meilen sind wir unterwegs, als die Spray Falls, die sich wie aus einem geöffneten Wasserhahn ins Meer ergießen, und der Chapel Rock in Sicht kommen. Die ungewöhnliche Form des Felsens windet sich vor dem dunklen Wald in hellen, fast weißen Farben in die Höhe. Wie ein verkrüppeltes Monster schraubt sich der Rock in den Himmel. Er sieht aus wie ein Alien, der mit Löchern und Frostbeulen übersät ist. Um sich noch mehr ins Rampenlicht zu stellen, steht ein gewaltiger Baum auf seinem Kopf. Der Chapel Rock ist also sowohl ein multipler Arch, als auch ein Blumentopf, der groß genug ist, um einen Baum entsprechend zu versorgen. Aber die Wurzeln reichen auch über die Luft in den Wald. Sie sind die letzte Verbindung, die der Chapel Rock zum Festland hat.

Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore

Eine halbe Trailmeile weiter führt eine Treppe aus Holzplanken zum Chapel Beach und wir folgen nun dem Strand zu den Lower Chapel Falls, die unterhalb es Rocks eine durchaus ansehnliche Menge Wasser in den See pumpen. Rechts davon geht es wieder hinauf zum Trail. Die Perspektive wandelt sich. Der Chapel Rock liegt nun vor dem tiefblauen See und seine Öffnungen durchdringt der Sonnenschein. Herrlich!

Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore
Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore

Hier nehmen wir aber leider auch wieder Abschied von der Küste. Durch den Wald geht es zurück zum Parkplatz und es waren dann doch fast 11 Meilen für die wir fünfeinhalb Stunden unterwegs waren. Es hat sich gelohnt!

Monika schleppte sich aufgrund der Krankheit nur mit letzter Kraft zurück zum Trailhead. Aber sie muss da leider jetzt durch, denn es ist noch nicht vorbei. Alles, was wir per pedes von oben gesehen haben, wollen wir jetzt bei einer Bootsfahrt noch näher und vom Wasser aus in Augenschein nehmen. Wir fahren zurück nach Munising, essen im Subway ein Sandwich und parken dann am Hafen bei den Pictured Rock Cruises.

Es ist ein durchaus geräumiges Boot, das wir zur Abfahrt um 17.30 Uhr entern. Monika hat Fieber und Angst, dass sie sich zu Tode friert, aber man kann auch innen sitzen. Wir haben trotzdem alle Jacken angezogen, die wir auch brauchten, um draußen zu fotografieren.

Pictured Rock National Seashore

Zuerst schippern wir die Küste entlang und nehmen nur gemächlich Fahrt auf. Links warten erste Blicke auf die Grand Island. Es sieht aus wie mitten in Kanada, - einsam, grün, kaltes Wasser, nur vereinzelt Gebäude am Strand, im Hintergrund tiefer, nicht enden wollender Wald. Ein hölzerner Leuchtturm war aber das letzte ruhende Objekt, das wir sahen, denn nun nimmt der Kapitän Kurs auf das offene Wasser. Der Wind bläst gewaltig und unaufhörlich und die Wellen bringen das Boot nicht nur zum Schaukeln, sondern auch in unglaubliche Schräglagen.

Pictured Rock National Seashore

Das Schiff kämpft sich regelrecht durch die Fluten und ein nicht verwackeltes Foto wird zur Glücksache. Aber die Eindrücke sind gigantisch. Wie Blut fließt die rote Farbe aus den hellen Felsen. Die Strukturen unterbrechen sich durch abgebrochene Steinquader, die an der Steilküste lehnen oder kurz vor der Küste kleine Inseln im Wasser bilden. Die Felsentore bekommen eine andere Dimension und die Alkoven könnten teilweise als Schutzquartier für das Boot herhalten. Von leuchtendem Türkis über moosiges Grün bis hin zu Schneeweiß dringt in das Auge. Und das blutige Rot verunheimlicht die Farbenvielfalt. Bis zu den Spray Falls führt die Tour und dann geht es in der nun fast eingetretenen Dunkelheit zurück. Die tolle Stimmung des Sonnenuntergangs liegt über dem See und begleitet uns in die Hafeneinfahrt.

Pictured Rock National Seashore
Pictured Rock National Seashore

Auf dem Heimweg glüht der Himmel feuerrot, als ob er uns die Farben noch einmal vor Augen führen möchte. Ein anstrengender, aber wunderbarer Tag geht dem Ende zu und wir brauchen nur noch zwei Dinge: Dusche und Bett!


Mittwoch
Wir haben sehr lange geschlafen, Monika geht es leider nicht gut. Nach dem Frühstück gleich mal zu Walgreens und ein paar Medikamente besorgt. Ein Alternativplan zu den ins Auge gefassten Wanderungen ist alternativlos, aber es wird trotzdem ein sehr schöner Tag.

Munising ist unser erstes Zwischenziel. Das Dorf wäre ja eigentlich die bessere Alternative für die Übernachtungen gewesen, aber leider haben wir hier kein vernünftiges Hotel und auch keine gute Infrastruktur gefunden. Nun gut, die 40 Meilen von Marquette nach Munising müssen erneut gefahren werden. Am östlichen Ortsrand bringt uns die Munising - Van Meer - Shingleton - Road wieder in den Hiawatha National Forest. Nur 5,4 Meilen nachdem wir die MI 28 verlassen haben, zweigt der Pictured Rocks Trail ab und führt geteert schnurstracks 5,5 weitere Meilen nach Norden zum Parkplatz und Trailhead des Miners Castle.

Der riesige Parkplatz zeugt von Menschenmassen in der Hochsaison, aber heute sind wir nur mit ein paar weiteren Autos vor Ort. In Turnschuhen machen wir uns zum Spaziergang auf. Hinter der nicht minder großen Miners Castle Information Station, Restrooms are closed, geht es halb links zum Upper Overlook. Ein toller Blick auf den weiten Lake Superior, die Steilküste und den Miners Castle Rock öffnet sich. Die Sonne strahlt alles an und das tiefblaue Wasser bildet einen wunderschönen Kontrast.

Miners Castle Lake Superior

Wir nehmen den Weg weiter nach rechts. Er führt uns nach unten dem Rock entgegen. Nach insgesamt 0,2 Meilen sind wir am Lower Overlook und direkt am Felsen. Er streckt sich vor dem See in die Höhe und im Hintergrund versperrt die Grand Island den Horizont.

Wieder im Auto geht es 2 Meilen zurück und dann 0,6 Meilen auf einer harten Sandpiste nach links zum Miners Falls Trailhead. Wir schnüren die Wanderschuhe und schlendern durch den hohen Wald nach Osten. Flaches Terrain kostet keine Kraft und erst kurz vor den Miners Falls geht es etwas bergab. Aber auch das ist nicht der Rede wert. Nach 0,6 Meilen sind wir am Aussichtspunkt auf die Wasserfälle.

Der Miners River hat den Wald geteilt und stürzt nach einer kleinen Linkskurve nicht nur dem Lake Superior, sondern auch dem Boden entgegen. 40 Fuß, also rund 12 Meter, geht es schäumend nach unten. Das Sonnenlicht beleuchtet das aufgewühlte weiße Wasser, bevor sich der Fluss wieder im Schatten aus dem Staub macht. Schön!

Miners Falls Lake Superior

Wir verlassen die Pictured Rock Trails und schmeißen unseren Cadillac wieder auf die Munising - Van Meer - Shingleton Road. Es geht nach links und dann 40 Meilen kurvig durchs Hinterland. Der Grand Sable Lake, ein idyllisch gelegener See kündigt die nächsten Wanderungen an. Bald sind wir am Sable Falls Trailhead.

Der Weg führt nach Norden dem Lake Superior entgegen. Bereits nach ein paar Metern teilt sich der Pfad. Rechts, respektive fast gerade aus, geht es zu den Sable Wasserfällen. Wir gehen jedoch nach links und wandern eine gute halbe Meile zu den Grand Sable Dunes. Der Dunes Trail ist hier ein Teil des North Country Trails. Wir bleiben nur bis zu den ersten Dünen und genießen den Ausblick auf den See. Das ist ja ganz nett. Das Dünengebiet wäre jedoch riesig und breitet sich gigantisch nach Westen entlang des Lake Superior aus.

Grand Sable Dunes Lake Superior

Wir schlendern zurück und an der Kreuzung nach links runter zu den Sable Falls. Leider scheint die Sonne die Fälle von hinten an, so dass weder an eine gute Sicht, noch an ein gutes Foto zu denken ist. In Treppen ergießt sich das Wasser 23 Meter herab. Die aufspritzenden Wassertropfen leuchten im Sonnenlicht fast gleißend weiß.

Sable Falls Lake Superior

Nun geht es Richtung Heimat auf dem Au Sable Point Trail. Kurz bevor dieser den Hurricane River überquert setzen wir den Blinker nach rechts und biegen zum Parkplatz am Sullivans Landing und dem Hurricane River Campground ab. Der Au Sable Lighthouse Station Trail führt uns immer am See entlang und ist daher sehr flach. Wir gehen eine Stunde 1,7 Meilen lang zum Lighthouse. Der offiziell als Au Salbe Point Light bezeichnete Leuchtturm ist toll. Der weiße Turm steht vor einem Haus aus Ziegel. Ein paar weitere Gebäude füllen die zum See hin offene Fläche. Die Sonne erzeugt mit einem tiefen Stand ein warmes Licht und strahlt mit letzter Kraft den Lake Superior und den Leuchtturm an. Herrlich!

Au Salbe Point Light Lake Superior

Trotz der körperlichen Einschränkungen war es heute wunderbar. Mehrere kleine Wanderungen, eigentlich waren es ja nur Spaziergänge, zeigten uns nette Lokationen im Mittleren Westen der USA. Das Abendessen im Elizabeth's Chophouse war fantastisch und das Beste war, dass auch Monika der Wein wieder schmeckte. Alles wird gut und ab morgen startet unsere große Überfahrt nach Westen.


Donnerstag
"What would you do if I sang out of tune ..."! Robert Allen Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, geboren in Duluth (sprich: Duluuuth, aähm D(T)oulouse, franz.), Minnesota, stellte bereits in den frühen 1960er Jahren fest, dass die Antwort mit dem Wind verblasen wird. Als wir gegen 9 Uhr die US Highway 41 nach Norden fahren, ist die Antwort auf die Frage, ob sich die Pictured Rock Area lohnt, jedoch sonnenklar. Ein anderes, schönes Stück Amerika. Wir bereuen es nicht, noch in den Norden zum Lake Superior gefahren zu sein, die Natur ist es wirklich wert.

Hier auf unserer ersten Teilstrecke in den Westen der USA gibt es jedoch entlang des Lake Superior nur Wald. Ab und zu lässt sich ein Ort blicken und die Bäume muten sehr kanadisch-kalt an, denn sie werden immer kleiner und verkrüppelter. Eine typisch kanadische Szenerie baut sich auf: Tundra, links die Eisenbahn und die Ortsnamen werden für uns Europäer immer eigenartiger, - der Inuit, früher durfte man ja auch Eskimo dazu sagen, hat offensichtlich die Gegend geprägt. Iglu sind jedoch keine in Sicht.

Nach 54 Meilen leitet uns das Navigationssystem auf die 141er South, warum auch immer! Wald soweit das Auge reicht. Wir sind alleine auf dieser großen, weiten Welt, - auch mal schön! Als wir jedoch nach 133 Meilen wieder auf die US 2, die Lake Superior Circle Tour, fahren, kommt die Zivilisation etwas zurück. Es zog sich 253 Meilen, als wir den Pattison State Park, wir sind inzwischen in Wisconsin, erreichen. 11 USD Eintritt - o.k.,

Interfalls Lake Manitou Falls Pattison SP

Wir parken unser Auto gegenüber dem Eingang zum Campground. Hier startet der Nature Trail zunächst zu den Little Manitou Falls. Der Weg führt sehr idyllisch am Interfalls Lake entlang, der ruhig daliegt. Bereits nach 0,5 Meilen haben wir das südliche Ende des Sees erreicht. Hier mündet der Black River und bringt permanenten Nachschub. Nach dem stillen See wird es am Fluss entlang unruhiger und interessant. Schäumendes Malzbier! Ja, das Wasser ist eigenartig dunkelbraun und hinterlässt Schaumkronen, die sich am ruhigen Ufer festsetzen. Wir werden aufgeklärt, dass es sich hierbei nicht um einen Chemieunfall oder um eine anderweitige Umweltkatastrophe handelt. Die Färbung und der Schaum kommen von sogenannten Humidsäuren (Humic Acids) und von den Ufern abgelagerten und dann gelösten Eisensedimenten. Alles Natur!

Black River Manitou Falls Pattison SP

Nach 0,8 Meilen erreichen wir eine Holzbrücke über den Fluss; es geht auf der rechten Uferseite weiter flussaufwärts. Die Steigungen sind jedoch nicht nennenswert. 1,3 Meilen liegen hinter uns und wir sehen die Stromschnellen der Lower Falls. Und kurz danach, 1,5 Meilen sind vergangen, sind wir an den Little Manitou Falls. 31 Fuß, knapp 10 Meter, fällt das Wasser auf relativ breiter Front, die zweigeteilt ist, in einen Pool. Braun mischt sich mit weiß, es sieht wirklich sehr dreckig und Kloaken-ähnlich, zumindest ungewöhnlich aus. Wir erkunden die Fälle von oben und von unten. Das ist eine teilweise sehr rutschige Angelegenheit, aber es ist interessant und schön.

Little Manitou Falls Pattison SP

Es geht zurück bis zur Holzbrücke und dann an der linken, also westlichen Seeseite zurück. Nach 3 Meilen sind wir an der Straße und nehmen eine Unterführung auf die andere Seite. Hier steht die Infrastruktur für die Big Falls. Sie sind die größten Wasserfälle in Wisconsin. Zuerst nehmen wir die rechte Flussseite zu den durchweg gut ausgebauten Viewpoints. Der Wasserfall ist gewaltig und die Blicke sind es auch. Wir wechseln die Flussseite und auch hier finden sich fantastische Aussichtspunkte. Wie auf einer Skiflugschanze rast das Wasser 165 Fuß, also über 50 Meter, in die Tiefe. An eingigen Stellen schäumt es überwiegend weiß einen schwarzen Felsen hinunter, die braune Farbe tritt in den Hintergrund. Spektakulär! Nach knapp 4 Meilen und in gut zwei Stunden sind wir zurück am Auto. Es war eine lohnenswerte Wanderung.

Big Manitou Falls Pattison SP

Es geht über die City of Superior nach Duluth und auf der Stadtbrücke der Interstate 535 über die Saint Louis Bay erreichen wir Minnesota. Welcome to "The North Star State"! Das Holiday Inn liegt zentral und ist o.k.. Unser Zimmer hat einen fantastischen Blick auf den Hafen. Ein Bier an der Bar des Radisson und dann Abendessen im Drehrestaurant J.J. Astor. Teuer und grottenschlechtes Essen - gute Nacht!

Freitag
Der Minnesota Highway MN 61 führt 150 Meilen entlang des Lake Superior bis zur kanadischen Grenze. Bis nach Kanada wollen und werden wir nicht vordringen, aber fast. Die Reise geht nach Nordosten, - rechts der See, links unzählige Wasserfälle mit durchweg gepflegten Wanderwegen und Aussichtsplattformen.

Wir fahren an der Küste entlang, an tollen Häusern vorbei, manche sind richtige Chateaus, und finden in Two Harbors das Vanilla Bean Café. Das Frühstück ist nicht erwähnenswert, es war leider nicht gut.

Nach 125 Meilen, 25 Meilen vor der Staatsgrenze, erreichen wir den Judge C.R. Magney State Park, zahlen 7 USD Eintritt, und machen uns zum ersten Hike des Tages auf. Sehr touristisch und sehr gepflegt führt ein schöner Pfad durch den Wald zur Brücke über den Brule River. Es geht auf der anderen Seite des Flusses moderat nach oben. Nach 0,8 Meilen sind wir am Viewpoint auf die Lower Falls. Das Malzbier-artige Wasser braust aufgeschäumt über zwei Stufen ins Tal. Die Sonne beleuchtet die Szenerie und wir halten die Augen nicht nur auf das Wasser, sondern auch die Gesichter dem warmen Planeten entgegen.

Judge C.R. Magney State Park - Brule River Lower Falls

Dann geht es in 178 Stufen nach oben, nur ein kurzes Stück und der hölzerne Viewpoint auf den Kessel des Teufels ist nach insgesamt einer guten Meile erreicht. Wie zwei überdimensionierte Wasserhähne spritzt das Nass fast 8 Meter in die Tiefe. Rechts und links klatscht es auf den Boden. Oder vielleicht doch nicht? Der linke Teil der Upper Falls fällt in den Devil's Kettle. Und dieser Kessel ist ein Mysterium. Seit Generationen wird gerätselt, wohin das Wasser fließt. Man hat Gegenstände hineingeworfen, aber die sind nie wieder aufgetaucht. Neueste Messungen ergaben, dass nach Abzug von Toleranzen der Brule River gleich viel Wasser vor dem Fall, als auch bei Austritt im Lake Superior führt. Die Gegenstände bleiben aber weiter verschwunden. Zum Teufel damit!

Judge C.R. Magney State Park - Brule River Upper Falls Devils Kettle

Es geht zurück in Richtung Heimat! Nächster Stopp sind die Cascade Falls. Wir fahren nicht in den gleichnamigen State Park, sondern finden an der Straße einen Parkplatz direkt am Trailhead. Perfekt, - und kosten tut's auch nix!

Wir wandern auf der Westseite des Cascade Rivers hinauf und bereits nach 300 Fuß sind wir am ersten Wasserfall, wenngleich ihn der Fluss als letzten bezeichnen würde. Das Wasser bahnt sich hier seinen Weg durch eine kleine, aber tolle Schlucht. Einen besonderen Blick in den mit Cascade Fällen und Stufen gespickten Canyon hat man nach zirka 0,2 Meilen von einer Holzbrücke. Wir bleiben vorerst und noch 0,1 Meilen auf dem Lookout Mountain Trail. Ein riesiger Felsen hat sich hier mitten in den Cascade River gepflanzt und das Wasser dreht sich wie ein Kreisel drumherum, toll! Der Rückweg führt über die Holzbrücke auf die Ostseite des Flusses und endet an der Straße. Aber es sind nur ein paar Meter bis zum Parkplatz. Eine nette, kurze Wanderung.

Cascade Falls
Cascade Falls

Und jetzt zu den Caribou Falls! Von wegen, - eine Baustelle versperrt die Zufahrt, weitere Parkmöglichkeiten sind nicht zu erkennen und so fahren wir unverrichteter Dinge weiter bis zum Split Rock Lighthouse State Park. Wir stoppen am zweiten Parkplatz an der Nahtstelle von Corundum Point Beach und dem Split Rock Lighthouse State Park Beach.

Der geteerte Trail führt hinunter zum Strand und bereits hier zeigt sich der Leuchtturm von seiner schönsten Seite. Das tiefblaue Wasser ruht zwischen einer hinausragenden Halbinsel und der tief und senkrecht abfallenden Klippe, auf der das Light steht. Was heißt steht, es thront wie eine Trutzburg auf dem Felsen. Auf weißem Sockel und einem Hals in Brauntönen, ist das Licht mit einer dunklen Eisenkonstruktion montiert. Nur zur Seeseite sorgen Glasscheiben dafür, dass man das Leuchtfeuer sieht. Von hinten nähern sich die Aspen aus dem Superior National Forest, haben aber vermutlich dank der emsigen Parkplatzverwaltung keine Chance, das nicht mehr benötigte Schifffahrtssignal zu besiegen.

Split Rock Lighthouse State Park

Wir ziehen entlang des Strands auf dem geteerten Trail weiter. Neue Perspektiven und zunehmende Nähe zwingen uns sozusagen, immer wieder Reißaus zu nehmen und die behindertengerechte Strecke auf den nun felsigen Strand zu verlassen. Wir sind 0,9 Meilen unterwegs und treffen auf ein historisches Gebäude. Eine alte Seilbahn verband früher Strand und Aufstieg. Heute führen 174 Stufen nach unten. Ja, die nehmen wir und sind dann wohl am besten Aussichtspunkt.

Split Rock Lighthouse State Park

Wieder oben angekommen orientieren wir uns nach rechts. Ein Schild mahnt: Kohle oder Leben! Nein, gedroht hat niemand, jedoch bräuchte man ein Armband, das signalisiert, dass man den State Park Eintritt bezahlt hat. Und nachdem wir bei der Einfahrt niemanden entdeckten, der uns Geld abknöpfen konnte, fehlt uns dieses Armband. Nun ja, wir sind auch ohne Armband schön und gehen weiter hinauf zum Visitor Center. Dort bestaunen wir kurz die Menschenansammlungen und gehen über den Gitchi Gami Trail mehr oder weniger direkt zurück zum Auto. Es wurden dann doch fast 2,5 Meilen und wir waren gut eine Stunde unterwegs. Es war wirklich schön.

Einen haben wir noch, - die Gooseberry Falls im gleichnamigen State Park. Wir biegen von der MN 61 auf die Country Road 1 ab und finden uns auf einem intergalaktisch großen Parkplatz wieder. Ich zitiere, wie schon oft, den Stachus von München. Das Bild hat sich jedoch etwas gewandelt. Es sind fast so viele Hunde, wie Menschen da. Entsprechend touristisch sind die Trails angelegt. Es gibt kleine und große Runden sowie direkte Zugänge zu den Lower und Upper Falls. Wir drehen 1,35 Meilen die große Runde im Uhrzeigersinn und finden es mit ein wenig Abstand zur Masse ganz nett. Die Wasserfälle selbst sind sehr beeindruckend.

Gooseberry Falls State Park

Nach 235 Meilen und neuneinhalb Stunden sind wir zurück in Duluth. Wir hätten gerne an der Waterfront gegessen, aber Steffi findet kein Lokal. Da ja auch noch Freitag abends ist, beschließen wir, zum Hotel zu fahren und in der Sportsbar eine Kleinigkeit zu essen. Der Burger war schon o.k.. Ein schöner Tag geht seinem Ende zu und morgen heißt es endgültig "Let's go West - South Dakota is waiting!"


Samstag
Im 19. Jahrhundert entstand bei den Bürgern von einigen Staaten im Nordosten der USA das Bedürfnis, sich von den Staaten an der Ostküste abzugrenzen. Der Begriff des "Mittleren Westens" war geboren. Unsere bisherige Reise hat uns durch einige Staaten geführt und obwohl wir heute einen großen Sprung, genauer gesagt 730 Meilen, was immerhin 1.175 Kilometer bedeutet, nach Westen machen werden, bleiben wir immer noch auf diesem Gebiet.

Mit einem Kaffee auf dem Zimmer und kurz vor 7.00 Uhr Ortszeit geht's auf. Es ist noch stockdunkel und hat nur 37 Grad Fahrenheit. Das Fahrabenteuer beginnt auf der Interstate 35 West. Wir lieben es, die USA ab und zu mit dem Auto zu besichtigen und so macht es uns immer wieder Spaß, einen Fahrtag einzulegen. Das finden wir immer noch besser, als irgendwo im Nirwana sinnlos zu stoppen.

Das Thermometer sinkt über Land auf 30 Grad, also unter den Gefierpunkt. Und als wir nach gut 40 Meilen zum Frühstück in Moose Lake im Lazy Moose Coffee House einkehren, wird der kurze Weg vom Parkplatz ins Lokal zügig genommen. Das Frühstück war sehr gut und das nette, rustikale Ambiente des Lokals war mehr als angenehm.

Wir erreichen nach 170 Meilen Minneapolis und die US 169 und der Minnesota Highway 60 kürzen den Weg zur Interstate 90 ab. Nach 330 Meilen ist es aber soweit, die I-90 bringt uns schnurstracks in die richtige Richtung. Meilenweit lümmeln nur Maisfelder neben der Autobahn rum. Nach 376 Meilen sind wir in

South Dakota - The Mount Rushmore State!

South Dakota - The Mount Rushmore State!

Speed Limit 80 mph, sehr schön, und so schnell traut sich hier sowieso keiner zu fahren. Die linke Spur gehört uns. Wir sind dann bald in den Great Plains, die praktisch drei Viertel von South Dakota bedecken. Immer wieder tropft es vom Himmel, aber lieber heute als morgen. Einer der mächtigsten Flüsse der USA wartet. Nach 525 Meilen überqueren wir den Missouri River, es wird hügeliger und die Landschaft interessanter. Knapp 100 Meilen weiter gewinnen wir eine Stunde. Bye, bye Central Time, nun ist Mountain Time.

Mit dem Zeitsprung wird auch das Wetter besser. Es bleibt zwar kalt und windig, aber die Sonne lacht. Perfekt! Nach insgesamt 730 Meilen trudeln wir in Rapid City ein und das Hampton Inn hat ein schönes, großes Zimmer für uns. Passt! Nach 12 Stunden Fahrt vertreten wir uns nach dem Duschen noch etwas die Beine und wandern eine Meile bis zum Longhorn Steakhouse. Essen und Kendall Jackson, eine herrliche Kombination in einem USA Urlaub, - für uns jedenfalls.

Sonntag
Der Tag des Herrn beginnt "zapfig". Satte 39 Grad, aber die Sonne strahlt störungsfrei auf den Planeten.

Wir fahren auf der US 16 nach Westen durch die Black Hills und genießen diese tolle Landschaft bei Traumwetter. Die SD 87, bekannt auch als Needles Highway, bringt uns teilweise sehr kurvig nach oben und in den Custer State Park. Neben der Straße liegt frischer Schnee, jedoch nicht in beängstigenden Mengen. Am wunderschönen Sylvan Lake biegen wir links in die Sylvan Dayuse Road ein, zahlen 20 USD Parkeintritt und stellen unser Auto auf dem riesigen Parkplatz ab. Da wir uns immerhin schon auf 1.873 Meter über Null befinden, ist es ziemlich frisch und die Handschuhe kommen zum Einsatz.

Der Harney Trail, der auf den gleichnamigen Peak führt, beginnt an der Zufahrtsschleife im Osten des Parkplatzes. Es geht kurz durch den Wald nach oben, aber sehr schnell lichtet sich die Szenerie und wir werden mit einer tollen Felslandschaft begrüßt. Die rauen Steinnadeln ragen nach oben und werden von ausgedehnten Wiesen, auf denen vereinzelt Nadelbäume stehen, eingerahmt.

Little Devils Tower Black Hills Rapid City South Dakota

Nach 0,6 Meilen kommt erneut ein kleiner Parkplatz, den wir queren. Hier ist der eigentliche Head zum Little Devils Tower Trail. Aber dieses kleine Zusatzstück war es allemal wert. Der Weg Nummer 4 ist blau gekennzeichnet. Es geht flach an Felsen entlang und nach gut einer Meile erreichen wir ein Amphitheater, das von tollen Felsnadeln eingerahmt ist. Langsam nimmt der Weg Fahrt auf und führt jetzt etwas zügiger nach oben. Nach 1,6 Meilen wendet sich der Trail nach links und auf der rechten Seite finden wir einen tollen Aussichtspunkt mit Blick auf das Grasland und die Gipfel der Black Hills. Kleine Pause!

Little Devils Tower Black Hills Rapid City South Dakota

Der Wanderweg teilt sich, - gerade aus geht es zum Harney Peak und nach links zu unserem Ziel, dem Little Devils Tower. Durch abgestorbene Bäume geht es weiter nach oben. Große Needles kommen in Sicht. Die Steinpyramiden ragen zu Gruppen gebündelt in den Himmel.

Wir sind zirka 1,8 Meilen unterwegs, das Terrain wird enger, und zwei auf den Felsen gesprühte Punkte signalisieren eine notwendige Durchquerung einer Felsformation. Es geht mittendurch, aber es ist nur ein kurzes, nicht schweres Stück, auf dem auch die Hände zum Einsatz kommen müssen. Der Trail ist hier oben zwischen den Felsen wunderbar ausgeschildert. Nach knapp zwei Meilen haben wir den Gipfel erreicht. Es ist wunderschön hier! Der Rundblick reicht über steinige Landschaften aus Needles bis zum Harney Peak mit seinem Gipfelhaus, das wie ein kleiner Wachturm aussieht. Dieses Gebäude war früher ein Feuerausguck. Das weite Grasland breitet sich im Osten in Richtung Badlands National Park aus.

Little Devils Tower Custer State Park Black Hills Rapid City South Dakota

Auf dem Rückweg kommen uns die Langschläfer entgegen, das wird eng werden oben auf dem Felsenweg zum Gipfel. Das war eine tolle Wanderung. Nach 2 Stunden und 20 Minuten sind wir wieder am Sylvan Lake, der ruhig in einem Kessel liegt und auf einem kleinen Spaziergang umrundet werden kann.

Wir fahren die Autobahn-ähnliche US 16 zurück und biegen nach links in die Gondola Road ab. Hier gibt es nur Parkmöglichkeiten für maximal 6 Autos. Die weiterführende Gondola Road ist eine Schotterpiste, hier für den fahrenden Verkehr gesperrt, und wir starten zu einem etwas ungewöhnlichen Hike. Es geht zum Entstehungsort der Raumfahrt.

Wir folgen der auch als Big Red Road bezeichneten Forest Road 0,6 Meilen und gehen dann nach links querfeldein zum Rim. Sichtkontakt! Wir blicken auf den Stratobowl. Wer jetzt etwas besonderes erwartet, der täuscht. Es ist - Trommelwirbel - eine Wiese, die jetzt bezeichnenderweise kugelrund gemäht weit unten in einem Talkessel liegt. Aber es ist die Geschichte dieser Wiese, die uns und vielleicht den ein oder anderen hierher treibt, vielleicht sogar fasziniert. Ein kleiner historischer Ausflug:
Von hier starteten die Army Air Corps und die National Geographic Society in 1934 und 1935 bemannte Ballonflüge in die Stratosphäre bis zur Rekordmarke von 72.395 Fuß (22.066 Meter). Zu dieser Zeit wurde dieses kleine Tal als "Stratobowl" benannt. Der "Stratobowl" gilt als der Geburtsort des Weltraumzeitalters.

Stratobowl Black Hills Rapid City South Dakota

Wir wandern nur ein kurzes Stück den Rim entlang. Der letzte Aussichtspunkt ist ausgebaut und eine in Stein eingelassene Gedenktafel erinnert an und benennt die Ereignisse. Es ist nicht spektakulär, aber doch interessant, wenn man darüber nachdenkt, was hier Mitte der 1930er Jahre begann. Außerdem hat man von hier oben einen schönen Panoramablick auf die Black Hills. Nach knapp zwei Meilen, keine Stunde unterwegs, sind wir zurück am Auto.

Es ist früher Nachmittag, wir gehen noch einkaufen und machen Kaffeepause bei Starbucks. Zurück im Hotel stellen wir das Auto ab und gehen in die Mall unterhalb des Hotels. Nur Schotter, diese Ansammlung von Geschäften ist keinen Besuch wert. Obwohl, ich habe neue Flip-Flops bekommen. Das Abendessen im Minervas's auf der anderen Seite der Interstate war sehr gut und das Beste: Ein ausnehmend preisgünstiger Rombauer beendet einen fast perfekten Tag!


Montag
Heute ist es schon wärmer als gestern, als wir aufbrechen. Wir donnern weiter auf der Interstate 90 und erreichen nach 60 Meilen Wyoming. Der Exit 185 gehört uns und als wir auf der US 14 ziemlich einsam dahingleiten, kommt er in Sicht! Der Devils Tower, also der Turm des Teufels, ragt fast unwirklich und außerirdisch aus der Hochebene hervor. Er erhebt sich etwa 265 Meter über sein unmittelbares Umland und besitzt einen Durchmesser von fast 150 Metern. Nach 19,6 Meilen geht es nach rechts auf die WY 24 und nach weiteren 6 Meilen erreichen wir die Zufahrt auf der WY 110. 3,4 Meilen sind es noch, dann 15 USD Eintritt und wir stehen vor dem Ungetüm im Devils Tower State Park.

Devils Tower State Park Wyoming

Der Tower Trail startet direkt am momentan überdimensionierten Parkplatz. Und natürlich ist dieser flache Weg rund um den Devils Tower geteert. So schlendern wir relativ unangestrengt von Perspektive zu Perspektive. Der Mikrokosmos des Towers ist unglaublich. Wie Pommes Frites streben die Steinsäulen zusammengepackt als Junior Tüte in Richtung Himmel.

Devils Tower State Park Wyoming

Der kleine, nur 2,3 Meilen lange Rundweg lohnt sich. Der etwa vor 50 Millionen Jahren entstandene und nun übrig gebliebene Kaminschlot ist ein heiliger Ort. Für die Prärieindianer ist er der Wohnsitz des Grizzlybären. Bären haben wir zwar keine gesehen, aber schöne Gesteinsformationen, die regelmäßig aus Waldlichtungen heraus näher betrachtet werden können. An einigen Stellen versuchen Kletterer die Wände zu bezwingen.

Nach 50 Minuten ziehen wir auf der I-90 weiter in den Westen. Die Autobahn bekommt einen roten Belag und die Nebenstraßen sind ausschließlich ungeteert. That's Wyoming! Bei Gilette verlassen wir die Schnellstraße, aber auf der WY 59 geht es mit fast gleicher Geschwindigkeit nach Süden. Am Horizont zeigen sich bereits die Rocky Mountains in weiß, jedoch steigen von Meile zu Meile die Temperaturen. 20 Grad Celsius bringt ein Lachen in unsere Gesichter. Aber das wird sich morgen ändern, versprochen. 110 Meilen lang treffen wir nur auf zwei Dörfer, die letztendlich nur einen Zweck erfüllen. Sie sind die Herberge für die Industriearbeiter, die Kohle, Öl und Gas erschließen und fördern. Die weite Natur ist durch eine 4-gleisige Eisenbahnstrecke geteilt. Alles nagelneu, die USA braucht Rohstoffe!

Wir erreichen die Interstate 25 und folgen ihr Richtung Cheyenne bis zum Exit 73. Schräg durch den Sybille Canyon und über den Morton Pass (2.185 Meter) durch die Prärie nach Laramie. Das Hilton Garden Inn, direkt neben dem Football Stadium der University of Wyoming, ist ein schönes Hotel und es hat eine gute Seele: Annie von der Bar, Tochter eines Deutschlehrers und studierte Fotografin - lustig! Das Abendessen und der Riesling schmeckten hervorragend.


Dienstag
Bei strahlendem Sonnenschein bringt uns die WY 130, genannt Snowy Range Road, durch die Hochebene des Centennial Valley im Westen von Laramie. Schnurstracks führt die Straße durch ausgedehnte Weidegebiete immer näher an die Medicine Bow Mountains heran. An den Straßenrändern liegt schon stellenweise Schnee. Bei Centennial, einem kleinen Dorf im Stil des Wilden Westens, haben wir die Berge erreicht und es geht kurvig nach oben. Der Snowy Range Pass liegt auf über 3.300 Metern und als wir anschließend die Mirror Lake Picnic Area erreichen wird klar, dass das heute eine Winterwanderung wird.

Medicine Bow Mountains Snowy Range Wyoming

Diese gewaltige Bergwelt erschließen wir auf dem Lakes Trail #296, der uns zwischen dem Mirror Lake und dem Lake Marie nach Norden in die Seen- und Bergwelt führt. Es ist gut zu gehen, der Pfad ist am Südhang schneefrei. Als wir aber um die Ecke kommen, bestaunen wir nicht nur die hohen Berge und die kristallklaren Seen, sondern stecken bereits im Schnee bis zu den Waden fest. Die Szenerie ist wunderschön, - hinter dem Lake Marie schraubt sich die Snowy Mountain Range nach oben und findet ihren Höhepunkt am Medicine Bow Peak bei stolzen 12.013 Fuß, d.h. 3.662 Metern. Zwischen dem South und dem North Gap Lake senkt sich der Grat, um anschließend erneut zum Browns Peak aufzusteigen. Im Vordergrund liegen die Gletscherseen, angeführt vom Lake Marie über den Lookout Lake und die kleineren und namenlosen "Pfützen" am Sugarloaf Mountain.

Medicine Bow Mountains Snowy Range Wyoming
Medicine Bow Mountains Snowy Range Wyoming

Wir kommen nur schwer voran, denn nicht nur der Trail ist immer wieder mit tiefem Schnee zugedeckt. Für ausreichend Frischluft sorgt auch der eiskalte Gegenwind aus Nordost, der, je näher wir dem Pass kommen, immer stärker wird. Nach zwei Meilen sind wir am Pass angekommen. Nach links würde unser Weg zum Medicine Bow Peak abzweigen, aber der Trail ist teilweise mit hüfthohem Schnee zugeweht, kaum mehr sichtbar und der Wind hat die Mutation zum Sturm geschafft. Das Gebläse weht uns fast von den Beinen, das Gesicht brennt von der Kälte, wir frieren fürchterlich und kehren um und es bedarf nur weniger Worte, schon gar keiner Diskussion, um den Rückweg einzuleiten.

Medicine Bow Mountains Snowy Range Wyoming

Es ist tatsächlich noch ein anderer Bergsteiger unterwegs und eine Zeit lang kämpfen wir gemeinsam gegen die Natur. Der junge Kanadier ist mit Auto und Gitarre unterwegs; nahezu planlos, wie er sagte. Wir haben ihm dann noch ein paar Wandertipps für seine nächsten Destinationen gegeben und waren froh, als wir nach drei Stunden wieder am Auto standen. Die Weißkopfseeadler nutzen den Aufwind, der an der Range entsteht und schrauben sich in die Höhe. Majestätisch kreisen sie über unseren Köpfen.

Medicine Bow Mountains Snowy Range Wyoming

Wir fahren zurück und sind sehr glücklich über die Wärme im Auto. Als wir die Schneegrenze hinter uns gelassen haben, entschließen wir uns zu einem spontanen Hike auf den Corner Mountain. Aber der Hike war ein Reinfall. Er entwickelt sich zu einem ausgedehnten Waldspaziergang im Medicine Bow National Forest, - also auf alle Fälle gesund. Nette Steigungen führen jedoch nicht zum proklamierten Corner Mountain, denn der liegt gegenüber auf der anderen Straßenseite. Aussichtspunkte sind ebenfalls Fehlanzeige. Und so irren wir für eine Stunde 2,5 Meilen durch den Wald. Bäh!

Corner Mountain Loop [Medicine Bow National Forest]

Nach einem Kaffee im Starbucks bereiten wir uns auf den morgigen Tag vor. Das Essen im Hotel war wieder gut und Annie hat sich persönlich von uns mit einer Umarmung verabschiedet, nett!

Mittwoch
Nach dem guten Frühstück im Hotel fahren wir um 8.30 Uhr bei 46 Grad und strahlendem Sonnenschein los auf die Wyoming 230 West. Der Weg führt mitten durch den Medicine Bow National Forest den Rocky Mountains entgegen. Nach 44 Meilen begrüßt uns der Centennial State, wir sind in Colorado. Die CO 127 South bringt uns nach Walden, einem Elendsnest, das jedoch die westliche Flanke des Poudre Canyon bildet. Dieser Canyon ist eine ausgeprägte Hikerdestination. Im übrigen entspringen in unmittelbarer Nähe berühmte Flüsse, wie zum Beispiel der North Platte River und auch die Quelle des Colorado River ist nicht weit. Die ausgeprägte Hochebene rund um Walden bildet einen Kessel, eingerahmt von den hohen und sehr hohen Gipfeln der Rocky Mountains.

Wir verlassen das Hochtal über den Rabbit Ear West Summit Pass im Routt National Forest. Die Espen haben hier ihre beste Zeit hinter sich und stehen in dieser Höhe kahl wie Knochengerüste in der Gegend. Bunte Büsche durchbrechen das monotone Grau-weiß. Ab 2.873 Meter über N.N. geht es runter nach Steamboat Springs. Ein netter und schöner Wintersportort mit tollen Hotels und einer kleinen Altstadt. Als wir in Craig am Yampa River nach Süden auf die CO 13 abbiegen, sind wir im Westen der USA angekommen. Die so typischen Hügel mit Juniper und hellgelben Felsen sind das erste Indiz. Besonders zwischen den Milemarkern 12 und 14 sprießen die Hoodoos in den Himmel. Kleine Badlands und tolle Felsformationen säumen den Weg. Wir sind nun schon mehrmals von West nach Ost und von Ost nach West gefahren; und egal auf welcher Route das geschah, immer war es die veränderte Landschaft, die das Signal des Übergangs gab.

Nach Rifle, der Ort, der mit dem Rifle Falls State Park eine tolle Attraktion besitzt, kommen wir auf die Interstate 70. Wir treffen auf den Colorado River, der hier unten im Tal von wunderschönen gelb gefärbten Espen eingerahmt und in seinem Bett gehalten wird. Nachdem wir uns durch die engen Stellen des De Benque Canyon durchgemogelt haben, verlassen wir am Exit 42, Palisade, die Autobahn und bewegen uns auf Nebenstraßen vorwärts. Sie sind, wie so oft hier rund um Grand Junction, mit Bruchzahlen benannt. Auf der G 7/10 Road und nach 1,5 Meilen rechts auf der 35 8/10 Road und durch einen kleinen Tunnel unter der I-70 durch, erreichen wir den Parkplatz des Mount Garfield Trails. Es hat 21 Grad Celsius, die Sonne brennt, es ist herrlich.

Fast 300 Meilen durch die Berge, jetzt wird es Zeit für etwas Bewegung. Und der Trail bringt uns dann gleich von 0 auf 100. Zweihundert Meter Anlauf und dann geht es gewaltig nach oben. Wir nehmen die 2. Ridge aus Sand. Der Trail führt ziemlich steil über die ausgewaschenen Kanten des Book Cliffs auf die Südwestseite des Coal Canyon. Links und rechts dieser ausgewaschenen Ridges verliert sich der Blick immer weiter weg vom rettenden Boden. Manchmal fixieren wir uns sehr auf den Pfad, denn ein Abrutschen zu jeder Seite des nun teilweise nur einen halben Meter breiten Trails wäre fatal. Die Waden brennen, aber kurze Stopps bringen nicht nur Erholung, sondern auch wunderschöne Perspektiven auf die Sandspalten, in denen Hoodoos und Boulder ihren momentanen Platz gefunden haben. Man wundert sich, warum diese Felsen mitten in dieser kleinen Sandwüste, in diesen Badlands, überhaupt noch stehen und nicht ins Tal gedonnert sind.

Mount Garfield [Book Cliffs]
Mount Garfield [Book Cliffs]

Einmal um die eigene Achse gedreht öffnet sich der Blick in die Ebene. Vom Eisenbahnknotenpunkt Grand Junction bis Palisade, vom Colorado National Monument und der Black Ridge Wilderness bis zum Grand Mesa National Forest reicht die Weitsicht und mittendrin die geschäftige Interstate, aber der langsam fließende Colorado River beruhigt. Das Wasser sorgt auch für farbliche Abwechslung. Auf grünen Wiesen stehen gelbe Espen vereinzelt und in Gruppen. Sie erscheinen wie Leuchtfeuer. Nach knapp 0,7 Meilen haben wir die erste Stufe der Ridge erklommen. Kohle quillt aus den Felsen. Die Minen sind stillgelegt, aber Reste einer Seilbahn zeugen davon, dass die Kohleförderung vor langer Zeit ein zentrales Business hier war. Sitzend erleben wir nun die komplette Szenerie, es ist wirklich toll.

Mount Garfield [Book Cliffs]
Mount Garfield [Book Cliffs]

Der Rückweg machte uns durchaus Sorgen, denn es war nicht klar, wie der Sand unter den Beinen bei diesem steilen Abstieg hält. Es war aber gut machbar, nach 1,4 Meilen sind wir sicher am Auto angekommen.

Unser Zimmer im Fairfield Inn ist zwar etwas dunkel, aber schön groß und letztendlich wunderbar. Das erste Bier gibt es an der Bar des neuen "Goat and Clover" Restaurant und das beste Essen in Grand Junction gibt es wie immer gegenüber im "Le Rouge".

Donnerstag
Wir fahren zum Colorado National Monument, denn wir haben noch eine Rechnung vom letzten Jahr zu begleichen. Die Rangerin an der Mautstation hat's gleich kapiert, als wir sagten, dass es nach oben in den Glade Park geht. Ohne Eintritt zu bezahlen kam ein "have a nice day". So ist's gut!

Steffi will uns wieder reinlegen. Nein, wir haben das Drama bereits erlebt. Es geht vom Glade Park Store nach Norden zum Trailhead, denn auf der südlichen Route über die DS Road steht man irgendwann vor einem "No Trespassing" - privates Land. Auf der B South Road, in die wir einbiegen, kommt auch so ein Schild, jedoch darf man hier zum Trailhead des Knowles Canyon durchfahren. Zwischen den Milemarkern 4 und 3 erreichen wir die McInnis Canyons Recreation Area und nach insgesamt 26 Meilen setzen wir den Blinker nach rechts und stehen unmittelbar am Knowles Canyon Trailhead. Wir sind die Ersten und bleiben die Einzigen, gut so!

Knowles Canyon [McInnis Canyons National Conservation Area]

Der schmale Trail führt durch das Grasland die Twenty Hole Wash entlang. Links ragen die roten Wände empor und geben die Richtung vor. Nach 0,8 Meilen steigen wir über einen Einschnitt in diese Wand auf und oben erreichen wir die alte Dirtroad, die uns nach Osten führt. Kaum merkbar, jedoch stetig, führt die Straße nach unten. Langsam kommen die ersten Butten in Sicht, die als Reste dem stetigen Kampf gegen das Wasser widerstanden haben.

Knowles Canyon [McInnis Canyons National Conservation Area]

Der Canyon öffnet sich und nach 2,5 Meilen und ein paar hundert Meter weiter wird die Straße immer mehr zum Wanderpfad. In voller Breite zeigt sich nun der Upper Knowles Canyon. Links an der Wand klebt ein riesengroßer Hoodoo. Wie ein Minarett oder eine Rakete sticht die Felsensäule unvermittelt nach oben. Und auch auf dieser Seite wollen wir weiter rechts einen Arch entdeckt haben, was sich später jedoch als schöner Alkoven entpuppte. Letztes Jahr mussten wir an dieser Stelle wegen Regen umdrehen, - heute ist ideales Wanderwetter.

Knowles Canyon [McInnis Canyons National Conservation Area]

Es geht in Serpentinen nach unten. Das Wasser hat die alte Dirtroad bereits aufgefressen oder so durchlöchert, dass ein Auto wohl keine Chance mehr hätte. Am Boden des Upper Canyons hat die Natur die Straße wieder in Ruhe gelassen. Wir sind 3,7 Meilen unterwegs und die Spur ist mit Baumstämmen abgesperrt. Wir wissen zwar, dass es geradeaus irgendwie zu einem Steinbogen, dem Pentagon Arch, gehen würde, nehmen aber den offiziellen Trail nach rechts.

Ein mit Cairns, Steinmännchen, gekennzeichneter Pfad führt uns durch den oberen Canyon. Die nun gigantisch in die Luft ragenden roten Felswände sind mit weißen Streifen verziert. Spiegelglatt stehen sie unverrückbar in der Natur. Nur ganz selten haben es Wind und Regen geschafft, ein paar kleine Löcher zu bohren. Aber nur kleine Kanten reichen aus, damit ein paar Juniper Bäume wachsen können. Nach 4,5 Meilen erkennen wir den Pentagon Arch und eine viertel Meile weiter stehen wir am Abgrund zum Lower Knowles Canyon. Ein riesiger Hoodoo thront auf halber Höhe. Unten reihen sich Espen wie eine Kette entlang des Wassers auf. Jetzt, im Oktober, sind sie knall-gelb. Nach Nordosten verliert das Auge diese gewaltige Schlucht. Eine ausgedehnte Pause trägt dem wunderschönen Ausblick Rechnung.

Knowles Canyon [McInnis Canyons National Conservation Area]
Knowles Canyon [McInnis Canyons National Conservation Area]

Meile 5, - wir stehen am Trail zum Lower Canyon, der steil nach unten führt. Aber entscheiden uns nicht abzusteigen, sondern einen Rundweg zum Overlook zu suchen. So schlagen wir uns querfeldein in diese Richtung durch. Aber nach einer halben Meile müssen wir leider erkennen, dass es hier keinen Weg nach oben gibt. Also alles zurück und auf dem offiziellen Trail wieder nach oben. Nach 5,5 Stunden und 11,15 Meilen sind wir zurück am Trailhead und freuen uns über diesen schönen Hike.

Heute gibt es ein Bier in der Brewery, denn die Goat Bar war voll. Und obwohl wir letztes Jahr schon nicht zufrieden waren, wagen wir uns erneut in die Winery zum Abendessen. Das war aber nun wirklich das letzte Mal.

Freitag
Es ist warm und sonnig, als wir auf der Interstate 70 nach Westen fahren. Die Staatsgrenze nach Utah ist nicht weit und die hiesigen Behörden erlauben wieder 80 Meilen pro Stunde. Es wird einsam. Nur ein paar Ranch Exits zeugen davon, dass es doch der ein oder andere wagt oder liebt, hier im Nirgendwo zu leben. Nach 75 Meilen sind wir an der berühmten US 191, die uns nach Süden durch Moab führt.

Am Eingang zum Arches National Park stehen die Autos zweispurig im Stau. Hier erleiden die Nationalparks das gleiche Schicksal, das sich bereits vor Jahren in den westlicher gelegenen Parks vollzogen hat. Wir Touristen erdrücken und überschwemmen die Natur. Die Infrastruktur von Moab gleicht sich an, es werden immer noch mehr Hotels gebaut. Der einst fast beschauliche Ort quillt aus allen Fugen. Und wer kein Insider ist, der wartet dann regelmäßig nicht nur an den Parkeingängen, sondern muss sich auch abends auf eine Liste setzen lassen, um auf Futter zu warten. Die 191er südlich von Moab ist nun ebenfalls entsprechend ausgebaut und es geht gut voran.

Nach Bluff erreichen wir Arizona und fahren nach Süden quer durch das Valley of the Gods zum Monument Valley und nach Kayenta. Auf der US 160 geht es wieder nach Westen und die Arizona 98 bringt uns dann nach Page. Indianergebiet umrundet, jetzt Kaffeepause! Leider ist es alles andere als angenehm in diesem Dreck gemütlich eine Pause zu machen. Im Walmart werden die Wasservorräte aufgefüllt und dann runter zum Lake Powell. Unser Hotel liegt in der Glen Canyon Recreation Area und wir können es nur erreichen, wenn wir 25 US Dollar Eintritt zahlen. Das Ticket ist allerdings für 7 Tage gültig, aber so lange bleiben wir natürlich nicht.

Wir sind vom Lake Powell Resort angenehm überrascht. Ja, etwas sehr viel los, obwohl es schon Ende Oktober ist, aber alles gut organisiert und das Zimmer mit Balkon mit wunderbarem Blick auf den See ist absolut in Ordnung. Als die Sonne langsam den Horizont erreicht, beginnen die gefluteten Felsschluchten zu leuchten. Ein Bier an der Hotelbar und Abendessen im Rainbow Room beschließen den Fahrtag.

Lake Powell - Glen Canyon Recreation Area

Samstag
"EausMUC" ist die wunderbare und kreative Abkürzung für Elmar aus München. Er besucht uns mit seinem Wohnmobil und nach einem gemeinsamen Frühstück fahren wir zusammen 30 Meilen auf der US 89 Richtung Kanab. Das Coyote Valley leitet die House Rock Valley Road zum Wire Pass Trailhead. Nein, wir haben keine Permit für die Coyote Buttes North, aber links und rechts dieser fantastischen Gegend rund um die Wave gibt es einige Alternativen, für die man keine Zugangserlaubnis braucht.

Wir bezahlen 6 USD Parkgebühr, schultern unsere Rucksäcke und Kameras und marschieren bei schönstem Wetter in die Wash Richtung Wirepass Slotcanyon. Nach 0,5 Meilen nehmen wir den ersten kleinen, gut sichtbaren Aufstieg nach rechts in die Vermilion Cliffs. Nur noch 0,3 Meilen gehen wir den Weg zur Wave weiter, nehmen aber noch vor dem Abstieg zum Bull Pasture Reservoirs nach rechts Reißaus. Etwas sandig geht es querfeldein nach oben. Wir halten uns links des Rückens der Vermilions. Die Kunst besteht nun darin nicht zu weit nach links abzutriften und Höhe zu verlieren und nicht zu weit nach rechts aufzusteigen, um unnötige Höhenmeter zu vermeiden. Das GPS hilft, die direkte Richtung zum ersten Arch zu halten, gleichwohl sind es kleine Einschnitte, die uns immer wieder zwingen nicht erwähnenswerte Umwege zu gehen.

Nach 1,7 Meilen sind wir am Double Arch, der auch Flame Arch oder High Heel Arch genannt wird. Wir waren vor 11 Jahren das letzte Mal hier und die Natur hat aus einem Baum ein zartes Pflänzchen gemacht. Abgemagert und mit dünnen Felsstrukturen lehnt der Felsbogen an einer kleinen Wand. Er ist hilflos, Wind und Wasser werden dafür sorgen, dass er das Zeitliche segnet. Wir finden, dass ihm das filigrane Kleid gut steht. Aber nun weiter, es gibt noch einiges zu erwandern.

Double Arch aka. Flame Arch aka. High Heel Arch [Coyote Buttes North]

Wir steigen wieder auf. Nur 0,3 Meilen später begegnet uns nichts Filigranes. Der Moby Dick Arch steht wie ein unerschütterlicher Panzer mitten im Hang. Ein fetter Felsbogen, so anders als der Letzte, ist das Überbleibsel einer Felsformation, deren Leben als Sand geendet hat. Wir umrunden das Felsentor, auf das man auch ohne Gefahr steigen kann. Ein paar Juniper Bäume nutzen den Windschatten und wachsen am Fuße des Steinbogens in die Höhe. Und es ist noch nicht vorbei!

Moby Dick Arch [Coyote Buttes North]

Immer weiter nach oben, durch teilweise tiefen Sand. Der Abstand runter zum Canyonboden ist inzwischen groß und deshalb ist etwas Vorsicht geboten, um nicht den Halt auf dem weichen Sand zu verlieren. Wir steigen konzentriert am linken Rand der Ridge dem felsigen Canyonende entgegen. Die Sonne holt alles was geht aus dem Rot der Felsen heraus. Und just als wir das Ende nach rund 2,5 Meilen erreichen ein freudiger Aufschrei! Da ist er! Wir sind am Arc of the Wave.

Arc of the Wave aka. Dick's Arch aka. Seldom Seen Arch [Coyote Buttes North]
Arc of the Wave aka. Dick's Arch aka. Seldom Seen Arch [Coyote Buttes North]

Im Mai 1996 entdeckte Dick Kent diesen wunderschönen Felsbogen. Nach ihm ist auch der schlanke Arch, der sich von der Wand in den kleinen Einschnitt zieht, benannt. Der Arc of the Wave, so der offizielle Name, heißt auch Dick's Arch und weil er so abseits der Zivilisation liegt, hat man ihm noch einen dritten Namen, nämlich Seldom Seen Arch, verpasst. Wie auch immer, mit seiner Spannweite von 50 Fuß ist er nicht nur toll, sondern auch mächtig. Wir entledigen uns unserer Rucksäcke und bestaunen die Natur von allen nur möglichen Perspektiven. Die Sonne quetscht das intensivste Rot aus den Felsen. Eine tolle und trotzdem einsame Lokation!

Aber wir haben noch mehr Informationen. Nachdem uns der große Steinbogen beim Anmarsch mitten ins Gesicht gesprungen ist, haben wir ein paar Meter vorher einen kleinen, aber herrlichen Arch vorerst rechts liegen gelassen. Nun also zurück und ein paar Meter links hinauf zum Foxheaven Arch geklettert. Intime Felsenatmosphäre im Schatten. Der feuerrote Felsen hat vulkanische Einschlüsse, die wie Pockennarben aussehen. Aus dem Bogen heraus blicken wir in den Canyon und auf die Formationen der Paria Canyon - Vermilion Cliffs Wilderness. Es ist einfach nur schön hier.

Foxheaven Arch [Coyote Buttes North]
Foxheaven Arch [Coyote Buttes North]

Nach knapp 5 Stunden und fast 6 Meilen sind wir wieder am Parkplatz. Es ist leider schon zu spät für einen 2. Hike, aber das macht nichts. Wir haben trotzdem noch etwas besichtigt: Das Wohnmobil von Elmar! Für zwei Personen, respektive die Koffer von Monika, wäre es zu klein. Späß'le g'macht!

Das Abendessen im Hotel war gut! Ein schöner Wandertag nimmt sein Ende.

Sonntag
Heute wird es nass, aber nicht von oben! Unser Wanderpartner und Freund Elmar ist schon da, als wir von der US 89 in die alte, inzwischen ausgediente Paria Contact Station einbiegen. Dort, wo früher die Wave Permits vergeben wurden, ist ausreichend Platz, um das Wohnmobil abzustellen und mit unserem Karren den steinigen Weg in den Paria Canyon anzutreten. Bereits nach 1,65 Meilen sind wir am Paria River und an der Stelle, von wo nach links der Hike zum sogenannten Nautilus beginnt. Gut 2 Meilen sind es insgesamt bis zum Parkplatz am White House Campground. Mit 6 US Dollar ist die Gebühr bezahlt und der Trail in den Paria Canyon beginnt am rechten Ende des Campingplatzes oberhalb des Flusses.

Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch

Die hellen, weiß-grauen Felsen stehen für den Fluss und den Wanderweg Spalier. Rund um die White House Spring steht eine herrliche Landschaft, die heute zudem ihr Gesicht mitten in die pralle Sonne hält. Aber es ist nicht so warm; nur 50 Grad Fahrenheit, d.h. 10 Grad Celsius. Ideale Sportbedingungen möchte man meinen, aber wir irren.

Je weiter wir in den Canyon eindringen, umso mehr bekommt die Farbe Rot Übergewicht. Sie drängt die weißen Felsen zurück und übernimmt das Kommando. Der hier noch breite Canyon sorgt dafür, dass sich das Wasser gut verteilt und die ersten Flussquerungen nicht das Problem sind. Unsere mitgebrachten Neopren-Socken können noch im Rucksack bleiben. Bereits jetzt wird aber klar, dass wir nicht so richtig vorwärts kommen. Das liegt nicht an uns, wir sind stark und gut drauf, sondern an den Fotospots, die fast im Minutentakt den Zeigefinger an den Auslöser der Kameras befördern. Rote Felswände, Ausbuchtungen mit grünem Gras, hellen Espen, deren grüne und gelbe Blätter die Abwechslung und Kontraste wunderschön ins Bild setzen.

Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch

Die roten und gelben Wände schieben sich von beiden Seiten immer mehr in unsere Richtung. Der Paria Canyon wird zunehmend zum Slot Canyon und das Wasser nimmt uns den Platz auf dem Trail. Von Fifty-Fifty wandelt sich der Hike immer mehr zu einer Wasserwanderung. Und je enger es wird, desto höher ist der Wasserstand. Aber noch merken wir unsere nassen und immer kälter werdenden Füße, Knöchel und Waden nicht, denn die Felslandschaften rund um uns herum sind so fantastisch, dass kein negativer Gedanke die Gehirnwindungen erreicht. Die Spiegelungen der Wände im Wasser nehmen zu und sind einfach schön.

Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch
Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch

Gelbe Felspfeiler hat die Natur mit einem Slide Rock in den Boden und mitten in den Fluss gerammt und der Paria River umschmeichelt diese Pfosten fast liebevoll. Es ist auch gut, dass sich die Strömung in Grenzen hält. Jetzt, kurz vor der Vereinigung von Paria Canyon und Buckskin Gulch, werden auch die Sandbänke am Rand rar. Wasser und Fels sind unsere einzigen Wegbegleiter, das GPS hat schon längst seinen Dienst quittiert. Die Sonne schafft es nicht mehr, uns mit etwas Wärme zu beglücken. Der Confluence selbst, den wir nach 7,3 Meilen erreichen, ist dann relativ unspektakulär. 4 Stunden und 20 Minuten waren wir unterwegs. Es war toll!

Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch
Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch
Paria Canyon to Confluence Buckskin Gulch

Wir gehen zurück, bis wir einen Platz finden, der sonnig und trocken ist. Und so landen wir irgendwann auf einer Sandbank, trocknen uns die Füße und machen Pause. Ohne Worte spiegelt unser Gesichtsausdruck wider, dass wir fantastisches erlebt haben und sehr, sehr zufrieden und glücklich sind. So soll es sein, so ist das Hikerleben, - meistens!

Der Rückweg droht und es dauert keine 10 Minuten, bis die Füße wieder nass sind. Egal, denn die Bilder und Perspektiven sind erneut traumhaft und da die Sonne nun die andere Felsseite ausleuchtet, sind sie anders. Trotzdem sind wir dann nach 8 Stunden und 14,5 Meilen froh, als wir das Auto sehen. Geiler Hike, Elmar! Ich glaube, nein ich weiß, er ist unserer Meinung.

Heute bleiben wir zum Abendessen an der Bar hängen und nachdem es dieselbe Küche wie für das Restaurant sein dürfte, war es auch gut. Das waren zwei wunderschöne Hikertage rund um Page und das Lake Powell Resort ist wirklich zu empfehlen. Eine tolle Anlage, trotz großem Andrang, direkt am See mit Zimmern, die ok sind und einen wunderbaren Balkon für Raucher und Naturliebhaber haben. Nord-Arizona und Süd-Utah, eine perfekte Symbiose für alle Naturliebhaber!

Montag
Heute lassen wir uns viel Zeit mit Frühstück und einpacken. Es ist schon fast halb zehn, als wir uns auf den Weg machen. Nach 69 Meilen sind wir in Kanab und nehmen die Route über die 89 A und Fredonia. Zügig geht es Saint George entgegen. An Colorado City und Hildale kommen wir nicht vorbei. Zwar haben wir keine Zeit, um auf den Canaan Mountain zu steigen, aber nachdem im Netz Meldungen darüber kursieren, dass die Water Canyon Road gewartet und der Trailhead Squirrel Creek neu konstruiert wurde, sind wir doch neugierig.

Und siehe da, die Off-Road-Piste wurde vorne mit Split bedeckt, aber nach der Wash, also vor dem Squirrel Creek Trailhead sind tiefe Rinnen geblieben. Nach wie vor ist es aber so, dass man versetzt wunderbar fahren kann. Die Senke ist zumindest nicht Wohnmobil geeignet, wie der Trailhead auch. Aber dieses Konstrukt ist weder einer zivilisierten Nation würdig, noch zeigt es, dass jemand Hirn gehabt hätte. Völlig unsinnige Anordnung von Zäunen um ein paar Parkplätze, die ohne Rangierarbeit kaum in einem Schwung erreicht werden können, erwecken den Eindruck, als ob diese Gatter für einen Viehtrieb konstruiert worden wären.

Unser Auto braucht mal eine Wäsche und nachdem in Hurricane eine kleine Waschanlage mit Menschenbetrieb ist, kehren wir ein. 25 Minuten, so gründlich machen die das hier. Am Ende wischen drei Mädels rund um das Auto, das ist schon fast unangenehm. Der Walgreens ist auch nicht weit und dann freie Fahrt bis Las Vegas. Nach 280 Meilen kann der Valet Parker weiter fahren.

Bei 35 Grand Celsius, ich liebe es, beziehen wir eine große Suite im Elara. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist hier seit Jahren fast unschlagbar und der Blick auf den Eifelturm ist es auch. Zufrieden machen wir uns zu einem kleinen Spaziergang auf. Zeit für das Abendessen: Die Empfangsdame der Oyster Bar erklärt uns, dass man heute nur bar bezahlen kann. Kein gutes Zeichen! Aber wir haben ja noch einen OpenTable Gutschein, aber selbst der Chef kannte sich damit nicht aus. Noch ein schlechtes Zeichen. Wenn wir nicht so Hunger gehabt hätten, wären wir weiter gezogen. Und dann war die bestellte Hauptspeise aus, das Gebrachte war nicht gut und so werden die uns nicht wieder sehen.

Absacker an der Lobby Bar im Aria, alles wird gut!

Dienstag
Frühstück - Pool - Fashion Show Mall - Hitze - Bier an der Bar im Caesars und dann ins Colosseum. I'm a rocket man, burning out his fuse up here alone. Der alte Mann kann zwar inzwischen sehr schlecht gehen, war auch erkältet, aber Elton John gab fast zwei Stunden sein bestes und es war fantastisch.

Auf dem Heimweg hatten wir dann doch noch Hunger und sind zum verspäteten Abendessen ins Cafe St. Louis im Paris Hotel. War gut!

Las Vegas anno dazumal

Mittwoch
Noch ein Ausruhtag liegt vor uns, jedoch darf ein gewaltiger Spaziergang durch die Spielerstadt nicht fehlen. Abends waren wir im Spago, aber es war nicht gut.

Donnerstag
Nach einem wunderbaren Frühstück im Ocean One sind unsere Ruhetage vorbei. Die Superstition und die Goldfield Mountains warten.

Um 9 Uhr verlassen wir Las Vegas bei 67 Grad und Sonnenschein auf der Interstate 215. Es geht zurück nach Osten. Boulder City liegt hinter uns und die US 93 führt nun hoch oben über den Colorado River, der vom Hoover Dam blockiert ist. Wir sind in Arizona. Hier kündigen Schilder an, was mit der US 93 passiert: Future Corridor Interstate 11. Zwischen den Milemarkern 22 und 23 wäre Gelegenheit für eine Wanderung. Rechts oben liegen zwei Steinbögen, die erkundet werden wollen. Aber wir haben keine Zeit. Schnurstracks geht es nach Kingman, die Nummer 1, wenn der Kitsch zur Route 66 gebraucht wird. Wir pflanzen uns auf die I-40 bis zum Exit 71 und folgen der US 93 weiter nach Südosten. In Wickenburg füllen wir unsere Getränkevorräte auf, gönnen uns einen Kaffee und fahren über die Interstate 17 nach Scottsdale.

Nachdem wir jahrelang im Hilton Garden Inn unsere Herberge gefunden haben, gab es für heuer zwei Gründe, um ins Hyatt Place zu wechseln. Zum einen ist die Renovierung des Hilton nicht besonders gelungen und zum anderen wurde diese semi-professionelle Arbeit für eine saftige Preiserhöhung genutzt. Die Lage des Hyatt ist gleich gut. Zugang zur Altstadt und vielen tollen Restaurants. Insgesamt ist das Hyatt schon ok, mehr aber nicht.

Wir machen uns auf den Weg in die Old Town, aber unser Spaziergang endet bald, denn es ist zu heiß. Vor dem Abendessen trinken wir ein Bier an einer Sportsbar, die den richtigen Namen für solche Zwecke hat: Cold Bears and Cheeseburgers. Wir haben aber einen Termin im Wildfish und es war wieder fantastisch! Und der Service ist top. Für amerikanische Verhältnisse muss ja alles sehr schnell gehen, im Wildfish kann man eine europäische Pause verlangen. Das haben wir zwar nicht getan, aber es gab zwischen Vor- und Hauptspeise eine Pause. Und was macht der Geschäftsführer? Er spendiert uns ein Glas Wein, da seines Erachtens die Pause zu lang war. War sie nicht, - trotzdem gut!

Freitag
Strahlender Sonnenschein nach einem Frühstück, das ok war, auf der AZ Loop 101. Wir donnern nach Süden und nehmen den Exit 55 auf die US 60. Nach 27 Meilen geht es links in die Peralta Road und die letzten 6,5 ungeteerten Meilen bringen uns zum Peralta Trailhead.

Miners Needle Trail Dutchman Trail

Die Szenerie der Superstition Mountains ist immer wieder schön. Brauner Fels mit hellgelben Flechten, ein paar Hoodoos ragen in die Höhe und Saguaros finden immer wieder einen geeigneten Platz, um impossant in die Höhe zu schießen. Wir starten nach rechts auf dem Dutchmans Trail Nummer 104 hinunter in eine kleine Wash, steigen wieder hoch und nehmen nach nicht einmal 0,1 Meilen den Bluff Springs Trail Nummer 235 nach links. Es geht nach oben.

Immer höher erklimmen wir die Ridge, die den Peralta Canyon vom Barks Canyon teilt. Die Landschaft ist umwerfend. Mächtige Berge mit Saguaros, Chollas, Ocotillos und für die Schwiegermütter sind auch ein paar Stühle dabei. Nach 0,6 Meilen geht es leicht bergab auf einen schwarzen Balanced Rock zu. Wir "schwingen" uns von Sattel zu Sattel.

Miners Needle Trail Dutchman TrailMiners Needle Trail Dutchman Trail

Nach 1,2 Meilen taucht der zentrale Gipfel der Superstition Mountains auf. Wie eine Rakete ragt die Weavers Needle in die Höhe. Sie ist unübersehbar und vermutlich gibt es keinen Wanderweg hier, der nicht einen Blick auf dieses Monstrum frei gibt. Nach 1,6 Meilen folgen wir der Wash des Bark Canyon. Cairns zeigen uns den Weg, um wieder auf den Trail zu kommen. Konzentration ist gefragt, sonst übersieht man die Stelle, an der der Trail wieder aus dem Barks in den Bluff Spring Canyon führt.

Miners Needle Trail Dutchman Trail

Nach 2,5 Meilen sind wir an der Kreuzung zum Terrapin Trail. Den lassen wir liegen und folgen dem Trail 235 weiter. Das Tal der Bluff Spring ist eingerahmt von gelben Felsen. Knappe 3,5 Meilen sind wir unterwegs, der Dutchmans Trail führt nach links und auch nach rechts. Wir müssen nach rechts. In vielen topographischen Karten heißt er ab hier Miners Trail. Aus der Bergwanderung wird eine Wüstenwanderung. Dieses Szenario begleitet uns bis zum Miners Summit. Dieser Sattel, den wir nach 4,3 Meilen erreichen, gibt den Blick auf die Miners Needle frei. Sie steht gewaltig vor uns mit einem Felsbogen. Sehr schön!

Miners Needle Trail Dutchman Trail

Wir erreichen die Kreuzung zum Whiskey Spring Trail 238. Es bleibt verborgen, ob diese Quelle Alkohol hervorbringt, denn wir bleiben weiter auf dem Dutchmans Trail (Miners Trail). Es eröffnet sich ein wunderschönes Panorama und dazu kommt, dass es ab jetzt mehr oder weniger nur noch bergab geht. Wir wandern durch einen riesigen Wald von Saguaros und erreichen nach 6,6 Meilen die Trail Junction mit dem Coffee Flat Trail 108. Nach vier Stunden Wanderung haben wir nochmal eine tolle Perspektive auf die Miners Needle und den Arch. Hinter uns sind die einzigartigen Felsformationen aus gelb-grün, durch Flechten eingehüllten Felsformationen.

Miners Needle Trail Dutchman Trail

Es geht am nördliche Rand des Coffee Flat zurück zum Trailhead. Und es zieht sich durch die Wüste. Am Ende erwartet uns leider noch ein kleines Bergauf-Berab, aber nach 8,8 Meilen sind wir wieder am Auto. Das war eine wunderschöne Wanderung in herrlicher Landschaft. Aber es war nicht unanstrengend, denn die Hitze erschwerte das ständige Auf und Ab.

Das Abendessen im Bourbon + Bones war sehr gut. Auch der Service konnte sich sehen lassen. Warum der Preis für eine Flasche Rombauer Chardonney um 40 Dollar teurer ist, als in den umliegenden Restaurants entzieht sich unserer Kenntnis. Egal, muss ja nicht immer Rombauer sein.

Samstag
Wir starten über die Interstates 101 und 202, dem Red Mountain Freeway, bis zum Exit 23 und nehmen die Power Road nach links bis zur Water Users Recreation Site. Nach 31,5 Meilen sind wird vor Ort und begutachten den Salt River. Der Parkplatz ist noch ziemlich leer und unsere Gesichter wurden es auch, als mir einfiel, dass wir ja einen Recreation Pass brauchen, um hier willkommen zu sein. Das riesige Hinweisschild fordert diese Genehmigung nur ein, der Verkauf dieses Passes findet aber 12 Meilen entfernt an der Chevron Tanke, Ellsworth, Ecke Brown Road oder bei Walgreens in der Power, Ecke Thomas Road, statt. Er kostet 8 Dollar, aber leider hat uns das auch noch 50 Minuten Zeit gekostet. Die Amis sind inzwischen auch auf den Beinen und stellen sich dem zum Wochenende regelmäßig stattfindenden Erholungs- und Fresskurzurlaub an.

Zweiter Versuch! Der Pass ist an den richtigen Stellen freigerubbelt und nun steht dem Hikervergnügen nichts mehr im Wege. Ein kleines Problem ist jedoch gleich zu Beginn noch aus dem Weg zu räumen, wir müssen den Salt River überqueren. Gott sei Dank ist das Wasser nur knöcheltief und nicht so kalt. Allerdings sind die Steine voller Moos und glitschig. Wir sind gut durchgekommen, die Goldfield Mountains warten.

Durch die Sträucher verlassen wir das Ufer und finden einige ausgetrampelte, sandige Wege. Wir halten uns etwas rechts und orientieren uns dann auf einem Viehpfad schnurstracks nach oben. Hier, am östlichsten Eingang des Bulldog Canyon, wandert kein Schwein. Wenn man damit umgangssprachlich meint, man ist nicht unter Menschen, ist das richtig. Der Viehpfad wird jedoch von Schweinen benutzt. Die Javelinas, das sind Nabelschweine, genießen die Ruhe an diesem steilen Hang, aber jetzt haben sie Pech gehabt, denn jetzt kommen wir.

Querfeldein stapfen wir nach oben. Die Orientierung bildet eine Wash, an der links aufsteigen. Der Weg ist steinig und durch loses Geröll teilweise rutschig. Wenn wir dem momentan wasserlosen Bach näher kommen, stehen Büsche und Sträucher im Weg. Teilweise ist kein Durchkommen und wir hangeln uns am oberen Ufer entlang, um auf die rechte Seite, da müssen wir nämlich hin, zu kommen. Immer wieder donnert eine Schweinefamilie hoch und die Konzentration auf den Weg und die Suche nach einem Übergang wird jäh unterbrochen. Angst hatte wohl nicht nur ich, sondern auch die Schweine. Den Durchstieg finden wir dann endlich nach 0,7 harten Meilen ziemlich weit oben. Wir sind bereits kurz vor dem mächtigen Felsentor.

Sunrise Arch [Goldfield Mountains]
Sunrise Arch [Goldfield Mountains]

Der Sunrise Arch kommt in Reichweite! Nach knapp 0,9 Meilen, eine Stunde haben wir uns hochgekämpft, stehen wir unter dem wunderschönen und riesigen Felsentor. Unten im Tal fließt der Salt River, der sämtliche Kanäle und damit die Landwirtschaft rund um Phoenix versorgt, ruhig aus dem Saguaro Lake. Mit Booten schippern die Menschen über den See. Es ist herrlich hier und die Javelinas haben sich auch verzogen. Der Sunrise Arch hat seinen Namen nicht umsonst, denn vermutlich nur zum Sonnenaufgang steht er im Licht. Er klebt an einer riesigen, fast senkrechten Wand. Auf seinem Rücken schießt ein Saguaro ohne Arme in den Himmel und nur ein paar Büsche zieren den nackten, braunen Fels.

Sunrise Arch [Goldfield Mountains]

Auf dem Weg nach unten bleiben wir auf der westlichen Seite der Wash und finden tatsächlich einen Trail mit Cairns. Trotzdem gestaltet sich die Suche nach dem Wanderweg manchmal sehr schwierig. Nach 1,6 Meilen sind wir im Tal und gehen den zweiten Hike an.

Der sandige Weg nahe des Salt River Ufers ist nur durch Pferdemist befestigt. Die Fortbewegung mit Pferden ist hier sehr verbreitet. Vor Jahren, als wir den Weg zum Sunrise Arch nicht gefunden haben, sind wir einem Reiter mitten in dieser Gegend begegnet. Aber er kannte weder den Weg zum Arch, noch den Steinbogen selbst. Aber diese Situationen kennen wir zur Genüge. Frage nie einen Amerikaner nach dem Weg, er wird dir eine kleine Geschichte erzählen, die nicht stimmt.

Nach knapp einer halben Meile geht es nach links hinein in den Bulldog Canyon. Ein Steinmännchen weist den Weg nach oben zum Trail. Wir wandern am östlichen Ende des Bulldog Canyon entlang in die Goldfield Mountains. Der Weg ist gesäumt von Saguaros und anderen Kakteen. Die Steigung ist noch moderat. Links, hoch oben, ist nach 0,7 Meilen unser dunkelbraunes, aus der Entfernung fast schwarzes Ziel zu erkennen. Der kleine und filigrane Elephant Arch wartet nur auf uns. Aber es braucht noch eine Menge an Energie, denn nach gut einer Meile beginnt der steile Aufstieg über viel Geröll und kantige Steine.

Der Trail ist gut gekennzeichnet, denn Gott sei Dank hat sich jemand viel Arbeit gemacht und sehr viel Cairns aufgestellt. Die sind hier sehr wichtig, denn die Konzentration auf die manchmal notwendige Kletterei genügt. Es ist zwar anstrengend, keine Frage, aber harm- und gefahrlos. Nur ab und zu brauchen wir die Hände. Aber Vorsicht, die kleinen stachligen Chollas haben schon wieder die Kinder auf den Trail geschmissen. Und das könnte an der nackten Haut sehr weh tun, denn die Entfernung gleicht einer kleinen OP. Die Saguaros hingegen stehen unbeteiligt am Trailrand Wache.

Goldfield Mountains Bulldog Canyon
Goldfield Mountains Bulldog Canyon

Nach knapp zwei Meilen haben wir den Sattel erreicht und wandern in ein wunderschönes Hochtal. Gelb-grün bewachsene Felsen, Saguarofelder, dazwischen die kleinen Chollas in hellem Gelb. Toll! Es geht scharf links herum, entlang der Kante zum Bulldog Canyon wandern wir keine 0,2 Meilen weiter. Und dann sind wir am Ziel, 2,2 Meilen vom Parkplatz entfernt in luftiger Höhe. Der dunkelbraune Elephant Arch ist das Fernrohr in den Canyon. Sein dünner Arm ist etwas verschrumpelt und obwohl er sehr filigran wirkt, sitzt er sozusagen fest im Sattel. Das Gestein dürfte Lava sein, es ist auf alle Fälle sehr hart und wenn nicht ein Vollpfosten kommt und den Steinbogen zerstört, dann wird er noch viele Jahrzehnte hier oben den Canyoneingang bewachen. Gegenüber an einem Einschnitt steht ein großer Felsenturm mit Hoodoo, rechts davon, an der Wand, kaum sichtbar, ein weiterer Arch, der wie ein Haken aussieht. Die Mühe des Aufstiegs hat sich wahrlich gelohnt!

Elephant Arch Goldfield Mountains Bulldog Canyon
Elephant Arch Goldfield Mountains Bulldog Canyon

Wir meistern den Abstieg ganz gut und unfallfrei und freuen uns dann doch, als wir den Salt River durchquert haben, die restlichen Meter zum Auto gehen wir in Socken, und wieder am Parkplatz sind. Zwei wunderschöne Steinbögen waren die manchmal durchaus harten Hikes wert. Mittlerweile hat es wieder 34 Grad Celsius und die Sonne brennt gnadenlos. Fünfeinhalb Stunden, 6,3 Meilen, sind vorbei. Wir haben den ganzen Tag keinen Menschen getroffen, es war ein bisschen Abenteuer und so lieben wir es.

Bier im Loco Padron, Abendessen im Tommy V's, - das Essen war gut, der Wein auch - so soll es sein! Perfekt!

Sonntag
Die Interstate 17 bringt uns nach Norden. Obwohl wir bereits um 8 Uhr auf dem Weg sind, ist ziemlich viel los. Aber kein Wunder, heute ist Sonntag und die Stadtmenschen strömen in die Natur. Als wir die Ausfahrten nach Sedona und Prescott hinter uns gelassen haben, wird es ruhiger. In Flagstaff wechseln wir die Interstate und die I-40 steuert uns nach Osten.

An der Tanke kaufen wir eine neue Telefonkarte, die aber nach Aktivierung, im Gegensatz zu den alten Karten, nur noch ein Jahr gültig ist. Wir hätten also unsere alte Karte aufladen können, aber das Guthaben verfällt jetzt auch nach einem Jahr. Tja!

Nach 316 Meilen erreichen wir New Mexico, das "Land of Enchantment", und verlieren eine Stunde und nach insgesamt 475 Meilen sind wir in Albuquerque und checken im Hyatt ein. Den dritten Stock will sie uns andrehen, aber wir wollen wie immer hoch hinaus. Dann ist es der 17. geworden, schon besser! Wie im Andaluz auch hat das den Nachteil, dass der Wasserdruck fehlt, was wohl der Wasserknappheit hier geschuldet ist. Das Bier an der Bar war gut, das Essen im MAS im Hotel Andaluz war es auch. Nur der Espresso ist wieder einmal ungenießbar.

Montag
Es geht in die San Ysidro Anticline. Die geologische Erdwölbung hat es uns die letzten Jahre angetan. Und nach einem ausreichenden Frühstück im IHOP nehmen wir von der US 550 die Ausfahrt zur Cabezon Road. Die Straße, die zu den verschiedenen Trailheads führt, ist ungeteert, heute staubtrocken und sehr gut befahrbar. Das Wasser hat wohl erst vor kurzem die Straße etwas über- und unterspült, aber die Reparaturmannschaften haben bereits perfekte Arbeit geleistet. Stopp am White East Trails Trailhead nach 4 Meilen.

San Ysidro Anticline und White Mesa

Wir wandern über die Straße, kurz am Zaun entlang und dann nach links auf dem schmalen Trail, der über eine Wiese zu den ersten Ausläufern der Antiklinale führt. Nach 0,35 Meilen geht es hinein in diese herrliche Felsenlandschaft. Diese Farben sind unglaublich! Gelb, weiß, braun leuchten sie in der Sonne und strahlen in unsere strahlenden Gesichter. Dann geht es links von einem sehr markanten weißen Felsen steil hinauf. Das ist die Schlüsselstelle und wir überlegen, ob wir hier wieder runterkommen. Es ist steil und viele kleine Steine und Geröll machen den Trail rutschig. Aber von unten sieht es nicht schlimm aus, also hinauf! Und überhaupt, wenn die Mountainbiker hier abfahren, dann ist es per pedes sowieso machbar. Also nicht zaudern und zögern!

San Ysidro Anticline und White Mesa

Wir folgen den Bikespuren und schon die erste halbe Meile ist es wert, so schön ist es hier. Nach 0,9 Meilen entdecken wir einen großen Arch an der Ridge. Leider öffnet sich aus keiner Perspektive ein blauer Himmel-Hintergrund. Nach 1,4 Meilen geht es bei der Trailkreuzung 16 nach rechts. Nach 1,8 Meilen eine erneute Kreuzung, wir halten uns wieder rechts und nach 2 Meilen, wir sind an der Junction 13, steigen wir den Hügel weiter hinauf. Wir sind 2,4 Meilen unterwegs und können uns an dieser Natur nicht satt sehen. Es geht hinunter ins Tal und dann auf die zentrale Ridge, die eigentliche Antiklinale, die wohl auch ein ehemaliger Krater ist, wieder hinauf. Bis Meile 3 finden wir Kraterlöcher und Schwefelquellen. Die Felsen sind entsprechend gelb, eignen sich aber nicht zum Hinsetzen, denn das Gestein ist sehr scharfkantig.

San Ysidro Anticline und White Mesa
San Ysidro Anticline und White Mesa

Nach knapp 3,5 Meilen haben wir bei der Kreuzung 9 das Tal wieder erreicht, wir kehren um und folgen der Wash querfeldein nach Süden. Dort, wo sich das Tal verengt, halten wir uns links des Bachs, der inzwischen feuerrot ist. Und dort, wo das Terrain sehr aufgeweicht oder gar geflutet ist, müssen wir immer wieder nach links oben ausweichen und die Stellen umgehen. Aber das ist kein großes Problem, nur ein Umweg. Der rote Bach ist mit weißem Salz oder vielleicht auch Gips eingerahmt. Es sieht unglaublich, fast unwirklich aus. Bald ist der Durchstieg geschafft und es erwartet uns eine wunderschöne grüne Wiese. Die Landschaft weitet sich. Wir hiken zwischen den Grashalmen dem letzten Aufstieg entgegen. Die Trails sind bereits von weitem gut erkennbar, so dass das Zwischenziel ohne große Umwege erreicht wird.

San Ysidro Anticline und White Mesa
San Ysidro Anticline und White Mesa

Nach 5,8 Meilen stehen wir vor dem Aufstieg und es geht "zapfig" gen Himmel. Man muss sich wirklich wundern, welchen Mut die Mountainbiker hier aufbringen müssen, um sich in die Tiefe zu stürzen. Es geht über scharfkantige Felsen hinauf auf die Ridge, aber nach 6,4 Meilen sind wir oben und genießen die Aussicht auf die komplette San Ysidro Anticline. Spätestens bei Junction 20 verlassen wir die Ridge nach links und wandern dem Trailhead entgegen. Bei der Kreuzung 18 geht es rechts zur 17er und dann rechts hinunter. Mit Vorsicht meistern wir den letzten, steilen Abstieg und nach knapp 7 Meilen und gut 4 Stunden sind wir wieder am Auto.

Unsere 4. Wanderung in der Antiklinale ist vorbei und es war erneut wunderschön. Diese Farbenpracht von Steinen und selbst das Wasser zeigt sich von blau bis rot. Unglaublich, unglaublich toll, keep hiking!

Das Abendessen im Artichoce Café war der krönende Abschluss.

Dienstag
Kühl ist es heute. Die Sonne lässt sich nicht blicken, als wir auf der Interstate 25 nach Süden fahren. Es erreichen uns einige Regentropfen, das ist aber Gott sei Dank nur ein kurzes Intermezzo. Am Ufer des Rio Grande stehen schöne herbst-belaubte Bäume, dafür reicht das bisschen Wasser wohl noch. Vor dem Ort "Truth or Consequenses" - ein cooler Name, insbesondere im Zeitalter der alternativen Fakten - lauert die erste Border Control mit einem Jeep und kurz danach kommt die große Kontrolle. Germany, that's it, go ahead! Wir kommen Texas sehr nahe und in der Tanke sitzt die Kassiererin bereits mit Waffe am Gürtel hinter dem Tresen. Wir rauschen am Caballo Lake vorbei, der mit seinem Wasser einen breiten grünen Naturgürtel im südlichen New Mexico angelegt hat. Die Landwirtschaft profitiert außerdem, die Felder erreichen bereits texanische Ausmaße.

Nach 219 Meilen haben wir unsere neue Heimat erreicht. Willkommen in Las Cruses. Aber bevor wir ins Hotel fahren, gehen wir erst einmal wandern. Die US 70 bringt uns nach Osten und an die Nahtstelle zwischen der White Sands Missile Range und der Aguirre Spring National Recreation Area fahren wir in die Organ Mountains. Die Aguirre Road führt am Fuße des Baylor Peaks und der Rapid Ears bis zum Trailhead des Pine Tree Loop Trails. Die Sonne lacht inzwischen, die 5 USD Gebühr sind bezahlt, und wir machen uns auf den Weg. Start ist mitten im Campground, der ziemlich belegt ist.

Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Pine Tree Loop Trail

Es geht 0,2 Meilen über Steinstufen in die Höhe, dann teilt sich der Loop. Wir nehmen den linken Trail. Es eröffnen sich tolle Ausblicke ins Tal bis zum White Sands National Monument und auf das riesige White Sands Missile Range Museum. Hier gäbe es Raketen zu sehen. Auch der Blick auf die Berge ist toll. Die Rapid Ears spitzen ihre Ohren in den Himmel und auf der anderen Seite steht ein Berg, der dem Half Dome im Yosemite National Park fast das Wasser reichen kann.

Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Pine Tree Loop Trail
Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Pine Tree Loop Trail

Der Trail ist top in Schuss und gut zu wandern. Es geht immer weiter den baumlosen Felsen entgegen. Bald ist der Halfway Point auf 2.097 Metern erreicht. Wir sind durch den Sugarloaf Peak, den Organ Needles und den Rabbit Ears eingekesselt und streifen durch Wälder von Pinien weiter, jetzt aber bergab. Und nach rund 4 Meilen und knapp 2 Stunden und 30 Minuten sind wir wieder im Campground und am Auto. Am Ende haben wir uns etwas verlaufen, denn wir nehmen einen der viele Wege in den Campground und landen etwas abseits unseres Parkplatzes. Aber der Fehler war schnell korrigiert.

Zurück zur Interstate 25 und am Exit 1 wartet bald unser Hilton Garden Inn. In einem sehr schönen mexikanischen Stil hat man es gebaut. Wirklich toll, das lässt hoffen und die Erwartungen steigen. Die Bardame ist etwas desorientiert, um es moderat auszudrücken, merken konnte sie sich einfach nichts. Das Essen war o.k., aber das ganze Umfeld war alles andere als einladend. Es hängen zudem ein paar angetrunkene Typen an der Bar rum. Was lernen wir: Außen hui, innen pfui - manchmal stimmt's.

Mittwoch
Heute ist es wieder wärmer, stattliche 13 Grad stehen früh morgens bereits auf dem Thermometer. Das Frühstück im Hotel ist eine angenehme Überraschung, nur der Bestellvorgang gestaltet sich sehr kompliziert. Vielleicht ist es aber auch gut, wenn man auf einem Zettel alles ankreuzen muss, was man essen will. Eine persönliche Bestellung war ja gestern Abend bereits sehr problematisch. Und das liegt nicht an unserem Englisch, wohlgemerkt.

Wir fahren erneut die US 70 nach Osten bis zum Exit NASA Road. Es geht parallel zurück und auf die Baylor Canyon Road in das Organ Mountains Desert Peak National Monument. Nach 2,2 Meilen sind wir am Trailhead des Baylor Pass National Recreation Trails. Hier ist der Zugang zum Baylor Pass und Baylor Peak von der Westseite. Von Osten her führt auch ein Trail zu denselben Zielen.

Relativ flach wandern wir auf dem Trail über eine Wiese den Bergen entgegen. Felder von hellgelben Gräsern, die sich im inzwischen aufgekommenen Wind wiegen, vorbei an Agaven schlendern wir so eine Meile voran. Je mehr wir uns aus der Ebene bewegen, um so besser wird der Blick zurück auf Las Cruses, die Robledo Mountains und die Sleeping Lady Hills.

Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Baylor Pass
Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Baylor Pass

Dann beginnt die Steigung zwar nicht dramatisch, aber Steinstufe für Steinstufe muss erklommen werden. Einige Washes zwingen den Trail zu Richtungsänderungen. Der Aufstieg ist inzwischen leicht, denn der Jetstream hat an Stärke zugenommen und bläst uns sozusagen auf den Berg. Wenn ich den Baylor Peak, unser Ziel, betrachte, der ohne Bäume in der Gegend steht, kommen erste Bedenken auf. Nach 2,6 Meilen liegt rechts ein kleiner Zeltplatz mit Feuerstelle und Bank. Dramatisch gute Lokation, um eine kleine Pause einzulegen. Wir "fliegen" weiter nach oben und nach 3,2 Meilen stehen wir am Baylor Pass.

Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Baylor Pass
Organ Mountains [Organ Mountains National Recreation Area] - Baylor Pass

Eigentlich stehen wir nicht, sondern wir schwanken. Der Wind bläst gnadenlos gegen unsere Körper. Der schöne Blick nach Westen auf die White Sands verblasst. Ich versuche den Aufstieg zum Peak, kehre aber bereits nach wenigen Metern zurück, da ich mich kaum auf den Beinen halten kann. Zu gefährlich, insbesondere, wenn es etwas ausgesetzt wird, was zu erwarten ist. Also treibt uns die Vernunft zurück zum Trailhead. Insgesamt waren es dann doch 7 Meilen in dreieinhalb Stunden.

Nachdem wir keinen weiteren Hike geplant haben, stellt sich die zentrale Frage: Was macht man in Las Cruses? Wir fragen Steffi nach einigen Destinationen. Wir brauchen eine Post, einen Starbucks, einen Walgreens und oben drauf vielleicht noch einen Dick's Sporting Goods. Und dieses Programm arbeiten wir sukzessive ab. Auch gut, denn sonst gibt es nix in dieser Stadt, was uns interessieren würde.

An der Bar erleben wir das gleiche Drama wie gestern, aber verdurstet sind wir nicht. Zum Abendessen haben wir im Netz einen Italiener gefunden. Lorenzo's liegt in "walking distance", aber das Lokal und das Essen ist nicht weiter erwähnenswert.

Donnerstag
Wir verlassen Las Cruses über die Interstate 10 und nach 22 Meilen sind wir im Lone Star State. Rund um die texanische Stadt El Paso ist eine Mega-Baustelle mit entsprechendem Verkehr. Die Polizei eskortiert einen Schulbus, warum auch immer. Über Mexiko zieht ein Sandsturm.

Kurz vor Van Horn klaut man uns wieder eine Stunde, wir sind nun wieder in der Central Time Zone. Wie die Zeit vergeht! Und in Van Horn verlassen wir auch die Interstate und es geht auf der US 90 sehr einsam gen Süden. Wir reiten durch die endlose Wüste, erst kurz vor Valentine kommt der schnöde Mammon zurück. Mitten im Nirgendwo, zwischen verfallenen und verfaulten Hütten, hat die Firma Prada seit Jahren ein Schaufenster mit seinen nicht ganz billigen Produkten dekoriert. Wem das wohl eingefallen ist, aber man spricht darüber, selbst in Hikerkreisen. Ziel erreicht!

Die Border Control wartet, aber dieses Mal werden unsere Pässe sehr genau unter die Lupe genommen. Nein mein Freund, wir flüchten nicht nach Mexiko! Und dann wird er persönlich und nett, der Grenzer. Er plaudert etwas von den Marfa Lights. Ok, das wollen wir genauer wissen. In Marfa angekommen, müssen wir aber erst mal etwas futtern. Aber es blieb beim Versuch, denn der hiesige Subway hat ein Problem. Der Ofen ist kaputt. Und kalt wollen wir uns das Kaugummibrot nicht antun.

Kurz nach Marfa entdecken wir rechts das Schild "Marfa Lights", also Blinker raus. Mitten im Nirwana ein größeres, ordentliches Gebäude mit ein paar Ferngläsern. Nachts kann man hier mysteriöse Lichter am Himmel beobachten. Es stellt sich nur die Frage, wer sich in der Nacht in oder um Marfa aufhält. Ein paar Enthusiasten wird es schon geben.

In Alpine funktioniert der Ofen des Subway tadellos! Wir haben schon zweimal in Alpine, übriges ein netter Ort, übernachtet und sind täglich zum Wandern in den Big Bend Nationalpark gefahren. Das sind dann rund 200 Meilen und das tun wir uns dieses Mal nicht an. Und so biegen wir nach 292 Meilen in Marathon nach rechts in die US 385 ab. Die Felsen und Berge werden immer schöner und die Temperatur steigt von Meile zu Meile. Nach 332 Meilen erreichen wir den Big Bend National Park, das kostet heuer 25 Dollar für 7 Tage pro Fahrzeug. Weitere 37 Meilen sind es noch bis in die Chisos Mountains zur Chisos Mountain Lodge.

Die Anlage hat so etwas wie Campingplatzcharakter, die Zimmer sind ok, aber die sanitären Anlagen haben - vorsichtig formuliert - schon viel bessere Tage gesehen. Kein Fernseher, kein Internet - Netz gibt es nur oben an der Lobby und im Restaurant - und kein Handynetz. Willkommen in der Natur. Im Giftshop kaufen wir endlich die langersehnte Bärenpfeife - schön. Seither haben wir sie nicht mehr gesehen, die Pfeife.

Die Bergwelt, die Lodge "sitzt" mitten im Chisos Basin umgeben von Gipfeln, ist toll und wird im Licht der untergehenden Sonne immer schöner. Und das Abendessen an der Bar des Restaurants war auch gut. Passt!

Chisos Mountain Lodge [Big Bend National Park]

Freitag
Das Frühstück im Restaurant war gut. Um 8.35 Uhr starten wir praktisch direkt vor unserem Zimmer am Chisos Basin Trailhead, der den Start zum Pinnacle Trail, dem Laguna Medows Trail, dem Chisos Basin Trail, dem Emory Peak Trail und dem South Rim Trail markiert. Den South Rim Trail wollen wir wandern. Er ist mit 12,4 Meilen angegeben, aber es wird etwas sehr viel mehr, aber das kann in der morgendlichen Kühle noch niemand ahnen.

Gut gelaunt, das Wetter ist herrlich, gehen wir es an. Der South Rim Loop teilt sich nach 0,3 Meilen und wir beschließen gegen den Uhrzeigersinn, zu hiken. Grund ist, dass wir bis zum Sattel Schatten haben und der Anstieg moderat angelegt ist. Nach einer dreiviertel Meile zweigt der Weg zum Chisos Basin ab. Wir bleiben gerade aus in der Spur. Es geht durch einen steinigen Pfad durch den Wald. Aber immer wieder öffnen sich die Blicke auf das Basin und die Chisos Mountains.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Nach 1,5 Meilen geht es in Switchbacks nach oben. Der Untergrund wechselt teilweise zu schwarzer, sandiger Lava. Dazwischen betonen farbenfrohe Steine mit fast künstlerischen Strukturen, dass Schwarz nicht das ist, was man in dieser heißen Gegend sehen und spüren will. Der Vulkankegel kommt in Sicht und sorgt für Abwechslung. Es wird steiler, aber die Steigung ist jetzt nicht mörderisch, sondern bleibt moderat. Nach 3,2 Meilen erreichen wir den namenlosen Pass. Rechts thront der Vulkankegel, links hinten der Emory Peak und die Pinnacles, und vor uns liegen die Laguna Meadows. Diese Wiesen bedecken ein Hochtal, das sich zwischen den Bergen als Ruhepol etabliert hat.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]
Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Wir wandern über das Hochtal und die Sonne beginnt den Trail aufzuheizen. Er führt an den ersten Zeltplätzen für die Backpackers vorbei. Kurz danach, wir sind knapp 4 Meilen unterwegs, zweigt der Creek Trail ab, aber wir bleiben am Rim. Von der Kante öffnen sich bald die gigantischen Ausblicke in Richtung Mexiko. Zeit für eine erste Pause. Wie mit Samt überzogen breiten sich die Ausläufer der Chisos Mountains in Richtung Staatsgrenze aus. Kit Mountain, Goat Mountain, Mule Ear Peaks, Dominguez Mountain, Elephant Tusk und zahllose weitere Berge stehen im Tal.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Nach 4,3 Meilen kommt die Junction zum Colima Trail, wir zweigen aber nicht ab, sondern wandern am Rande der Ridge weiter. Wir sind jetzt am South Rim Trail, der auch als Blue Creek Canyon Trail auf manchen Landkarten eingezeichnet ist. Es wird sehr flach, denn wir sind am South Rim eines Plateaus, das nur etwas aus der Waage gelaufen ist. Solche Erholungsstrecken gibt es immer wieder, das ist angenehm.

Für die 6 Meilen bis zum East Rim brauchten wir 3 Stunden. Nach 6,5 Meilen könnten wir direkt in das Basin absteigen, aber wieso? Wir folgen dem North East Rim Trail weiter. Und es hat sich natürlich gelohnt, denn nach 7,6 Meilen, am höchsten Punkt des Rims und der Wanderung, es waren bisher rund 640 Höhemeter, erreichen wir einen Superpanorama-View. Der Blick in den Juniper Canyon und auf die gegenüberliegenden Berge und Ridges wird sogar von der Mittagssonne wunderbar ins Licht gesetzt. Gut zu erreichende Felsvorsprünge geben uns immer wieder Gelegenheit, diese tolle Landschaft in Ruhe zu genießen.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Von nun an geht's bergab! Der Weg wird schmal und ist teilweise zugewachsen. Und nach 9 Meilen nehmen wir an einer Junction den Pinnacle Trail durch den Boot Canyon ins Chisos Basin. Die Landschaft hat sich verändert. Ein aus dem Stein ausgefrästes Bachbett weist den Weg. Es sieht aus wie eine graue Bobbahn. Der Trail ist daneben an einer Wand abgestützt und wo Wasser ist, spriesst die Vegetation. Bäume, herbstlich gefärbt, geben Unterschlupf und Schatten. Wir laufen im Canyon teilweise wie in einer Klamm. Schön und abwechslungsreich!

Chisos Mountains [Big Bend National Park]
Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Nach 9,5 Meilen kommen wir an eine weitere Trailkreuzung zwischen dem Juniper Camp und dem Pinnacle Trail, auf dem wir auch bleiben. Es geht wieder bergauf bis zur Junction zur Boot Spring. Hier steht eine Hütte, aber anders als wir es von den Bayrischen Alpen gewohnt sind, gibt es keine Brotzeit und kein Bier. Also weiter! Wir sind am unteren Ende des Colima Trails angekommen, bleiben erneut auf dem Pinnacle Pfad, der ab hier auch Emory Peak Trail heißt. Dann kommen die Zinnen in Sicht. Eine gewaltige Spitze sieht aus wie ein alter Trapper mit Gewehr.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]
Chisos Mountains [Big Bend National Park]

10,7 Meilen, knapp 6 Stunden, wir sind am Fuße des Emory Peak. Am Trailhead stehen Boxen für die Brotzeit und die Vorräte der Backpacker, denn hier gibt es Bären. Und nachdem wir nicht wissen, was wir unten in der Lodge den Rest des Tages tun sollen, treffen wir die Entscheidung. Also auf zum Gipfelsturm!

Es geht erst moderat nach oben, teils über Stufen, - den Trapper haben wir immer im Rückspiegel. Nach einer Meile wird es felsiger und das letzte Stück ist zum Klettern. Es gibt zwei Spitzen des Emory Peak. Auf der Rechten sind Antennenanlagen zu erkennen. Das muss nicht sein, also entscheiden wir uns für den linken Klettergarten. Hände müssen ran und nachdem unsere Körper schon etwas müde sind, ist Konzentration gefragt. Aber nach 1,5 Meilen sind wir oben auf 2.387 Meter und genießen die Aussicht und eine Pause. Wir freuen uns, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Emory Peak [Big Bend National Park]
Emory Peak [Big Bend National Park]

Als wir wieder am Trailhead des Emory Peak angekommen sind, nehmen wir die letzten 2,9 Meilen in Angriff. Der Weg führt durch die schönen Pinnacles über steile Switchbacks, Steine und Stufen nach unten. Manchmal sieht man das Ziel, die Lodge, unten im Tal. Rund nach der Hälfte der Reststrecke wird es flacher und nach 8 Stunden und 39 Minuten sind die gut 16 Meilen geschafft. Das war ein anstrengender, aber herrlicher Hike.

Chisos Mountains [Big Bend National Park]

Bier, Wein und Abendesssen waren lecker! Ein harter, aber wunderschöner Tag!

Samstag
Über den Panther Pass geht es aus dem Chisos Basin hinunter in die Wüste. Unser erstes Ziel ist der Santa Elena Canyon. 47 Meilen fahren wir nach Westen. Die Straße hat es bei dem letzten Unwetter wohl ziemlich überspült, sie ist stellenweise verschlammt. In manchen Senken stehen Messlatten (Flood Gauge), an denen abzulesen ist, wie hoch das Wasser steht. Aber Gott sei Dank ist inzwischen ziemlich alles trocken, nur der Dreck ist geblieben.

Nach einer Stunde Fahrt durch die hüglige Wüste endet der Ross Maxwell Scenic Drive am Parkplatz und Trailhead zum Santa Elena Canyon am Rio Grande und dem Terlingua Creek. Rundherum stehen Bäume und Sträucher, die durch den Rio Grande und den Creek so gut bewässert werden, dass es fast wie im Urwald aussieht. Am südlichen Ende der Parkschleife geht es teilweise auf Stegen dem Fluß entgegen. Es sind nur ein paar Meter und wir stehen am Ufer, dem wir nach rechts folgen. Obwohl der Strom nach links weiter an der Staatsgrenze zu Mexiko weiterläuft, liegen rechts Überschwemmungsgebiete, die auch heute nass sind und die Querung notwendig machen. Der Wasserstand ist jedoch relativ unbedeutend, so dass die Füße einigermaßen trocken bleiben. Ausgelegte Zweige garantieren einen wackligen Übergang.

Santa Elena Canyon [Big Bend National Park]

Am anderen Ufer angekommen führt der Trail nach oben zur Canyonwand. Über betonierte Stufen und Rampen erreichen wir den ersten Aussichtspunkt. Ruhig fließt der Rio Bravo bzw. Rio Grande aus dem Canyon, dessen gewaltige braun bis schwarze Felswände Mexiko von den USA abschotten. Dort, wo sich herabgefallene Steine, Sand oder gar Erde festsetzen konnten, säumen dichte Sträucher das Ufer. Darüber haben sich Kakteen und gelb-braunes Gras breitgemacht. Im Fluß spiegelt sich die Natur.

Santa Elena Canyon [Big Bend National Park]

Der gut sichtbare Pfad führt auf der rechten Flußseite in den gewaltigen Canyon. Die Wände sind in der Spitze 1.200 Fuß, also über 350 Meter, hoch und geben ein Game-of-Thrones-Feeling zurück. Nur die Burg fehlt! Riesige Schilfpflanzen säumen den Trail. Aber immer wieder öffnen sich Stellen mit saftigem Gras und es finden sich Möglichkeiten am Ufer, um die volle Breite des Flusses zu sehen. Nach 0,7 Meilen ist jedoch Schluß. Der Trail endet an einem großen Felsen, der ins Wasser ragt. Das Echo sollte man ausprobieren. Nachdem schwimmen oder Boot-fahren nicht in Frage kommen, kehren wir um.

Santa Elena Canyon [Big Bend National Park]

Es geht zurück auf dem Ross Maxwell Scenic Drive bis zum Milemarker 16 und kurz danach biegen wir nach rechts zum Mule Ears Overlook ein. Nach 0,5 Meilen stehen wir einsam und verlassen am Parkplatz und Trailhead, der gleichzeitig der Overlook ist. Die Maultier- oder frei übersetzt die Eselsohren sehen von weitem aus wie Dracula Zähne.

Wir starten unsere Wüstenwanderung durch einen Kakteengarten, eine herrliche Gegend. Die Ocotillos leuchten im Gegenlicht mit einem gelben Saum um die Blätter und lodern wie ein Feuer aus dem mit Büschen bewachsenen Wüstenboden. In der Ferne unterbrechen verschiedene Peaks die Sicht auf die Ebene. Es geht mäßig bergauf und bergab, der Hike gleicht einem Spaziergang.

Mule Ear Peaks [Big Bend National Park]
Mule Ear Peaks [Big Bend National Park]

Nach 0,7 Meilen steigen wir in eine Wash über Steinstufen hinunter, - das Wasser hat sich längst verabschiedet. Wir folgen dem ausgetrockneten Bachlauf, Cairns zeigen uns den Weg. Bald geht es wieder nach oben und nach 2 Meilen sind wir an der Mule Spring. Hier gibt es noch Wasser und die üppige Bepflanzung weist darauf hin, dass es hier ganzjährig zumindest feucht ist.

Der Pfad quält sich beim Verlassen der Quelle kurz durch mächtiges Gestrüpp,in gebückter Haltung erreichen wir wieder die Wüste. Ab hier geht es auf dem Smoky Creek Trail weiter. Nach drei Meilen, wir stehen auf einer kleinen Anhöhe, versuchen wir querfeldein, einen besseren Blick auf die Mule Ear Peaks zu bekommen. Vorsichtig schlängeln wir uns an den stachligen Weggefährten vorbei. Aber bereits 0,2 Meilen weiter, wir sind insgesamt knapp 3 Meilen unterwegs, stehen wir am Abgrund zum Smoky Creek und genießen den Ausblick auf die Schlucht und die Mule Ear Peaks. Nach 5,94 Meilen und gut drei Stunden sind wir zurück am Auto.

Mule Ear Peaks [Big Bend National Park]

Obwohl die Temperaturen inzwischen die 30-Grad-Celsius-Marke locker geknackt haben und uns die lange Wanderung von gestern noch in den Knochen steckt, beschließen wir einen weiteren Hike anzugehen und fahren bis kurz vor die Abzweigung, die uns zur Lodge bringen würde. Wir nehmen die ungeteerte Grapevine Hills Road nach links.

Die 6,4 Meilen bis zum Parkplatz und Trailhead sind nicht gut zu fahren. Immer wieder stehen Steinstufen oder Washes im Weg. Je tiefer wir in die Ebene vordringen, desto steiniger wird die Straße und am Ende gibt es noch etwas Sand auf die Pneus. Gott sei Dank haben wir gute Reifen und eine hohe Bodenfreiheit, aber dass wir übervorsichtig sind zeigt uns die Begegnung mit PKWs.

Der ausgetretene und sandige Weg führt in einen Einschnitt der Grapevine Hills. Links und rechts türmen sich Steingebilde auf, die von der Form eines Herzens bis zum Hinkelstein alles bieten. Hellbraune Spitzen, lava-gepresste Boulder, balanced Rocks und zusammengeklebte Steinformationen säumen links und rechts den Weg. Schön ist es hier!

Grapevine Hills [Big Bend National Park]
Grapevine Hills [Big Bend National Park]

Nach 0,8 Meilen ist der Canyon zu Ende, die Wanderung jedoch nicht. Es geht durch die Felsen nach rechts oben. Es sind nur 0,2 Meilen durch einen Irrgarten und dann ist man an der bekanntesten Felsformation. Die gefangene Weintraube wird links und rechts von Felstürmen gehalten. Hell bis dunkelbraun schwebt der Star des Trails in der Luft und zeichnet sich fast wie ein holländischer Holzschuh vom Himmel ab. Die Felsen ringsherum sind nicht minder schön und interessant. Ein sehr lohnender Spaziergang, den wir nach knapp zwei Meilen und einer Stunde beenden!

Grapevine Hills [Big Bend National Park]

Zur Lodge ist es nicht mehr weit und bald sind wir auch wieder sauber. Ein kühles Bier an der Bar und gutes Essen sind nach diesen ausgedehnten Hikertagen mehr als verdient. Die Abwechslung heute von Wasser über Wüste bis hin zur unglaublichen Felsenlandschaft war top!

Sonntag
Nach dem Frühstück checken wir aus und ärgern uns über die Zimmerpreise. 162 US-Dollar pro Nacht für einen Raum ohne Fernseher, Telefon und Internet und einem versifften Bad. Kapitalismus lebt vom Markt, keine Frage, aber wir finden es einfach unverschämt, dass sie ihr Alleinstellungsmerkmal so ausnutzen, ohne jeglichen Komfort und Wohlfühlfaktor. Aber gut, wir hatten zwei schöne Hikertage und drei schöne Abende an der Bar mit Amber, der Barfrau, die mal wirklich auf Zack war. Heute Nacht wurden die Uhren auf Winterzeit umgestellt und wir gewinnen eine Stunde.

Um 8 Uhr verlassen wir bei warmen 22 Grand Celsius dieses Etablissement und freuen uns wieder auf Zivilisation. Kurz vor Marathon müssen wir nochmal durch eine Border Control. Über Fort Stockton sind wir nach 182 Meilen und drei Stunden auf der Interstate 20. Die Gegend wird immer grässlicher. Nur noch Öl- und Gaspumpen und Bohrtürme und Strommasten. Der Dreck ist überall, auf der Straße, in den Tanken und auch vor den Geschäften. Don't mess with Texas!

Als wir die Petroleumindustrie des Permian Basin rund um Odessa und Midland, Texas, endlich hinter uns gelassen haben, wandelt sich das Landschaftsbild von permanent nickenden Ölpumpen und hoch aufragenden Bohrtürmen auf sandigem Terrain hin zu roter Erde, die den Nährboden für die Baumwollindustrie südlich von Lubbock bildet. Das flockige und bauschige Weiß der noch nicht abgeernteten Blüten bedeckt die nun hügelige Landschaft. Im Hintergrund stehen die Häuser der Ranches wie Oasen in der Wüste, die eingerahmt von Bäumen den Horizont belagern. Feldstrukturen wechseln je nach Perspektive von wirrem Milchshake zu exakt abgegrenzten, in "Reih und Glied" stehenden Wattebällen. Die geerntete Baumwolle steht bereits gepresst und abgepackt in der Größe von Containern am Rande der Felder und zeugt davon, dass die in europäischen Köpfen vielleicht noch vorhandenen Vorstellungen einer Südstaatenatmosphäre lange der Vergangenheit angehören. Nachdem die Fahrt vom Big Bend National Park bereits einige hundert Meilen andauert, versuchen wir eine kleine Offroadtour, um die Landschaft nicht nur mit den Augen einzufangen. Also nichts wie rein in den Feldweg.

Baumwolle Texas

Die Rückfahrt auf den breiten Texas Highway 87 verläuft problemlos und deutsch. Alles frei, also ab. Mit erlaubten 75 Meilen pro Stunde steuern wir seelenruhig Lubbock an. Doch plötzlich blinkert und funkelt es im Rückspiegel. Alle Farben der US-amerikanischen Flagge schwirren durch mein Auge. Das durchdringende Sirenengeräusch ist nicht nötig, um den Blinker nach rechts und den Cadillac Escalade auf den Standstreifen zu befördern. Und, was hat man gelernt? Hände sichtbar auf's Lenkrad und warten bis der Officer kommt. Gedacht, getan!

Schräg hinten, Hand an der Waffe, lauert der bärtige Texaner durch mein Seitenfenster, das ich öffne. Einer freundlichen Begrüßung folgt die Frage, ob ich wisse, warum er uns angehalten hätte. Nö! Er hat von der Gegenfahrbahn beobachtet, wie ich von der Nebenstraße auf den Highway gefahren bin. Und? Und warum ich am Stopp-Schild an der Einfahrt nicht angehalten hätte? Das tut mir jetzt leid, sorry, mein Fehler. Anweisung: Führerschein und Fahrzeugpapiere! Mist, ich merke, wie ich dann doch nervös werde. Wieso haben sie keinen kalifornischen Führerschein? He? Ja, das Auto ist in Kalifornien zugelassen, aber es ist ein Mietwagen und das ist ein deutscher Führerschein. Er ab in sein Sirenenfahrzeug. Nach gefühlten 15 Minuten rollt er wieder auf unser Fahrzeug zu. Mit diesem Führerschein dürfen sie hier in Texas nicht fahren, der ist nicht gültig! Das könnte böse enden. Aber plötzlich wird er sehr freundlich und sagt, ich solle doch vorsichtig weiterfahren und mich nicht mehr erwischen lassen. Ein Strafzettel war ihm dann offensichtlich doch zuviel Arbeit.

Dieser Widerspruch, dass der deutsche Führerschein nicht gültig ist und ich aber trotzdem weiterfahren soll, machte mich stutzig und ich habe recherchiert. Und in der Tat ist es so, dass unser Führerschein in keinem US Bundesstaat gültig ist. Er wird nur geduldet! Und wenn jetzt jemand an den sogenannten Deutschen Internationalen Führerschein denkt, der in einigen US Staaten zusätzlich mitzuführen ist, dem sei gesagt, dass es sich hierbei mehr oder weniger nur um ein Hilfsmittel bzw. um eine Übersetzungshilfe handelt. Grund für dieses außergewöhnlichen Zustand sind zwei eigenständige Uralt-Abkommen (Wien und Genf).

In Lubbock stürmen wir noch kurz eine Shopping Mall und dann waren wir froh, dass das Zimmer im Hampton Inn absolut o.k. war. Und gleich daneben war ein Outback Steakhouse, was will man mehr.

Montag
Jetzt ist es wohl vorbei mit dem schönen Wetter und der Wärme. Bei 7 Grad Celsius und Nebel verlassen wir Lubbock auf dem Texas Loop 289. Wir fahren über Loydada Richtung Norden. Tiefstes texanisches Land, die Leute versteht man kaum, so ausgeprägt ist der Slang. Ein vergammelter Ort nach dem anderen, die Häuser verfallen, aber die Hauptsache ist, es steht ein dickes Auto vor der Tür. Baumwoll- und Kürbisfelder wechseln sich ab. Nettes Farbenspiel! Nach Floydada tauchen plötzlich Windräder aus dem Nebel auf. Das sieht mystisch aus.

Baumwolle Texas

Immer in rechten Winkeln um die Felder herum geht es in der flachen Ebene dahin. Doch plötzlich macht sich ein riesiger, roter Canyon auf. Das sind die Ausläufer des Caprock Canyons, den der Little Red River gegraben hat. Und dann führt der Texas Highway 70 wieder schnurstracks zur Interstate 40, die wir nach Osten nehmen. Der eisige Nordwind bringt Kälte, aber auch freie Sicht und Sonne. Es gibt wieder mehr Bäume, auch mit buntem Herbstlaub, und nach 213 Meilen erreichen wir endlich den Sooner State. Willkommen in Oklahoma! Nach 314 Meilen sind wir im Red Rock Canyon State Park, Hinton, Oklahoma. In diesen Situationen frage ich mich immer, wo wir da gelandet sind. Aber nach 25 Jahren USA Reisen ist für Abwechslung zu sorgen und das Land lernt man nicht kennen, indem man immer wieder an die gleichen Plätze fährt.

Auf der US 281 geht es von der Interstate 40 rund 5 Meilen nach Süden zum Eingang des State Parks. Kein Eintritt! Und wir sind fast alleine. Nach einer halben Meile liegt vor uns ein Canyon, der von feuerroten Wänden eingeschlossen ist. Ein kleiner See und ein großer Pillar, also eine Steinsäule, perfektionieren das Bild. Die geteerte Straße führt 1,5 Meilen durch die kleine Schlucht und den Zeltplatz. Am Ende, rechts neben den Duschen, ist der Trailhead am California Road Campground. Hier startet der California Nature Trail.

Red Rock Canyon State Park Hinton Oklahoma

Über eine Wiese geht es anschließend hinauf auf die Ridge, der wir gegen den Uhrzeigersinn folgen. Nach 0,6 Meilen treffen wir auf eine Jeep Road, die zurück zum Trailhead führen würde. Wir entscheiden uns nach dem Creek wieder hoch auf die Canyonwände zu spazieren. Oben angekommen geht es nach links weiter. Leider sieht man hier nicht wirklich viel, außer Wald. Nach 1,45 Meilen steigen wir nach links wieder hinunter. An wunderschönen, jetzt im Herbst roten Zedern vorbei, über den Campingplatz wandern wir zurück. Das letzte Stück führt an der roten Wand entlang. Leider hat sich die Sonne inzwischen wieder versteckt, aber wir können uns nicht beschweren, schließlich hatten wir 4 Wochen lang Traumwetter. Zwei Meilen, eine Stunde, - ein netter Spaziergang.

Red Rock Canyon State Park Hinton Oklahoma
Red Rock Canyon State Park Hinton Oklahoma

Wir sind zurück an der Interstate und nach 40 Meilen erreichen wir Oklahoma City mit seinen schönen Häusern im grauen Wolkenmeer. Im Hampton Inn Bricktown, ein schönes Hotel, geht der Blick von unserem Zimmer direkt in das Baseball Stadion. Abends treffen wir Christian, essen bei Mickey Mantle und verbringen einen netten und ausgedehnten Abend.

Dienstag
Nach dem Frühstück verabschieden wir C.B., der zurück nach Forth Worth fährt. Leider ist der Arme mit dem Motorrad hier und bei 7 Grad ist das alles andere als eine Freude. Wir lassen den geplanten Hike auch sausen und fahren ins OKC Outlet. Es gibt nichts zu kaufen und so trinken wir erst mal Kaffee auf dem Hotelzimmer, bevor wir einen kleinen Stadtspaziergang durch die kalte City angehen. Da wir erst hier waren, haben wir eher die Zeit tot geschlagen, als etwas neues, interessantes zu entdecken. Irgendwann war der Tag dann auch vorbei und wir genießen ein feines Abendessen in der Mantel Wine Bar.


Mittwoch
Um 8.35 Uhr starten wir bei kühlen 5 Grad Celsius und bedecktem Himmel unsere letzte große Etappe auf den Interstates 235 und 44. In Tulsa treffen wir den Arkansas River und der Himmel reisst auf. Man sieht, wie der Jetstream die Wolken nach Süden drückt und plötzlich haben wir auch wärmere Temperaturen. Da sieht die Welt gleich wieder freundlicher aus.

Die Interstate 44 wird zur Turnpike, was an den Geldbeutel geht. 9 USD, - unser Platepass von Hertz funktioniert hier nicht. Nach 207 Meilen sind wir in Missouri - The show me State. Das Erste, was uns Missouri zeigt, ist eine gebührenfreie Autobahn. Die Bäume haben noch Herbstlaub, sind aber schon sehr braun. Das sieht in der Sonne trotzdem toll aus. Der Jetstream entpuppt sich als unser Wegweiser, wir fahren immer der Wolkengrenze nach. Aber als wir abbiegen, um den Hootentown Arch zu besuchen, verschiebt sich die Grenze und die sichtbare Sonne ist Vergangenheit. Wir fahren einige Roads mit Buchstaben, was in der Regel heißt, dass es sehr kleinteilig wird. Am Ende war der Schlenker umsonst, da wir keinen Abstieg zum James River finden. Der Boden ist voller Laub und rutschig, es wird zu steil und damit lebensgefährlich. Und das muss nicht sein.

Nach 426 Meilen sind wir in Rolla, Missouri. Es ist nicht das erste Mal, dass wir zum Essen eine Interstate queren müssen, - per pedes und natürlich über eine Brücke versteht sich. Im Colton Steakhouse bleiben wir gleich an der Bar zum Essen sitzen. Und es war gut!

Donnerstag
Ich bin ja normalerweise nicht sehr empfindlich, aber irgendwas stimmt mit meiner Haut nicht. Bereits gestern Abend führte jede Berührung zu einem roten, blutunterlaufenen Mal und schreiben auf der Haut funktionierte einwandfrei und leserlich. Als ich jedoch heute früh mit geschwollenen Händen aufgewacht bin, wird es mir zu gefährlich und wir fahren ohne Frühstück ins County Hospital, dem Phelps County Regional Medical Center. Nix los bei der Aufnahme und ich komme fast sofort dran. Fast sofort heißt, dass noch ein paar Leute, keine Ärzte, was von mir wissen wollen. Nach der Kreditkarte haben sie aber nicht gefragt. Lange Rede kurzer Sinn: Allergie, Cortisonspritze, Cortisonmedikamente und Antihistamintabletten. Nach 1,5 Stunden war das erledigt und die Medikamente haben wir gleich im Walgreens bekommen. Zuhause gab es dazu noch die Ferndiagnose "Poison Ivy". Egal, Problem erkannt, Problem gebannt!

Es ist 11 Uhr und wir entscheiden uns, noch den ein oder anderen Steinbogen zu suchen. Bei herrlichem Wetter und 16 Grad ist nichts zu finden. Diese Arche sind einfach zu remote, also sehr schlecht zu erreichen und zudem scheinen ein paar GPS-Daten nicht zu stimmen. Alles in allem ein Tag zum abhaken. Zurück im Hotel haben wir eine Nacht storniert, um sie in St. Louis anzuhängen. Auf ins Steakhouse!

Freitag
Heute erreicht die Natur den Gefrierpunkt. Nun gut, wir haben fast Mitte November und so ungewöhnlich ist das für den nahenden Osten, respektive Mittleren Westen der USA nicht. Endlose Wälder und unzählbare Kurven begleiten uns über den Taum Sauk Mountain. Der Taum Sauk Mountain ist mit seinen 540 Metern die höchste Erhebung des Iron County und des US-Bundesstaates Missouri. Bald sind wir im Elephant Rocks State Park.

Elephant Rock State Park

Der State Park war eine sehr positive Überraschung. Riesige Boulder und bunte Bäume gaben ein schönes Bild ab. Wir spazieren den Elephant Rock Braille Trail (Orange Blazed) und hängen auf halber Strecke den Engine House Ruins Trail (Blue Blazed) an, um dann den Rundweg abzuschließen. Dann steigen wir noch hoch auf die Felsen und verbringen nochmal eine halbe Stunde mit schauen, fotografieren und bouldern. Eine schöne, interessante Gegend.

Elephant Rock State Park
Elephant Rock State Park

Es geht weiter über Bismarck und Potosi zur Interstate 44, die wir bei Stanton wieder verlassen, um die Meramec Caverns, also Höhlen, zu besuchen. Die Höhlen liegen am gleichnamigen Fluß. 21 Dollar Eintritt pro Person, aber da ist natürlich auch eine Führung dabei, die eine Stunde dauert. Die Höhlen sind toll und der Besuch hat sich echt gelohnt.

Meramac Caverns
Meramac Caverns

Wir pflanzen uns wieder auf die Interstate 44 bis Saint Louis. Das Hilton Union Station ist toll. Die Verbindung eines alten, ehrwürdigen Bahnhofs mit moderner Architektur eines Hotels macht etwas her. Die große Bahnhofshalle ist zur Bar umfunktioniert. Sie ist leider aber trotzdem proppenvoll.

Der Valet-Parker hat uns eine irische Bar in der Nähe empfohlen und diese Bar hatte es in sich. Urig und fast nur Männer. Auf alle Fälle war die Barfrau sehr nett und so nach dem zweiten Bier fragte sie Monika nach ihrer Schuhgröße. He? Sie gab sie an einen Gast weiter, der ansonsten sehr seriös wirkte. Was wird das jetzt? Der Gast verschwand kurz und kam mit einer Schachtel mit Converse Schuhen zurück. Monika soll sie doch probieren, sie sind nagelneu. Sie passten, waren wunderschön und er hat sie Monika geschenkt. Ich habe mich auch bedankt und nach seiner Profession gefragt. Ob er denn ein Schuhgeschäft hätte. Er war Anwalt! Woher die Schuhe kommen wollte ich dann nicht mehr wissen. Auf alle Fälle wollten wir seine Zeche übernehmen, aber da hatte er bereits unsere Rechnung beglichen. Unglaublich - danke - my new friend!

Zurück zum Hotel - mittlerweile war Platz an der Bar - und dann Abendessen im Laundry's Seafood. Meines war gut, das von Monika zu trocken. Was für ein (ungewöhnlicher) Tag.

Samstag
Zum Frühstück durften wir in die Executive Lounge, es gab alles, was das Herz begehrt.

Als wir am Gateway Arch ankommen, wartete zunächst mal eine lange Reihe vor uns vor dem Aufzug. Auch gut, wir haben heute nichts größeres vor. Die Aufzugsfahrt ist immer wieder ein Erlebnis. Der Lift nimmt gekonnt und mit viel "Klick-Klick" den Bogen bis zur Spitze. Eine tolle Rundsicht und das Wetter paßt!

Es folgt ein 5-stündiger Spaziergang durch die Stadt, aber leider hat sie nichts mehr zu bieten. Lauter leere Geschäfte, verfallene Läden und Gebäude von denen selbst ein paar Wolkenkratzer keine Fenster, sondern Presspannplatten haben.

Heute Abend ist die schöne große Bar im Hotel für eine Hochzeit reserviert. Ich möchte nicht wissen, was das gekostet hat. Wir ergattern einen Platz an der kleinen Hotelbar und das erste Bier kam ziemlich schnell. Anschließend ignorierte uns Travis. Dann hatten wir genug. Wenn er unser Geld nicht will, dann machen wir uns langsam auf den Weg zum Lombardos. Wir warten dort an der Bar auf unseren reservierten Tisch. Und das war perfekt, wie das Essen anschließend auch.

Sonntag
Unser letzter Tag, es nieselt leicht. Wir fahren mit dem Auto nach dem Frühstück in die Galleria Shopping Mall und verbringen dort zwei Stunden. Wir gönnen uns einen kleinen Snack im St. Louis Bread und gehen zurück zum Hotel. Der Weg für heute Abend wird erkundet und es gibt mehrere Bars auf dem Weg. Im Ballpark Village streifen wir kurz durch die Hallen der St. Louis Cardinals und am späten Nachmittag konnten wir bereits bei der Lufthansa einchecken. Bier gibt es heute an der Bar im Hilton beim Ballpark und Abendessen im Carmine's Steakhouse. Rombauer zu einem verträglichen Preis und das Essen war wirklich gut.

St. Louis

Es war eine große religiöse Veranstaltung in der Stadt. Schön sahen sie aus, die afroamerikanischen Leute mit ihren bunten Kleidern. Wenn diese Leute nicht in der Stadt gewesen wären, dann wäre St. Louis wie ausgestorben gewesen. Nicht schön, auch wenn Mitte November der touristische Andrang fehlt.

Montag
Auf zum Flughafen nach Chicago, es sind nur knapp 300 Meilen. Und die führen quer durch Illinois. Um 14 Uhr waren wir am Chicago O'Hare Airport und nachdem die Business Lounge von United nicht so toll ist, erkunden wir neben dem Airport ein Fashion Outlet. Dann die übliche Routine: Auto abgeben, Koffer abgeben und warten. Der winzige Duty Free konnte uns die Zeit auch nicht so vertreiben, aber irgendwie gingen auch diese Stunden vorbei und wir konnten endlich einsteigen. Schlaftabletten eingeworfen, kein Essen mehr, und gut war's. Eineinhalb Stunden vor der Landung wurden wir pünktlich zum Frühstück wach und München empfängt uns mit grauem Novemberwetter!

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es eine sehr schöne, abwechlungsreiche Reise mit tollen Wanderungen und Lokationen war. Der sportlich nur teilweise gelungene Start mit dem Marathon in Chicago war einerseits dafür verantwortlich, dass viele Meilen mehr zu fahren waren, andererseits hat er dafür gesorgt, dass wir gezwungen waren, den Mittleren Westen erneut und weiter zu erkunden. Und dieser Zwang half, um ein anderes Amerika wieder zu erfahren. Also, - keep hiking und bis zum nächsten Mal!


« Wo Straßen enden, beginnt Dein Weg! »
« Where the road ends, your hiking trail begins! »

Monika Zehrer | Fritz Zehrer