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USA Reisebericht - USA Travelogue
Keep Hiking [2017] - Illinois to Nevada, Texas and Missouri


  1. PDF Version
  2. Reisestationen [Entfernungen, Reisezeiten, Hotelwertungen]
  3. Reiseroute [Karte]
  4. Reisebericht [Tag für Tag USA pur]


Reisestationen

Ziel Nächte mi. km Zeit Hikes mi. Hotel Stars
Chicago 3 18 29 00:35 26.2 The Congress Plaza Hotel ****
Marquette 3 424 682 06:21 19.8 Ramada Marquette ***
Duluth 2 272 438 05:21 9.7 Holiday Inn Hotel & Suites Downtown ***
Rapid City 2 757 1.218 11:22 5.4 Hampton Inn Rapid City ***
Laramie 2 426 685 07:00 9.2 Hilton Garden Inn Laramie ****
Grand Junction 2 319 513 05:41 8.5 Fairfield Inn & Suites ***
Page 3 387 622 06:19 20.4 Lake Powell Resort ****
Las Vegas 3 273 439 04:25   Elara Hilton Grand Vacations ****
Scottsdale 3 305 491 04:58 20.0 Hyatt Place Scottsdale Old Town ***
Albuquerque 2 475 764 07:13 5.0 Hyatt Regency ****
Las Cruses 2 266 428 05:33 11.6 Hilton Garden Inn ***
Big Bend NP 3 370 595 06:04 24.6 Chisos Mountain Lodge **
Lubbock 2 373 600 07:09 2.0 Hampton Inn ***
Oklahoma City 1 379 610 06:16 6.2 Hampton Inn & Suites Bricktown ***
Rolla 2 427 687 07:09 3.0 Hampton Inn ***
Saint Louis 3 105 169 01:39   St. Louis Union Station Hotel ****
ORD 0 298 479 04:35   direkt zum Flughafen  
38
5.874
9.451
171,6

 

Reiseroute

Reiseroute 2017 Keep Hiking

 

Reisebericht (Tag für Tag USA pur)

Als wir die Petroleumindustrie des Permian Basin rund um Odessa und Midland, Texas, endlich hinter uns gelassen haben, wandelt sich das Landschaftsbild von permanent nickenden Ölpumpen und hoch aufragenden Bohrtürmen auf sandigem Terrain hin zu roter Erde, die den Nährboden für die Baumwollindustrie südlich von Lubbock bildet. Das flockige und bauschige Weiß der noch nicht abgeernteten Blüten bedeckt die nun hügelige Landschaft. Im Hintergrund stehen die Häuser der Ranches wie Oasen in der Wüste, die eingerahmt von Bäumen den Horizont belagern. Feldstrukturen wechseln je nach Perspektive von wirrem Milchshake zu exakt abgegrenzten, in "Reih und Glied" stehenden Wattebällen. Die geerntete Baumwolle steht bereits gepresst und abgepackt in der Größe von Containern am Rande der Felder und zeugt davon, dass die in europäischen Köpfen vielleicht noch vorhandenen Vorstellungen einer Südstaatenatmosphäre lange der Vergangenheit angehören. Nachdem die Fahrt vom Big Bend National Park bereits einige hundert Meilen andauert, versuchen wir eine kleine Offroadtour, um die Landschaft nicht nur mit den Augen einzufangen. Also nichts wie rein in den Feldweg.

Baumwolle  Baumwolle

Die Rückfahrt auf den breiten Texas Highway 87 verläuft problemlos und deutsch. Alles frei, also ab. Mit erlaubten 75 Meilen pro Stunde steuern wir seelenruhig Lubbock an. Doch plötzlich blinkert und funkelt es im Rückspiegel. Alle Farben der US-amerikanischen Flagge schwirren durch mein Auge. Das durchdringende Sirenengeräusch ist nicht nötig, um den Blinker nach rechts und den Cadillac Escalade auf den Standstreifen zu befördern. Und, was hat man gelernt? Hände sichtbar auf's Lenkrad und warten bis der Officer kommt. Gedacht, getan!

Schräg hinten, Hand an der Waffe, lauert der bärtige Texaner durch mein Seitenfenster, das ich öffne. Einer freundlichen Begrüßung folgt die Frage, ob ich wisse, warum er uns angehalten hätte. Nö! Er hat von der Gegenfahrbahn beobachtet, wie ich von der Nebenstraße auf den Highway gefahren bin. Und? Und warum ich am Stopp-Schild an der Einfahrt nicht angehalten hätte? Das tut mir jetzt leid, sorry, mein Fehler. Anweisung: Führerschein und Fahrzeugpapiere! Mist, ich merke, wie ich dann doch nervös werde. Wieso haben sie keinen kalifornischen Führerschein? He? Ja, das Auto ist in Kalifornien zugelassen, aber es ist ein Mietwagen und das ist ein deutscher Führerschein. Er ab in sein Sirenenfahrzeug. Nach gefühlten 15 Minuten rollt er wieder auf unser Fahrzeug zu. Mit diesem Führerschein dürfen sie hier in Texas nicht fahren! Das könnte böse enden.

Aber bevor wir mit einem potenziellen Ende beginnen, fangen wir erst mal an. Eine besondere USA Reise! Arbeit und Urlaub sozusagen vereint, denn bevor Naturerlebnisse auf dem Programm stehen, gilt es einen Marathon zu bestehen. Der einzige Grund, um das alte Schlachtross ORD, also Chicago O'Hare International, anzufliegen, verursacht zudem Kollateralschäden. Um zu den eigentlichen Hiker- und Naturdestinationen zu kommen, müssen die Great Plains hin und auch wieder zurück gequert werden. Das werden ein "paar" zusätzliche Meilen.

Chicago Marathon - Monika auf den letzten Metern

Jetzt aber auf! 7.542 Meilen oder 12.135 Kilometer von Michigan, Minnesota, South Dakota und Wyoming in die Four Corners Staaten; Las Vegas darf nie fehlen und dann südlich bis nach Texas an die mexikanische Grenze. Und wieder hoch über Oklahoma, Missouri nach Illinois. Klingt gewaltig, war gewaltig, tat aber nur ab und zu weh!

Donnerstag bis Sonntag

Montag
Um 6 Uhr sitzen wir im Auto und fahren über die Interstates 90 und 294 nach Norden. Unterwegs gibt es endlich Frühstück im iHOP und die notwendigen Einkäufe im Walmart erledigen wir gleich anschließend. Monika ist leider Opfer des sogenannten "Open-Window-Effekts" geworden. In den ersten Stunden und bis zu drei Tagen nach intensivem Training oder Wettkampf ist die Immunabwehr geschwächt und der Körper anfälliger für Krankheitserreger. Je härter die vorangegangene Belastung war, umso länger und höher ist in der Folge die Infektanfälligkeit. Monika ist krank!

Die Durchfahrt durch Milwaukee beeindruckt selbst auf der gewundenen Interstate. Alte Häuser, die etwas französisch anmuten säumen den Weg. Als wir dann über die Interstate 43 die Green Bay erreichen, macht sich schon der Indian Summer bemerkbar und die US 41 bringt uns weiter nach Norden. Erste Verkehrsschilder weisen auf Schneemobile hin. Gott sei Dank ist es noch nicht soweit. Wir erreichen Nord-Michigan. Der Blick auf den gleichnamigen See - für mich ist das ein Meer, da ich kein Ufer auf der gegenüberliegenden Seite sehe - ist gigantisch. Ein anderes Amerika!

Wir erreichen nach 384 Meilen Munising am Lake Superior. Nach 9 Stunden die ersten Leuchttürme. Das rückwärtige Licht, das Rear Light, liegt im Wald, fast zugewachsen, und es ist dem Autor nicht bekannt, ob es aus diesem Grund notwendig war, auch ein Front Light zu bauen.

Munising Rear Light Munising Front Light

Der See liegt etwas aufgewühlt da. Er ist gigantisch, als ob er auf uns zu warten scheint. Wir fahren an der Küste entlang, die Laubbäume wiegen sich in gelben und roten Farben im Wind. Den Nadelbäumen merkt man an, dass sie die meiste Zeit im Wind stehen, der ihnen ihre Frisur versaut. Das tiefe Blau des Lake Superior rollt noch gemächlich dem Strand aus Felsen und Sand entgegen, das grüne Gras wendet sich fast wie beleidigt ab. Wir steigen nochmal aus und halten die Nasen in den Wind. Es ist wärmer als gedacht, aber natürlich bei weitem nicht Badehosen-tauglich.

In Marquette folgt der dritte Leuchtturm des Tages. Rot gestrichen, wie die Scheunen in Wisconsin, steht das Marquette Harbor Light auf einem Felsen, der eine kleine Bucht mit Sandstrand abschließt. Ganz anders als die beiden vorhergehenden Zapfen, - fast wie eine Kirche.

Marquette Harbor Light

Das Ramada in Marquette hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel, aber das Zimmer ist o.k.. Abendessen gibt es an der Hotelbar, das Restaurant hat heute zu - war gut!

Dienstag
Die Erkältung von Monika ist mit Aspirin und Ibu noch in Schach zu halten und nach dem guten Frühstück im Hotelrestaurant ist es endlich soweit: Keep hiking!

Die Straße führt uns 43 Meilen auf dem Highway 28 zurück nach Munising und von dort, wo sich die 28er nach rechts verabschiedet, gerade aus auf die H58 East entlang der Pictured Rock Cliffs. Bald verschwindet der Lake Superior und die Munising-Van-Meer-Shingleton bringt uns immer tiefer in den Hiawatha National Forest. Wir sind ganz alleine im Wald von North Michigan, als uns das Navigationssystem nach links auf den Chapel Drive lotst. Die ungeteerte Straße ist wunderbar zu befahren. Mit einer Linkskurve kommen wir in die Pictured Rock National Lakeshore, die Forest Road heißt jetzt Chapel Road und wird dann zur Camp Road. Nach 5,1 Meilen sind wir an der Chapel und Mosquito Area, dem Trailhead.

Der Parkplatz ist gut ausgebaut und gepflegt und unsere erste Wanderung kann beginnen. Das System ist noch nicht eingespielt: Wanderschuhe an - GPS starten - Rucksack packen und schultern und los! Am nördlichen Ende beginnt der Mosquito Falls Trail. Er führt uns in den dichten Mischwald. Es ist Anfang Oktober und die Bäume haben eine wunderbare Laubfärbung. Rote Blätter erreichen den Waldboden nicht, sondern hängen wie Christbaumkugeln in den Nadelbäumen.

Nach knapp 0,3 Meilen erreichen wir den Mosquito River. Zuflüsse sind mit kleinen Holzbrücken gut zu überqueren. Nach einer Meile sind wir an den Fällen. Na ja, ganz nett, aber das Staunen bleibt aus.

Mosquito Falls

Es geht 0,6 Meilen zurück zur Kreuzung Mosquito River und Chapel Loop und wir setzen unsere Waldwanderung in Richtung Küste fort. Es zieht sich weitere 1,4 Meilen bis wir endlich am Mosquito Campground den See erreichen. Der Blick auf das nicht enden wollende Wasser ist fantastisch und der Lakeshore Trail führt nach rechts immer oberhalb des Ufers entlang.

Nach 3,7 Meilen erreichen wir das erste Highlight, den Lover's Leap Sea Arch.

Lover's Leap Sea Arch
Lover's Leap Sea Arch

Wir suchen einen Weg hinunter, dorthin, wo das Wasser die Öffnung des Arches um- und durchspült, sind aber chancenlos! Zirka 0,4 Meilen weiter kommt links ein Viewpoint auf den Steinbogen und dann verbessert sich der Blick immer mehr, je weiter wir den Trail gehen. Sich umzudrehen lohnt immer wieder; der Wanderpfad ist nun gesäumt von Aussichtspunkten. Über kleine sichtbare Pfade, die an die Kante der Steilküste führen, sind neue Eindrücke zu erhaschen. Weiße, gelb-braune oder auch schwarze Felsen schieben sich in den Lake Superior und trotzen dem Wetter. Der Wald liegt wie eine Decke auf dem Stein. Doch auch dieser Schutz hilft zur rechten Zeit nichts mehr, denn der bewegte See leckt unaufhörlich und letztendlich erfolgreich an den Klippen.

Pictured Rock National Seashore
Grand Portal Sea Arch

Nach 6,2 Meilen erreichen wir den Grand Portal Point. Das riesige Grand Portal, ein weiterer Steinbogen, ist zu sehen. Aber erst nach ein paar hundert Metern kommen wirklich spektakuläre Viewpoints, die das Ungetüm ins richtige Licht stellen. Sozusagen im Durchgang des Portals liegen aufgestapelt die Felsbrocken, die immer wieder von der Unterseite des Arches abbrechen und das Zeitliche segnen. Aber der Kollaps ist noch weit entfernt.

Neben den Steinbögen sind eine Menge Alkoven und Abbrüche zu sehen, die der See über Jahrhunderte geschaffen hat. Selbst bei nicht so gutem Wetter ist ein tolles Farbenspiel garantiert. Oberhalb versuchen die Bäume immer noch verzweifelt die Küste zu halten, aber der ein oder andere Stamm steht schon sehr schräg an der Klippe.

Knapp 7 Meilen sind wir unterwegs, als die Spray Falls, die sich wie aus einem geöffneten Wasserhahn ins Meer ergießen, und der Chapel Rock in Sicht kommen. Die ungewöhnliche Form des Felsens windet sich vor dem dunklen Wald in hellen, fast weißen Farben in die Höhe. Wie ein verkrüppeltes Monster schraubt sich der Rock in den Himmel. Er sieht aus wie ein Alien, der mit Löchern und Frostbeulen übersät ist. Um sich noch mehr ins Rampenlicht zu stellen, steht ein gewaltiger Baum auf seinem Kopf. Der Chapel Rock ist also sowohl ein multipler Arch, als auch ein Blumentopf, der groß genug ist, um einen Baum entsprechend zu versorgen. Aber die Wurzeln reichen auch über die Luft in den Wald. Sie sind die letzte Verbindung, die der Chapel Rock zum Festland hat.

Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore

Eine halbe Trailmeile weiter führt eine Treppe aus Holzplanken zum Chapel Beach und wir folgen nun dem Strand zu den Lower Chapel Falls, die unterhalb es Rocks eine durchaus ansehnliche Menge Wasser in den See pumpen. Rechts davon geht es wieder hinauf zum Trail. Die Perspektive wandelt sich. Der Chapel Rock liegt nun vor dem tiefblauen See und seine Öffnungen durchdringt der Sonnenschein. Herrlich!

Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore
Chapel Rock - Pictured Rock National Seashore

Hier nehmen wir aber leider auch wieder Abschied von der Küste. Durch den Wald geht es zurück zum Parkplatz und es waren dann doch fast 11 Meilen für die wir fünfeinhalb Stunden unterwegs waren. Es hat sich gelohnt!

Monika schleppte sich aufgrund der Krankheit nur mit letzter Kraft zurück zum Trailhead. Aber sie muss da leider jetzt durch, denn es ist noch nicht vorbei. Alles, was wir per pedes von oben gesehen haben, wollen wir jetzt bei einer Bootsfahrt noch näher und vom Wasser aus in Augenschein nehmen. Wir fahren zurück nach Munising, essen im Subway ein Sandwich und parken dann am Hafen bei den Pictured Rock Cruises.

Es ist ein durchaus geräumiges Boot, das wir zur Abfahrt um 17.30 Uhr entern. Monika hat Fieber und Angst, dass sie sich zu Tode friert, aber man kann auch innen sitzen. Wir haben trotzdem alle Jacken angezogen, die wir auch brauchten, um draußen zu fotografieren.

Pictured Rock National Seashore

Zuerst schippern wir die Küste entlang und nehmen nur gemächlich Fahrt auf. Links warten erste Blicke auf die Grand Island. Es sieht aus wie mitten in Kanada, - einsam, grün, kaltes Wasser, nur vereinzelt Gebäude am Strand, im Hintergrund tiefer, nicht enden wollender Wald. Ein hölzerner Leuchtturm war aber das letzte ruhende Objekt, das wir sahen, denn nun nimmt der Kapitän Kurs auf das offene Wasser. Der Wind bläst gewaltig und unaufhörlich und die Wellen bringen das Boot nicht nur zum Schaukeln, sondern auch in unglaubliche Schräglagen.

Pictured Rock National Seashore

Das Schiff kämpft sich regelrecht durch die Fluten und ein nicht verwackeltes Foto wird zur Glücksache. Aber die Eindrücke sind gigantisch. Wie Blut fließt die rote Farbe aus den hellen Felsen. Die Strukturen unterbrechen sich durch abgebrochene Steinquader, die an der Steilküste lehnen oder kurz vor der Küste kleine Inseln im Wasser bilden. Die Felsentore bekommen eine andere Dimension und die Alkoven könnten teilweise als Schutzquartier für das Boot herhalten. Von leuchtendem Türkis über moosiges Grün bis hin zu Schneeweiß dringt in das Auge. Und das blutige Rot verunheimlicht die Farbenvielfalt. Bis zu den Spray Falls führt die Tour und dann geht es in der nun fast eingetretenen Dunkelheit zurück. Die tolle Stimmung des Sonnenuntergangs liegt über dem See und begleitet uns in die Hafeneinfahrt.

Pictured Rock National Seashore
Pictured Rock National Seashore

Auf dem Heimweg glüht der Himmel feuerrot, als ob er uns die Farben noch einmal vor Augen führen möchte. Ein anstrengender, aber wunderbarer Tag geht dem Ende zu und wir brauchen nur noch zwei Dinge: Dusche und Bett!

Mittwoch
Wir haben sehr lange geschlafen, Monika geht es leider nicht gut. Nach dem Frühstück gleich mal zu Walgreens und ein paar Medikamente besorgt. Ein Alternativplan zu den ins Auge gefassten Wanderungen ist alternativlos, aber es wird trotzdem ein sehr schöner Tag.

Munising ist unser erstes Zwischenziel. Das Dorf wäre ja eigentlich die bessere Alternative für die Übernachtungen gewesen, aber leider haben wir hier kein vernünftiges Hotel und auch keine gute Infrastruktur gefunden. Nun gut, die 40 Meilen von Marquette nach Munising müssen erneut gefahren werden. Am östlichen Ortsrand bringt uns die Munising - Van Meer - Shingleton - Road wieder in den Hiawatha National Forest. Nur 5,4 Meilen nachdem wir die MI 28 verlassen haben, zweigt der Pictured Rocks Trail ab und führt geteert schnurstracks 5,5 weitere Meilen nach Norden zum Parkplatz und Trailhead des Miners Castle.

Der riesige Parkplatz zeugt von Menschenmassen in der Hochsaison, aber heute sind wir nur mit ein paar weiteren Autos vor Ort. In Turnschuhen machen wir uns zum Spaziergang auf. Hinter der nicht minder großen Miners Castle Information Station, Restrooms are closed, geht es halb links zum Upper Overlook. Ein toller Blick auf den weiten Lake Superior, die Steilküste und den Miners Castle Rock öffnet sich. Die Sonne strahlt alles an und das tiefblaue Wasser bildet einen wunderschönen Kontrast.

Miners Castle Lake Superior

Wir nehmen den Weg weiter nach rechts. Er führt uns nach unten dem Rock entgegen. Nach insgesamt 0,2 Meilen sind wir am Lower Overlook und direkt am Felsen. Er streckt sich vor dem See in die Höhe und im Hintergrund versperrt die Grand Island den Horizont.

Wieder im Auto geht es 2 Meilen zurück und dann 0,6 Meilen auf einer harten Sandpiste nach links zum Miners Falls Trailhead. Wir schnüren die Wanderschuhe und schlendern durch den hohen Wald nach Osten. Flaches Terrain kostet keine Kraft und erst kurz vor den Miners Falls geht es etwas bergab. Aber auch das ist nicht der Rede wert. Nach 0,6 Meilen sind wir am Aussichtspunkt auf die Wasserfälle.

Der Miners River hat den Wald geteilt und stürzt nach einer kleinen Linkskurve nicht nur dem Lake Superior, sondern auch dem Boden entgegen. 40 Fuß, also rund 12 Meter, geht es schäumend nach unten. Das Sonnenlicht beleuchtet das aufgewühlte weiße Wasser, bevor sich der Fluss wieder im Schatten aus dem Staub macht. Schön!

Miners Falls Lake Superior

Wir verlassen die Pictured Rock Trails und schmeißen unseren Cadillac wieder auf die Munising - Van Meer - Shingleton Road. Es geht nach links und dann 40 Meilen kurvig durchs Hinterland. Der Grand Sable Lake, ein idyllisch gelegener See kündigt die nächsten Wanderungen an. Bald sind wir am Sable Falls Trailhead.

Der Weg führt nach Norden dem Lake Superior entgegen. Bereits nach ein paar Metern teilt sich der Pfad. Rechts, respektive fast gerade aus, geht es zu den Sable Wasserfällen. Wir gehen jedoch nach links und wandern eine gute halbe Meile zu den Grand Sable Dunes. Der Dunes Trail ist hier ein Teil des North Country Trails. Wir bleiben nur bis zu den ersten Dünen und genießen den Ausblick auf den See. Das ist ja ganz nett. Das Dünengebiet wäre jedoch riesig und breitet sich gigantisch nach Westen entlang des Lake Superior aus.

Grand Sable Dunes Lake Superior

Wir schlendern zurück und an der Kreuzung nach links runter zu den Sable Falls. Leider scheint die Sonne die Fälle von hinten an, so dass weder an eine gute Sicht, noch an ein gutes Foto zu denken ist. In Treppen ergießt sich das Wasser 23 Meter herab. Die aufspritzenden Wassertropfen leuchten im Sonnenlicht fast gleißend weiß.

Sable Falls Lake Superior

Nun geht es Richtung Heimat auf dem Au Sable Point Trail. Kurz bevor dieser den Hurricane River überquert setzen wir den Blinker nach rechts und biegen zum Parkplatz am Sullivans Landing und dem Hurricane River Campground ab. Der Au Sable Lighthouse Station Trail führt uns immer am See entlang und ist daher sehr flach. Wir gehen eine Stunde 1,7 Meilen lang zum Lighthouse. Der offiziell als Au Salbe Point Light bezeichnete Leuchtturm ist toll. Der weiße Turm steht vor einem Haus aus Ziegel. Ein paar weitere Gebäude füllen die zum See hin offene Fläche. Die Sonne erzeugt mit einem tiefen Stand ein warmes Licht und strahlt mit letzter Kraft den Lake Superior und den Leuchtturm an. Herrlich!

Au Salbe Point Light Lake Superior

Trotz der körperlichen Einschränkungen war es heute wunderbar. Mehrere kleine Wanderungen, eigentlich waren es ja nur Spaziergänge, zeigten uns nette Lokationen im Mittleren Westen der USA. Das Abendessen im Elizabeth's Chophouse war fantastisch und das Beste war, dass auch Monika der Wein wieder schmeckte. Alles wird gut und ab morgen startet unsere große Überfahrt nach Westen.

Donnerstag
"What would you do if I sang out of tune ..."! Robert Allen Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, geboren in Duluth (sprich: Duluuuth, aähm D(T)oulouse, franz.), Minnesota, stellte bereits in den frühen 1960er Jahren fest, dass die Antwort mit dem Wind verblasen wird. Als wir gegen 9 Uhr die US Highway 41 nach Norden fahren, ist die Antwort auf die Frage, ob sich die Pictured Rock Area lohnt, jedoch sonnenklar. Ein anderes, schönes Stück Amerika. Wir bereuen es nicht, noch in den Norden zum Lake Superior gefahren zu sein, die Natur ist es wirklich wert.

Hier auf unserer ersten Teilstrecke in den Westen der USA gibt es jedoch entlang des Lake Superior nur Wald. Ab und zu lässt sich ein Ort blicken und die Bäume muten sehr kanadisch-kalt an, denn sie werden immer kleiner und verkrüppelter. Eine typisch kanadische Szenerie baut sich auf: Tundra, links die Eisenbahn und die Ortsnamen werden für uns Europäer immer eigenartiger, - der Inuit, früher durfte man ja auch Eskimo dazu sagen, hat offensichtlich die Gegend geprägt. Iglu sind jedoch keine in Sicht.

Nach 54 Meilen leitet uns das Navigationssystem auf die 141er South, warum auch immer! Wald soweit das Auge reicht. Wir sind alleine auf dieser großen, weiten Welt, - auch mal schön! Als wir jedoch nach 133 Meilen wieder auf die US 2, die Lake Superior Circle Tour, fahren, kommt die Zivilisation etwas zurück. Es zog sich 253 Meilen, als wir den Pattison State Park, wir sind inzwischen in Wisconsin, erreichen. 11 USD Eintritt - o.k.,

Interfalls Lake Manitou Falls Pattison SP

Wir parken unser Auto gegenüber dem Eingang zum Campground. Hier startet der Nature Trail zunächst zu den Little Manitou Falls. Der Weg führt sehr idyllisch am Interfalls Lake entlang, der ruhig daliegt. Bereits nach 0,5 Meilen haben wir das südliche Ende des Sees erreicht. Hier mündet der Black River und bringt permanenten Nachschub. Nach dem stillen See wird es am Fluss entlang unruhiger und interessant. Schäumendes Malzbier! Ja, das Wasser ist eigenartig dunkelbraun und hinterlässt Schaumkronen, die sich am ruhigen Ufer festsetzen. Wir werden aufgeklärt, dass es sich hierbei nicht um einen Chemieunfall oder um eine anderweitige Umweltkatastrophe handelt. Die Färbung und der Schaum kommen von sogenannten Humidsäuren (Humic Acids) und von den Ufern abgelagerten und dann gelösten Eisensedimenten. Alles Natur!

Black River Manitou Falls Pattison SP

Nach 0,8 Meilen erreichen wir eine Holzbrücke über den Fluss; es geht auf der rechten Uferseite weiter flussaufwärts. Die Steigungen sind jedoch nicht nennenswert. 1,3 Meilen liegen hinter uns und wir sehen die Stromschnellen der Lower Falls. Und kurz danach, 1,5 Meilen sind vergangen, sind wir an den Little Manitou Falls. 31 Fuß, knapp 10 Meter, fällt das Wasser auf relativ breiter Front, die zweigeteilt ist, in einen Pool. Braun mischt sich mit weiß, es sieht wirklich sehr dreckig und Kloaken-ähnlich, zumindest ungewöhnlich aus. Wir erkunden die Fälle von oben und von unten. Das ist eine teilweise sehr rutschige Angelegenheit, aber es ist interessant und schön.

Little Manitou Falls Pattison SP

Es geht zurück bis zur Holzbrücke und dann an der linken, also westlichen Seeseite zurück. Nach 3 Meilen sind wir an der Straße und nehmen eine Unterführung auf die andere Seite. Hier steht die Infrastruktur für die Big Falls. Sie sind die größten Wasserfälle in Wisconsin. Zuerst nehmen wir die rechte Flussseite zu den durchweg gut ausgebauten Viewpoints. Der Wasserfall ist gewaltig und die Blicke sind es auch. Wir wechseln die Flussseite und auch hier finden sich fantastische Aussichtspunkte. Wie auf einer Skiflugschanze rast das Wasser 165 Fuß, also über 50 Meter, in die Tiefe. An eingigen Stellen schäumt es überwiegend weiß einen schwarzen Felsen hinunter, die braune Farbe tritt in den Hintergrund. Spektakulär! Nach knapp 4 Meilen und in gut zwei Stunden sind wir zurück am Auto. Es war eine lohnenswerte Wanderung.

Big Manitou Falls Pattison SP

Es geht über die City of Superior nach Duluth und auf der Stadtbrücke der Interstate 535 über die Saint Louis Bay erreichen wir Minnesota. Welcome to "The North Star State"! Das Holiday Inn liegt zentral und ist o.k.. Unser Zimmer hat einen fantastischen Blick auf den Hafen. Ein Bier an der Bar des Radisson und dann Abendessen im Drehrestaurant J.J. Astor. Teuer und grottenschlechtes Essen - gute Nacht!

Fortsetzung folgt ...


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Monika und Fritz Zehrer