USA Reise - USA Travelogue

American Pie [2016] - Colorado, Wyoming to California and Arizona


  1. PDF Version [60,5 MB]
  2. Reisestationen [Entfernungen, Reisezeiten, Hotelwertungen]
  3. Reiseroute [Karte]
  4. Reisebericht [Tag für Tag USA pur]


Reisestationen

Ziel Nächte mi. km Zeit Hikes mi. Hotel Stars
Denver 2 24 39 00:35 17,44 Hilton Garden Inn Denver Downtown ***
Laramie 2 231 372 04:48 10,86 Hilton Garden Inn ***
Pinedale 2 325 523 05:07 08,90 Hampton Inn & Suites **
Jackson 3 148 238 01:20 35,99 The Wort Hotel ****
Salt Lake City 3 306 492 05:09 18,72 Hilton Salt Lake City Center ****
Las Vegas 3 426 685 06:26 03,98 Vdara Hotel & SPA *****
Death Valley 2 183 294 03:25 14,38 Stovepipe Wells Village *
Palm Springs 2 271 436 04:49 08,55 Hilton Palm Springs ****
Scottsdale 3 290 466 04:51 15,96 Hilton Garden Inn Scottsdale Old Town ***
Flagstaff 2 166 267 02:41 14,06 Double Tree ***
Page 3 241 387 04:15 22.26 Marriott Courtyard ***
Moab 2 269 432 04:25 17,37 Best Western Canyonlands Inn ***
Grand Junction 3 108 173 02:12 18,82 SpringHill Suites Downtown ***
Montrose 2 151 243 03:07 02,06 Holiday Inn Express & Suites ***
Colorado Springs 2 237 381 04:22 05,21 The Antlers Hotel ****
DEN 0 84 135 01:20 00,00 direkt zum Flughafen  
36
3.460
5.567
214,56

 

Reiseroute

Reiseroute 2016 American Pie

 

Reisebericht (Tag für Tag USA pur)

  1. Prolog
  2. Denver
  3. Laramie
  4. Pinedale
  5. Jackson
  6. Salt Lake City
  7. Las Vegas
  8. Death Valley National Park
  9. Palm Springs
  10. Scottsdale
  11. Flagstaff
  12. Page
  13. Moab
  14. Grand Junction
  15. Black Canyon of the Gunnison
  16. Colorado Springs

 

Prolog
Der Tag überrollt Phoenix und Scottsdale wie ein aus den Fugen geratener Wüstensturm. Und wir machen uns etwas unsicher auf den Weg in die Superstition Mountains, da trotz sorgfältigster Planung nicht ganz klar war, was uns an diesem Tag erwartet. Aber es kommt noch schlimmer!

Als wir an der Apache Junction den Blinker nach links setzen, brütet die Sonne vor sich hin und erreicht bereits am frühen Morgen die 30 Grad-Grenze. Wir haben Ende Oktober! Der "Lost Dutchman State Park" erweckt den Eindruck einer touristischen Spaziergängeroase. Ruhig und friedlich kreuzen sich die Wanderwege, die sich fast in der Ebene bewegen. Doch der Schein trügt, denn nach einem kleinen Anlauf nehmen die Superstitions Fahrt auf und schießen ziemlich unvermittelt in die Höhe. Und auf diese Höhe wollen wir vordringen, - das Abenteuer startet am Siphon Draw Trailhead.

Erst nach gut einer Meile beginnt langsam die Steigung, noch sitzen die Gelenke locker und der Schweiß kommt ausschließlich von der brütenden Hitze. Nur ab und zu schweift der Blick nach oben, aber das Ziel ist noch nicht auszumachen. Als wir am Siphon nach zwei Meilen angekommen sind, erschlägt uns die Wahrheit. Grell leuchtend kommt die Spitze des Bügeleisens, Flat Iron, in Sicht. Es ist nah, nur eine Meile entfernt, aber momentan kann sich keiner von uns vorstellen, wie wir die Höhe zwischen uns und dem Gipfel überwinden können.

Flat Iron Superstition Mountains

Und kurz nach diesen Blicken bekommen wir bereits zu Beginn der Steigung Bedenken. Über blanken Fels gewinnen wir schnell an Höhe, aber der Blick zurück ist nicht nur unglaublich schön, sondern auch bereits etwas beängstigend hoch über der Zivilisation. Der Ausstieg aus dem Draw verlangt nach den Händen und wir kraxeln über den ersten Absatz, als ob es kein Zurück mehr gäbe. Nur kurz geht es hinunter in eine Wash, - das war aber die letzte Erholung des Tages. Unaufhörlich geht es nun für eine knappe Meile höllisch bergauf. Jeder Schritt bringt fast 30 - 50 Zentimeter Höhengewinn. Eine kurze Meile für über 600 Höhenmeter muss ja drastisch nach oben gehen, also nicht aufregen.

Es sind noch zirka 450 Meter bis zum Gipfel, der rechts neben uns mit einer Senkrechten immer noch gewaltig nach oben ragt. Der Weg teilt sich. Entweder die Wash weiter gerade rauf oder etwas rechts halten und über eine Sandreisse nach oben. Wir entscheiden uns für rechts und haben es bald bereut, denn die Steilheit des Geländes lässt uns immer wieder abrutschen. Und runter kommen wir auf diesem Weg mit heiler Haut sowieso nicht mehr. Augen zu und durch und irgendwann ist der lose Fels vorbei und weicht erneut kompaktem Gelände. Wir brauchen dringend eine Pause.

Flat Iron Superstition Mountains

Ein bayrisches "pack ma's" quetscht die verbleibenden Kräfte aus dem Körper und irgendwann stehen wir vor dem Ausstieg zum Gipfel. Doch das gibt uns fast den Rest, denn eine zirka 2,5 Meter hohe Wand versperrt ihn. Der erfahrene Wanderer und Bergsteiger beurteilt die Gefahren immer nach dem Abstieg, denn der ist in der Regel schwieriger, als hinauf. Und hier stehen wir nun, wir erfahrenen Bergsteiger und Wanderer, - es gilt eine Entscheidung zu treffen: Umkehr oder? Also Rucksack runter und ein paar Griffe probiert. "Des geht scho irgendwie"! Und so war es dann auch, aber wir hofften inständig, dass wir hier nicht mehr runter müssen.

Der Aufstieg war dann bald geschafft und hier oben eröffnen sich unglaubliche Parallelen zu unten. Das Bügeleisen ist flach wie eine Flunder. Ein Spazierweg die letzten hundert Meter zum Gipfel. We did it! Der Blick über die Goldfield Mountains ist einfach gigantisch! Aber der Abstieg droht ...

Flat Iron Superstition Mountains

Diese kleine Einleitung ist nur ein Vorgeschmack auf 5 Wochen USA - viel Spaß!


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Freitag
Es ist wieder mal soweit, zum 26. Mal, und es beginnt nicht gut, denn wir stehen im Stau. Als wir - wie immer - am Vortag unsere Koffer zur Lufthansa bringen, war die A 9 dicht. Und gleich die erste Fehlentscheidung: Runter von der Autobahn! Ok, bayerische Dörfer sind in der Regel sehr schön, muss aber nicht sein. Aber nach zweieinhalb Stunden war dann alles erledigt und wir können uns gemütlich in den Italiener pflanzen.

Samstag
Das Klingeln des Weckers um 5.45 Uhr ist kontraproduktiv; in den USA ist es dunkel und Zeit für die Nachtruhe. Aber wir wollen uns vor dem Abflug noch das neue Satellitenterminal des Münchner Flughafens anschauen. Es ist schön geworden, - zeitgemäß. Auch die Business Lounge der LH ist zumindest ansprechender, als die beiden anderen im Terminal 2. Erstes Futter!

High Noon - Boarding completed - also auf nach Denver! Wir haben keine Schlaftablette genommen, aber das war ein Fehler. Nun, es ging doch irgendwie vorbei, aber dann gleich der erneute Beweis, dass die Amerikaner nicht fähig sind, Arbeitsprozesse vernünftig zu organisieren. Die Koffer kreisen, aber es kreisen die Samsonites & Co. der Economy. Nur leider sind die Leute noch nicht da. Die Business-Heinis, also wir, stehen vor dem Band und schauen blöd.

Als Gold Member bei Hertz hat man den großen Vorteil, dass der Schalter mit möglicherweise unnötigen Fragen gespart wird. Vielmehr hilft eine Anzeigentafel mit Namen und Parkplatznummer, um schnell die Flucht zu ergreifen. Das funktioniert aber nur, wenn auf dem genannten Parkplatz auch ein Fahrzeug steht. Sir, I need your help ... take this Explorer. Nagelneu glitzert er in der Sonne, aber wir mögen ihn nicht. Schräg gegenüber steht eine "graue Maus", etwas betagt, aber super Reifen, hohe Bodenfreiheit - komm' zu mir alter Pfadfinder. Den kannst du auch haben, auch wenn sein Gesichtsausdruck Unverständnis signalisiert. "Nissan Pathfinder", die Leute haben keine Ahnung! Dieses Auto gewinnt zwar keine Schönheitskonkurrenz, wurde aber aus einem echten Off-Road-Fahrzeug entwickelt. Was kann sich der USA Hiker mehr wünschen, - also rein mit den Koffern. Und so viel vorweg: Das Auto war der Hammer!

Nissan Pathfinder

Ohhh, ein Tatort direkt vor dem Hoteleingang!? Das gelbe Plastikband flattert im Wind und riegelt das Hauptportal ab. Aber eine Baustelle ist es auch nicht. Keine Ahnung, warum sie den Eingang gesperrt haben. Also hieven wir unsere Koffer durch eine zirka ein Meter breite Tür neben einem Coffee-Shop. Aber das Hilton Garden Inn und unser Zimmer sind soweit schon ok. Dusche und los, es ist erst 17 Uhr. Zwar sind die Augen schon etwas sehr klein, aber ab und zu muss man sich einfach zwingen. Was liegt in so einer Situation näher, als in Denver zur 16. Straße zu gehen. Das Sheraton hat eine nette Bar. Und wie es immer so ist, an einer Bar erfährt man auch was. Morgen soll ein 15-Meilen-Lauf stattfinden, die Innenstadt wird dafür von 6 bis 9 Uhr gesperrt. Der Hanswurscht an der Rezeption hatte keine Ahnung. Na gut, wir werden sowieso früh wach sein. Und jetzt freuen wir uns auf das Bett - gute Nacht!

Sonntag
Der "Tag des Herrn" beginnt gewohnt früh. Für Kaffee auf dem Zimmer war auch gesorgt, so dass wir um 5.30 Uhr auf der Piste sind. Die Läufer machen sich bestimmt schon warm und auch wir können die Heizung gut vertragen. In Westminster an der CO 36 finden wir dann endlich ein IHOP und genießen "over easy". Die Sonne macht sich dann auch auf den Weg und leuchtet in wunderbaren morgendlichen Farben. Eine Stunde und vierzig Minuten hat es dann doch gedauert, bis wir über Estes Park im Rocky Mountains National Park angekommen sind. Den Eintritt (20 USD für einen Tag, 30 USD für die Woche) zahle ich dann gleich mit Kreditkarte, ist unkompliziert und geht schneller. Doch diese Aktion könnte der Auslöser für eine unangenehme Überraschung morgen früh gewesen sein.

Der Parkplatz am Bear Lake und dem gleichnamigen Trailhead hat unglaubliche Dimensionen. Möglicherweise passt ein halbes Fußballfeld hinein. Aber er ist schon ziemlich voll. Und auch die ersten Meter teilen wir mit vielen Naturhungrigen, die den idyllisch gelegenen Bear Lake besuchen. Aber nach ein paar Switchbacks durch den Wald auf dem Rücken der "Bierstadt Moraine" ist niemand mehr zu sehen, - wir marschieren ziemlich einsam nach oben. Bereits nach wenigen Schritten wird klar, dass unsere Körper noch unter dem Jetlag leiden und nicht die gewohnte Leistung freisetzen. Mühsam! Nach gut 1,54 Meilen kommt ein schöner Viewpoint auf den Dream Lake.

Nach 2,2 Meilen weichen alle Bäume. Schmucklose Steine, die der Tyndall Gletscher vermutlich locker flockig aufgestapelt hat, säumen den Weg und prägen das Landschaftsbild. Nach gut drei Meilen blicken wir in die Tiefe zum Emerald Lake. Glitzernd liegt er in tiefem Blau unten im Tyndall Graben als Überbleibsel des Gletschers und spiegelt die Sonne zurück.

Dream Lake Tyndall Glacier

Der Trail führt uns über ein Geröllfeld weiter in die Höhe. Die Luft wird dünner, was unserer momentanen Kondition auch nicht zu Gute kommt. Und nach viereinhalb Meilen stehen wir endlich auf dem Flattop Mountain in einer Höhe von 3.756 Metern. 2 Stunden und 45 Minuten hat es gedauert und wir waren froh, dass der Aufstieg vorbei ist.

Die Aussicht ist wunderschön. Die Bighorn Flats führen die Blicke in eine gigantische Bergwelt bis zum Little Matterhorn und noch weiter in die Never Summer Mountains im Nordwesten. Im Südwesten werden die schroffen und hohen Gipfel Mount Graig und Isolation Peak von den tief blau schimmernden Seen am East Inlet aufgehübscht. Der Hallet Peak ragt unmittelbar über den Resten des Tyndall Glaciers und der tiefe Graben zeigt uns die Richtung, in der wir uns dem Auto wieder nähern werden. Geplant war, auch noch auf den Hallet Peak zu steigen, - das lassen wir aber heute mal lieber bleiben.

Flattop Mountain Tyndall Gletscher
Flattop Mountain Tyndall Gletscher
Flattop Mountain Tyndall Gletscher

Nach fünfeinhalb Stunden waren wir ziemlich froh, wieder am Trailhead zu sein. 9,4 Meilen Bergmarsch sind für heute genug!

Die Durchfahrt von Estes Park gleicht dem Berufsverkehr am Münchner Stachus. Hier ist die Hölle los, erschreckend. Eigentlich wollten wir noch einen Kaffee, aber wir hätten vermutlich fast eine Stunde im Starbucks darauf gewartet.

Als wir gemütlich bei gutem Essen im Marlow's an der 16. Straße sitzen, sehnen wir uns bald nach dem Bett. Der Anfang ist gemacht!

Montag
Nicht nur das Frühstück im Hotel ist ausgezeichnet, auch das Wetter begrüßt den heutigen Tag bereits um 7.00 Uhr früh mit Sonnenschein und 66 Grad, was für unser Heimatland ja schon fast Hochsommer bedeutet. Aber das wird sich ändern. Kalt und warm wird es mir bereits, als ich meine eMails kontolliere. Einige Umsatzanfragen der Kreditkartenfirma ergeben, dass die Kreditkarte heute Nacht attackiert wurde. Zwei Umsätze haben sie durchgelassen, der Rest ist abgelehnt - erste Schadensbilanz: 929 Euro, Karte gesperrt. Gut, dass wir noch drei andere dabei haben.

Wir nehmen die Interstate 25 nach Norden und biegen bei Fort Collins am Exit 269 B auf die Colorado 14 nach Westen ein. Der wirklich sehr schöne Poudre Canyon, eine perfekte Motorradstrecke, ist eine schmale grüne Schlucht, ungefähr 64 km lang. Da wir praktisch alleine auf dieser Welt sind, überschreitet der Pathfinder ab und an etwas das Speed Limit, auch, als sich von links ein wuchtiges, schwarz-braunes Etwas nähert. Ich habe ihn schon bemerkt, als er seinen gemächlichen Gang in einen Galopp wechselte. Er, dieses Monstrum, wollte wohl noch vor uns über die Straße und es wäre vermutlich ein fataler Fehler gewesen, es darauf ankommen zu lassen. Der Kampf um die Vorfahrt gegen diesen Fleischberg hätte unserem Auto und uns vermutlich nicht gut getan. Also zackige Bremsung, Moose-Alarm! Seine Eltern haben ihm wohl beigebracht, dass man an der Straße wartet und schaut. Das hat er auch getan. Also mutiert der Galopp wieder zu einem gemächlichen Schleichgang bis zum Stopp am Straßenrand. Und er schaute dann wirklich nach rechts, so wie es sich gehört. Gut so, denn ich hatte noch die Zeit, den Foto auszupacken.

Elch im Poudre Canyon

Nach insgesamt 132 Meilen und drei Stunden biegen wir links in die National Forest Road 170, auch als CO 62 benannt, ein. Gut, dass ein Ranger gerade die Box für den Eintritt leert, denn ansonsten hätten wir möglicherweise übersehen, dass 7 USD Gebühr fällig werden. 1,5 Meilen gute Dirtroad, die jeder PKW bezwingen könnte, bringen uns zum American Lakes Trailhead, der lustigerweise Luftlinie keine 20 Meilen von unserer gestrigen Wanderung liegt.

Der American Lakes Trail wird auch manchmal als Michigan Lakes Trail oder Thunder Pass Trail bezeichnet. Er führt uns nun sehr gemächlich im Wald bergauf, als wir anfangs einer alten Dirtroad folgen, die nach 0,5 Meilen über eine Holzbrücke über den Michigan River führt. Der River ist eher ein kleiner Bach. Nach der zweiten Holzbrücke, ein wackliger Steg, machen wir eine kleine Rast. Und als ich so da sitze, vermute ich einen Blütenflug. Die Luft ist voller herabschwebender Teile. Aber als ich so ein Teil auffange, schmilzt es in meiner Hand; es schneit!

Endlich gewinnen wir an Höhe, - der Trail führt über Switchbacks nun hinauf. Der Wind nimmt zu und das Schneetreiben wird immer stärker. Als wir nach 3,4 Meilen die Michigan Lakes erreichen, ist es nicht nur vorbei, sondern die Sonne bahnt sich ihren Weg auf die wunderschönen Seen. Tolle Bilder, tolle Farben, herrliche Umgebung. Eingerahmt von den Felsmassiven der Nokhu Crags auf der einen Seite und des grünen Thunder Passes auf der anderen Seite, liegen die kleinen Seen ruhig da. Die Herbstfarben der Sträucher bilden einen schönen Kontrast.

Michigan Lakes Thunder Pass

Oben donnern die Wolken in einer ziemlichen Geschwindigkeit über uns hinweg und werfen ihre riesigen Schatten auf die Bergwelt. Einen noch besseren Überblick hat man auf dem Thunder Pass, der nur eine knappe Meile entfernt ist. Als wir jedoch dort an der Grenze zum Rocky Mountains National Park ankommen, bricht auf 3.444 Metern erneut der Schneesturm los. Das Panorama hat sich auf 50 Meter eingeschränkt und wir treten den Rückweg an. Besonders warm ist es inzwischen auch nicht mehr, so dass wir ganz froh sind, den windschützenden Wald zu erreichen. Nach dreieinhalb Stunden und rund 8,5 Meilen haben wir den Parkplatz und unser Auto endlich wieder. Es schneit nur noch leicht, aber die Heizung läuft "volle Kanne". Trotz zeitweise widrigster Umstände haben wir die Wanderung und die Szenerie sehr genossen.

Als wir in Walden, der Ort bildet sozusagen das Ende des Poudre Canyons, ankommen, hat es immer nur noch 32 Grad Fahrenheit. Ein Kaffee in der Tanke muss sein, aber er war nicht besonders gut. Nach 186 Meilen erreichen wir auf der CO 125 Wyoming. Und als wir ein paar Pässe überwunden haben, auf denen bereits geschlossene Schneedecke war, geht es abwärts nach Laramie.

Das Hilton Garden Inn ist auf jeden Fall schöner, als das in Denver und wir haben ein wunderbares, sehr großes Zimmer im 5. Stock bekommen. Das Abendessen gab es im Hotelrestaurant und es war wirklich ok.

Dienstag
Mit voll aufgedrehter Heizung führt uns die WY 287 in den Süden von Laramie. Es sind nur 5 Meilen bis zur Howe Road und nach einem elend wirkenden und hässlich aussehenden Zementwerk geht die sehr gute Gravelroad 18.5 Meilen in den Sand Creek. Unscheinbares Grasland verwandelt sich in eine rot-weiße Hölle, die dem Südwesten in keiner Weise nachsteht, - das zeigt bereits der erste Blick. Das Auto parkt an der Straße, es ist eiskalt, der Wind tut sein Übriges, und wir ziehen alle Jacken an, die an Board sind.

Hier ist zwar neben der Straße alles eingezäunt, aber es gibt keine Kennzeichnung von privatem Land, keine Warnung, und die Zäune gewähren einen leichten Durchstieg. Das Gebiet ist riesig, die Felsformationen vom Feinsten. Rote Felsen in den aus dem Südwesten bekannten Formen stehen im Sand. Ein kleiner Steinbogen bildet das Fenster in die Ferne, in der weiße Indianerzelte aus Stein wie in einem Dorf aufgereiht stehen.

Sand Creek Wyoming

Wir streifen durch die rote Fraktion, überqueren die Straße nach Westen und treffen auf weiße Waves und Butten. Einfach ein Traum, zumal man auf alle Formationen wunderbar und locker steigen kann. So wechseln die Blicke permanent vom Mikrokosmos in die Ferne, in der sich die Felsformationen im grün-hellgelben Gras erheben. Eine feuerrote Erde kommt an den Erosionsstellen zum Vorschein.

Sand Creek Wyoming
Sand Creek Wyoming

Wir streifen zweieinhalb Stunden durch die Gegend, es waren nur 2,5 Meilen, und vermutlich könnte man sich den ganzen Tag hier aufhalten, um auch die ferner gelegenen Formationen näher zu bewundern. Wir fahren mit dem Auto weiter bis zum Chimney Rock. Auch er steht seinen Brüdern im Westen in nichts nach. Es war einfach klasse hier!

Auf dem Rückweg treffen wir einen hiesigen Bauern, der aus einer anderen Straße kommt. Und wie das unter uns Landeiern so üblich ist, hält man an und schwätzt ein wenig. Ich frage, ob die Richtung, aus der er kommt einen Ausgang auf die WY 287 hat. Ja, hat sie, aber er gab zu bedenken, dass die Straße "very rough" wird. Muss nicht sein, will wollen das schöne Zementwerk nochmal sehen. Egal, - jetzt donnern wir auf der 287er nach Süden. Wir sind wieder in Colorado und wir sind wieder im Poudre Canyon.

Der Trailhead auf den Greyrock Mountain liegt auf der falschen Straßenseite, also Straße und über eine Brücke den Poudre River queren. Der Trail 946 führt nach oben, es geht ziemlich flach los und nach 0,66 Meilen erreichen wir die untere Trailkreuzung zum Meadows Trail 947. Das soll aber erst unser Rückweg sein, also weiter auf dem Greyrock Trail. Eine Meile, es geht voran und endlich auch "vernünftig" bergauf. Die Laubbäume sind bereits kahl, aber manche rote Sträucher wehren sich noch gegen den kalten Herbst. Wie Signallampen leuchten sie im Creek.

Nach 2,27 Meilen führt der Weg am oberen Abzweig des Meadows Trail vorbei. Der graue Felsen ist ein Ungetüm und sein Gipfel schein noch ziemlich weit oben. Und damit ist die Prognose klar und sie trifft auch ein. Das letzte Stück nimmt ein wenig Anlauf, geht aber dann gewaltig in die Höhe. Manchmal müssen die Hände her. Auf dem nackten Fels steigen die Kletterer an Seilen gesichert in die Höhe, die wir erst nach insgesamt einer Stunde und 40 Minuten erreichen. Eine wunderschöne Lichtung, mit gelbem Gras und dunkelgrünen Bäumen bildet den Abschluss. Den Gipfel, der noch etwas höher liegen würde, sparen wir uns, denn auch von den Rändern dieser Lichtung eröffnet sich ein gigantischer Rundblick nach Wyoming und Colorado. Auf der einen Seite das weite Grasland und in die andere Richtung die hohen Berge, in denen gerade der Schnee fällt. Leider ist die Gipfelpause etwas kurz, denn der kalte Wind lässt die Adern im Gesicht gefrieren. Bäh!

Greyrock Mountain
Greyrock Mountain

Der Abstieg über den Meadows Trail ist schöner, da er weniger im Wald verläuft und so bessere Aussicht bietet. Leider ist er auch um 1,3 Meilen länger und hat mehr Höhenmeter, da ein Abstieg in ein Hochtal und der gegenüberliegende Wiederaufstieg für etwas mehr Anstrengung sorgen.

Ein sehr schöner Tag geht mit einem vernünftigen Essen nicht ohne die Erkenntnis zu Ende, dass südlich von Laramie eine fast unglaubliche Natur ist, die jedem Fan des Colorado Plateaus gefallen wird.

Mittwoch
Alte oder unflexible Leute neigen dazu, immer wieder gleiche Lokationen anzusteuern. Da kennt man sich aus, man hat Erfahrungen gemacht, alles ist fast wie daheim. Obwohl wir auch nicht mehr die Frischesten sind, ist unser Ziel klar: Wir wollen die USA wirklich kennenlernen, neues entdecken und nicht immer wieder die gleichen Spots besuchen. Es gibt daher sehr selten Gründe, warum wir die gleiche Wanderung erneut angehen. Ein außergewöhnlich schönes Gebiet, zum Beispiel die Coyote Buttes, aber auch wenn wir einen Hike nicht geschafft haben, aus welchen Gründen auch immer, sind Ausnahmen. Und morgen ist es mal wieder soweit und deshalb werden wir gleich in ein sehr abgelegenes Gebiet in Wyoming vordringen. Let 's go Northwest! Wir freuen uns nach 2014 auf Pinedale, WY, obwohl der Ort selbst kaum Anlass zur Freude gibt.

Es ist schönstes Wetter, aber sehr kalt (33 Grad Fahrenheit). Wir fahren die Interstate 80 nach Westen. Am Exit 272, Arlington, geht es unmittelbar nach der Ausfahrt auf die County Road 402. Kein Teer, aber ausgezeichneter, manchmal mit Steinen untersetzter, Fahrbelag. Nach einer Meile verschwinden wir dann wirklich ab in die Prärie. Nach links führt die Medicine Bow National Forest Road 111 (geschlossen vom 15.11. - 30.4.) zum White Rock Canyon. Bereits die Anfahrt wird zum Erlebnis, wir halten an, denn die gelb und orange gefärbten Espen sind eine Wucht. Nach 3,6 Meilen wird die Straße sehr steinig, aber bereits 0,2 Meilen weiter ist der Campground, auf dem man wunderbar parken kann. Es wären noch 0,3 Meilen bis zum Trailhead-Parking, aber das muss ja nicht sein.

White Rock Canyon Wyoming

Als wir unsere "sieben Sachen" gepackt und die Bergschuhe geschnürt haben, gehen wir die Dirtroad weiter zum Trailhead. Die Wanderung beginnt schon spektakulär. Rechts dieser kleinen Mesa hat sich eine weiß-gelbe Wand aufgebaut, die eine überdimensionale Schießscharte, vermutlich ein zusammengebrochenes Felsentor, hat. Dann geht es hinunter in den Canyon. Den ersten Pillar, eine weiße Felssäule, sieht man sehr schnell. Hell leuchtend überragt sie, respektive er, der "White Man", den dunkelgrünen Wald. Es sieht toll aus!

White Rock Canyon Wyoming

Zunächst besuchen wir aber seine Frau, die "White Woman", und gehen nach rechts. Auch sie hat eine stattliche Größe, aber vor allem eine unglaubliche Aussicht auf den schneebedeckten Elk Mountain. Immer wieder treffen wir auf unserem kleinen Spaziergang auf weiße Felsformationen, die isoliert stehen und praktisch mitten im Wald oder auf einer Wiese "zur Ruhe" gekommen sind.

White Canyon Wyoming

Querfeldein bahnen wir uns den Weg hinunter in den East Fork Creek, immer bemüht, die Richtung zum "White Man" nicht zu verlieren, den man bereits beim Abstieg nicht mehr sieht. Nachdem wir den Bach trockenen Fußes queren konnten, geht es ziemlich bergauf. Die weiße Felssäule bleibt noch unsichtbar und da wir keine genauen GPS-Daten von dem Teil haben, wandern wir nach Gefühl. Und als das Weiß endlich durch den Wald schimmert, müssen wir die Route nur unwesentlich korrigieren.

Das Monstrum steht nun breitbeinig vor uns. Er ist unzweifelhaft der Capo, Chef aller weißen Felssäulen und -skulpturen, ein Prachtexemplar. Oben auf seiner Spitze thront ein kleiner Arch, der aufgrund der Größenverhältnisse eher wie ein Nadelöhr aussieht. Als wir nach ziemlich exakt zwei Meilen unser Auto erreichen steht fest, dass dieser Canyon außergewöhnlich und schön ist.

White Man im White Rock Canyon Wyoming

Gestern auf dem Greyrock Mountain hat sich ein Problem abgezeichnet, das es nun zu lösen gilt. Monika hat eine Schuhrandprellung und kann nur noch unter Schmerzen wandern. Das geht natürlich überhaupt nicht, so dass wir Steffi nach einem Sportgeschäft fragen. In Rawlins nehmen wir die Ausfahrt. Dieses kleine Nest hat zwei Sportgeschäfte. Im ersten könnten wir Waffen kaufen - danke, kein Bedarf -, aber "Graphic Sports" hat alles, was sich der Sportler so wünscht. Neue Bergschuhe, Handschuhe für den Goldstrike Canyon und warme, lange Tights für die kommenden Tage in Wyoming, die zwar schön, aber vermutlich auch kalt werden. Die haben wohl das Geschäft ihres Lebens mit uns gemacht - gut so!

Nach 224 Meilen verlassen wir die Interstate auf die aus Moab wohlbekannte US 191. Es geht weiter nach Norden. Als wir die Wind River Range entlang fahren, müssen wir leider feststellen, dass es sehr weit heruntergeschneit hat. Es bleibt die Hoffnung, dass wir morgen unsere Wanderung zum Clear Creek machen können. Im Frühjahr 2014 hat uns der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber zunächst einmal nach Mexico - das Los Cabos hat ein ausgezeichnetes Abendessen.

Donnerstag
Der Tag der Wahrheit beginnt um 8.15 Uhr. Sind wir erneut umsonst nach Pinedale gefahren oder wird uns die lange Off-Road-Fahrt heute gelingen? Die Vorraussetzungen sind nicht schlecht. Es ist kalt, um genau zu sein, es hat nach dem Frühstück nur -6 Grad und zwar Celsius. Und das ist gut für die Dirtroads, denn sie sind gefroren. Auf zu den Green River Lakes und zum Clear Creek.

Die US 191 bringt uns auf die Straße der Erkenntnis. Nach 4.6 Meilen geht es rechts auf den Highway WY 352. Noch ist Teer unter den Pneus, so dass es eine angenehme, aber insbesondere schöne Fahrt durch die Weiten von Wyoming ist. Die Wind River Mountain Range begleitet uns in einem frisch verschneiten Kleid. Und nach 29,8 Meilen sind wir an der Grenze zum Bridger National Forest; die Green River Road 650 ist ungeteert. Jetzt gilt 's!

Die Dirt Road ist aber anfangs sehr gut zu befahren. An den feuchten Stellen ist sie gefroren, so dass wir auf festem Sand und Lehm zügig vorwärts kommen. Der Green River begleitet uns in gemächlichem Tempo und als er nach dem Little Sheep Mountain eine Rechtskurve vollführt, wird der Untergrund erdig. Die Blicke auf die herrliche Landschaft konzentrieren sich nun ganz auf die Straße. Tiefere Spuren zeigen an, dass es schwieriger wird. Es geht etwas bergab, ist aber schnurgerade. Kurz vor der Einfahrt in den erdigen Teil kommt ein Fahrzeug mit Anhänger von unten. Es geht nur einspurig, da an den Rändern der tiefe Boden wartet. Also abwarten! Der Gegenverkehr tut sich bergauf etwas schwer und schlängelt sich eher in unsere Richtung. Das mag ja heiter werden.

Gemach, gemach, - mit Ruhe und Geduld lenkt sich der Pathfinder ohne irgendein Zucken durch den Schlamm. Erst kurz vor dem Trailhead ist noch eine kleine Hürde zu nehmen. Die Rindviecher stehen mitten auf der Straße und meine Hupe nehmen sie eher gelangweilt zur Kenntnis. Die 18,8 Meilen Dirtroad gehen jedoch ohne größere Probleme zu Ende und als wir aus dem Auto steigen, öffnet sich vor uns das Paradies.

Green River Lakes Clear Creek Wyoming
Green River Lakes Clear Creek Wyoming

Der strahlend blaue Himmel läßt den Fluss in einem tiefen Blau durch die Sumpf- und Heidelandschaft fliessen. Alle Zeichen stehen auf Herbst, manchmal knapp vor dem Winter, denn die anfängliche Querung des Green River über eine Brücke gestaltet sich nicht so leicht: Glatteis! Aber der Trail an der Ostseite der Green River Lakes ist einfach und der Untergrund wunderbar hart. Links und rechts ragen die verschneiten Berge der Ausläufer der Wind River Range in die Höhe. Unterhalb der Schneegrenze leuchten die hell-gelben Blätter der Espen wie Laternen. Das grüne Wasser liegt unbeeindruckt "unter unseren Füßen".

Green River Lakes Clear Creek Wyoming
Green River Lakes Clear Creek Wyoming

Was für ein Tag, was für eine Landschaft. Das Herz pumpert. Aber nicht vor Anstrengung, denn bis zum Ende des ersten Sees bleibt der Wanderweg flach. Erst nach gut zwei Meilen, als wir nach links in den Clear Creek eintauchen, geht es etwas hinauf. Die Clear Creek Falls stürzen direkt aus dem Wald rauschend in die Tiefe eines kleinen Canyons. Und obwohl die Steigung bald wieder vorbei ist, hat man das Gefühl, dass man sich jetzt im Hochgebirge befindet. Der Flat Top Mountain schiebt sich gewaltig in die Szenerie und die Sonne verabschiedet sich, da hoch oben die Wolken meinen, etwas Schnee absondern zu müssen. Das Hochtal des Clear Creeks leuchtet trotzdem vor sich hin. Sulfur Quellen blubbern aus dem Heideland und der Bach schlängelt sich wie eine Schlange von einer Bergseite auf die andere, als ob es kein Halten mehr gibt.

Green River Lakes Clear Creek Wyoming
Green River Lakes Clear Creek Wyoming

Nach 3,2 Meilen spannt sich eine kleine Brücke über den Creek, ein Trail führt nach rechts. "Straight ahead" ist unsere Richtung - Remote Wyoming! Nach knapp 4,5 Meilen stehen wir an der Clear Creek Natural Bridge. Der Bach hat einen massiven Felsblock untergraben, um anschließend die Hochebene zu stürmen. Wir erkunden die Vorder- und Rückseite und bei dem Versuch, dem Durchbruch möglichst nahe zu kommen, wäre ich beinahe ins vermutlich nicht sehr warme Wasser gefallen. Nix passiert, - und so sitzen wir auf der Nordostseite der Brücke und machen Pause. Die Freude währt jedoch nicht lange, denn es beginnt zu schneien.

Nach 9,27 Meilen, für die wir keine 4,5 Stunden unterwegs waren, erreichen wir wieder den Trailhead. Das Fazit dieser Wanderung fällt kurz und schmerzlos aus: Der Hammer!

Die Rückfahrt war dann auch kein Problem, trotz zwischenzeitlichem Schneesturm. Der Pathfinder ist ein gutes Auto! Als wir den Teer erreichen, beobachten wir eine eigenartige Veranstaltung. Die links und rechts liegenden Weiden haben an der Vorderseite zur Straße ungefähr 10 Meter Breite, extra abgetrennte Bereiche. Diese ziehen sich über Kilometer hin. Hunderte von Kühen machen sich auf den Weg, um die Weide zu wechseln. Die Wanderung der Rindviecher! Die Büffelherde lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und rammt ihre Schädel zum Fressen permanent in das Gras.

Das Abendessen im Stockman's war so was von gut, unglaublich für Landgastronomie! Die Reise nach Pinedale hat sich gelohnt, es war fast unbeschreiblich.

Freitag
Um 8.00 Uhr starten wir bei 19 Grad Fahrenheit, das sind über sieben Grad Celsius im Minus. Gut, dass im Wagen ein Eiskratzer liegt. Die Amis machen das ja anders. Der Motor wird gestartet, das Auto abgesperrt und dann gehen sie erst einmal zum Frühstück. Magen voll, Auto abgetaut, was will man mehr. Umweltschutz, wieso? Alles eine Erfindung der Grünen. Wenn es eh so kalt ist, warum soll sich die Erde nicht erwärmen? Trump kommt wohl richtig, - jeder hat die Politiker, die er verdient!

Die US 191 führt uns nach Westen am Hoback River entlang. Idyllische Gegend! Nach 62 Meilen sind wird an der Kreuzung zur 89er und es geht am Snake River entlang nach Jackson. Das lassen wir jetzt mal liegen, denn natürlich gehen wir erst mal wandern. Die Grand Tetons warten!

Two Ocean Lake Grand Teton National Park

Die Teton Range erhebt sich imposant aus der Ebene. Die Berge sind eingeschneit und das ist kein gutes Vorzeichen für unsere geplanten Höhenwanderungen am nächsten und übernächsten Tag. Egal, wir werden eine Lösung finden und bleiben auf dem Boden. Die Two Ocean Lake Road führt uns zum Trailhead. Die letzen 2,4 Meilen haben es in sich, denn durch den Wald wird die nasse Straße zur Rutschbahn - alles gut! Und, aufgemerkt, es hat schon 32 Grad, der Gefrierpunkt ist also erreicht. Wie schön!

Es gäbe mehrere Wanderalternativen, wir entscheiden uns für die Nordostseite des Two Ocean Lake und fragen uns nach einiger Zeit auf furchtbar batzigem Pfad und kaum Sicht auf den See, ob das die richtige Entscheidung war. Nach 3,3 Meilen durch Wald mit Lichtungen erreichen wir das Ende des Sees. Mittlerweile hat der Himmel wieder zugezogen, aber wir beschließen, noch auf den Grand View Point zu steigen.

Two Ocean Lake Grand Teton National Park

Nach knapp dreieinhalb Meilen teilt sich der Weg, es geht nach oben. Fast hätte man formulieren können, dass die "Spitze des Eisbergs" nach 4,5 Meilen erreicht ist. Es bleibt beim Konjunktiv, denn die Aussicht auf 2.312 Metern Höhe ist grandios. Die Teton Range im Hintergrund und vorne bauen sich drei mächtige Seen auf: Der große Jackson Lake mit seiner Insel Donoho Point und die zwei Zwillingsseen Two Ocean und Emma Matilda. Die gelben Espen leuchten trotz des dunklen Himmels. Der Schnee hat fast die Ebene erreicht und liegt hier oben bereits auf den Bäumen, aber nur vereinzelt am Boden.

Jackson Lake Grand Teton National Park

Es wäre ja langweilig, wenn wir den Weg auf der gleichen Stecke zurückgehen würden. So ist die Entscheidung einfach, zumal der Rückweg über den Emma Matilda Lake nicht weiter ist. Es geht hinunter nach Süden und als wir fast das Wasser erreichen, führt der Weg hoch auf eine Ridge, der wir nun folgen. Schöne Blicke auf den See und die Umgebung sind der Lohn. Die Gipfel der Tetons sind wolkenverhangen und leider scheint immer noch keine Sonne. Aber selbst bei diesem Licht sieht es einfach fantastisch aus. Nach 9,75 Meilen haben wir den Trailhead wieder erreicht.

Das "Wort Hotel" ist nicht nur historisch, sondern schön und die hoteleigene Silver Dollar Bar ist einfach toll. Anschließend geht es in den White Buffalo Club. Es gibt ausgezeichnete Weine und ein sehr gutes Essen. Wir sind für morgen gestärkt und das werden wir brauchen.

Samstag
Heute begrüßt uns strahlender Sonnenschein bei immerhin schon 29 Grad Fahrenheit. Der Valet-Parker ist eine Wucht, alle Scheiben sind bereits von Eis befreit, - so ist 's gut! Noch besser ist, dass die Teton Range vollkommen wolkenfrei zu sehen ist und die Masse der Fahrzeuge an der Moose Junction nicht in die Inner Park Road abbiegt, sondern gen Yellowstone donnert.

Bei der Einfahrt in den Nationalpark steht ein Schild: Jenny Lake closed! Das wäre schlecht, jedoch zeigt unsere Erfahrung, dass diese Informationen oft nur ungenau sind, wenn sie überhaupt stimmen, so dass wir unsere Fahrt etwas irritiert, jedoch ungestört fortsetzen. Und siehe da, der Parkplatz war trotz Baustelle offen, zumindest teilweise. Lediglich die Überfahrt mit dem Schiff zum Inspiration Point Trailhead ist nicht mehr in Betrieb. Aber das war uns sowieso klar, denn wir wussten, dass das letzte Schiff am 11. September ging und es dadurch ein paar Extra-Meilen werden. Let's hike!

Jenny Lake Hike Grand Teton National Park
Snake River am Jenny Lake

Wir wollen über den Inspiration Point in den Cascade Canyon aufsteigen, doch zunächst erreichen wir nach 0,4 Meilen den Jenny Lake. Ziemlich ruhig liegt der See vor den mächtigen Bergen. Das Panorama ist unglaublich. Den Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes, bildet der Grand Teton mit seinen 4.199 Metern. Wie eine schiefe Zipfelmütze überragt der Berg die Range, die sich vom Boden unvermittelt 2.100 Meter in den Himmel schraubt. Das intensive, fast unnatürlich wirkende Blau des Himmels rahmt die weiß-graue Bergkette ein. Der See spiegelt das Panorama noch nicht sehr scharf wider, denn etwas Wind erzeugt lichtbrechende Wellen.

Jenny Lake Teton Range

Nach 2,2 Meilen erreichen wir die Hidden Falls, ein nettes "Kanonenrohr" mit reißenden Stromschnellen. Als wir nach 2,4 Meilen am Aufstieg zum Inspiration Point stehen, versperrt ein Zaun den Weg. Trail closed! Ungerecht wie ich bin fluche ich los: Typisch Amerika, hätten sie auch vorne hinschreiben können! Ungerecht deshalb, denn als sich die Lage etwas beruhigt, war hinter uns ein kleines Schild mit Pfeil, Detour, also Umleitung. Gut, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Wir gehen weiter Richtung Boat Ramp und dann nach links hinauf. Je höher wir kommen, umso schlechter wird der Trail: Schnee, Eis und Matsch. Wir fragen drei kanadische Backpacker, wie die Trails oben aussehen und sie machen uns kaum Hoffnung.

Bereits einen halben Meter Schnee hat es da oben und es ist nicht gespurt. Der Cascade Canyon hat sich also erledigt, aber wir erreichen nach 3,55 Meilen den Inspiration Point. Die Aussicht ist wunderschön und wir genießen das Panorama bei einer kleinen Pause.

 

Teton Range
Jenny Lake from Inspiration Point

Als wir nach 4,9 Meilen wieder am See sind beschließen wir, noch die Runde zum String- und Leigh Lake zu drehen. Der Weg ist wunderbar und führt immer flach am See entlang; links im Wald lauert eine Elchfamilie. Ein paar Touristen stören sie, ich auch.

Nach 6,2 Meilen sind wir am String Lake, auf dessen Westseite der gleichnamige Trail verläuft. Es geht nach Norden zum Paint Brush Canyon Trail, die Steigung nimmt zu, währt aber nur kurz, denn es geht bald wieder bergab in Richtung String Lake Picnic Area. Eine Brücke führt über die Nahtstelle von String und Leigh Lake. Der Hike ist inzwischen zum Spaziergang geworden. Auf der Ostseite der Seen geht es nun absolut flach zurück. Mehrere Riesenparkplätze markieren Einstiege in den Wanderweg. Entsprechend ist auch was los, die Lage entspannt sich jedoch jeweils nach ein paar hundert Metern. Aber nicht nur das Wetter und das Panorama sind herrlich. Auch die Temperaturen sind es, wir brauchen das erste Mal keine Jacke.

String Lake

Nach 9,5 Meilen nehmen wir den East Shore Trail des Jenny Lakes zur Ranger Station. Nachdem wir schon über 12 Meilen unterwegs sind, müssen wir am Ende noch die Baustelle umrunden. Mist!. 12,8 Meilen sind es dann geworden, aber die Höhenmeter waren nicht der Rede wert, so dass wir zwar müde, aber nicht fertig sind. Es war wieder ein wunderschöner Hike in atemberaubender Natur, auch wenn er etwas anders geplant war.

Beim Abendessen im "Trio An American Bistro" gab es leider noch Ärger. Das Essen war fantastisch, der Wein auch, aber zuerst war unser Tisch nicht frei, dann kam eine falsche Hauptspeise und am Ende stand ein viel zu teuerer Wein auf der Rechnung. Die junge, jedoch offensichtlich nicht sehr helle Bedienung hat den Preis revidiert, aber am Ende immer noch 5 Dollar zuviel verlangt. Das hat sich halt dann beim Trinkgeld bemerkbar gemacht. Monika ist grantig und schreibt ins Tagebuch: Ich hasse das, wenn man uns Ausländer für blöd hält und meint, man kann uns ausnehmen. Der Trinkgeldvorschlag war übrigens 20 und 22 %, LOL!

Sonntag
Jackson liegt im Nebel, - oh, oh. Aber die Sorge war umsonst, denn nach drei Meilen platzt die Sonne ins Visier, der Himmel leuchtet intensiv blau und die Berge stehen ihren Mann. Wir fahren mit der Masse Richtung Yellowstone National Park, aber schon bald geht links die Schwabacher Landing Road ab. Die Straße wird zwar ungeteert, ist aber bestens zu befahren; im Übrigen ist es nur ein kurzes Stück.

Eigentlich sieht es fast trivial aus, kein ausgebauter, mit Beton zugeklebter Viewpoint, aber der Spot ist einfach wunderschön. Morgens die Sonne im Rücken leuchtet der Planet die Berge an. Vor uns windet sich der Snake River so langsam, dass sein Wasser in fast unbeschreiblicher Art und Weise die nicht flüssige Natur spiegelt. Ein kleines Wolkenband schiebt sich in das Bild, was aber nicht stört, sondern die Szenerie noch interessanter macht. Herrlich!

Schwabachers Landing Grand Teton National Park

Ok, genug "geviewpointed", es muss Bewegung ins Spiel. Wir fahren zurück zur Moose Junction und nehmen erneut die Inner Park Road. Nach 2,2 Meilen sind wir am Taggart Lake Trailhead.

Ein breiter Weg führt uns zum See. Etliche Wanderer sind unterwegs und teilen mit uns die fantastische Natur. Als wir am Taggart Lake nach 2,5 Meilen ankommen, sind wir jedoch wieder alleine. Doch halt, was regt sich im Busch? Die drei kanadischen Jungs stehen wieder und unvermittelt auf der Matte. Glücklich sind sie, die Burschen, denn heute ist ihr Abschlußhike nach Jackson. Sie sehnen sich nach Dusche und Bett und vielleicht noch das ein oder andere Bier. Wir können es verstehen. Und nachdem die Bradley Brücke gesperrt ist und die Jungs aus dieser Richtung kommen, veranstalten Sie ein kleines Schauspiel und führen vor, wie man doch über die Brücke kommt. Die Beine weit gespreizt und über die Eisenschienen rutschen. Danke, das werden wir hinkriegen.

Taggart Lake Grand Teton National Park

Der See liegt spiegelglatt in seinem Becken und reflektiert den Himmel unnatürlich blau. Die weißen Spitzen der Teton Range bohren sich ins Wasser und die grünen Nadelbäume wurzeln auf dem Kopf stehend am Ufer. Die Szene wirkt fast surreal, die Symmetrie ist dennoch schöne Realität. Am Ostufer entlang haben wir das Ende des Sees bald erreicht. Die Elche schleichen durch das Gebüsch. Ziemlich unheimlich, denn ansonsten ist keine Menschenseele zu sehen und die absolute Ruhe wird nur durch die Monster verursacht.

Es geht über eine Ridge, die den Bradley Lake sozusagen abtrennt. Über dessen Ostufer ist es nicht weit bis zur Bradley Bridge, die am nördlichen Ende eine letzte Ausbuchtung überspannt. Ja, sie ist gesperrt, aber die neuen Eisenträger verbinden bereits die Ufer. Der Abstand der Schienen beträgt rund 80 Zentimeter. Lustig sah es aus, als wir breitbeinig über die Planken rutschen. Es ging nicht schnell, war aber unproblematisch.

Und nun nehmen wir Anlauf. Es geht durch einen fast paradiesisch anmutenden Wald, der natürlich wegen der Brückensperrung außer uns kein menschliches Wesen beherbergt. Monika beschwert sich, dass sie noch immer kein Bärenglöckchen hat. Ach komm! Aber wir steigen wortlos hinauf, die Ohren spitzen sich, aber es ist nichts zu hören. Na also!

Nach insgesamt 4,5 Meilen erreichen wir die Trailkreuzung zum Lupine Meadows Trailhead. Nach links oben geht es zum Surprise Lake und dem Amphitheatre Lake. Von unten kommt eine Wandergruppe in "Busstärke". Schön, die Jugend geht auf den Berg und wir Alten trotten jetzt mal hintenher. Aber nicht lange, versprochen, denn wir zünden den Turbo und bald ist mit einem freundlichen Lächeln die Pole-Position gesichert. Es war nicht der Ehrgeiz, ehrlich, aber wer will sich schon dem Rhythmus und dem Tempo anderer anpassen.

Blick auf den Taggart und Bradley Lake Grand Teton National Park

In langgezogenen Traversen geht es sukzessive jedoch gemächlich bergauf. Doch nach einer Meile liegt immer mehr Schnee im Trail. Insbesondere der Übergang vom Trockenen bis zur geschlossenen Schneedecke macht Mühe. Sohlentiefer Dreck wechselt mit "vereister Fahrbahn". Im Schnee geht es sich dann sehr gut und wir kommen schnell voran. Nach 5,9 Meilen sind wir an der Garnet Canyon Junction. Gerade aus geht es hinauf. Die letzten 1,6 Meilen ziehen sich in engen Serpentinen, die Schneehöhe ist inzwischen auf 30 Zentimeter angewachsen.

Nach 7,5 Meilen sind wir endlich am Surprise Lake auf 2.907 Metern Höhe. Eine wunderschöne Winterlandschaft umgibt uns, das Wasser glitzert in grün-blauen Farben.

Nur 0,2 Meilen weiter oben erreichen wir den Amphitheatre Lake. Der hat seinen Namen wahrlich verdient. Umrahmt von Bergen, die die Tribüne des Theaters bilden, liegt er unmittelbar am Rande der Abhänge. Die geschlossene Schneedecke beleuchtet das Wasser, das mit der Sonne um die Wette strahlt. Grandios!

Amphitheatre Lake Grand Teton National Park

Es ist trotz Sonnenschein ziemlich frisch hier oben und außerdem nähert sich die Ausflugsgesellschaft, so dass wir mit wunderbaren Eindrücken den Rückweg antreten. Der funktioniert besser als erwartet, denn die Sonne hat inzwischen Schnee und Eis "haftbar" gemacht. Wir genießen die Aussicht in die Baseline Flat und auf die mächtigen Felsen auf der anderen Seite. Unten an der Lupine Meadows Junction wird es so warm, dass die Jacken in den Rucksack verschwinden.

Als wir die Brücke wieder überschlichen haben, nehmen wir mit dem Bradley Lake Trail einen direkteren Weg zum Trailhead. Etwas oberhalb des Taggart Lake gehend, sparen wir uns 1,2 Meilen. Als die Wanderschuhe wieder im Kofferraum ihren Platz finden, waren sie 7 Stunden und 25 Minuten unterwegs und haben 14,6 Meilen, das sind immerhin 23,5 Kilometer, mehr auf dem Buckel. Wir leider auch!

"Local Restaurant and Bar" serviert wunderbares Essen und das Jackson-Fazit fällt nicht nur deshalb positiv aus. Fantastische Wanderungen und eine gute Infrastruktur inklusive der Lokale in Jackson sorgten für eine tolle Zeit. Jackson ist ein netter Ort, nicht billig, keine Frage, aber nicht so überzüchtet wie z.B. Aspen. Und jetzt freuen wir uns auf Utah, gute Nacht!

Montag
Heute frühstücken wir mal nicht im Hotel. Gleich gegenüber ist ein Café. Es war gut und halb so teuer.

Um 8 Uhr sitzen wir im Auto und verlassen Jackson. Obwohl man etwas wehmütig werden könnte, bleibt dafür keine Zeit. Es geht neuen Zielen entgegen. Nach knapp 50 Meilen erreichen wir Idaho. Der Staat gehört zu den dünn bevölkertsten Bundesstaaten. Entsprechend gestaltet sich die Strecke und obwohl die ID 30 die einzig gut befahrbare Strecke durch den Caribou National Forest ist, fährt hier kaum einer.

Mitten in Idaho

Doch plötzlich wird die Einsamkeit mit riesigen Monsanto-Fabriken in Soda Springs durchbrochen. Aus dem Nichts taucht das Dorf auf, in dem es wohl nur ein Vergnügen gibt, nämlich zu arbeiten. Und bald danach ist es mit der Einsamkeit endgültig vorbei. Wir entern nach Lava Hot Springs die Interstate 15 gen Süden und nach dem Malad Valley sind wir in Utah. "This is the place" hat er wohl gesagt, Brigham Young, der Mormonenführer.

Nett, eine Stadt mit Trailhead, - was will man mehr. Ogden, etwa 40 Meilen nördlich von Salt Lake City, liegt eingequetscht zwischen dem Großen Salzsee und der Wasatch Range. An diesem Gebirgszug, der sich unmittelbar am Rande der Stadt sozusagen nahtlos in die Häuserzeilen einreiht, parken wir am 29th Street Trailhead. Hier befindet sich ein größeres Wandergebiet, es nennt sich Bonneville Shoreline und einige Straßen der Stadt enden an gut ausgebauten Trailheads. Toller Service!

Wir nehmen den Bonneville Shoreline Trail zum Waterfall Canyon. Es geht relativ gemächlich bergauf und der Weg trifft bald auf eine Dirtroad, die uns nach rechts weiter nach oben führt. Ein Gatter mit der Aufschrift "TR Guest Ranch - Public welcome", sehr nett, und wesentlich angenehmer als ein Schild "Private Property - No Trespassing" mit irgendeiner Waffe drauf. Der Weg verläuft oberhalb der Ogden High School und des Golfplatzes. In der Ferne sieht man den großen Salzsee, der sich im gleißenden Licht der Sonne aufheizt.

Nach 0,75 Meilen kommt eine kleine Brücke, nach der es links auf den Waterfall Canyon Trail geht. Der Weg wird zum Pfad und nachdem wir eine zweite Brücke überquert haben, neigt sich der entgegenkommende Hang immer mehr in unsere Richtung. Steiniges Terrain und die nun namhafte Steigung zwingen die ersten Schweißperlen an die Oberfläche. Aus einem Joggingpfad ist eine ausgewachsene Bergtour geworden.

Aber nur kurz währt die Freude an der sportlichen Herausforderung, denn bereits nach 1,25 Meilen und 50 Minuten sind wir am Ziel. Der Wasserfall stürzt - na ja, momentan rieselt er eher - von links oben schätzungsweise 50 Meter über den rot-braunen Fels in die Tiefe.

Man könnte duschen, aber das lassen wir mal und genießen lieber die Aussicht auf die Stadt und den Salzsee. Nach knapp zwei Stunden endet unser Autofahrer-Kontrast-Programm.

Waterfall Canyon Ogden Utah
Waterfall Canyon Ogden Utah

Als wir kurz vor Salt Lake City, jedoch immer noch auf der Interstate sind, bimmeln unsere iPhones - Amber Alert! Auch die Verkehrsleitsysteme melden entsprechendes und nennen in dem Zusammenhang einen roten Ford. Da keiner von uns weiß, was das ist, denke ich zuerst an einen Geisterfahrer und reihe mich mal ganz rechts ein. Die Anfahrt bis zum Hotel verläuft jedoch ohne weitere Zwischenfälle. Wir beziehen ein aussichtsreiches Zimmer im Hilton und ich frage mal den Valet-Parker, was unter einem Amber Alert zu verstehen ist.

Ich zitiere mal (http://www.amber-alert-deutschland.de/):
In den USA rettete der AMBER Alert seit seiner Einführung im Jahr 1996 mehr als 800 Kindern, die Opfer einer Entführung wurden, das Leben. Das Ziel des AMBER Alert ist die möglichst schnelle und umfassende Alarmierung der Bevölkerung zu einem aktuellen, lebensbedrohlichen Vermisstenfall. Binnen kürzester Zeit wird die Öffentlichkeit über verschiedenen News-Ticker über die Vermisstenmeldung informiert.
Ende des Zitats. Eine gute Sache, - Informatik und Telekommunikation machen manchmal durchaus Sinn.

Ein kleiner Spaziergang zum City Creek Center bereitet das Abendessen im Market Street Grill vor. Der dritte Besuch dieses Lokals verlief jedoch enttäuschend. Das Essen war nicht gut, aber der Kendall Jackson kam Gott sei Dank aus Kalifornien.

Dienstag
Es ist bewölkt, als wir das Hotel bei warmen 67 Grad Fahrenheit verlassen. Nur 3,5 Meilen sind es bis zum Dead End des Terrance Hill Drive. Das ist genial, hier beginnen die Hiking und Mountainbike Trails erneut direkt am Stadtrand.

Wir nehmen den Bonneville Shoreline Trail der Steiner Centennial Section und bereits nach 0,3 Meilen bergauf öffnet sich die Aussicht auf Salt Lake City. Ruhig liegt die Stadt in einem noch düsteren Licht. Als wir nach 0,84 Meilen an eine Trailkreuzung kommen, ist die Verwirrung etwas groß. 6 Wege zweigen ab, die meisten sind aufgrund der Richtung auszuschließen, aber zwei gehen in die Richtung, die das GPS vorgibt. Und prompt nehmen wir den falschen Trail nach rechts. Das lässt sich jedoch bald korrigieren, denn viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch auf den Black Mountain.

Black Mountain Salt Lake City Wasatch Range

Der Weg wird zunehmend steiler, aber die Aussicht auch immer besser, je höher wir kommen. Nach 2,1 Meilen folgen wir einem kleinen Pfad, der die Hügel jeweils an den höchsten Stellen passiert. Wie wenn Christo die hügelige Landschaft in buntem Samt eingehüllt hätte, es sieht einfach fantastisch aus. Die Herbstfarben des Wasatch National Forest strahlen inzwischen, obwohl sich die Sonne noch nicht sehen lässt. Helles Grün, untermalt mit Feuerrot und einem intensiven Gelb der Espenblätter.

Black Mountain Salt Lake City Wasatch Range

Nun geht es mächtig bergauf und der Weg wird steinig. Die Anstrengung zwingt uns zu mehreren Pausen, die jedoch nicht nur zum Verschnaufen dienen. Die Aussicht auf Salt Lake City, den Großen Salzsee und die gegenüber liegenden Oquirrh Mountains (kein Tippfehler, die schreibt man wirklich so) ist fantastisch. Nach 4,3 Meilen sind wir am ersten Gipfel und tragen uns in das Gipfelbuch ein, das lieblos in einer Plastikröhre steckt, die in einem Steinhaufen manifestiert ist. Die Aussicht ist inzwischen unglaublich, die Blicke wechseln von verschneiten Gipfeln zu brütenden Salzkrusten und mitten drin die Skyline der Stadt. Und die Sonne findet auch und immer wieder durch die Wolken.

Black Mountain Salt Lake City Wasatch Range
Black Mountain Salt Lake City Wasatch Range
Black Mountain Salt Lake City Wasatch Range

Wir kämpfen uns noch eine halbe Meile weiter. Der Trail wird interessanter und schwieriger und so brauchen wir ab und zu sogar die Hände. Nach 4,85 Meilen Aufstieg ist es genug, der Weg wird uns zu gefährlich. Aber wie immer bleibt die Mehrheit der Besucher im unteren Teil und weiter oben ist man ganz alleine unterwegs; wir genießen es!

Nach insgesamt 9,5 Meilen und 6 Stunden haben wir die durchaus anstrengende Wanderung geschafft. Ein wunderbarer Tag mit 823 Höhenmetern in den Beinen findet im Spencer's Steak House ein würdiges und schönes Ende.

Mittwoch
Heute haben wir etwas länger geschlafen, die Körper verlangen ihr Recht nach den gewaltigen Hikes in Wyoming und dem gestrigen. So sind wir erst um 9 Uhr auf der Piste, es hat erneut angenehme Temperaturen. Und als wir die Interstate 15 nach Norden bis zum Exit 332 donnern, strahlt die Sonne. Sie erwartet uns auf dem Antelope Drive, der uns über die UT 108 bis zum Antelope Island State Park führt. 10 Dollar Eintritt. Die Park Road sticht mitten über den Salzsee, dessen Gestank bis in Auto dringt. Das Wasser liegt ruhig in der Sonne und spiegelt die Fremont Island wie eine Fata Morgana.

Frary Peak Dooley Knob Antelope Island State Park

Es geht nach links in Richtung Fielding Garr Ranch, an Büffeln vorbei und dann nach rechts hoch zum Frary Trailhead. Nach 46 Meilen sind wir am Start. Der Trail ist wunderbar gewartet und es geht zunächst moderat über Wiesen mit kleinen Sonnenblumen nach oben. Nach 0,77 Meilen stehen wir am Sattel, der den Blick auf die andere Seite der Antelope Insel freigibt und den Einstieg für zwei Gipfel bildet. Nach rechts geht es kurz zum Dooley Knob, nach links weiter auf den Frary Peak. Bevor wir nun den Peak in Angriff nehmen, hiken wir erst den Trail zum Knob. Begleitet von der grau-weißen White Rock Bay steigen wir keine 0,4 Meilen auf und genießen am Gipfel das außergewöhnliche Panorama über den Salzsee. Diese Insel ist wunderschön, teilweise sieht es aus wie in Irland oder Schottland. Grünbewachsene oder felsige Hügel stehen vor dem unglaublich blau wirkenden Salzsee. Unten weidet eine große Büffelherde und zieht die Autofahrer in ihren Bann.

Frary Peak Dooley Knob Antelope Island State Park
Frary Peak Dooley Knob Antelope Island State Park

Wir sind zurück auf dem Frary Trail und wandern moderat nach oben und dann rechts an der Ridge vorbei in einen Felsengarten mit einem Felsentor. Dann geht es aber hinauf, die Ridge wird in Serpentinen erschlossen. Nach 3,8 Meilen erreichen wir einen Vorgipfel mit einer Radarstation, in ungefähr 0,4 Meilen Entfernung ist der Frary Peak auszumachen. Jetzt wird's aber etwas schwieriger. Rechts unterhalb der Ridge entlang führt der Trail durch felsiges Gelände, das rechts unter den Füßen ziemlich in die Tiefe geht. Langsam und vorsichtig meistern wir ein paar unangenehme Stellen, die jedoch bei Konzentration auf das Wesentliche nicht gefährlich sind. Passage geschafft und nur noch ein paar Höhenmeter nach oben. Berg heil, wir stehen nach 4,25 Meilen am Gipfel und staunen über einen gigantischen 360-Grad-Rundblick auf eine außergewöhnliche Natur. Der Frary Peak ist mit 2.010 Meter der höchste Punkt der Insel.

Frary Peak Dooley Knob Antelope Island State Park
Frary Peak Dooley Knob Antelope Island State Park

Es ist windstill, die Sonne beleuchtet die Szenerie. Tief blaues Wasser rahmt weiße Salzstrände und hellbraune Inseln ein. Der Weitblick wird nur durch die milchige Luft begrenzt. Wirklich sehr schön. Es gibt ein Gipfelbuch in einem Eisentornister und eine kleine Notfallausrüstung.

Als wir schon fast wieder aufbrechen wollen, kommt ein junger Kerl alleine daher und schnell stellt sich im Gespräch unter Bergsteigern heraus, dass er aus Stuttgart ist. The Germans are everywhere! Für den Rückweg brauchen wir 1,5 Stunden, es waren insgesamt 635 Höhenmeter.

Das Abendessen im P.F. Chang war wirklich fantastisch!

Donnerstag
Es geht Schlag auf Schlag, das Disneyland für Erwachsene wartet. Wir verlassen Salt Lake City bei sonnigen 51 Grad Fahrenheit und sind uns einig, dass das unser bester und schönster Aufenthalt in der Hauptstadt von Utah war.

Die Interstate 15 bringt uns zügig nach Süden, Mittagspause im Subway und bald sind wir in St. George. Hier nehmen wir die Ausfahrt und genießen im Starbucks Kaffee und Kuchen. An der Interstate entlang freuen wir uns über die wunderschöne Laubfärbung der Bäume und Sträucher, aber bald ist es mit der Natur vorbei. Kurz vor Las Vegas, wir sind mitten in der Mojave Wüste, erwischt uns der übliche Stau und nach 7,5 Stunden checken wir im Vdara ein. Es erwartet uns ein tolles Zimmer mit Blick auf die Fountains des Belaggio, was will man mehr.

 


 Things 


 Things 

 

Nach einem kleinen Spaziergang zum und durch den neuen "The Park Las Vegas" beenden wir den Tag im Spago.

Freitag
Den Vormittag verbringen wir am Pool, obwohl wir keine Badesachen dabei haben. Zum einen ist die Faulenzerei nicht unsere Sache und zum anderen erwarteten wir nicht, dass es Mitte Oktober noch hochsommerliche Temperaturen haben wird, auch wenn es etwas windig ist. Nach ein paar Stunden ist es dann genug, wir wandern nach Norden zum Fashion Island. Die Gelegenheiten etwas einzukaufen sind in unseren USA Urlauben inzwischen eher rar. Und trotzdem haben wir nicht viel ergattert. Die Zeiten, in denen das Land der unbegrenzten Möglichkeiten andere Kleidung und andere Mitbringsel bietet als in Deutschland, sind schon länger vorbei. Und der Dollarkurs macht auch Investitionen in Technik nicht mehr so interessant und begehrenswert, dass wir uns dem Risiko "Zoll" aussetzen würden. Nun ja, den Tag beschließen wir im Blue Ribbon mit einem sehr guten Essen.

Samstag
Das Frühstück im Aria Café super, jedoch nicht preiswert. Der Wind hat noch nicht nachgelassen, die Wüste bewegt die Luft. Aber der Planet strahlt auf die Hotelburgen, ungestört von Wolken, und erwärmt die Stadt auf 80 Grad Fahrenheit.

In 45 Minuten sind wir am Trailhead des Goldstrike Canyons. Es ist schon einiges los hier und die Autoreihen zwingen uns, ziemlich weit hinten zu parken. Das ist aber nicht der Punkt, an dem diese Wanderung scheitern sollte. Vielmehr sind wir bereits vorletztes Jahr nicht am Ziel angekommen. Das erhöht die Spannung enorm, da wir aber Handschuhe dabei haben fühlen wir uns zumindest bestens gerüstet, um die durchaus schwierigen Absätze des Canyons dieses Mal zu bezwingen. Und die lange Hose ist zwar nicht themperaturkonform, jedoch hilft sie ungemein, um Blutspritzer zu vermeiden. Zugegeben, das war etwas übertrieben formuliert.

Goldstrike Canyon

Ziemlich flach geht es in Schlangenlinien durch den Canyon. Es geht vorbei an alten Autowracks, die in den Canyonwänden hängen und an Achsen, die mitten im Trail liegen. Aber die erste schwierige Stelle lässt nicht lange auf sich warten. Aber die haben wir das letzte Mal auch gut gemeistert. Es geht an einer schrägen Wand mit Hilfe von Moki Steps in die Tiefe. Dürften so drei Meter sein und ein Seil hilft - Handschuhe sind an - sich in der Balance zu halten und den Canyonboden wieder sicher zu erreichen. Aber bald sind wir an der Stelle, an der wir 2014 aus Feigheit, vielleicht war es aber auch Vernunft, umgekehrt sind. Wir schaffen das, sind aber noch nicht an der Reihe. Denn zuerst kommen viele andere Gestalten von unten und krabbeln teilweise auf dem Rücken liegend nach oben. Wie das geht fragt sich, aber ein Überhang zwingt, sich so flach wie möglich zu machen und manchmal bekommen die Leute das Übergewicht und werden an den Beinen von den Kumpels nach oben gezogen. Sieht lustig aus, ist es aber nicht. Also rein in den Spalt und am Seil ab in die Tiefe. Es war alles gut und sicher zu bewältigen, wie es beim Aufstieg wird, werden wir dann sehen.

Goldstrike Canyon
Goldstrike Canyon

Es ist noch einiges zu klettern und zu bouldern, auch Seilpassagen sind noch zu meistern. Am Canyonende kommt noch Wasser dazu, was die Sache nicht einfacher macht. Rutschgefahr! Aber nach 1,5 Stunden stehen wir endlich unten am Colorado River. Eigentlich sind wir ziemlich stolz, diesen Sieg über die Natur errungen zu haben. Die neue Brücke, die die US 93 am Hoover Dam vorbei führt, steht hoch oben am Felsen. Der tiefblaue Colorado strömt uns entgegen, als ob er fliehen möchte. Und die Sandbänke, die hier weniger Sand als faustgroße Steine sind, leuchten hellgrau. Knallig grünes Moos bedeckt Passagen, die öfters mit Wasser geflutet waren. Wir genießen die Szenerie.

Colorado River Goldstrike Canyon

Nach dieser Atempause machen wir uns auf den Rückweg. Jede schwierige Stelle wird elegant, ja fast, aber wirklich nur fast lächelnd genommen. Die Handschuhe helfen ungemein, um die Seile zu greifen und nicht zu verlieren. Wir kommen zügig nach oben und warten auf die Schlüsselstelle. Plötzlich wird der Canyon jedoch flach und irgendwie kommt uns die Sache sehr komisch vor, denn bis auf die Moki Steps stehen alle Schwierigkeiten in steilerem Gelände. Man täuscht sich ja oft, aber plötzlich stehen wir bereits vor den Steps. Offensichtlich haben wir die schwierigste Stelle irgendwie umgangen, denn nach oben gemeistert haben wir sie nicht. Und das kommt uns nochmal eigenartig vor, denn vor zwei Jahren haben wir sicher eine halbe Stunde nach alternativen Abstiegen gesucht. Wie haben wir das nur gemacht? Diese Frage beschäftigt uns bis zum Trailhead und darüber hinaus. Egal, wir sind happy, dass wir es geschafft haben.

Als wir wieder am Hotel ankommen, fällt uns ein Schild auf. Valet-Parking kostet inzwischen nicht nur Trinkgeld (Vdara 18 USD für 24 Stunden).

Vor dem Essen schlendern wir durch die Miracle Mile und dann diskutieren wir den Hike nochmal an einer Bar im Aria. Wir haben leider nicht auf die Preise geachtet und erst nach einem Bier festgestellt, dass die hier einen Vogel haben. Die Lobby Bar im gleichen Hotel war um die Hälfte billiger und die Barkeeper dort sind sowieso nett.

Einen kleinen, wenngleich auch negativen Höhepunkt erleben wir im Maestros, in dem wir vorher schon zweimal zufrieden waren. Ich kürze es ab: Wir müssen uns wieder neue Lokale suchen, denn außer dem nun schon fast ehrwürdigen und immer wieder guten Spago waren wir nirgends so recht zufrieden bzw. war es das wert, was abschließend auf der Rechnung stand. Der nächtliche Abschlußspaziergang bringt zu Tage, dass es trotz warmer Temperaturen keine Wasserverkäufer mehr gibt. Kein Geschrei "Water, - Bottle One Dollar!" mehr zu hören. Ausnahme oder haben die Restaurants den Hahn zugedreht?

Sonntag
Good bye Las Vegas, - wir frühstücken auf dem Zimmer und brechen zeitig auf. Die Interstate 15 bringt uns nur kurz nach Süden bis zum Exit 33. Die NV 160 nach Pahrump ist wunderbar ausgebaut, in den Red Rock Mountains jedoch drosseln wir die Geschwindigkeit, da an den Abhängen der Nebel die Sicht ziemlich einschränkt. Nach 90 Meilen erreichen wir den Death Valley National Park, wir sind bereits mitten in Kalifornien. Der Salsberrry und der Jubilee Pass bringen Farbe ins Spiel. Die Berge werden bunt und bald steuern wir den tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre an. Die Badwater Road flimmert bereits leicht, die 30 Grad sind nicht mehr weit. Wir erreichen unterhalb des Meeresspiegels die Milemarker 31 und 32. Und genau zwischendrin, kurz nach dem Mormon Point, geht es ab zum Trailhead des Sidestep Canyon. Hier sind wir alleine, umringt von Steinen, Salz und hohen Bergen, die den Kessel des Tal des Todes begrenzen. Welche Kontraste: Vor 120 Fahrmeilen die Glitzerstadt und hier die wunderbare Einöde, die nur durch leises Rauschen des Windes überhaupt auf sich aufmerksam macht!

Mit breit ausgestreckten Fangarmen vereinnahmt uns der Sidewinder Canyon nach 0,3 steinigen Meilen. Die schmalen Washes die wir in moderater Steigung gehen, sind mit kleinerem Kiesel gefüllt, was das Vorwärtskommen gegenüber dem ansonsten mit Steinen übersäten Canyonboden wesentlich erleichtert. Der riesige Mund des ausgewaschenen Einschnittes führt uns nach links in die breite Schlucht. Der Blick zurück in das lebensfeindliche Tal blendet das Auge. Nur die noch immer sichtbare Badwater Road signalisiert Zivilisation und gibt Sicherheit.

Sidewinder Canyon Death Valley National Park

Bereits nach 0,6 Meilen erkunden wir links den ersten Slot. Die Wände aus mit Lehm und Sand eingeklebten Steinen, ragen zirka 15 Meter in die Höhe. Oben spannt sich ein großer Felsen über unseren Köpfen. Viel braucht es nicht mehr, um die Erdanziehung wirken zu lassen. Manche Brocken ragen soweit aus der Wand, dass man meint, nur ein kleiner Ruck und er fällt. Aber die Dinger halten bombenfest. Ein paar Meter weiter bereits der nächste Slot, aber die wirklich guten kommen nach zirka 0,9 Meilen auf der rechten Seite. Der Canyon verengt sich.

Sidewinder Canyon Death Valley National Park

Die Schlucht weitet sich nach rechts. Dieser große Einschnitt soll uns zum nächsten Slotcanyon führen. Aber obwohl wir die GPS-Daten haben, wird erst auf den dritten Blick klar, was die Natur von uns fordert. Links an der Wand entlang kommen wir zu einem engen, kaum sichtbaren Loch, das den Slot-Einstieg bildet. Hier ist es so schmal, dass wir die Rucksäcke herunternehmen und durchreichen müssen. Und dann wird es auch noch dunkel. Gut, dass unsere Handys noch genügend Saft haben.

Sidewinder Canyon Death Valley National Park

Der nächste Einschnitt wartet kurz bevor der Hauptcanyon ganz schmal wird. Nach rechts führt uns das GPS in einen langen Slot, vorbei an Hoodoos, die als Wächter rechts oben auf dem Felsen stehen. Es folgt eine kleine Klettereinlage, dann ein Arch, der mitten im schmalen Slot steht. Wie eine kleine Schatzkammer, ausgewaschen vom Wasser, das sich gedreht hat, beleuchtet durch verschiedene Durchlässe hoch oben. Einfach toll! Die Erkundung findet jedoch bald ein Ende, da ein großer, unüberwindbarer Felsen den Weg versperrt. Weiter im nun engen Hauptcanyon, erneut auf der rechten Seite nach 1,2 Meilen, der nächste Pfad. Bereits nach wenigen Metern sind zwei Steinbögen auszumachen. Es regnet ja selten im Tal des Todes, aber wenn, dann möchten wir nicht in diesen engen Slots stecken. Man wäre vermutlich chancenlos.

Sidewinder Canyon Death Valley National Park

Vorbei an Menschenmassen, die das schneeweiße Badwater Basin hinaus wandern, die meisten wohl nur ein paar Meter, erreichen wir die Kreuzung zur CA 190. Nach links, vorbei am Furnace Creek Inn und der Ranch, geht es zum Visitor Center. Es werden 25 USD Eintritt fällig. Das Thermometer zeigt 35 Grad Celsius. Der Kulturwandel zu Las Vegas tritt endgültig ein, als wir unser Zimmer in Stovepipe Wells beziehen.

Am Spätnachmittag bekommen wir Besuch. C.B. kommt aus Barstow mit dem Motorrad. Ein netter Abend im Saloon und im Restaurant geht bei einem Schlürschluck vor dem Zimmer zu Ende. Leider verhindert ein Sandsturm einen ausgedehnten Absacker.

Montag
Wir frühstücken zusammen sehr ausgedehnt, verabschieden uns anschließend von unserem Biker und brechen auf. Angenehme 25 Grad begleiten uns die 190er zurück und links auf die North Highway. 24 Meilen sind es bis kurz vor dem entsprechenden Milemarker, an dem ein großer Felsen liegt. Rechts neben der Straße findet unser Auto gerade noch Platz.

Wir gehen in der wahnsinnig breiten Hauptwash erneut die kleineren Bachläufe mit feinem Kiesel. Der lange Anlauf bis zum Beginn des Moonlight Canyons ist schon mal 1,2 unangenehme Meilen. Im Hintergrund lauern die hohen Grapevine Mountains. Der Wahguyhe Peak hat immerhin 2.630 Meter. Im breiten Canyon wird das Geläuf auch nicht angenehmer, aber Schritt für Schritt, vorbei an Felssäulen, erreichen wir nach 3 Meilen einen Seitencanyon, der uns nun nach rechts oben führt.

Moonlight Canyon Death Valley National Park
Moonlight Canyon Death Valley National Park

Die Wanderung wird anstrengender, denn die Steigung nimmt zu. Immer enger schließen sich die Seitenwände zusammen. Die Farben des Canyons wandeln sich von grau in rot-braun. Dort wo wenigstens ab und zu Wasser fließt, hat sich die Natur breitgemacht. Gelb blühende Ginsterbüsche stehen mitten in der Wash.

Nach sehr engen Windungen und 3,72 Meilen Fußmarsch, findet der Seitencanyon sein Ende. Die Moonlight Bridge markiert es. Hoch oben und unerreichbar steht der Durchbruch, abrupt fällt ein Dryfall rund 5 Meter in die Tiefe. Die letzte Meile der Wanderung, die sehr schön war, endet an diesem Highlight zwischen engen Canyonwänden, prächtigen Farben und einem großen Hoodoo.

Moonlight Natural Bridge Death Valley National Park
Moonlight Natural Bridge Death Valley National Park

Hinunter geht es etwas schneller und es tun sich einige Fotomotive auf, die erst jetzt bei dem Licht richtig zur Geltung kommen. Nach gut 4 Stunden sind wir wieder am Auto. Die nächste Wanderung wartet.

Wir parken gegenüber den Mesquite Sand Dunes am Straßenrand und marschieren links auf die Berge zu. Der Ausblick auf die Sanddünen ist von hier oben herrlich. Immer tiefer graben wir uns in das Gebirge ein, eine Wash bringt uns jedoch bald an sehr schwierige Stellen. Da wir nur GPS-Daten und keinerlei aussagekräftige Beschreibung hatten, sich der Tag auch langsam verabschiedet, beschließen wir die Umkehr. Es ist nach knapp zwei Stunden auch genug für heute.

Das Essen schmeckt besonders gut, nachdem wir am Eingang eine Kakerlaken- und Käferwarnung gelesen haben.

Dienstag
Das Frühstück überlassen wir mal den Kakerlaken. Wir sind froh, dieses Etablissement zu verlassen.

Es ist reichlich frisch, als wir über die 190er dem Death Valley den Rücken kehren. Oben auf dem Towne Pass auf 4.956 Fuß hat es gerade mal 10 Grad Celsius. Egal, Hauptsache die Sonne scheint, - warm anziehen kann man sich ja immer. Als wir durch das Panamint Valley fahren, das ja selbst fast ein Tal des Todes ist, steigt das Thermometer. Die Straße führt schnurstracks durch dieses Wüstental, sie durchschneidet es sozusagen. Kurz nach Panamint Springs, eine Elendssiedlung, taucht der Highway wieder in die Berge ein, vollführt eine Rechtskurve und dann geht es nach links ab in die Prärie. Die ungeteerte Darwin Falls Road führt 2,4 Meilen entlang der Wash bis zum Trailhead. Sie ist zwar ab und zu etwas ruppig, aber ein PKW mit vernünftigen Reifen hätte auch keine großen Probleme.

Der Trail ist eine "Autobahn". Flach führt er in einer großzügigen Rechtskurve in den Darwin Canyon. Das verbleibende Wasser wird durch Leitungen transportiert, die im Übrigen hässlich aussehen und teilweise undicht sind, um Panamint Springs mit dem Nass zu versorgen. Relativ unspektakulär, ja fast langweilig geht es dahin. Nach 0,6 Meilen wird der Canyon enger und das Wasser wird sichtbar. Die Vegetation merkt das und springt unvermittelt aus dem Wüstenboden. Eine wahre und dicht bewachsene Oase ist entstanden, teilweise gehen wir gebückt durch die Büsche und die Bäume. Die letzten paar Meter sind ein paar Felsen zu umgehen, aber alles problemlos. Nach 30 Minuten stehen wir vor dem Fall, der ganzjährig Wasser führt. In einem dünnen Strahl kippt es über einen Felsen, teilt sich kurz vor dem Aufprall und bildet einen Pool. Idyllisch und wunderschön liegt er eingerahmt von Felsen und Bäumen vor uns. Paradiesisch! Der kurze Hike hat sich wahrlich gelohnt.

Darwin Falls Darwin Canyon Panamint Springs

Als wir wieder am Trailhead sind, herrscht Kriegszustand, - zumindest theoretisch. In kurzen Abständen donnern paarweise die F22 Raptor Kampfjets über unsere Köpfe hinweg. Ein gigantisches und sehr lautes Schauspiel, der Canyon bebt und donnert, die Luft zittert. Nun ist es aber Zeit, dass wir uns auf den Weg machen. Palm Springs wartet!

Es geht zurück auf die 190er, ein SUV hat seinen Turbo gezündet und staubt dem Darwin Canyon zu. Als wir erneut in das Panamint Valley kommen, folgen wir dem Tal nach rechts - Baustelle. Der Grader hat neben der Straße eine Ausweichstrecke gefräst. Wir sind die Ersten und ziehen unsere Spuren in den griffigen Sand. Am Ende des Tals geht es nach oben. Eine kleine, interessante Bergstraße windet sich und führt über die Slate Range Crossing. Bald sind wir in Trona. Die Pinnacles verharren in stoischer Ruhe und wir entern die Red Mountains zur US 395.

Wir sind immer wieder fasziniert, wenn wir durch die Mojave Wüste schippern und mitten im Nirgendwo auf eine Kreuzung treffen, deren Geschäftigkeit einer Kreuzung in einer großen Stadt in nichts nachsteht. Dieser abrupte Wechsel von öder und einsamer Natur zu High Tech und Bewegung ist unglaublich. Die Kramer Junction, auch bekannt als "Four Corners", ist im San Bernadino County, Kalifornien. Sie ist eigentlich ein Ort. Kramer Junction befindet sich in der Mojave Wüste an der Kreuzung der U.S. Route 395 und State Route 58, 3,3 km östlich von Kramer. Seit der Volkszählung von 2000 hatte Kramer Junction eine Gesamtbevölkerung von 2.231. Immerhin! Es dürften jedoch ein paar Reisende mehr sein, die tagtäglich diesen Verkehrsknotenpunkt passieren.

Wir kommen von Norden, dort, wo sich die Solar Energy Generating Systems Standorte SEGS III-VII befinden. Die Reflektorenspiegel saugen die Sonne nahezu aus, um Energie zu erhaschen und weiterzugeben. Der Verkehr verdichtet sich von Minute zu Minute und irgendwann steht man dann an dieser Kreuzung an der Ampel. Tankstellen haben hier die Regie übernommen und auch unser Auto hat Durst. Aber obwohl zehn Zapfsäulen zur Verfügung stehen, heißt es erst mal warten. Ja, es ist natürlich was los, aber der eigentliche Grund sind die Menschen, die den Betrieb in unverschämter Art und Weise aufhalten. Es ist nicht nur respektlos, sondern leider "ortsüblich", dass das Auto abgesperrt die Zapfsäule blockiert. Der meist füllige Fahrer kauft ein oder schlingt sich einen Burger runter. Im Hals soll er ihm stecken bleiben!

Die Interstates 215 und 10 bringen uns relativ zügig zum Exit 111. Hunderte von Polizeiautos und Motorräder kommen uns entgegen. Auch als wir dann in Palm Springs ankommen, sind einige Straßen gesperrt. Wir haben erfahren, dass heute die Beerdigung von zwei Polizisten war, die erschossen wurden.

Das Hilton Palm Springs ist so anders als die Großstadt-Hiltons. Weniger geschäftsmäßig, mit einem schönen Pool und einer Poolbar, die von den Zimmern mit Balkon umgeben sind. Es ist wie Urlaub.

Ein Bier an der Poolbar, eins im sehr schönen HardRock-Hotel und ein wunderbares Abendessen im Lulu Bistro/Restaurant runden diesen Tag ab.

Mittwoch
Um 10 Uhr fährt die erste Seilbahn, also genug Zeit, um im Hotel in Ruhe zu frühstücken. Wir sitzen im Freien und genießen die Wärme. Als wir um 9.30 Uhr am Parkplatz stehen, war schon einiges los. Monika will die Karten kaufen, kommt aber nicht mehr zurück. Als ich unruhig werde und mich in den Ticketverkaufsraum zwänge, steht sie in der Schlange und zieht ein vielsagendes Gesicht. Die Informatik spinnt und die Angestellten haben keinen Plan, was sie tun sollen. Der Rechner wird x-mal rauf und runter gefahren, aber das hilft auch nicht. Der beleibte Supervisor steht ratlos im Hintergrund. Eine ganz Schlaue versucht eine andere Lösung und siehe da, meine Kreditkarte war belastet. Aber denkste, die Tickets kommen nicht heraus. Manueller Druck und etwas, was es heutzutage kaum mehr gibt. Kreditkarte in das sogenannte "Ritsch-ratsch"-Gerät und gut. Doppelbelastung Fehlanzeige!

Wir kommen mit der 1. Bahn weg. Anfangs schießt von rechts ein Wasserfall aus dem Felsen. Die runde Gondel schwingt sich über die Stützen. Und sie dreht sich, so dass der Blick immer wieder vom nackten Fels des Mount San Jacinto auf das Coachella Valley wechselt. In 10 Minuten werden wir von der Wüste in eine wunderschöne Bergwelt katapultiert.

San Jacinto Peak Palm Springs

Ein breiter, geteerter, fast behinderten-freundlicher Weg geht hinunter zur Permitstation, - es sind nur 0,3 Meilen. Der Zettel ist gleich ausgefüllt, kosten tut es nichts, und eingeworfen. Den Durchschlag nimmt man wieder mit und schmeißt ihn nach der Rückkehr wieder ein - wir auch! Und so beginnt der Hike an der Junction zum San Jacinto Peak durch einen Felsengarten, der sehr an den Yosemite National Park erinnert. Nach 0,9 Meilen folgen wir einer Gruppe, ohne darüber nachzudenken, ob das der richtige Weg ist. Es steht nur ein Schild nach links zum Round Valley, also nichts für uns - was sich im Nachhinein als Fehler, jedoch nicht als Nachteil herausstellt.

Als wir die Wanderer eingeholt haben, fragte uns die Anführerin der hiesigen Trekkinggruppe, ob wir zu San Jacinto Peak wollen. Unser Ja verhallt im Nirgendwo und wir gehen gemeinsam weiter. Nette Gespräche, natürlich waren sie auch schon in Deutschland, begleiten den Weg nach oben. Irgendwann kam auf, dass wir uns nicht auf dem offiziellen Weg befinden, sondern auf dem sogenannten Sid Davis Trail. Aha! Sie sagten, wir sollten bei Ihnen bleiben, denn zum einen sehen die Ranger es nicht gerne, wenn man diesen Trail benutzt, pah, und zum anderen würden wir uns verlaufen. Der Weg ist auch etwas tricky, denn man befindet sich im Wald, der mit unpassierbaren Sträuchern und Felsen durchzogen ist. Nachdem die Mädels und Burschen aber den Weg kennen, finden wir immer die richtigen Stellen. Als ich auf mein GPS schaue, sind wir ziemlich von der geplanten Route entfernt. Das Gute daran war, dass dieser Trail durch das Tamarack Valley über eine Meile kürzer ist.

San Jacinto Peak Palm Springs

Nach 2,6 Meilen treffen wir nun endlich auf den offiziellen Trail und machen Pause. Die Gruppe verharrt weiter und wir ziehen über den nun Wald-freien Bergrücken in langgezogenen Serpentinen nach oben. Die Sonne scheint, die Felsbrocken liegen in teilweise abenteuerlichen Formen zwischen den hüfthohen, nicht zu durchdringenden Sträuchern. Die letzte große Trailkreuzung vor dem Gipfel drückt in Schildern aus, dass es sich hier um ein ausgedehntes Wandergebiet handelt. Bis nach Idyllwild würde ein Trail gehen. Wir nehmen jedoch nun gerade aus Anlauf und stürmen vorbei an einer Berghütte aus Stein, die als Schutzraum für gestrandete Hiker dient, zum Gipfel. Die letzten Meter geht es durch ein Boulderfeld, - ab und zu brauchen wir die Hände.

San Jacinto Peak Palm Springs
San Jacinto Peak Palm Springs

10.834 Fuß sind 3.302 Meter, freier Blick in alle Richtungen - einfach fantastisch. Unten liegen die Desert Cities und brüten vor sich hin. Die Windräder vor dem Joshua Tree National Park drehen vom Wüstenwind angetrieben ihre Runden. Auf der anderen Seite die ausgedehnte Bergwelt der Mount San Jacinto State Wilderness, die von der sandigen Luft eingesäumt ist. Im Süden breitet sich der Salton Sea in der Wüste aus und verliert von Minute zu Minute mehr Wasser. Irgendwann, aber das werden wir nicht mehr erleben, wird dort der tiefste Punkt der westlichen Hemisphäre sein.

San Jacinto Peak Palm Springs

 

Zurück nehmen wir den offiziellen Weg, der - wie erwähnt - mehr als eine Meile länger ist. Er führt in einer ausgedehnten Linksschleife um das Round Valley herum. Vorteil ist, dass die Sicht auf die umliegende Natur wesentlich besser als auf dem Trail durch den Wald ist. Unten im Round Valley geht es am Creek entlang, vorbei an herbstlich gefärbten Lichtungen.

Nachdem wir unseren Permit-Durchschlag wieder im Briefkasten verstaut haben, verlangt uns der geteerte Aufstieg zur Seilbahnstation noch einiges ab. Die touristisch gepolten Menschen, also die, die Wanderschuhe anhaben, die nie dreckig werden, hören sich Vorträge von Rangern an. Möglicherweise könnte man das ein oder andere Detail erfahren, obwohl diese Vorträge meist zur Schwätzerrunde mutieren. Aber das tun wir uns nicht mehr an, zumal irgendwer dann immer noch mindestens eine Frage hat, die längst beantwortet ist. Nach 8,55 Meilen herrlicher Bergwanderung sind wir wieder an der Seilbahn und nach nur 10 Minuten Wartezeit geht es zurück in das Tal.

Das Abendessen in Sammy G's Tuscan Grill war sehr gut, der Rombauer sowieso, und das Ambiente in diesem Lokal ist einfach angenehm und toll.

Donnerstag
Nein, wir sind keine Golfer und trotzdem fahren wir immer wieder gerne nach Scottsdale. Eine wunderbare Infrastruktur, ein aus unserer Sicht gutes Hotel mit einwandfreiem Preis-/Leistungsverhältnis und eine unglaubliche, naheliegende Natur mit den Superstition und den Goldfield Mountains. Um 9.20 Uhr geht es los, die Sonne scheint, es hat 89 Grad, - alles bestens.

Die Geschichte ist schnell erzählt, es geht immer auf der Interstate 10 nach Osten. Und siehe da, als wir im Garden Inn nach 283 Meilen an der Old Town ankommen, zeigt das Thermometer die sogenannten "Three-Digits". Die Temperatur ist dreistellig, d.h. 100 Grad. Das Hotel wird gerade renoviert, die oberen Stockwerke sind aber schon fertig. Schön ist es geworden, nur für eine neue Klobrille hat das Geld wohl nicht mehr gereicht. Und leider müssen wir feststellen, dass wir kein Wasser haben. Erst nach einem Anruf bei der Rezeption wird klar, dass vor 17 Uhr nichts geht. Hätten sie ja gleich sagen können - Schlamperei! Da wir sowieso noch Einkäufe für die Familie zu erledigen haben, machen wir uns gleich auf den Weg zum Fashion Square. Der Erfolg war mäßig, aber das hat auch sein Gutes.

Endlich duschen und dann entdecken wir auf dem Weg zur Waterfront, ja, so was gibt es in den USA auch mitten in der Wüste, drei neue Lokale. Sehen gut aus, aber uns zumindest geht nichts über das Wildfish. Das Essen war wie immer sehr gut.

Freitag
Der Tag überrollt Phoenix und Scottsdale wie ein aus den Fugen geratener Wüstensturm. Und wir machen uns etwas unsicher auf den Weg in die Superstition Mountains, da trotz sorgfältigster Planung nicht ganz klar war, was uns an diesem Tag erwartet. Aber es kommt noch schlimmer!

Als wir an der Apache Junction den Blinker nach links setzen, brütet die Sonne vor sich hin und erreicht bereits am frühen Morgen die 30 Grad-Grenze. Wir haben Ende Oktober! Der "Lost Dutchman State Park" erweckt den Eindruck einer touristischen Spaziergängeroase. Ruhig und friedlich kreuzen sich die Wanderwege, die sich fast in der Ebene bewegen. Doch der Schein trügt, denn nach einem kleinen Anlauf nehmen die Superstitions Fahrt auf und schießen ziemlich unvermittelt in die Höhe. Und auf diese Höhe wollen wir vordringen, - das Abenteuer startet am Siphon Draw Trailhead.

Erst nach gut einer Meile beginnt langsam die Steigung, noch sitzen die Gelenke locker und der Schweiß kommt ausschließlich von der brütenden Hitze. Nur ab und zu schweift der Blick nach oben, aber das Ziel ist noch nicht auszumachen. Als wir am Siphon nach zwei Meilen angekommen sind, erschlägt uns die Wahrheit. Grell leuchtend kommt die Spitze des Bügeleisens, Flat Iron, in Sicht. Es ist nah, nur eine Meile entfernt, aber momentan kann sich keiner von uns vorstellen, wie wir die Höhe zwischen uns und dem Gipfel überwinden können.

Flat Iron Superstition Mountains

Und kurz nach diesen Blicken bekommen wir bereits zu Beginn der Steigung Bedenken. Über blanken Fels gewinnen wir schnell an Höhe, aber der Blick zurück ist nicht nur unglaublich schön, sondern auch bereits etwas beängstigend hoch über der Zivilisation. Der Ausstieg aus dem Draw verlangt nach den Händen und wir kraxeln über den ersten Absatz, als ob es kein Zurück mehr gäbe. Nur kurz geht es hinunter in eine Wash, - das war aber die letzte Erholung des Tages. Unaufhörlich geht es nun für eine knappe Meile höllisch bergauf. Jeder Schritt bringt fast 30 - 50 Zentimeter Höhengewinn. Eine kurze Meile für über 600 Höhenmeter muss ja drastisch nach oben gehen, also nicht aufregen.

Es sind noch zirka 450 Meter bis zum Gipfel, der rechts neben uns mit einer Senkrechten immer noch gewaltig nach oben ragt. Der Weg teilt sich. Entweder die Wash weiter gerade rauf oder etwas rechts halten und über eine Sandreisse nach oben. Wir entscheiden uns für rechts und haben es bald bereut, denn die Steilheit des Geländes lässt uns immer wieder abrutschen. Und runter kommen wir auf diesem Weg mit heiler Haut sowieso nicht mehr. Augen zu und durch und irgendwann ist der lose Fels vorbei und weicht erneut kompaktem Gelände. Wir brauchen dringend eine Pause.

Flat Iron Superstition Mountains

Ein bayrisches "pack ma's" quetscht die verbleibenden Kräfte aus dem Körper und irgendwann stehen wir vor dem Ausstieg zum Gipfel. Doch das gibt uns fast den Rest, denn eine zirka 2,5 Meter hohe Wand versperrt ihn. Der erfahrene Wanderer und Bergsteiger beurteilt die Gefahren immer nach dem Abstieg, denn der ist in der Regel schwieriger, als hinauf. Und hier stehen wir nun, wir erfahrenen Bergsteiger und Wanderer, - es gilt eine Entscheidung zu treffen: Umkehr oder? Also Rucksack runter und ein paar Griffe probiert. "Des geht scho irgendwie"! Und so war es dann auch, aber wir hofften inständig, dass wir hier nicht mehr runter müssen.

Der Aufstieg war dann bald geschafft und hier oben eröffnen sich unglaubliche Parallelen zu unten. Das Bügeleisen ist flach wie eine Flunder. Ein Spazierweg die letzten hundert Meter zum Gipfel. We did it! Wir sind ziemlich stolz, dass wir den schwierigen Hike bis hierher geschafft haben. Der Blick über die Goldfield Mountains ist einfach gigantisch! Aber nun droht der Abstieg.

Flat Iron Superstition Mountains

Und der beginnt gleich mal chaotisch. Die Alternativen sind nicht sehr vielfältig, um diesen Berg zu besteigen und deshalb habe ich am Gipfel gleich mal das GPS abgeschaltet. Wir schlendern die flache Passage entlang bis zum Abstiegspunkt. Aber den haben wir nicht gesehen, respektive gefunden. Auf dieser Traverse geht es aber irgendwann nicht mehr weiter, aber Gott sei Dank kommt von oben ein kundiger Wanderer. Und der meint, er kennt nur diesen hier. Häh? Als ich meinen Kopf über die Klippe halte wird klar, dass wir momentan genau am Einstieg zur Wash sind. Unglaublich, - plötzlich Stimmen und dann kommt eine Trinkflasche daher. Kein Scherz, ein Mädel hat ihre Flasche nach oben geschmissen, damit sie die Hände zum Klettern frei hat. Als nächstes erscheint ein Fuß und der blöde Spruch, für was man ein Seil braucht, wenn man unendlich Kraft in den Beinen hat. Kraft hat es dann weniger gekostet, mehr Überwindung. Zirka 3 Meter ging es senkrecht hinunter, aber obwohl es von oben eher sehr schlimm aussah, war es dank immer wieder vorstehender Felsen gut möglich, sicher abzusteigen. Schritt für Schritt geht es bergab. Hoch konzentriert sollte man sein und bleiben, denn es geht kräftig gen Tal und Fehltritte wären nicht gut für die Knöchel. Wir arbeiten uns stetig voran, es ist anstrengend, aber echte Schwierigkeiten bleiben aus.

Nach 6 Stunden sind wir wieder am Auto. Heute zischen der Eistee und das Mountain Dew - es hat immer noch 96 Grad Fahrenheit! Der Blick nach oben erzeugt eine Stimmung wie nach einer Erstbesteigung des K2.

Den Aperitif gibt es heute in Form von Bier direkt in der Old Town. Wir setzen uns im Grapevine-Restaurant an die Bar und dann wird es erneut unglaublich. Karaoke! Herrlich und lustig! Alt und Jung singt, mal gut, mal weniger gut und der Text läuft auf zwei Bildschirmen für die Textunsicheren mit. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Fast schade, dass wir einen Termin im Tommy V's ausgemacht haben. Aber das Essen ist so hervorragend, da kommt kein Karaoke mit.

Samstag
Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir bei 80 Grad los. Auf dem AZ 101-LOOP geht es nach Norden bis zum Exit 36 und nach einem Stück auf der Pima Road begleiten uns wunderschöne Häuser links und rechts der Fahrbahn in das Happy Valley. Rechts ab in die East Ranch Gate Road und dann auf der 128sten Straße zum riesigen und monumental ausgebauten Tom's Thumb Trailhead. Obwohl es erst kurz nach 9 Uhr ist, sind die Wochenendhungrigen und Naturverbundenen zahlreich.

Bereits von unten sieht man den Daumen von Tom. Nun ja, ein übrig gebliebener Vulkankegel, der als Kletterfelsen dient. Die Wüstenszenerie ist jedoch sehr schön und außergewöhnliche Felsformationen liegen verstreut in der Gegend. Knobbelige Figuren und Gesichter erinnern etwas an die Alabama Hills. Die McDowell Mountains unterscheiden sich erheblich von unserem Hike gestern in den Superstition Mountains.

Mc Dowell Mountains Scottsdale Arizona

Die Trails of the Scottsdale McDowell Sonoran Preserve - Central Area sind Autobahnen, zumindest anfangs. Der Weg führt nur moderat nach oben, wandelt sich dann zum Pfad und steigert sich jedoch im wahrsten Sinne des Wortes nach einer Weile. In Serpentinen schnaufen wir nun hinauf, es sind rund 1,7 Meilen und wir stehen auf dem ersten Pass an der Kreuzung zum East End Trail. Was tun, sprach Zeus? Nur zum Thumb ist es nicht mehr weit und dann sind wir zum Spätfrühstück wieder daheim. Nix da, wir beschließen dem East End Trail nach unten zu folgen.

Die Szenerie wechselt. Immer mehr verabschieden sich die runden Felsen und weichen einem schroffen Gestein. Wie Glas liegen die Splitter der Lava im Weg und nachdem es zwar in Switchbacks, jedoch ziemlich abwärts geht, ist Vorsicht geboten. Die Sonne brennt inzwischen unerbittlich und als wir die erste Pause machen, kauern wir mehr oder weniger unter einem einsamen Strauch. Sehr unbequem!

Nach drei Meilen sind wir am Windmill Trail. Hier, wie auch auf dem weiteren Weg, gibt es Emergency Marker, d.h. wenn es mir schlecht geht, dann kann ich durchfunken, wo ich bin. Uns geht es nicht schlecht, wir genießen die Wüste. Am Emergency Marker No. 5, nach 3,2 Meilen nehmen wir den Windgate Pass Trail. Gemächlich führt er nach oben, die Sicht bis zum Pass ist ungestört. Nach 4,1 Meilen sind wir auf 3031 Fuß. Pause! Die Wüstenlandschaft mit vielen Kakteen, alles was Rang und Namen hat ist vertreten, vom Saguaro bis zum Cholla, vom Schwiegermutterstuhl bis zum Ocotillo, umringt uns. Der McDowell Peak auf der einen und der Rock Knob auf der anderen Seite leiten die Blicke hinunter in die Täler. Die sehr Reichen haben sich auf der westlichen Seite eingerichtet. Wunderschöne Häuser und Gärten leuchten herauf. Im Hintergrund verblassen einige Peaks in der milchigen bzw. sandigen Wüstenluft.

Mc Dowell Mountains Scottsdale Arizona

Der Sattel liegt hinter uns und es geht hinunter. Leider ist dieser Trail auch eine Fahrstrecke für Mountain Bikes, so dass es teilweise in schwungvollen Kurven kreuz und quer geht. Der noch in meiner topographischen Landkarte eingezeichnete Weg hinauf zum Tom's Thumb ist von der Wüste vereinnahmt und existiert nicht mehr. Wir gehen in einer weiten, sehr weiten Rechtsschleife zum Einstieg. Erst beim Emergency Marker 17, wir sind 5,2 Meilen unterwegs, beginnt der Tom's Thumb Trail. Es geht hinunter in die Wash und dann recht zapfig nach oben. Die Landschaft ist genial, die Saguaros stehen wie Straßenlaternen am Trailrand.

Mc Dowell Mountains Scottsdale Arizona

Die Anstrengung steht uns inzwischen in den Gesichtern geschrieben und wir sind dann doch sehr froh, als wir oben sind. Aber wenn, dann alles! Mit dieser Prämisse steigen wir noch zum Daumen hoch. 8 Meilen, wir sitzen in einer Höhle und genießen den Ausblick auf den Trailhead und das weite Land. Der Blick reicht bis zum Tonto National Forest. Weitere 2,2 Meilen liegen noch vor uns, aber es geht nun nur noch bergab. Der Eistee und die Flippis sind nach 10 Meilen und 6 Stunden sehr, sehr willkommen. Der Trailhead hat sich ziemlich geleert. Sehr schöner Hike, aber nicht unanstrengend!

Mc Dowell Mountains Scottsdale Arizona

Das neue Bourbon and Bone ist etwas "schicki-micki", aber sehr schön eingerichtet, - die Bar ist der Hit. Und wir haben noch auf ein Feierabendbier einen Platz ergattert. Leider hatten Sie keinen Tisch mehr für ein Abendessen. So sind wir im P.F. Chang und es war gut und günstig.

Sonntag
Die Winde der Sonoran Desert treiben die Schleierwolken in alle Richtungen und wir nehmen die Interstate 17 nach Norden. Es hat erneut 80 Grad, aber das wird sich bald ändern. Spätestens als der Tonto National Forest die Interstate einkesselt, verlieren wir den Sommer an den Herbst. In drei Stunden sind wir in Flagstaff und nach 161 Meilen parken wir unser Auto am Ausgang des völlig überfüllten Parkplatzes zum Elden Lookout Trail.

Für Flagstaff und Ende Oktober sind die Temperaturen im Tal noch sehr angenehm. Durch einen Pinienwald führt der breite Weg gemächlich in Richtung Elden Mountain und dann geht es mächtig hinauf. In teilweise steilen Serpentinen windet sich der Wanderweg in Richtung des Gipfels. Die Aussicht auf die Stadt und die gegenüberliegenden Vulkankegel, die sich bis weit in den Horizont ausbreiten, ist toll. Die Waldgebiete des Coconino National Forest bedecken den Boden, aus dem die Cinder Cones des Vulkangebietes herausragen. Schroffe Felsen und langgezogene Lava ziehen sich am Berg hinunter ins Tal.

Mount Elden
Mount Elden

Es wird doch anstrengender als wir dachten und außerdem stecken uns die zwei letzten Tage noch sehr in den Muskeln und Knochen. Aber Schritt für Schritt führt uns der Trail auf den Vulkan. Die Vegetation wandelt sich in pechschwarze Baumstämme, - die verbliebenen Reste eines großen Waldbrandes in 1977. Auf 9.299 Fuß, wir sind nach 2,6 Meilen und 698 Höhenmeter am Gipfel, stehen Radar-Anlagen. Unter uns die Stadt, vor uns der kaum mehr erkennbare Vulkankrater und im Hintergrund ragt der San Francisco Mountain, sozusagen der Muttervulkan, gewaltig in die Höhe. Eine perfekte Rundumsicht!

Mount Elden

Nach insgesamt 5,4 Meilen sind wir nach knapp 4 Stunden wieder im Tal und steuern unser Hotel an, das nur 7 Meilen vom Trailhead entfernt liegt. Ein wunderbares Zimmer wartet und unser Fenster führt uns das Ziel des heutigen Tages erneut vor Augen.

Das Abendessen im japanischen Hotelrestaurant war eine unglaubliche Überraschung. Wir nehmen an einem der vielen Herde Platz und unser eigener Koch vollführt mit unserem Essen nicht nur sichtbare, sondern auch geschmacklich spürbare Kunststücke.

Montag
Es ist frisch draußen, nur knapp über 10 Grad, und leicht bewölkt. Wir nehmen die US 89A nach Süden und quälen uns mit vielen anderen nach Sedona. Obwohl das Speedlimit auf den Bergstrecken und durch den Oak Creek Canyon mit nur 40 mph angegeben ist, sind die Schläfer mit noch weniger unterwegs. Ja, es ist kurvig, vielleicht auch nicht so breit, wie man das von einer Interstate kennt, aber bitte! Tragt Euer Auto oder geht zu Fuß, - ich weiß, ich bin unmöglich!

In Sedona geht es zu wie immer, aber bei dieser atemberaubenden Landschaft ist das sehr verständlich. Die roten Felsen kesseln diesen Ort auf drei Seiten ein. Nur die Creeks, die nach der Stadt von Norden hereinfallen, sorgen für Weitsicht. Wir nehmen die Dry Creek Road und biegen dann links in die Boynton Canyon Road ein. Erneut nach links geht es über den gleichnamigen Pass und dann parken wir am Doe Mountain und Bear Mountain Trailhead. 5 Dollar Gebühr sind fällig.

Doe Mountain Cockscomb Sedona

Der Doe Mountain Trail führt uns nach oben. Ein angenehmer Wanderweg auf rotem Sand und Slickrock, wird erst später etwas steiler. Es sind aber nur 0,64 Meilen auf den Tafelberg. Die oben gelegene Mesa mit Kakteen und Wüstensträuchern bietet unglaubliche Blicke nach allen Seiten. Der Bear Mountain im Hintergrund, vor uns die Ebene, die von Sedona bis zu den Gipfeln der Sycamor Canyon Wilderness reicht. Gelbliche Monster stehen auf rotem Fundament. Die Ebene ist durchzogen von rotem Sand, den eine endlose Anzahl von Juniper Bäumen grün abdunkelt. In der Ebene stehen vereinzelt Butten, die Wind und Wasser überlebt haben. The Cockscomb, der Hahnenkamm, ist sehr nah. Und jetzt machen wir uns auf, um diese Ebene bis dorthin zu erkunden.

Doe Mountain Cockscomb Sedona

Nach 1,4 Meilen sind wir wieder unten und nehmen kurz vor dem Trailhead den Aerie Trail, dem wir nach rechts folgen. Entlang des Doe Mountain windet sich der gute Weg herum und dann hinaus auf die Ebene. Mountainbike-Terrain, d.h. ein paar Extraschleifen hinunter zum Fay Canyon und dem Dry Creek. Nach knapp einer Meile verlassen wir den Trail und gehen über eine alte Fahrspur eine Abkürzung. So sparen wir ein paar Kurven, die extra für die Mountainbiker angelegt sind. Den Hahnenkamm (engl.: Cockscomb) kennt man aus Kitzbühel, der gleichnamige Trail hier führt uns weiter hinaus in Richtung des Kegels, der The Cockscomb heißt. Kurz darauf entdecken wir eine Naturbrücke, durchaus gewaltig, jedoch nicht so exponiert, dass sie bekannt wäre. Obwohl der Trail nach wie vor nur flach dahingeht, entschließen wir uns hier zu einer kleinen Pause und genießen die Bergwelt um uns herum.

Doe Mountain Cockscomb Sedona

The Cockscomb zeigt uns auf der nördlichen Seite ein paar nette Hoodoos, die von der Schattenseite aus nur in Umrissen zu sehen sind. Die Blicke gehen nur kurz nach oben, denn nach 2,6 Meilen treffen wir auf private Anwesen. Gute Lage würde man sagen und ich möchte nicht wissen, was das hier kostet. Die Autos des Personals stehen im Freien und der Wanderweg weicht nach links und dann rechts herum dem riesigen Grundstück aus. Nach 4,2 Meilen sind wir an einem weiteren Trailhead. Nach dem Parkplatz des Aerie Trailheads geht es über die Straße und nach 6,5 Meilen haben wir unseren Loop vollendet. Das war ein sehr schöner Spaziergang mit tollen Fotomotiven.

Heute haben wir einen anderen Koch, es war erneut sehr gut, aber organisatorisch brachte er das Essen nicht so auf die Reihe. Wir saßen mit fünf Harleyfahrern an einem Tisch. Es war sehr nett, auch wenn wir einen Reiskocher fahren. Als sie 197 PS hören, stockt den Cruisern der Atem.

Dienstag
Es hat heute Nacht geregnet, früh morgens ist es ekelhaft kalt und die Harley-Burschen sitzen schon auf ihren Mopeds. Wir brechen auch zeitig auf und machen uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Page. Nicht direkt versteht sich, auch in Flagstaff gibt es viel zu sehen.

Die feuchte US Route 180, eine Landstraße zum Grand Canyon, führt uns am Rio de Flag nach Nordwesten. Nach 32 Meilen setzen wir den Blinker links. Zum Red Mountain Trailhead sind es ungeteerte, jedoch problemlos zu fahrende 0,3 Meilen. Wir sind nicht die Ersten. Das rote Amphitheater ist schon von der Straße aus zu sehen, die Sonne spitzt auch ab und zu durch und leuchtet die roten Wände und Hoodoos an.

Red Mountain Flagstaff

Ein breiter Pfad führt durch Pinien hindurch auf den Red Mountain Cinder Cone zu. Nach 0,8 Meilen laufen wir in einer Wash mitten in den Vulkan hinein, dessen Nordostflanke ausgewaschen den Weg in den Berg freigibt. Man kommt zu einer Leiter, die hilft, einen kleinen Damm zu überwinden. Eingezwängt zwischen erkalteter Lava, die bereits hellgrünes Moos angesetzt hat, führen acht Holzstufen in den Vulkan.

Red Mountain Flagstaff
Red Mountain Flagstaff

Hier bietet sich ein anderes Szenario. Wir tauchen in eine Fantasielandschaft voll roter Skulpturen ein. Das Rot wird nur durch die grünen Farbtupfer der Bäume durchbrochen. Nach 1,2 Meilen solch ein Naturwunder, so leicht zu erreichen. Unglaublich toll! Es fällt richtig schwer, den Rückweg anzutreten und immer wieder gehen die Blicke zurück.

Wir fahren erneut nach Flagstaff, um auf die US 89 Richtung Norden zu kommen. Schnurstracks zieht sich dann die Straße durch die Deadman Mesa, vorbei am Wupatki National Monument, tief in die Black Mesa hinein. Die Namen sagen es, wir sind mitten im Indianergebiet. Als wir an Cameron vorbei sind, leuchten rechts hinten die Adeii Cliffs, die den südwestlichen Abschluss der Moenkopi Mesa bilden. Als die Sonne die Echo Cliffs anstrahlt und die grün-gelb gefärbten Bäume vor den roten Wänden weitere Farben ins Spiel bringen, muss ein kleiner Fotostopp sein.

Echo Cliffs Page

In Bitter Springs weichen wir dem Colorado und den Vermilion Cliffs nach rechts aus und nehmen Anlauf auf Page an der Grenze zwischen Arizona und Utah. Wir checken im Courtyard ein und da es noch früh am Tag ist, wollen wir die Zufahrt für den morgigen Trail zum Sidestep Canyon erkunden. Nach der Fish Hatchery von Big Water prüfen wir die Durchfahrt der Wahweap Wash und treffen sofort die Entscheidung, dass es morgen doch ein paar Meter mehr werden müssen.

Das Abendessen im Peppers war ok, aber nicht so gut, wie wir es in Erinnerung haben.

Mittwoch
Das Frühstück lassen wir ausfallen, wir sind noch voll von gestern! Es geht die US 89 Richtung Kanab, - kurz nach dem Glen Canyon Dam erwartet uns Utah und nach 16 Meilen erreichen wir Big Water und biegen rechts in die Ethan Allan Road ein. Wir folgen dieser Straße schnurstracks nach Norden bis zur Fish Hatchery Road, die nach links ungeteert zum Trailhead führt. Es geht hinunter in den Buck Tank Draw und vorbei an der Fish Hatchery. Dann wird es sandig und möglicherweise schwer für PKWs. Oberhalb der Wahweap Wash parken wir unser Auto.

Bereits die ersten Schritte durch die Wash signalisieren eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass wir unvermittelt knöcheltief im Schlamm stecken. Die gute Nachricht ist, dass wir offensichtlich die richtige Entscheidung trafen und nicht die Wash durchfahren haben. Am anderen Ufer erwartet uns erneut die Road 327. Der Sand bindet den verbliebenen Schlamm an den Wanderstiefeln schnell. Nach insgesamt einer halben Meile kommt der eigentliche Trailhead, ein Wendehammer. 0,5 Meilen sind aber unseres Erachtens nicht unbedingt die Gefahr wert, die man mit einem Mietauto eingeht, um die Wahweap Wash zu durchqueren.

Es geht flach dahin und in einem weiten Bogen führt die Straße nach rechts. Auf der linken Seite steht das Schild "Wahweap Hoodoos Hiking Route". Dieser Route folgen wir, überqueren den Nipple Creek und wechseln anschließend auf die andere Seite der Wahweap Wash. An der Mündung des Coyote Creeks geht es über eine Jeep Road hinauf auf die White Sands, eine Hochebene. Der Horizont wird weit, ziemlich flaches Terrain gibt den Blick frei. Etwas frustrierend, denn diesen Horizont im Norden müssen wir erreichen. Und so stapfen wir Schritt für Schritt auf der Jeep Road weiter. Die Aussicht hier oben ist nicht schlecht, aber es dauert 5,2 Meilen und knapp 2 Stunden, bis wir an den herrlichen Felsformationen des Rainbow Valleys stehen. Das Rainbow Valley, ein Kunstbegriff eines USA-Fotografen, ist ein Seitenarm des White Rock Canyons. Wir waren das letzte Mal vor 10 Jahren hier, als man noch über die 431 praktisch bis zum Eingang des Canyons fahren konnte.

Gleich links unten steht ein ausgewachsener, in die Höhe und Breite geformter Super-Doppel-Hoodoo mit knolligen Warzen. Eine schneeweiße, in der Sonne fast blendende Säule mit einer dunkelbraunen Kappe. Am Fuß ein kleiner Absatz, der eine gute Sitzgelegenheit für eine Pause bietet. Der Blick gleitet in den Canyon und erkennt wunderschöne Pastellfarben in Gelb und in Rosa. Ein toller Spot, aber unser Augenmerk gilt dem Sidestep Canyon.

Rainbow Valley

Es geht weiter querfeldein am Zaun entlang nach Nordosten und es sind "nur ein paar Meter" und schon stehen wir vor dem Eingang in den Sidestep Canyon. Ein Gewirr an schmalen, von Wasser ausgefrästen Einschnitten und abertausenden von Hoodoos liegt vor uns. Wir starten eine Trackaufzeichnung, denn wir wissen vom letzten Mal, dass es nicht so einfach ist, den Ausstieg wieder zu finden. Ziemlich steil geht es hinein und links herum auf ein Zwischenplateau. Von 5 Zentimeter bis 3 Meter, Hoodoos über Hoodoos, - Marshmellowland! Hier oben sind sie weiß mit einer braunen Kappe, weiter unten driftet das Braun in Rot und am Canyonboden sind sie wie ein horizontal gestreiftes Zebra. Die Kappen werden feuerrot, wie die Streifen, die das Weiß durchziehen.

Sidestep Canyon

 

Wir versuchen den Boden zu erreichen, aber was uns vor 10 Jahren gelungen ist, dass klappt heute nicht mal nach 2,5 Stunden. Eigentlich wollten wir einen Durchstieg zum Wahweap Canyon und dem sogenannten Valley of the White Ghosts finden, aber es kann nicht alles klappen. So streiften wir ziemlich planlos durch den Canyon und genossen die Szenerie. Wir machen uns auf den Rückweg und sind nach insgesamt 13,5 Meilen und sechseinhalb Stunden wieder am Auto.

Das Abendessen hat gut geschmeckt, aber es gab trotzdem Ärger. Zuerst kam lange nichts, dann meine Vor- und Hauptspeise zusammen und Monika schaute Löcher in die Luft. Erst nach ein bisschen Aufregung wurde die Bedienung ausgetauscht und irgendwann waren wir satt.

Donnerstag
Erneut geht es die US 89 nach Nordwesten. Knapp 22 Meilen sind es bis zur East Clark Bench kurz vor der Church Well. Praktisch in der Shittum Wash zweigt eine Dirt Road unvermittelt nach rechts ab. Dann geht es gut 3 Meilen in die Prärie; nach einer Meile haben wir das Grand Staircase Escalante National Monument erreicht. Die Straße ist gut zu befahren, lediglich zwei kleinere Washes stehen sozusagen etwas im Weg. An der Nahtstelle zum Little White Rock Canyon ist eine ausgedehnte Ebene vor einem Damm, auf der man wunderbar parken kann. Wer sich - wie wir - die zweite Wash nicht mehr antun will, der parkt keine 0,3 Meilen vorher in einem verlassenen Corral.

Los geht's! Am Damm entlang führt die flache Ebene nach Nordosten in den White Rock Canyon. Die Wash ist teilweise noch nass, aber der Untergrund trägt wunderbar, so dass wir dem tieferen Sand ausweichen können und im Bachbett schnell vorankommen. Das Wasser hat unglaubliche Formen mit schönen Farben in das Bachbett gezeichnet. Links und rechts des Trails werden die Wände immer weißer und schieben sich zunehmend in unsere Richtung. Nach 1,5 Meilen wird es sehr eng und plötzlich stehen wir vor einem Damm, der zirka 3 Meter Höhe hat. Ist die Wanderung schon vorbei bevor sie begonnen hat?

White Rock Canyon

Nur kurz haben wir die Köpfe gesenkt und nach diesen Schrecksekunden einen Aufstieg gesucht. Rechts neben der Betonmauer ist der Fels griffig und Kanten bieten Halt für Hände und zumindest den rechten Fuß. Ja, das klappt! Gott sei Dank war kein Wasser hinter der Mauer, so dass der Weg in den Canyon nun frei ist. Wir erkunden links und rechts die immer schöner werdenden Felsen. Die Farben bleiben jedoch vorerst dem Canyonnamen treu. Jedoch sorgt die Natur weiter für Abwechslung. Baumgruppen haben sich mitten in den Canyon gepflanzt und nachdem Herbst ist, ein entsprechendes Farbenspektakel veranstaltet. Im Hintergrund lauert ein riesiger Hoodoo.

White Rock Canyon

Nach zirka zwei Meilen ist für weitere Abwechslung gesorgt. Wir steigen in einen Slotcanyon. 20 Meter hohe Felswände schließen sich oben fast zusammen. Das Wasser hat ganze Arbeit geleistet! Es sind jedoch nur rund 150 Meter, dann versperrt ein hoher Dryfall den Weg. Als wir nach diesem Abstecher wieder im Hauptcanyon ankommen und dem Tal weiter folgen, versperrt relativ schnell ein weiterer, noch viel engerer Slot den Weg. Bereits am Zugang ist der Boden so tief, dass ich nach einem Versuch aussehe wie ein Crossläufer im Regen. Na gut, es waren nur die Schuhe und die Waden, aber an einen Zu- oder gar Durchgang ist nicht zu denken. Auch die umliegenden Felswände sind zu steil, um den Weg weiter im Canyon fortzusetzen.

White Rock Canyon
White Rock Canyon

Zurück zu den Bäumen! Und hier sind auf der Nordwestseite Spuren zu erkennen, die über den felsfreien, jedoch sehr steilen Abhang zum Chimney Rock hinauf führen. Ja, es war anstrengend, aber nur kurz. Hier oben ist es ein Traum. Der Chimney Rock steht frei und mitten in der Mesa, Der Rock leuchtet rot, rosa, braun und gelb, selbst jetzt, da die Sonne schon ziemlich hoch steht. Im Norden thronen Hoodooformationen in Rosa und sehen wie Schweine aus. Rechts unten werden die Ausmaße des White Rock Canyons sichtbar. Rund herum sind gigantische Hoodoos auf den Zwischenplateaus auszumachen und selbst an den Canyonwänden kleben sie. Das Weiß des Canyonbodens wird nach oben hin mit Hellrot, Dunkelrot, Gelb, Braun und Lila durchzogen. Dieses Tal ist unglaublich.

White Rock Canyon
White Rock Canyon

Wir erreichen den nördlichsten Punkt der Ebene, dort wo die Schweinefelsen sind, und suchen uns einen Abstieg auf das erste Plateau. Problemlos geht es über Sand und Steine nach unten und als wir die Zwischenebene erreicht haben, wandern wir im Uhrzeigersinn. Die Giganten sind unser Ziel. Vorher durchqueren wir ein mannshohes Hoodoofeld. Und dann stehen wir vor dem ersten unglaublichen Ding. Zirka 10 Meter sind es entlang der schneeweißen Säule bis zur braun-roten Kappe. Das Monster von Loch Ness! Auf der anderen Seite liegt dieser wunderschöne Canyon unter uns und drüben leuchtet der Chimney Rock wie ein Signalfeuer an einem Strand.

White Rock Canyon

Über eine Traverse im weißen Abhang erreichen wir das nächste Highlight. Vor uns liegt die gelb-rote Fraktion. Die Canyonwände wandeln sich in diesen Farben. Und dort hängt der zweite Riesenhoodoo. Über eine gut sicht- und begehbare Steinreisse steigen wir in die Höhe zum Rim. Oben erreicht die Natur die Pastellfarben des Rainbow Valley und intensive Farbtupfer erinnern an den Yellow Rock und die Red Top. Wir schlendern oben entlang, vorbei an gelb-rosafarbenen Einschnitten, in denen es sich die großen Hoodoos bequem gemacht haben. Und dann sind wir am Punkt, an dem wir uns gestern in den Sidestep Canyon aufmachten.

White Rock Canyon
White Rock Canyon

Es stellt sich die Frage, ob wir nun den gekommenen Weg zurückgehen oder versuchen, auf direktem Weg den Trailhead zu erreichen. Die topographische Landkarte gibt für letztere Variante grünes Licht. Über die White Sands in gehörigem Abstand zum Canyonrand marschieren wir auf Tierpfaden nach Süden. Der Sand stört, ist jedoch nicht zu tief. Am Ende waren wir dann doch noch zu nah an der Schlucht, so dass ein Ausweichmanöver nach links her musste. Nach 8,65 Meilen erreichen wir unser Auto. Fünfeinhalb Stunden, ein Highlight nach dem anderen, Farben in einer selbst für diese Gegend einzigartigen Vielfalt und Hoodoos, die dem Valley of the White Ghosts in nichts nachstehen. Toll!

Das Abendessen an der Bar des Peppers war wunderbar entspannt und die Gespräche über das Erlebte waren es auch!

Freitag
Moab wir kommen! Durch die Indianergebiete links und rechts der AZ 98 und der US 160, also rund um das Navajo National Monument herum, erreichen wir Kayenta und sind dann mitten im Heiligtum der "Rothäute". Das Monument Valley ist schon unglaublich schön und entsprechend ist auch was los, was man nicht mehr behaupten kann, als wir uns wieder Utah nähern. Bei Bluff verlassen wir das Indianergebiet und nehmen direkt die 191 bis kurz vor Moab.

Nach 254 Meilen biegen wir links auf die Behind the Rocks Road ab und machen uns auf dieser Sandpiste auf den Weg zu zwei Steinbögen. Bereits nach 2,5 Meilen habe ich keinen Bock mehr, eine Steinstufe nach der anderen zu nehmen. Zwar ist das mit einem High Clearance Fahrzeug kein Problem, aber ich möchte die Reifen schonen. Vor allen Dingen tut uns nach dieser ausgedehnten Fahrt etwas Bewegung gut.. Also parken wir unser Auto am Straßenrand, was bei dieser breiten Piste kein Problem darstellt. Jedoch achte ich schon darauf, dass die vielen Off-Roader, die mit dem Motorrad oder dem Quad über diese Pisten rauschen, das Fahrzeug rechtzeitig sehen.

Wir schnüren die Schuhe für die letzten zwei Meilen und nach 30 Minuten stehen wir vor dem ersten Felsentor. Der Balcony Arch ist ein riesiges Teil und thront oben auf einem Steinmassiv. Ganz nett, jedoch nichts außergewöhnliches, insbesondere in dieser Gegend. Schon interessanter ist der Picture Frame Arch. Wir haben ihn etwas gesucht, denn er ist auf der Rückseite dieser Felsformation. Leider hatten wir nur Turnschuhe an, so dass ein kleiner, felsiger Aufstieg direkt unter den Arch ausfällt. Aber gut, dieser Abstecher war sowieso nur ein kleines Zwischenspiel.

Picture Frame Arch - Behind the Rocks

Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder zurück, haben uns die Beine vertreten und etwas gesehen. Was will man mehr an einem späten Nachmittag. 16 Meilen sind es noch bis Moab, sozusagen ein Katzensprung. Wir fahren ziemlich moderat durch das Spanish Valley, vorbei an der Brewery bis zum Ortskern. Das BW Canyonlands Inn wurde weiter renoviert und wir haben ein nagelneues Zimmer ergattert. Nett, - die Preise hier in Moab sind es inzwischen nicht mehr.

Und wie könnte es anders sein, der Abend gehört dem ZAX. Gutes Essen an der Bar und ein paar Bier, alle sind zufrieden.

Samstag
Das Frühstück im Hotel war ok, es hat 63 Grad und die Sonne scheint. Nach nur 3 Meilen durch das südliche Moab, dann auf der Kane Creek Road zum Colorado River und schon sind wir am Moab Rim Trailhead.

Der Wanderweg geht gleich zu Beginn ziemlich in die Höhe. Es führt ein Trail hinauf, aber auch die Off-Road-Strecke ist begehbar, gleicht aber trotzdem einer ausgewachsenen Bergwanderung, mit Ausnahme der Gummi- und Ölspuren. Kleine Verschnaufpausen werden von einem außerordentlich schönen Blick in das Tal begleitet. Der Fluss schleicht sich durch das sogenannte Portal in die Schlucht. Links und rechts erheben sich die roten Wände fast senkrecht in den Himmel. Das Wasser spiegelt die herbstlich gefärbten Bäume und die braunroten Felsen wider. Der tiefblaue Himmel bedeckt den Horizont und ganz ehrlich, - es ist fast wie im Paradies.

Colorado vom Moab Rim Trail

Nach 0,9 Meilen sind wir oben am Rim, beobachten ein paar Off-Roader und gehen dann an die Kante. Auch hier ist der Ausblick vom feinsten. Das geschäftige Spanish Valley, vollgepfropft mit Häusern, die nach Süden von der Natur abgelöst werden, liegt tief unten vor den hellbraunen Massiven links und rechts des Mill Creek. Dahinter erheben sich die La Sal Mountains. Im Norden sind die großen Felsentore der Windowssektion im Arches National Park selbst mit dem freien Auge gut auszumachen. Einsam pfeift uns der Wind um die Ohren, aber das Panorama ist atemberaubend. Es dauert schon eine Zeit, bis wir uns loseisen können.

Moab Rim Trail View
Moab Rim Trail View

In einem weiten Rechtsbogen stechen wir in die rote Felsenlandschaft ein. Es geht auf der 4WD-Road sandig, jedoch ziemlich relaxed dahin. Bald geben wir dem Gelände den Vorzug, verlassen die Dirtroad und steigen über Slickrock einem kleinen Arch entgegen. Wir sind zwei Meilen unterwegs. Die Blicke reichen nun fast bis Potash und der Colorado zieht sich in das Bild. Im Vordergrund ein Gewirr an Felsformationen, die kein Ende nehmen wollen. Obwohl wir in der Nähe von Moab sind, sind wir alleine, - kaum zu glauben.

Moab Rim Trail View
Moab Rim Trail View

Nach 2,7 Meilen erkunden wir einen Einschnitt mit einem riesigen Alkoven, um anschließend über einen Bergrücken bis zum Hidden Valley vorzudringen. Dieses kleine Tal ist praktisch ein Rundweg, den man sich aber sparen kann. Es ist nichts Außergewöhnliches oder Schönes versteckt. Gegenüber des Ausgangs nehmen wir eine Spur, die zum Rim nach oben führt. Die Aussicht ist erneut fantastisch und nachdem wir eine kleine Pause eingelegt haben, wollten wir den Abstieg direkt an der Rimkante finden und nehmen. Oben war schon Dead End signalisiert, und was für Fourwheeler gilt, muss ja nicht für uns Hiker zutreffen. Auf der linken Seite ging es abrupt in die Tiefe und rechts war der Weg in das Tal ziemlich steinig und steil. Ein Durchkommen war nicht garantiert, also sind wir vernünftig.

Wir nehmen eine Ridge weiter als beim Aufstieg, um zurück ins Tal zu kommen und genießen tolle Felsfinnen und eine indianische Kiva, die auf der nächsten Bergkante steht. Unsere wird, je weiter wir uns dem Canyonboden nähern, immer schmäler und fast unvermittelt stehen wir am Abgrund. Also etwas zurück und einen Abstieg gesucht, um auf den Hinweg zurück zu kommen. Solche kleinen Unwägbarkeiten haben oft den Vorteil, dass man etwas Besonderes sieht. Und so war es auch hier. Dort, wo wir wieder aufgestiegen sind, lagen Bücher rum, - Bücher aus Stein.

Moab Rim Trail View

Gemächlich geht es zurück, es bleibt Zeit die wunderbaren Aussichten erneut zu genießen. Den letzten Abstieg machen wir über den Wanderweg, die Off-Road-Strecke lassen wir rechts liegen. Nach 9,5 Meilen und fast 6 Stunden Natur pur sind wir zurück am Auto. Das war eine sehr schöne Wanderung in einer gigantischen Landschaft mit unglaublichen Views.

Das Abendessen im Broken Oar war schon ok.

Sonntag
Wir nehmen den Highway 128, - eigentlich standen die Mary Jane Falls auf dem Programm, aber das Wetter sieht gar nicht gut aus. Da wir eine rote Dirt Road fahren müssten und teilweise der Trail durch das Wasser verläuft, streichen wir diesen Hike. Außerdem brauchen unsere Körper etwas Schonung und knapp 9 Meilen wären in dieser Situation kein Pappenstiel.

Nun fahren wir an der Sorrel River Ranch vorbei und zirka 4 Meilen danach geht es recht zu den Fisher Towers. Das ist genau das Richtige für heute, Nach 2.2 Meilen guter, wenn auch ungeteerter Straße parken wir am Fisher Towers Trailhead. Karabiner klicken, Seile werden aufgewickelt, die Ausrüstung wird geprüft, - die Kletterer bereiten sich auf ihre Abenteuer vor und werden sie uns später eindrucksvoll vor Augen führen.

Fisher Towers

Der Weg führt kurz hinunter in eine Wash und dann stetig bergauf. Durch wunderbare Felstürme, am Titan vorbei, teilweise etwas ausgesetzt, hilft uns eine Leiter, um durch einen kleinen, jedoch kantigen Einschnitt zu kommen. Die Kletterer an den Felstürmen begleiten unsere Wanderung und sorgen für zusätzliche Abwechslung zur Natur. Es ist kaum zu glauben, was sich diese Menschen trauen. Am Gipfel eines filigranen Felsenturms queren sie eine Traverse, zirka 40 Zentimeter breit, neben der es links und rechts wohl 100 Meter senkrecht in die Tiefe geht. Dem aber nicht genug. Eine zerbrechlich anmutende Spitze ist Ziel und der Höhepunkt der Kletterei. Und dann stellen sie sich auf diese Nadel, die oben einen kleinen Hut hat und wohl kaum mehr als 30 Zentimeter Platz bietet. Mit ausgestreckten Armen und Jubelschreien feiern sie den Gipfelsturm. Es ist wirklich der Wahnsinn und verdient einerseits unheimlichen Respekt, andererseits fragt sich zumindest der Laie, warum man sein Leben für einen Sport aufs Spiel setzen muss.

Fisher Towers

Nach 2,1 Meilen sind wir am Ende einer Ridge und damit des Trails und genießen die Aussicht auf den Colorado und die gerippten Felsformationen, deren Anblick der Fantasie freien Lauf lässt. Der Totem Pole im Süden ist die auffälligste Silhouette. Ein schönes Stück Natur. Aber auch die Kletterer bleiben immer in unserem Blick und es kitzelt selbst uns als Unbeteiligte im Bauch.

Fisher Towers
Fisher Towers

Oben am Rim entdecken wir Cairns, die noch weiter bergauf und in die Landschaft führen. Dieser kleine Abstecher bietet eine fast noch bessere Sicht auf die Türme, auf denen filigrane Figuren in die Landschaft blicken. Außerdem läuft uns ein durchaus großer Steinbogen über den Weg, der hier aber niemanden - außer uns - interessiert. Nach 3 Stunden und 20 Minuten - ja, wir haben auch auf dem Heimweg den Seil- und Haken-Sportlern zugeschaut - sind wir wieder am Auto. Es waren 4,7 wunderbare Meilen.

Aber jetzt auf nach Grand Junction; wir sind nun in Colorado. Bei über 20 Grad Celsius, was sich für Anfang November sehen lassen kann, checken wir in den Springhill Suites ein. Wir haben heuer das Hampton Inn nicht genommen, da es inzwischen sehr abgewohnt ist und Hilton keinerlei Anstalten macht, es zu renovieren. Auch gut, es erwartet uns ein großes Zimmer im 5. Stock.

Das "626 on road" ist leider nicht mehr empfehlenswert. Schlechter Service, Brot nur auf Nachfrage und die Vorspeise war nicht gut. Außerdem war der Wein zu warm.

Montag
Das Frühstück im Hotel war unterirdisch, das Wetter ist wechselhaft, wesentlich kälter als gestern und Regen ist in Aussicht gestellt. Keine guten Voraussetzungen, denn wir haben heute Großes vor.

Westlich des Colorado National Monuments erstreckt sich bis weit nach Utah hinein die McInnis Canyons National Conservation Area. Ein wesentlicher Teil sind die Black Ridge Canyons in der gleichnamigen Wilderness. Tiefe und gefährliche Schluchten, steil abfallende und feuerrote Canyonwände liegen südlich des Colorado River. Der Mikrokosmos dieses einzigartigen Gebietes hat unglaubliche Steinformationen zu bieten. Dabei bildet die Nordostwand des Rattlesnake Canyons eine Hauptattraktion: The Arches of the Rattlesnake Canyon!

Dieses Naturwunder kann man auf zwei Arten erreichen. Einerseits geht es über die Upper and Lower Blackridge Road, je nach Jahreszeit, hoch hinauf und insbesondere die letzte Meile erfordert ein High Clearance Fahrzeug. Andererseits haben etwas sportlichen Zeitgenossen die Möglichkeit, per pedes die Natur zu genießen und in einem langen Tagesmarsch vom Pollock Bench Trailhead den Rattlesnake zu erreichen. Es ist angerichtet, - die Bergschuhe sind geschnürt, der Rucksack ist am Mann und die Vorfreude und Motivation ist unglaublich. Obwohl das Wetter gefährlich werden könnte, lösen wir ein Problem dann, wenn es sich zeigt.

Breit windet sich der hier noch sehr flache Weg auf der Westseite des Flume Creeks auf eine Ridge, die als Verbindung zum Pollock Canyon dient. Nach 1,9 Meilen stehen wir an der Canyonkante. Blanker Fels führt hinab und nach einem Alkoven geht es über Boulder in die Tiefe. Der Boden ist bald erreicht und zeigt sich als Wiese mit Bäumen. Wir folgen dem Creek nur 0,2 Meilen nach Nordwesten. Und dann verliert sich der Trail im Fels, den es nun unvermittelt in die Höhe treibt. Eine Traverse auf blankem Fels zeichnet nicht nur die Schweißperlen ins Gesicht, sondern erzeugt einen etwas flauen Magen. Es geht links ziemlich hinunter und die Querung ist schräg. Mit Blick an die Canyonwand meistern wir diese Prüfung, aber wie immer in solchen Situationen denkt man auch an den Rückweg.

Pollock Canyon

Hoch oben beginnt sich der South American Arch ins Bild zu schieben. Die Sonne strahlt ihn an und er leuchtet fast orange in den davor liegenden Seitenarm des Pollock Canyon. Eine Direttissima ist wohl nur für die Huber Buam möglich. Der Trail führt rechts herum und dann geht es eisern in die Höhe. Schritt für Schritt nähern wir uns dem Ziel. Aber es beginnt leicht zu regnen und das könnte insbesondere für einen Abschnitt des Weges sehr gefährlich werden. Ich bin da immer eher bei der skeptischen Fraktion, aber Monika macht Mut, ist voller Zuversicht, und so ziehen wir angestrengt weiter in die Berge. Klein und einsam nehmen wir unseren Weg. Kein Mensch teilt mit uns diese einzigartige Natur.

Nach 5 Meilen sind wir fast am ersten Zwischenziel. Nur kurz geht es nach links zu einem ungewöhlichen und sehr schönen Arch. Wenn man seine Öffnung betrachtet wird klar, warum er seinen Namen trägt. Die Umrisse des südamerikanischen Kontinents sind erkennbar, mindestens ähnelt er den Abbildungen in den einschlägigen Atlanten. Die stumpfe Felsnadel steht mitten in einem kleinen Pinienwald, strahlt uns rötlich, fast orangefarben an. Aber das ist erst der Auftakt und bevor wir uns weiteren Höhepunkten zuwenden, sitzen wir vor dem Arch bei einer kleinen Pause.

South American Arch
South American Arch

Zurück zum Trail und weiter; die Steigung ist vorbei, es gilt nun die Ridge des Upper Rattlesnake Canyon zu umrunden. Nach 0,7 Meilen kommt die Trailkreuzung zum offiziellen Trailhead. Wir wandern weiter und treffen nach 7 Meilen den ersten Klapperschlangen-Arch. Diese rosa-gelbe Wand mit den gigantischen Felsbögen und den mächtigen Canyons auf der anderen Seite ist einfach grandios. Petrus meint es auch gut mit uns und so hangeln wir uns von einem Spot zum anderen. Eine Meile Entdeckungsreise geht am Fuße des Cedar Tree Arch, auch bekannt als Rainbow Arch, zu Ende. Und nach so viel Schönheit trifft die klar sichtbare Gefahr noch intensiver mitten ins Herz.

Rattlesnake Canyon
Rattlesnake Canyon

Wir stehen da, blicken nach oben und können es nicht glauben, dass wir das schonmal gemacht haben. Die Alternative zur Umkehr ist der Durchstieg dieses Felsentores, das nun hoch oben steht. Kommt nur rauf zu mir ich warte, scheint uns der Steinbogen zuzurufen. Wir ignorieren das und prüfen nochmals Karte und GPS, ob es nicht doch ein Entrinnen gibt. Es ist zwar 10 Jahre her, aber was wir schon mal geschafft haben, wird uns wieder gelingen. Wir nehmen den Aufstieg in Angriff und es gibt kein Zurück. Im Ernst, es wäre unseres Erachtens für uns nicht mehr möglich, aus dieser Wand abzusteigen. Eine Sektion nach der anderen bringt uns nach oben. Teilweise mit vereinten Kräften und zitternden Knien steigen wir durch den Arch. Kein Blick mehr für die Natur, nur noch weiter, weiter, weiter! Jetzt könnte es wirklich reichen, aber leider war es das noch nicht. Auch anschließend kommen noch steile Absätze, jedoch sind sie mit Zwischenplateaus gut abgesichert und außerdem bieten diese Stufen die Möglichkeit Anlauf zu nehmen und hochzurennen. Ehrlich, - wir waren ziemlich froh und sehr erleichtert, als wir oben die Ridge erreichten.

Rattlesnake Canyon

Auf der anderen Seite geht es steinig, aber gefahrlos wieder hinunter zur Trailkreuzung. 8,6 Meilen liegen nun hinter uns. Als wir an der felsigen Traverse ankommen, eröffnet sich uns ein sehr steiler, jedoch gut zu bezwingender Weg nach unten in den Pollock Canyon. Über Sand und Steine sind wir bald am Canyonboden. Der Rest ist unproblematisch, fast Formsache. Nach 13,5 Meilen reicht es dann aber. Eine unglaubliche 7 1/4 Stunden-Wanderung geht vorbei. Sie hat uns fast alles abverlangt, aber sie war der Mühe wert.

Nach einem Bier in der Brewery pflanzen wir uns in die Winery und genießen das sehr gute Essen.

Dienstag
Es geht über das Colorado National Monument auf das Glade Park Plateau, vorbei am "weltberühmten" Glade Park Store und dann schickt uns Steffi falsch. Eine südliche Route schlägt sie vor und wir fallen darauf rein. Als wir die Tangente nach Norden nehmen wollen, respektive in diesem Fall nehmen müssen, stehen wir vor einem Schild - "Privat Land"! Also zurück zum Store und auf die 16 1/2 und dann links in die BS Road. Mich erfreuen immer wieder diese komischen oder sagen wir mal ungewohnten Straßenbezeichnungen.

Nach insgesamt einer Stunde inklusive der Irrfahrt sind wir am Knowles Canyon Trailhead. Als wir unsere Stiefel schnüren ist plötzlich Aufruhr. Sechs Allradfahrzeuge kommen daher, die Hälfte hat noch Platz am Trailhead und parkt neben uns. Der Rest muss etwas entfernt in der Prärie Nischen finden. Es sind Locals, die irgendwelche Petroglyphen erkunden. Auf die Frage, ob es heute noch regnet, gab es die Antwort, dass es das nicht sollte, da die Road ansonsten schwierig zu fahren sei. Tja, - leider wird uns das später zum Verhängnis werden.

Der Trail führt durch die Wiese an einer Ridge entlang, auf die wir nach 0,7 Meilen problemlos steigen. Eine alte Dirtroad, der wir nach links folgen, erstreckt sich am Kamm des Bergrückens entlang. 1,9 Meilen sind es bis zum Overlook Trail, der als solcher kaum zu erkennen ist.. Dort wo die Jeeproad eine scharfe Linkskurve vollführt, biegen wir nach rechts in die Prärie ab. Es zieht sich dann doch, bis wir an der Canyonkante sind. Vor uns breitet sich nun der gewaltige Knowles Canyon aus. Das Wetter sieht leider nicht gut aus, sorgt jedoch für Spots, die grellend aus den abgedunkelten Canyonwänden hervorstechen.

Knowles Canyon

Es geht zurück zur Road und leider werden die Wolken immer dunkler und dichter. Knapp eine Meile weiter geht es hinunter in den Canyon. Auch das war einmal eine Straße, die aber größtenteils vom Wasser aufgefressen wurde. Es beginnt zu regnen und wir entscheiden nach insgesamt 5 Meilen umzukehren. Die Situation ist uns zu gefährlich und eine Übernachtung im Auto am Trailhead des Knowles Canyon wäre nicht so der Hit. Als wir nach insgesamt 8,2 Meilen wieder am Auto sind, sieht die Straße jedoch aus wie vorher. Hier hat es nicht geregnet. Sei's drum! Sicherheit geht vor.

Heute war die Bar in der Brewery voll und so ziehen wir in Ella's Blues Room mit seiner sehr angenehmen Bar um. Das Weihnachtsgeschäft auf der anderen Seite der kleinen Passage veranstaltet ein kleines Konzert und so kommen wir zu leiser, klassischer Hintergrundmusik zum Bier. Vier ältere Damen quälen ihre Geigen und andere Saiteninstrumente, - ein illustres Fest.

Das kleine französische "Le Rouge" serviert uns ausgezeichnetes Essen.

Mittwoch
Heute gab es Schinken und Käse zum Frühstück! Das war wohl bei der gestrigen Veranstaltung übrig geblieben, - lecker!

Es ist kalt, keine 50 Grad Fahrenheit, d.h. keine 10 Grad Celsius, aber sonnig. Wir nehmen die US 50 nach Osten; entlang des Highways gibt es allerdings nicht viel zu sehen. Nach einer Stunde Fahrt kommt bereits Montrose, aber wir lassen unser Hotel links liegen und fahren weiter zum Black Canyon of the Gunnison National Park. Eintritt ist nicht mehr fällig, in der Wintersaison ist der Eintritt frei.

Gleich hinter dem Visitor Center geht es zum Gunnison Point Overlook. Ein toller erster Einblick in diese gewaltige Schlucht. Die schwarz-grauen Canyonwände ziehen sich unglaublich in die Tiefe. Und gleich hier beginnt der Oak Flat Trail. Durch blattlose Eichen führt der Weg schattig und kalt auf teilweise gefrorenem Untergrund am Canyonrand entlang. Es gäbe einen Trail hinunter zum Gunnison River, dafür benötigt man jedoch eine Permit. Unser Weg gibt ein paar schöne Blicke in den Canyon und auf die schneebedeckten Berge frei, aber Euphorie will in der knappen Stunde Wanderzeit nicht so richtig aufkommen.

Black Canyon of the Gunnison
Black Canyon of the Gunnison

Wir starten nun das normale Touristenprogramm und hangeln uns von Viewpoint zu Viewpoint. Es sind gigantische und schöne Einblicke in die Schlucht, die wir bei Sonne genießen. Die berühmte Painted Wall wird sogar angestrahlt und bringt etwas Farbe ins Spiel. Die kurzen Wege zu den Aussichtspunkten sind flach und nicht der Rede wert.

Black Canyon of the Gunnison

Am Ende der südlichen Parkstraße, am High Point, starten wir nochmal eine Wanderung auf dem Warner Point Trail. Es beginnt ein kleiner, aber sehr schöner 1,5-Meilen-Trip. Die Tafeln, auf denen abgestorbene Bäume erklärt werden, interessieren uns nicht. Die Ausblicke konzentrieren sich zwar auf den Black Canyon, jedoch sieht man auch auf die andere Seite. Die Ebene ist weit und wie mit Samt bezogen. Die Hügel und das hellgrüne Grasland sind schön. Als wir bald oben am Ende des Wanderweges stehen, macht sich etwas Erschöpfung breit.. Komisch, so schwierig und anstrengend war das doch nicht? Vielleicht liegt es aber an der Höhe, wir sind auf über 2.600 Meter. Auf alle Fälle finden wir, dass sich hier der beste Blick in den Canyon zeigt.

Black Canyon of the Gunnison
Black Canyon of the Gunnison

Es ist vollbracht, alles gesehen, aber es ist erst früher Nachmittag und eigentlich haben wir zwei Nächte gebucht, Die Nordseite des Nationalparks ist im Winter gesperrt und damit ist der Aufenthalt völlig überdimensioniert. Also pflanzen wir uns ins Starbucks, trinken einen Kaffee und buchen eine zusätzliche Nacht in Colorado Springs. Die Stornierung im Holiday Inn Express war kein Problem. Nachdem das Hotel auch nicht so der Hit ist, fühlen wir uns in der Entscheidung, morgen abzureisen, bestärkt und bestätigt.

Wir haben für das Abendessen doch noch ein gutes Lokal gefunden. Das "Camp Robber" dürfte das beste Restaurant in dieser so typischen amerikanischen Kleinstadt sein.

Donnerstag
Wir starten unsere letzte längere Fahrt in diesem Urlaub nach Colorado Springs. In geschwungenen Kurven, fast dem Gefrierpunkt nahe, geht es in die Rocky Mountains. Anfangs ist es oft zweispurig und wir kommen schnell voran. Am Fork Lake hängt der Nebel im Tal und trotzdem ist zu erkennen, dass die Landschaft hier wirklich toll ist. Der Gunnison River staut sich zu ausgedehnten See-Landschaften. Hochtäler und Berge rahmen die Szenerie und der Hammer sind die Dillon Pinnacles im Blue Mesa Reservoir.

Dillon Pinnacles

Die Felsnadeln stehen wie in einer Kompanie aufgereiht an den Berghängen. Wolken haben die Pinnacles durchdrungen und der ruhig daliegende See im Vordergrund sorgt zusätzlich für mystische Stimmung. Es gäbe auch einen Wanderweg in diese Erdtürme, aber wir haben heute leider keine Zeit.

Die Straße führt immer tiefer in die Rockies und am Monarch Summit erreichen wir fast die 3.500 Meter-Grenze. Nachdem wir wieder im Tal sind, sind nur noch die Ausläufer der Berge zu spüren. Es geht ziemlich flach dahin und als wir vor Salida auf der 285 nach Norden unterwegs sind, ist Fahrpause im Subway von Buona Vista angesagt. Die US 24 bringt uns nach Woodland Park, - Kaffee und Kuchen im Starbucks.

Bereits um 14 Uhr checken wir im Antlers, das inzwischen von einem Hilton zu einem Wyndham mutiert ist, ein. Das geräumige Zimmer im 10. Stock garantiert unglaubliche Ausblicke. Vor uns liegt der Pikes Peak und noch näher ist der Garden of the Gods auszumachen. Bei warmen Temperaturen schlendern wir anschließend durch die Downtown und irgendwann sitzen wir im mexikanischen Sonterra Grill und genießen ein fantastisches Abendessen.

Freitag
Das Frühstück ist hier fantastisch, dem schönen Hotel angemessen. Und so beginnt der Tag sehr gut. Erst um 9.30 Uhr fahren wir zu den Paint Mines, - die Fahrt dauert nur eine Stunde. Es ist sehr windig und leider hält sich die Sonne auch noch sehr zurück. Wir sind trotzdem eine Stunde in der wunderbaren Lokation herumgekraxelt und erneut fasziniert von dem Farbenspiel, das sich in diesem kleinen Canyons auftut.

Paint Mines

Es ist noch genügend Zeit, um einen kleinen Hike auf dem Penrose Trail anzugehen. Letztes Jahr haben wir die Wanderung gar nicht erst begonnen, da bereits bei der Anfahrt der Schnee das Abenteuer stoppte. Wir sind inzwischen zurück in Colorado Springs und nehmen ein Zick-Zack an Straßen durch wunderschöne Häuser hinauf in die Rocky Mountains. Ohne Navigationssystem wäre man hier ziemlich aufgeschmissen.

Irgendwann erreichen wir die Gold Camp Road und parken am Pullout Nummer 9. Gegenüber geht es steil bergauf über loses Geröll in einer kleinen Wash. Nach 0,6 Meilen kommt eine Trailkreuzung, wir gehen nach rechts hinaus auf eine Ridge. Dieser Viewpoint bietet eine tolle Aussicht auf die Stadt, das dahinter liegende, vollkommen ebene Grasland und die Wälder an den Berghängen. Zurück zum Trail, den man sich nun mit Mountainbikern teilen muss. Gar nicht so ungefährlich, wenn die Radler an unübersichtlichen Stellen bergab sausen. Der Weg verläuft auch in einer tiefen Kuhle, die man sehr schnell verlassen müsste. So ist jederzeit Vorsicht geboten. Nach 1,3 Meilen geht der Weg rechts nach oben zu einem fantastischen Viewpoint. Man sieht hier bis zum Garden of the God, dessen rote und weiße Felsnadeln sich unglaublich beeindruckend in der Ebene aufgestellt haben.

Penrose Trail
Penrose Trail

Den Rückweg versuchen wir über den Mountainbike Trail nach oben weiter, denn der muss unserer Einschätzung nach wieder auf die Gold Camp Road führen. Das tut er nach 1,2 Meilen auch, just zu dem Zeitpunkt, an dem wir nicht mehr geglaubt haben, dass wir richtig sind und umkehren wollten. Wir sind am High Drive. Die Road 665 führt hinunter in die Schlucht, aber sie zieht sich. Nach 3,3 Meilen finden wir jedoch eine sehr steile Abkürzung und ersparen uns einige Meter. Es geht auf der Straße entlang bis zum Trailhead. Nun sind doch 5,2 Meilen in den Beinen. Das war ein netter Trail, aber am Anfang sieht man zu wenig und den Bike Trail muss man nicht machen.

Wir sind zurück im Hotel und kommen nicht mehr in unser Zimmer. Na ja, trotz eindeutigen Hinweisen und Zusagen waren sie wohl nicht in der Lage, die Zusatzbuchung mit der Ursprungsbuchung zusammenzufassen. Warum überrascht uns das nicht? That's America! Das Tagebuch von Monika geht noch weiter und konstatiert: Die Amis sind zu allem zu blöd, gestern haben sie noch schlau dahergeredet, dass die zwei Bookings kein Problem seien und alles geregelt ist. Aber der gegelte Bursche hinter dem Tresen hat den Schlüssel wohl doch nur für eine Nacht programmiert. Nach einer halben Stunde kommt das Housekeeping mit einer Flasche Schampus und Erdbeeren mit Schokolade daher. Schampus mögen wir nicht und eigentlich haben wir uns vorgenommen, heute nichts Süßes zu essen. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Das Abendessen im Mac Kenzie Chophouse war lecker, aber im vorderen Teil des Restaurants war ein unglaublicher Geräuschpegel, Schickimicki-Party, so dass wir froh waren, hinten in der Ecke zu sitzen.

Samstag
Der letzte Tag ist angebrochen. Nach dem Frühstück fahren wir in zwei Shopping Malls, - ohne Erfolg! In den Bergen hängen Schneewolken und aus unserem Zimmer ist zu sehen, dass frischer Schnee gefallen ist. Wir packen unsere mehr als sieben Sachen zusammen und gehen joggen. Das erste und einzige Mal in diesem Urlaub. Das Atmen fällt auf 1.800 Meter schwer, aber es hat trotzdem gut getan.

Unser letztes Abendessen im Famous Steakhouse war sehr gut und der Rombauer (2014) erst!

Sonntag
Heute Nacht wurde auch hier die Zeit umgestellt, wir haben also noch eine Stunde mehr zur Verfügung. Um 9 Uhr sind wir geduscht und haben gefrühstückt, dann geht es los nach Denver zum Flughafen. Die Hotelrechnung war natürlich nicht in Ordnung, die zusätzliche Nacht und das Valet-Parking fehlte. Obwohl wir eigentlich nicht so sind, haben wir nicht reklamiert. Sie werden es schon nachbelasten.

Es hat 53 Grad und die Sonne scheint, ein schöner Abschied. Bei Hertz müssen wir noch nachzahlen. Ich habe mich nicht mehr gekümmert und auch nichts gesagt, obwohl wir sozusagen All-Inklusive beim ADAC gebucht hatten. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Plate-Controls auf der neuen Toll-Road, die Denver im Osten zum Flughafen umfährt, doch schon in Betrieb waren. Egal, unser Pathfinder war eines der besten und verlässlichsten Autos der letzten Jahre. Kein technischer oder überflüssiger Schnick-Schnack, einfach ein guter Off- und On-Roader! Und endlich mal kein Ölwechsel, - was will man mehr.

Um 11 Uhr sind wir am Flughafen, die United Lounge war zwar schön eingerichtet, aber das Essensangebot war sehr schlecht. Es gab nur Salat und ungenießbare Semmeln. Wir haben uns noch das neue Westin im Flughafen angeschaut. Es sieht sehr stylisch aus, toll geworden. Irgendwie vergingen auch diese Stunden und mit 20 Minuten Verspätung starten wir in die Nacht. Dank Tabletten haben wir sehr gut geschlafen und zuhause empfängt uns München mit für die Jahreszeit typischem November-Schmuddelwetter.

Ein sehr schönes Stück USA haben wir in traumhafter Natur und in der Regel bei bestem Wetter erlebt. Bye, bye Miss American Pie ... - wir kommen wieder, es gibt noch viel zu sehen und zu tun!

« Travel, explore and hike the USA - it's amazing out there! »
Monika und Fritz Zehrer



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