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Literatur


EINLEITUNG
Amerikanische Literatur, die Literatur der USA. Dazu gehören auch die vor der Gründung der Vereinigten Staaten in den 13 britischen Kolonien entstandenen literarischen Werke.

KOLONIALZEIT UND AUFKLÄRUNG
Benjamin Franklin - Der amerikanische Naturwissenschaftler, Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Franklin engagierte sich aktiv für die Vereinigung der britischen Kolonien in Nordamerika und ihre Lösung vom Mutterland; 1776 war er einer der Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. In seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten befasste er sich vor allem mit Untersuchungen zur Elektrizität, die ihn schließlich zur Konstruktion des Blitzableiters führten.Hulton Deutsch

Als erste Zeugnisse der amerikanischen Literatur gelten Aufzeichnungen über Entdeckungen und Forschungsreisen in der Neuen Welt, die häufig episch breit angelegt waren und sich, ähnlich wie die etwa zur gleichen Zeit entstandenen Werke der Schriftsteller der Elisabethanischen Epoche innerhalb der englischen Literatur, durch einen prägnanten Stil auszeichnen. Diese Charakteristika finden sich auch in den Werken des aus England stammenden Forschers und Abenteurers John Smith, der als erster bedeutender Vertreter der amerikanischen Literatur gelten kann. Kennzeichnend für seine Schrift Generall Historie of Virginia, New-England, and the Summer Isles (1624) ist die außerordentlich lebendige Darstellungsweise, wie sie einem großen Teil der zu Zeiten der King James Bible verfassten englischen Erzählprosa eigen ist. Mit der zunehmend religiösen Ausrichtung der Literatur, die sich insbesondere in den Neuengland-Kolonien manifestierte, trat die Lebendigkeit des Erzählstils zurück. Jede Begebenheit wurde nach religiösen Gesichtspunkten interpretiert. Zu den bedeutenden Werken auf diesem Gebiet zählen die History of Plimmoth Plantation (verfasst etwa 1630-1651, posthum 1856 veröffentlicht) des Schriftstellers William Bradford, der viele Jahre lang Gouverneur der Kolonie in Plymouth war, sowie The History of New England (verfasst 1630-1649) von John Winthrop, dem ersten Gouverneur der Massachusetts-Bay-Kolonie; letzteres erschien in nahezu vollständiger Ausgabe erstmals 1853.



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Eine monumentale Kirchengeschichte Neuenglands legte der puritanische Geistliche Cotton Mather mit Magnalia Christi Americana (1702) vor. Trotz gewisser Eigentümlichkeiten in stilistischer Hinsicht und im didaktischen Ansatz gilt die Abhandlung als Meisterwerk theologischen Wissens und Denkens und ist als Dokument der Gründerzeit von einigem Interesse. Mit über 400 Publikationen übertraf Cotton Mather die schriftstellerische Produktivität seines Vaters, des Geistlichen Increase Mather, um ein Vielfaches. Als Gegner des Puritanismus engagierte sich der aus England stammende Abenteurer Thomas Morton in The New English Canaan (1637). Von zeitgeschichtlichem Wert sind auch die Schilderungen der Indianerkriege und die damit verbundene Darstellung der problematischen Besiedlung des Landes. Zu den bedeutenden Werken in diesem Bereich zählen Berichte wie A Brief History of the Pequot War des englischen Siedlers John Mason, der 1736 von dem Historiker Thomas Prince herausgegeben wurde. Den wohl eindrucksvollsten Erlebnisbericht unter der Vielzahl von Publikationen über Siedler in indianischer Gefangenschaft verfasste Mary Rowlandson.

In der Frühzeit der kolonialen Phase Nordamerikas entstanden, hauptsächlich in Neuengland, zumeist religiöse Schriften. So war auch die erste in den Kolonien gedruckte Publikation ein Gesangbuch. Es erschien 1640 unter dem Titel The Whole Book of Psalmes Faithfully Translated into English Metre. Verfasser des auch als Bay Psalm Book bezeichneten Werkes waren drei Geistliche aus Neuengland, nämlich Richard Mather, John Eliot und Thomas Weld. Unter den Lyrikern der Kolonialzeit ragt vor allem Anne Bradstreet heraus. Ihre Gedichte erschienen erstmals unter dem Titel The Tenth Muse Lately Sprung Up in America (1650). Ebenfalls in dieser Epoche entstanden die Dichtungen Edward Taylors, dessen eindrucksvolle Sammlung Poetical Works erst 1939 veröffentlicht werden konnte, sowie die Sammlungen des Geistlichen Michael Wigglesworth, der in seiner damals äußerst populären und weit verbreiteten Dichtung The Day of Doom (1662) in balladeskem Ton apokalyptische Visionen aus puritanischer Sicht beschrieb.

Außerhalb Neuenglands war die Literatur der Kolonialzeit weniger stark religiös ausgerichtet. Dabei stand zumeist eine Beschreibung der eigenen Lebensumstände und eine Darstellung der Entwicklungsmöglichkeiten der Siedlungsgebiete im Zentrum des Interesses. Deutlich wird dies etwa in A Character of the Province of Maryland (1666) des Predigers George Alsop, das bereits satirisch-parodistische Züge trägt, und in der publizistischen Abhandlung A Brief Description of New York (1670) des Jornalisten Daniel Denton. Weitere literarische Zeugnisse aus dieser Zeit stellte der Herausgeber Albert C. Myers in dem 1912 erschienenen Sammelband Narratives of Early Pennsylvania, Delaware, and West Jersey, 1630-1708 (1912) zusammen, einem wichtigen Dokument zur Zeitgeschichte.

Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Inhalte literarischer Werke zunehmend weltlicher. Dennoch kam den Schriften des puritanischen Theologen Jonathan Edwards wesentliche Bedeutung zu. Bekannt wurde er durch seine Predigt Sinners in the Hands of an Angry God, die 1741 in gedruckter Form erschien. Um Klarheit und Präzision im Ausdruck bemühen sich vor allem seine philosophischen Betrachtungen A Faithful Narrative of the Surprising Work of God (1737) und Freedom of the Will (1754). Stellvertretend für die zunehmende Säkularisierungstendenz der amerikanischen Literatur, die mit der Epoche der Aufklärung einherging, stehen vor allem William Byrd und Benjamin Franklin, die das provinzielle Leben der Siedler beschrieben. Byrd, ein Plantagenbesitzer, trat zunächst als Autor des humoristischen Meisterwerks History of the Dividing Line (verfasst 1738, erstmals veröffentlicht 1841) in Erscheinung; seine aufschlussreichen Tagebuchaufzeichnungen erschienen erst 1941 bzw. 1942 als Secret Diary und Another Secret Diary . Sie sind dem ursprünglich ebenfalls nicht zur Veröffentlichung vorgesehenen Tagebuch des aus England stammenden Schriftstellers Samuel Pepys vergleichbar, der etwa um die gleiche Zeit lebte. Wesentlich bekannter als Byrd wurde Benjamin Franklin, dessen meisterhaft geschriebener, jedoch unvollendet gebliebener Autobiography (Autobiographie) bis heute große zeitgeschichtliche Bedeutung zukommt. Zu seinem Gesamtwerk zählen ferner Briefe, Satiren, so genannte Bagatellen, Almanache und wissenschaftliche Abhandlungen.

Als erstes literarisches Werk eines Afroamerikaners erschien 1746 das 28-zeilige Gedicht Bar’s Fight, August 28, 1746 von Lucy Terry. Danach trat Jupiter Hammon, der als Sklave in den Kolonien arbeiten musste, mit dem christlichen Erlösungshymnus An Evening Thought; Salvation by Christ, with Penitential Cries (1760) hervor. Die in Afrika geborene Lyrikerin Phillis Wheatley erlangte als erste afroamerikanische Schriftstellerin Anerkennung in der Öffentlichkeit: Sie diente lange Zeit als Haussklavin in Boston. Ihr Gedichtband Poems on Various Subjects: Religious and Moral (1773 in London erschienen) enthält hauptsächlich Dichtungen religiösen Inhalts.

UNABHÄNGIGKEITSKRIEG UND 18. JAHRHUNDERT
Revolutionszeit

Thomas Paine Mit seinen Flugschriften Common Sense (1776) und Crisis (1776-1783) unterstützte der Philosoph Thomas Paine (1737-1809) die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kolonien. In The Age of Reason (1794-1796, Das Zeitalter der Vernunft. Eine Untersuchung über wahre und märchenhafte Gottesvorstellungen) zeigte er sich als überzeugter Verfechter der Aufklärung.Hulton Deutsch

Zwischen der Thronbesteigung König Georgs III. von England 1760 und der Schaffung einer amerikanischen Föderationsregierung 1789 leisteten amerikanische Gelehrte wesentliche Beiträge zur Geistesgeschichte des Landes. Zu den zentralen Werken dieser Epoche gehören die Schriften amerikanischer Politiker, die im Zuge der amerikanischen Revolution für eine Unabhängigkeit des Landes von britischer Vorherrschaft eintraten. Eine beeindruckende Sammlung dieser Zeugnisse wurde 1897 von dem Historiker Moses Coit Tyler in Literary History of the American Revolution zusammengestellt. Eine weitere Anthologie bedeutender Reden und politischer Schriften der Revolutionszeit erschien unter dem Titel The Federalist; hier sind die zwischen 1787 und 1788 von den Politikern John Jay, James Madison und Alexander Hamilton verfasste Schriften versammelt, deren überzeugtes Eintreten für die neue Verfassung der Vereinigten Staaten als eindrucksvolles Plädoyer für Selbstverwaltung und Demokratie betrachtet werden kann. Entscheidendes tat sich auf dem Gebiet der Presse. 1690 erschien in Boston die erste amerikanische Tageszeitung Public Occurrences; sie wurde jedoch sofort nach dem Erscheinen der Erstausgabe wieder verboten, da die Herausgeber keine Lizenz vorweisen konnten. 14 Jahre später gründete der Journalist John Campbell die Zeitung Boston News-Letter. Die ersten Zeitschriften des Landes erschienen 1741 in Philadelphia; damals gründete der Drucker Andrew Bradford das American Magazine. Benjamin Franklin brachte seinerseits im gleichen Jahr die erste Ausgabe seines General Magazine and Historical Chronicle heraus.

Obgleich sich die amerikanische Literatur im 18. Jahrhundert nicht zur vollen Blüte entwickeln konnte, erweiterte sich ihr Spektrum in Form und Inhalt wesentlich. Zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges profilierten sich gleich mehrere Schriftsteller. Zu ihnen gehörte der Publizist Thomas Paine, der mit seinen Flugschriften Common Sense (1776) und Crisis (zwölf Ausgaben, 1776-1783) die Autonomiebestrebungen der Kolonien unterstützte. In The Age of Reason (1794-1796, Das Zeitalter der Vernunft. Eine Untersuchung über wahre und märchenhafte Gottesvorstellungen) – eine Schrift, die in London gedruckt werden musste – übte Paine vom Standpunkt des toleranten Aufklärers Kritik sowohl am Christentum wie auch am Atheismus, wobei ersteres heftige Reaktionen von Seiten des amerikanischen Publikums nach sich zog. Äußerst stark rezipiert hingegen wurde die gegen England gerichtete Satire M’Fingal (1775-1782) des Rechtsgelehrten und Dichters John Trumbull. Politisch engagierte Lyrik schrieb auch der vielseitig interessierte Dichter Philip Morin Freneau, dessen allegorisches Gedicht The House of Night (1779) Merkmale der in der Romantik verbreiteten Schauerliteratur aufweist (siehe Schauerroman) und dessen Naturlyrik noch heute gelesen wird.

Mit The Interesting Narrative of the Life of Gustavus Vassa, the African wurde 1789 in London erstmals die anonym publizierte Lebensbeschreibung eines afroamerikanischen Autors veröffentlicht, die hinter der fiktiven Maske des Gustavus Vassa umfassend und realistisch das Leben eines Farbigen im 18. Jahrhundert der Kolonien dargestellt. Das Buch wird dem ehemaligen Sklaven Olaudah Equiano zugeschrieben, der sich freikaufte und anschließend in England niederließ, wo er sich gegen die Sklaverei engagierte.

Nachrevolutionäre Phase
Während der Präsidentschaft George Washingtons gehörte Hartford im Bundesstaat Connecticut zu den bedeutendsten literarischen Zentren der neuen Nation. In Hartford entstand als Zusammenschluss junger Schriftsteller der Kreis der so genannten Hartford Wits, dem der Geistliche Timothy Dwight sowie die Dichter John Trumbull und Joel Barlow angehörten. Von ihren zumeist schwer zugänglichen, zeitgebundenen und stilistisch teils schwerfälligen Dichtungen haben nurmehr einige der gelungeneren im Kanon ihren Platz gefunden. Wichtig hingegen für die Entwicklung der amerikanischen Literatur der Folgezeit war der Beginn der Romantradition. Zu den frühesten Zeugnissen dieser Gattung gehören das sentimental-empfindsame Buch The Power of Sympathy (1789) von William Hill Brown und der realistisch-satirische Schelmen- bzw. Abenteuerroman Modern Chivalry (1792-1815) des auch als Lyriker hervorgetretenen Autors Hugh Henry Brackenridge. Ein weiterer Vertreter der frühen amerikanischen Romanliteratur war ferner der Schriftsteller und Journalist Charles Brockden Brown, dessen Werke wie Wieland; or, The Transformation (1798, Wieland oder Die Verwandlung), Arthur Mervyn (1799-1800, Arthur Mervin oder Die Pest in Philadelphia) und Edgar Huntly (1799, Edgar Huntly oder Der Nachtwandler) auch in Europa ihre Leser fanden. Browns Bücher zählen zur Kategorie der Schauerromane; er arbeitete mit effektvollen Elementen, die Verfahren von Edgar Allan Poe und Nathaniel Hawthorne antizipierten.

19. JAHRHUNDERT
Ralph Waldo Emerson Ralph Waldo Emerson (1803-1882) war einer der einflussreichsten Dichter der amerikanischen Literatur im 19. Jahrhundert. Bedeutung erlangte vor allem sein programmatischer Essay Nature (1836; Die Natur).Library of Congress/Corbis

Oliver Goldsmith Sein Gedicht The Traveller (1764; Der Wanderer) machte Oliver Goldsmith (1730-1774) weltberühmt. Mit dem Familienroman The Vicar of Wakefield (1766; Der Vikar von Wakefield) legte er zudem eins der populärsten Werke in englischer Sprache vor.

Die Zeit zwischen 1815 und 1861 gilt als First National Period, also als erste nationale Phase der amerikanischen Literatur. Kennzeichnend für diese Epoche ist eine Betonung der schöpferischen Vorstellungskraft, eine Entwicklung, die nach dem Krieg von 1812 ihren Anfang nahm und in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt ereichte. Zwischen 1850 und 1860 entstanden mehr hochkarätige literarische Werke als in den vorangegangenen Jahrzehnten. In der amerikanischen Geschichte markiert der Bürgerkrieg den Übergang von der eher beschaulichen Vorkriegszeit ins bewegte Industriezeitalter. Viele der führenden Schriftsteller der Vorkriegszeit publizierten zwar nach dem Krieg weiter, boten jedoch in ihren nach 1865 entstandenen Werken wenig Neues. Die junge Nation stand zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor der Herausforderung, ihre kulturelle Identität erst noch zu schaffen. Die Literaten jener Zeit gingen dabei unterschiedliche Wege. Unter Vorwegnahme der später von dem Essayisten Ralph Waldo Emerson und dem Dichter Walt Whitman entwickelten Standpunkte vertraten manche Schriftsteller die Ansicht, dass tief greifende politische Änderungen eine vollkommen neue Literatur erforderten; Zentrum hierfür war New York. Andere wiederum, von denen die meisten in Boston ansässig waren, befürworteten eine Orientierung an europäischen literarischen Normen. In Boston entstanden während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts nur wenige bedeutende Werke; Erwähnung verdient jedoch die Gründung der lange Zeit einflussreichen literarischen Vierteljahresschrift The North American Review im Jahr 1815. In New York wirkten die drei ersten Vertreter einer national geprägten, aber dennoch kosmopolitische Merkmale aufweisenden literarischen Strömung Washington Irving, William Cullen Bryant und James Fenimore Cooper.


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LITERARISCHE DOKUMENTE
Herman Melville: Moby Dick
Herman Melvilles Roman Moby Dick gehört zu den Meisterwerken der amerikanischen Literatur. In dem Kapitel „The Whiteness of the Whale” reflektiert der Icherzähler über die abstoßende, Grauen erregende Farbe des Albinowals und suggeriert Kapitän Ahabs ungewöhnliche Motivation für die Jagd auf Moby Dick: Der manische Wunsch, den Wal zu töten, erscheint aus dieser Perspektive als symbolischer Akt nahezu metaphysischen Ausmaßes.

Mit seinem Roman A History of New York, From the Beginning of the World to the End of the Dutch Dynasty, by Diedrich Knickerbocker (1809, Die Handschrift Diedrich Knickerbockers des Jüngeren; auch: Humoristische Geschichte von New York) schuf Irving nicht nur die Figur des legendären Vaters der Stadt, sondern auch eine mit Elementen des komischen Epos und der politischen Satire gekoppelte parodistische Chronik New Yorks. A History of New York gilt gemeinhin als erster humoristischer Roman der USA. Eine weitere wichtige Publikation Irvings ist The Sketch-Book of Geoffrey Crayon, Gent (1819-1820, Gottfried Crayons Skizzenbuch), mit dem er – insbesondere mit den Geschichten über Rip Van Winkle und der Sage von Ichabod Crane (in The Legend of Sleepy Hollow) – die amerikanische Legendenwelt bereicherte (die Geschichte von Rip van Winkle wurde später von Max Frisch in seinem Roman Stiller wieder aufgegriffen). Trotz ihres Versuchs eines typisch amerikanischen Schreibens orientierten sich Irvings Werke am Stil der englischen Erzählprosa des 18. Jahrhunderts, wie ihn vor allem der Schriftsteller Oliver Goldsmith pflegte; eine Biographie Goldsmiths veröffentlichte Irving 1849. Nach dessen Vorbild griff er auch historische Themen auf: So sind die Geschichten in The Alhambra (1832, Die Alhambra oder das neue Skizzenbuch) im Spanien einer Zeit des Übergangs zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert angesiedelt. Weniger erfolgreich war Irvings Reisebericht A Tour of the Prairies (1835) über den amerikanischen Westen. Der Autor verfasste außerdem umfangreiche biographische Abhandlungen über Christoph Kolumbus (1828) und George Washington (5 Bde., 1855-1859). William Cullen Bryant stammte aus Massachusetts und ließ sich 1825 in New York nieder, wo ihn sein bekanntestes Gedicht Thanatopsis 1817 mit einem Schlag berühmt werden ließ. Bryant verfasste nicht nur Lyrik, sondern verfasste auch fiktive Prosa und Reiseberichte. Ferner trat er als Autor literaturtheoretischer Schriften über Lyrik und mit kongenialen Übersetzungen der Werke Homers hervor. Von 1829 bis zu seinem Tod 1878 war Bryant Herausgeber der liberalen Zeitung New York Evening Post; in dieser Funktion setzte er sich mit seinen Artikeln vornehmlich für die Abschaffung der Sklaverei ein. James Fenimore Cooper erreichte als erster amerikanischer Autor nach Franklin internationale Bekanntheit. Seine berühmten Lederstrumpf-Romane The Pioneers (1823, Die Ansiedler), The Last of the Mohicans (1826, Der letzte Mohikaner), The Prairie (1827, Die Prärie), The Pathfinder (1840, Der Pfadfinder) und The Deerslayer (1841, Der Wildtöter) sind nach dem Vorbild der historischen Waverley-Romane Sir Walter Scotts angelegt und zeichnen ein eindrucksvolles Bild Nordamerikas. In der endlosen Weite der Landschaft aus Wäldern und Seen spielen die Abenteuer seines Romanhelden, des Grenzers Natty Bumppo, der mit Jägern, Indianern und feindlich gesinnten Europäern konfrontiert wird. Mit seinen Seeromanen, von denen The Pilot (1823) der wohl populärste wurde, übertraf Cooper die Werke früherer Schriftsteller an atmosphärischer Dichte und Detailtreue. Auch gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und religiöse Aspekte des amerikanischen Alltags flossen in seine Erzählprosa ein, so auch in die Littlepage-Trilogie, die zwischen 1845 und 1846 publiziert wurde. Mit seinen grandios komponierten Romanen wirkte Cooper auch auf europäische Schriftsteller, namentlich auf den Franzosen Honoré de Balzac und in neuerer Zeit auf den Engländer D. H. Lawrence.

Zu jenen Schriftstellern der amerikanischen Literatur, die sich verstärkt einer europäischen Tradition verschrieben, zählten die so genannten Cambridge Poets, die alle mehr oder weniger mit Harvard verbunden waren. Der Aristokrat Henry Wadsworth Longfellow war das bekannteste Mitglied dieses kosmopolitisch orientierten Literatenkreises; er verarbeitete in seinen Werken die religiösen, patriotischen und kulturellen Vorstellungen der Mittelschicht. Darüber hinaus trat er als Übersetzer europäischer Literatur hervor. (Besonders eindrucksvoll ist seine Divine Comedy of Dante Alighieri, 3 Bde., 1865-1867, seine Übersetzung der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri.) Darüber hinaus schrieb er formal vollendete Lyrik religiösen und moralischen Inhalts und etablierte sich als der im 19. Jahrhundert bedeutendste amerikanische Verfasser von Sonetten. In mehreren Versepen zu Themen der amerikanischen Geschichte und des indianischen Mythenkosmos, darunter Evangeline (1847), The Song of Hiawatha (1855, Das Lied von Hiawatha) und The Courtship of Miles Standish (1858, Miles Standishs Brautwerbung), besang Longfellow das Leben in der Neuen Welt in hymnisch-elegischem Ton.

Nathaniel Hawthorne Thematischer Schwerpunkt im Schaffen des amerikanischen Schriftstellers Nathaniel Hawthorne (1804-1864) ist der Konflikt zwischen Individuum und einer rigiden, puritanisch geprägten Gesellschaft im Neuengland des 19. Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk Der scharlachrote Buchstabe (1850) gilt als frühes Meisterwerk des psychologischen Romans.

Herman Melville Herman Melville war einer der großen Realisten der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Sein Roman Moby Dick (1851) wurde 1955 von Orson Welles dramatisiert und ein Jahr später von John Huston verfilmt.

Kaum noch Bedeutung hat heute das Werk des Arztes und Schriftstellers Oliver Wendell Holmes. Unbestritten ist jedoch, dass er mit seinen Gedichten und Prosawerken – insbesondere mit seinen zwölf Essays, die in Buchform unter dem Titel The Autocrat of the Breakfast-Table (1858, Der Tisch-Despot; auch: Der Professor am Frühstückstisch) erschienen – dazu beitrug, den starken Einfluss des Puritanismus auf das amerikanische Denken zurück zu nehmen. Der Dichter und Kritiker James Russell Lowell galt einst als amerikanisches Pendant Johann Wolfgang von Goethes; heute ist sein Werk vor allem von historischer und kulturgeschichtlicher Bedeutung. Mit seinen lebendigen Verssatiren, die als Biglow Papers in zwei Serien erscheinen (1848 und 1867), seiner berühmten patriotischen Dichtung, die als The Harvard Commemoration Ode in den USA weithin bekannt wurde, und seiner Sammlung kritischer Essays, Among My Books (2 Bde., 1870 und 1876), erweiterte und bereicherte er nicht nur das literarische Spektrum, sondern prägte auch das amerikanische Nationalbewusstsein. Im weiteren Sinn zählte auch der Dichter John Greenleaf Whittier zu den Cambridge poets. Bekannt wurde vor allem sein Gedicht Snow-Bound (1866). Ferner schrieb er religiöse Lyrik. Auch befürwortete er die Sklavenbefreiung, was beispielsweise in seinem antithetisch angelegten Gedicht Massachusetts to Virginia (1843) deutlich zum Ausdruck kommt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Sklavenfrage in den Vereinigten Staaten mehr und mehr zu einem kontrovers diskutierten Thema. Diese Tendenz verstärkte sich zur Mitte des Jahrhunderts hin. Die in dieser Zeit entstandenen Werke afroamerikanischer Autoren geißelten die Sklaverei als unmoralisch, schilderten dramatisch die entwürdigende Situation der Farbigen im Land und wandten sich gegen die romantisierende Darstellung des Sklavendaseins, wie sie in der Zeit vor dem Sezessionskrieg von Südstaatenschriftstellern gepflegt wurde, die der so genannten Plantation Tradition (Tradition der Plantagen) verpflichtet waren. Als bedeutende Werke zum Thema Sklaverei gelten die drei autobiographischen Schriften des in der Abolitionistenbewegung engagierten Schriftstellers Frederick Douglass. Sein Buch Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave (Aus dem Leben des Frederick Douglass als Sklave in Amerika, von ihm selbst erzählt) erschien 1845, kurz nach seiner Flucht aus Maryland, wo er bis zu diesem Zeitpunkt selbst Sklave gewesen war. Erweiterte Fassungen seiner Abhandlung folgten 1855 (My Bondage and My Freedom, Ein Stern weist nach Norden) und 1881 (Life and Times of Frederick Douglass, letztmals überarbeitet 1892). Ein weiteres wichtiges Werk ist The Condition, Elevation, Emigration, and Destiny of the Colored People of the United States (1852) von Martin Robinson Delany, der von Literaturwissenschaftlern und Historikern mittlerweile als erste national geprägte Stimme eines Farbigen betrachtet wird. Der Geschichtswissenschaftler, Romancier und Dramatiker William Wells Brown befreite sich 1834 aus der Sklaverei. Sein Clotel; or, The President’s Daughter: A Narrative of Slave Life in the United States, der 1853 in London erschien, ist der erste Roman eines afroamerikanischen Autors. Zentrales Thema ist die so genannte „Rassenmischung”. Es wurde später von anderen Autoren des 19. Jahrhunderts aufgegriffen, die wie Brown im Zwiespalt zwischen ihrer afrikanischen Herkunft und der Notwendigkeit, in den Vereinigten Staaten Wurzeln zu schlagen, lebten.

Harriet Beecher Stowe Harriet Beecher Stowe (1811-1896) ist heute vor allem noch wegen ihres Romans Uncle Tom’s Cabin (1850-1852, Onkel Toms Hütte).

Emily Dickinson Mit ihrer vom Puritanismus geprägten Lyrik wirkte Emily Dickinson auf zahlreiche Autoren der Moderne.

Zu den kulturell interessierten Schriftstellern des 19. Jahrhunderts gehören auch die Essayisten Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau, die beide als Vertreter des Transzendentalismus gelten, sowie die Schriftsteller Nathaniel Hawthorne und Herman Melville. In seinem berühmten Pamphlet The American Scholar (1837), die auf einer seiner Reden basiert, wandte sich Emerson strikt gegen das gemäßigte kosmopolitische Denken und proklamierte einen intuitiven und von Natur-Idealen geleiteten Individualismus, wie er ihn in seinem programmatischen Essay Nature (1836), seiner Rede Address at Divinity College (1838), seinen zwei Essayfolgen (1841 und 1844) und dem Werk Representative Men (1850, Repräsentanten der Menschheit) zum Ausdruck brachte. Ähnliche Philosophien entwickelten sich auch in Deutschland und Großbritannien; Emerson vertrat die Denkweise amerikanischer Ausprägung. Thoreaus Schriften fanden im Allgemeinen weniger Verbreitung als die Emersons. Eine Ausnahme bildet sein Buch Walden; or, Life in the Woods (1854, Walden oder Das Leben in den Wäldern), das bis in die heutige Zeit auch außerhalb der USA eine größere Leserschaft hat als jedes Werk Emersons. Thoreaus Essay Civil Disobedience (1866; 1849 unter dem Titel Resistance to Civil Government; Widerstand gegen die Regierung) übte weltweit politischen Einfluss aus, und die Schrift Life Without Principle, die als Zusammenstellung von Tagebuchaufzeichnungen Thoreaus 1863 posthum erschien, belegt eindrucksvoll seine Vorstellung, dass der Mensch ohne charakterliche Integrität nicht bestehen kann. Emerson lehnte die Sklavenhaltung ab; Thoreau dagegen engagierte sich auch aktiv als Gegner der Sklaverei; seine Schriften werden noch heute zur Argumentation gegen Praktiken herangezogen, die die Funktion des Menschen auf seine bloße Arbeitskraft reduzieren.



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Hawthorne zählt mit seinem Meisterwerk The Scarlet Letter (1850, Der scharlachrote Buchstabe) unzweifelhaft zu den großen Literaten Amerikas. Seine Person und die Vielfalt seines literarischen Schaffens sind immer wieder Gegenstand kritischer Untersuchungen und Neuinterpretationen von Seiten der Amerikanistik. Von seiner zeitgenössischen Leserschaft wurde er zumeist als der verträumte Romantiker empfunden, als der er sich selbst gern zu stilisieren pflegte. Später wandelte sich aufgrund neuer Erkenntnisse das Bild, so dass die träumerisch-verklärenden Aspekte seines Werks immer mehr in den Hintergrund traten. Heute gilt Hawthorne nicht zuletzt als bisweilen boshafter Zeitkommentators, der Ereignisse des öffentlichen Lebens und individuelle Verhaltensweisen mitunter kritisch zu beleuchten verstand. Zudem wird seine Bedeutung als Meister des psychologischen Romans immer mehr herausgestellt. Im Mittelpunkt vieler Erzählungen Hawthornes, die gesammelt als Twice-Told Tales (2 Bde., 1837 und 1842, Zweimal erzählte Geschichten) und Mosses from an Old Manse (1846) erschienen, steht, ebenso wie in seinen Romanen The House of the Seven Gables (1851, Das Haus der sieben Giebel), The Blithedale Romance (1852, Blithdale) und The Marble Faun (1860, Der Marmorfaun), die Auseinandersetzung zwischen guten und bösen Kräften in der menschlichen Psyche.

Walt Whitman Mit seiner rhythmisch freien, von pathetischem Duktus getragenen Lyrik beeinflusste Walt Whitman unter anderem auch die Autoren des deutschen Expressionismus.

Washington Irving Washington Irving (1783-1859) gilt als erster Humorist der amerikanischen Literatur. Seine phantastische Erzählung Rip Van Winkle wurde von Max Frisch in seinem Romandebüt Stiller von 1954 wieder aufgegriffen.

Noch tief greifender war der Wandel in der Bewertung des literarischen Schaffens des Schriftstellers Herman Melville. Nachdem er in seinem ersten Roman Typee: A Peep at Polynesian Life (1846, Taipi; auch: Vier Monate auf den Marquesas-Inseln) seine abenteuerlichen Erlebnisse unter den Bewohnern geschildert hatte, schuf er mit den Romanen Mardi (1849) und insbesondere mit seinem Meisterwerk Moby-Dick; or, The White Whale (1851, Moby Dick oder Der weiße Wal), das er seinem Freund Hawthorne widmete, zwei von Zeitgenossen ignorierte Meisterwerke der Gattung. Sein Buch Pierre: or the Ambiguities (1852, Pierre) stieß ebenfalls bei den Lesern auf Ablehnung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geriet Melvilles literarisches Werk in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert neu entdeckt und gewürdigt. Wie Hawthornes Werke, so kreisen auch Melvilles Romane um das Phänomen des Bösen, das er, etwa in Moby Dick, mit enzyklopädischem Wissen verquickt, religiös-allegorisch deutete. Eine Ausnahme bildet die erst 1924 posthum veröffentlichte tragische Erzählung Billy Budd, Foretopman (Billy Budd), in der der engelsgleiche Titelheld an der Boshaftigkeit seines Vorgesetzten scheitert; hier ist der Kampf zwischen Gut und Böse äußerst realistisch ausgestaltet.

James Fenimore Cooper James Fenimore Cooper (1789-1851) wurde mit Romanen wie The Last of the Mohicans (1826; Der letzte Mohikaner), The Prairie (1827; Die Prärie), The Pathfinder (1840; Der Pfadfinder) und The Deerslayer (1841; Der Wildtöter) international bekannt. Vor allem The Last of the Mohicans wurde mehrfach verfilmt.

Henry Wadsworth Longfellow Longfellow schrieb formal vollendete Lyrik religiös-didaktischen Inhalts und etablierte sich als der im 19. Jahrhundert bedeutendste amerikanische Verfasser von Sonetten.

Zu den bedeutendsten Literaten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählt der Dichter, Kritiker und Verfasser bedeutender Kurzgeschichten, Edgar Allan Poe. Er stammte zwar aus dem amerikanischen Süden, verarbeitete in seinem Werk jedoch nicht die charakteristischen Themen anderer Schriftsteller dieser Region. Neben seiner Tätigkeit als Journalist schuf er einen abgeschlossenen Kosmos, dessen unheimliche, teils apokalyptische Phantasiewelt in sich mit konsequenter Logik ausgestaltet ist. Diese Logik äußert sich auch in seinen kritischen Schriften, die u. a. die „korrekte”, nahezu mathematisch-logische Konstruktion eines gelungenen Gedichts beschreiben. Mit seiner Lyrik übte Poe großen Einfluss auf den französischen Symbolismus aus; seine Erzählungen, die u. a. in dem Band Tales of the Grotesque and Arabesque (1840) erschienen, gehören zu den eindrucksvollsten Werken der Schauerromantik. Mit The Murders in the Rue Morgue (1841, Der Doppelmord in der Rue Morgue) begründete Poe die Gattung der Detektivgeschichte und schuf somit ein weithin populäres Genre; es folgten The Purloined Letter (1844, Der stibitzte Brief) und weitere Erzählungen. Mit The Raven (1845, Der Rabe) über die dunkle Beschwörung einer verlorenen Geliebten schuf er einen grandiosen, häufig zitierten Beleg seines poetologischen Modells; er wurde von Hans Hans Wollschläger und Arno Schmidt kongenial ins Deutsche übertragen. Auch Dichtungen wie Ulalume (1847) faszinieren noch heute mit ihrer dunkel-melodischen Metaphorik.

Henry David Thoreau Bekannt wurde der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau (1817-1862) vor allem mit Walden. Or, Life in the woods (1854; Walden. Oder das Leben in den Wäldern). Zwei Jahre nachdem er Walden Pont in Concord (Massachusetts) verlassen hatte, schrieb Thoreau sein Buch Civil Disobedience (1866; Ziviler Ungehorsam), in dem er angab, warum er keine Steuern mehr bezahle. Civil Disobedience gilt als Zeugnis passiven Widerstands.

Edgar Allan Poe: Der Rabe „Einst, um eine Mittnacht graulich, da ich trübe sann und traurich müde über manchem alten Folio lag vergess’ Lehr’ – da der Schlaf schon kam gekrochen, scholl auf einmal leis ein Pochen, gleichwie wenn ein Fingerknochen pocht von der Türe her.“ (Auszug aus Der Rabe)

Ein weiterer, über die Grenzen Nordamerikas hinaus bedeutsamer Autor war der Lyriker Walt Whitman, dessen Dichterpersönlichkeit Generationen nachfolgender Autoren beeinflusste. Nach frühen, wenig erfolgreichen Versuchen als Schriftsteller schrieb Whitman 1855 die erste Fassung seines Gedichtbandes Leaves of Grass (Grashalme), den er in den folgenden Jahren bis 1882 immer wieder überarbeitete und erweiterte. Mit den von Johannes Schlaf übertragenen Grashalmen prägte Whitman die Dichtung des so genannten Neuen Pathos im Expressionismus nachhaltig. Seine weitere Dichtungen und Essays, darunter Drum-Taps (1865, Trommelschläge), Democratic Vistas (1871, Demokratische Ausblicke) und Specimen Days & Collect (1882), sind als Ergänzungen zu diesem seinem Hauptwerk zu betrachten. Whitmans dichterisches Selbstverständnis erforderte eine neuartige freie Versform, in der er das Denken und Erleben des Menschen, aber auch das im Expressionismus enthusiastisch rezipierte „Wir”-Gefühl besang. In langen rhythmisch-pathetischen Verszeilen verlieh er – wortgewaltig auch in Details – einer mystisch-kosmologischen Zusammengehörigkeit aller Wesen zur Schöpfung Ausdruck und pries in seiner intellektuell geprägten Lyrik die spirituelle Kraft der Demokratie des „kraftvollen einfachen Volkes”.

Amerikanischer Bürgerkrieg
Niemand geringerer als der amerikanische Präsident Abraham Lincoln bezeichnete die Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe wegen ihres Romans Uncle Tom’s Cabin (1852, Onkel Toms Hütte) im Scherz einmal als „kleine Frau, die den großen Krieg ausgelöst hat”. Zwar ist ihr Buch keine literarische Meisterleistung, doch entsprach sein Inhalt so stark der abolitionistischen Haltung der amerikanischen Nordstaaten, dass es enorme politische Wirkung hatte. Auch Lincoln selbst verfasste gelegentlich Prosawerke, die sich durch einen gemessenen und präzis-pointierten Stil auszeichnen. Prägend wirkte er auf die amerikanische Rhetorik, indem er sich unter dem Eindruck des Bürgerkrieges von dem überladenen Stil, wie ihn der Politiker Daniel Webster pflegte, abkehrte und sich stattdessen mit einer eher nüchternen Sprache an das amerikanische Volk wandte. Beispielhaft kommt dies etwa in seiner berühmten Rede bei Gettysburg (1863) und in der Antrittsrede zu seiner zweiten Amtszeit als Präsident 1865 zum Ausdruck.


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Nach Kriegsende trat eine neue Generation junger Schriftsteller an die Öffentlichkeit, insbesondere im Bereich der erzählenden Prosa. Mehrere zusammenwirkende Faktoren beeinflussten in der Nachkriegszeit die weitere Entwicklung der amerikanischen Literatur. So ließen sich in New York immer mehr Verlage nieder, neue Methoden zur Herstellung von Printmedien wurden entwickelt, und die Verkaufs- und Vertriebswege für Verlagsprodukte konnten erweitert und verbessert werden. Auch bewirkte die Entwicklung des öffentlichen (staatlichen) Schulsystems ein insgesamt höheres Bildungsniveau in der Bevölkerung, so dass nicht nur die potentielle Leserschaft zunahm, sondern auch dank der Vermittlung von Literatur- und Fremdsprachenkenntnissen das Interesse an der heimischen Literatur wie auch an den Werken ausländischer Schriftsteller wuchs. Hinzu kam die wachsende Bedeutung von Literaturzeitschriften. Die Jahrzehnte nach 1870 wurden zu einer Art „goldenem Zeitalter” im amerikanischen Zeitschriftenwesen. Hohes Ansehen genoss das einflussreiche Magazin Atlantic Monthly, das 1857 – und damit vier Jahre vor Ausbruch des Bürgerkrieges – gegründet wurde. Herausgegeben wurde es von James Russell Lowell, der Geschichten mit Lokalkolorit bevorzugte und auf diese Weise bewirkte, dass in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von Werken dieser Art geschrieben wurde.

Die Autoren der Südstaaten zeichneten in ihren Werken ein emotional geprägtes Bild des amerikanischen Südens zur Zeit der Konföderation; zu ihnen zählen George Washington Cable mit seinem Erzählungenband Old Creole Days (1879, Aus der alten Kreolenzeit), Joel Chandler Harris als Schöpfer der berühmten Onkel-Remus-Geschichten, die 1880 unter dem Titel Uncle Remus, His Songs and Sayings erschienen, sowie der Maler und Schriftsteller Francis Hopkinson Smith, der das Werk Colonel Carter of Cartersville (1891) verfasste. Auch die aus Louisiana stammende Schriftstellerin Kate O’Flaherty Chopin gehört zu den Literaten dieser Epoche, wird jedoch bisweilen auch den Realisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts zugerechnet. Ihr letzter und zugleich bedeutendster Roman trägt den Titel The Awakening (1899, Das Erwachen); darin schildert O’Flaherty die Lebenswelt der Kreolen und den Kampf einer Frau um ein unabhängiges und erfülltes Dasein inmitten einer von Männern dominierten Welt. Neuenglisches Lokalkolorit kennzeichnet die Kurzgeschichten der Schriftstellerin Sarah Orne Jewett, die zumeist in Maine spielen und gesammelt in dem Band The Country of the Pointed Firs (1896, Das Land der spitzen Tannen) veröffentlicht wurden. Die Goldfelder Kaliforniens waren Schauplatz der Erzählungen des Autors Bret Harte, dessen The Luck of Roaring Camp and Other Sketches (1870, Das Glück von Roaring Camp) exemplarisch für die Regionalliteratur des amerikanischen Westens ist. Auch in der Lyrik schlug sich die Vorliebe für regionale Themen nieder. Beispielhaft für diese Entwicklung sind die Werke der Dichter Joaquin Miller und James Whitcomb Riley, die in ihren Dichtungen lokale Begebenheiten aus dem Mittelwesten verarbeiteten.

Zwischen 1865 und 1910 entstanden verhältnismäßig wenige dichterische Werke. Eine Anthologie, in deren Zusammenstellung sich der damalige Zeitgeschmack spiegelt, erschien unter dem Titel An American Anthology, 1787-1899 (1900); Sie wurde von dem konservativen Kritiker Edmund Clarence Stedman herausgegeben. Noch heute von Bedeutung sind die Dichtungen des führenden Südstaaten-Lyrikers Sidney Lanier. Seine bekanntesten Gedichte sind The Marshes of Glynn (1879) und The Revenge of Hamish (1878). Auch der Dichter und Philosoph George Santayana schuf formal vollendete Lyrik, die er in seinem Gedichtband Sonnets and Other Verses (1894) veröffentlichte. Die balladesken Gedichte des aus Ohio stammenden Schriftstellers Paul Laurence Dunbar erschienen in mehreren Sammlungen, darunter Lyrics of a Lowly Life (1896), und wurden in ganz Amerika gelesen. Zu ihren Lebzeiten vollkommen unbekannt war die Lyrikerin Emily Dickinson, die heute als eine der bedeutendsten Dichterinnen ihrer Epoche allgemeine Anerkennung genießt. Ihr erster Gedichtband (Poems, 1890) erschien posthum vier Jahre nach ihrem Tod; er wurde bis Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts kaum gelesen.

Prosa
Louisa May Alcott Die amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott wurde durch ihre Kinderbücher bekannt, die für die intime Schilderung des Familienlebens und dessen Verpflichtungen bekannt sind.Culver Pictures

Ausgehend von den Romanen Washington Irvings, bilden humoristische Werke in der amerikanischen Literatur eine eigene Kategorie. Das Spektrum ihrer Ausrichtung erstreckt sich von volkstümlich orientierten Werken bis hin zur intellektuellen Satire. In der ersten Sparte finden sich häufig Dialektelemente, wie dies in Lowells Verssatire The Biglow Papers und den früher entstandenen Werken von Autoren aus dem südwestlichen Grenzgebiet der Fall ist. Zu letzteren gehören die humoristischen Skizzen des Bandes Georgia Scenes, die der Geistliche und Schriftsteller Augustus Baldwin Longstreet 1835 vorlegte. Seit der Jahrhundertmitte waren dann dialektale Wendungen und Schreibweisen ein beliebtes Stilmittel, um den humoristisch-volksnahen Tenor von Vorträgen und Zeitungskolumnen zu betonen. Vertreter dieser späteren Phase waren die Humoristen Josh Billings (Josh Billings, His Sayings, 1865), Petroleum V. Nasby (The Nasby Papers, 1864) und Artemus Ward (Artemus Ward, His Book, 1862). In umgangssprachlicher Diktion nahmen sie nicht nur menschliche Schwächen satirisch aufs Korn, sondern kommentierten auch politische Ereignisse und hatten auf diese Weise beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Ein späterer Vertreter dieses Genres war Finley Peter Dunne, der die literarische Figur des irischen Gastwirtes Mr. Dooley erdachte, um in dessen Dialekt und aus dessen Sicht das Zeitgeschehen zu kommentieren; zu seinen Werken zählt u. a. Mr. Dooley’s Opinions (1901).

LITERARISCHE DOKUMENTE
Ambrose Bierce: From the Devil’s Dictionary
From the Devil’s Dictionary (Aus dem Wörterbuch des Teufels) von Ambrose Bierce ist eine witzige Sammlung von boshaft-spöttischen Epigrammen und Aussprüchen, die deutlich gekennzeichnet sind von der misanthropischen, bitter-nihilistischen Weltanschauung des Autors. Die kurzen Texte wurden ab 1881 einzeln publiziert, in Buchform erstmals 1906 unter dem Titel The Cynic’s Word Book. In desillusionierender Absicht entlarvt Bierce menschliche Dummheit, Eitelkeit und Heuchelei. Als Leseproben wurden die Stichwörter „Acquaintance”, „Alliance”, „Belladonna”, „Dawn”, „Debauchee”, „Pain” und „Painting” ausgewählt.

Volkstümlich-humoristisch orientiert war auch das literarische Schaffen eines der bedeutendsten Schriftsteller der Nachkriegszeit: Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter seinem Pseudonym Mark Twain. Sein erstes Werk The Celebrated Jumping Frog of Calaveras County and Other Sketches (1867, Jim Smileys berühmter Springfrosch) lehnte sich noch stark an die Tradition der mündlichen Erzählung an. In seinen erfolgreichen Büchern The Innocents Abroad (1869, Die Arglosen auf Reisen), Roughing It (1872, Im Gold- und Silberland) und Life on the Mississippi (1883, Leben auf dem Mississippi) finden sich sowohl journalistische wie auch literarische Elemente. Mark Twains hervorragendste Texte sind zweifellos die Romane The Adventures of Tom Sawyer (1876, Die Abenteuer Tom Sawyers) und The Adventures of Huckleberry Finn (1884, Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn), mit denen er zwei Meisterwerke der amerikanischen Prosaliteratur des ausgehenden 19. Jahrhunderts schuf. Twains Stärke bestand darin, dass er es verstand, seine jugendlichen Helden einfühlsam und zugleich humorvoll-realistisch abzubilden; dabei spielte die Gossensprache der Jugend eine zentrale Rolle – ein Umstand, wegen dem seine Romane lange Zeit (und fälschlicherweise) ausschließlich der Kinder- und Jugendliteratur zugerechnet wurden. In diesem Zusammenhang lassen sich Twains Romane Tom Sawyer und Huckleberry Finn mit dem Buch Little Women (1868/69, Kleine Frauen) von Louisa May Alcott vergleichen. In diesem in den USA nach wie vor außergewöhnlich populären Roman setzte sich die Autorin – wie auch in vielen anderen ihrer Werke – mit Problemen heranwachsender Jugendlicher auseinander. In Twains späteren Romanen, darunter The Man That Corrupted Hadleyburg (1900, Wie die Stadt Hadleyburg verderbt wurde; auch: Der Mann, der Hadleyburg korrumpierte), dem eindrucksvollen Werk The Mysterious Stranger (1916, Der geheimnisvolle Fremde) und seiner philosophischen Abhandlung What is Man? (1906) überwiegt die pessimistische Satire, wie sie bereits in seinem wesentlich früher entstandenen Roman The Gilded Age (1873, Das vergoldete Zeitalter) erkennbar war.

Twains Freund und Ratgeber, der Romancier und Kritiker William Dean Howells, vertrat in seinen literaturtheoretischen Abhandlungen die Ansicht, dass die Literatur das wirkliche Leben abbilden solle, und führte dies eindrucksvoll in seiner Abhandlung Criticism and Fiction (1891) aus. Seine Theorie setzte er in einer Reihe eigener Romane in die Praxis um, darunter A Modern Instance (1882), The Rise of Silas Lapham (1885, Die große Versuchung) und A Hazard of New Fortunes (1890), und belegte auf diese Weise anschaulich seine Überzeugung, dass Literatur in erster Linie gegenwartsbezogen und realistisch zu sein habe. Besonders prägnant und lebensnah porträtierte Howells typisch amerikanische Zeiterscheinungen. Howells gehörte zu einer Generation von amerikanischen Realisten bzw. Naturalisten, zu denen insbesondere auch die Schriftsteller Hamlin Garland mit seinem Kurzgeschichtenband Main-Travelled Roads (1890), Stephen Crane mit seinem berühmten naturalistischen Roman The Red Badge of Courage (1895, Das Blutmal; auch: Das rote Siegel) und Frank Norris mit den Romanwerken McTeague (1899, Gier nach Gold; auch: Heilloses Glück) und The Octopus (1901, Der Oktopus) zu rechnen sind. Herausragend unter den Schriftstellern dieser Epoche ist der vor allem auch als Satiriker bekannte Ambrose Gwinett Bierce, dessen Erzählungen u. a. unter dem Titel In the Midst of Life (1898, Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen) erschienen und der nicht zuletzt mit seinem Devil’s Dictionary (1909, Des Teufels Wörterbuch) ein gelungenes Zeugnis schwarzen Humors publizierte.

Mark Twain: Die Abenteuer von Huckleberry Finn Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain, dessen literarisches Schaffen in der Tradition des „Western humour“ wurzelt, schuf mit seinem Roman Tom Sawyer (1876) und dessen Fortsetzung Die Abenteuer von Huckleberry Finn (1884) zwei bedeutende Werke der amerikanischen Prosaliteratur des 19. Jahrhunderts, die lange zu Unrecht als Jugendbücher unterschätzt wurden. Letzterem Werk ist unser Hörbeispiel entnommen, in dem Huckleberry Finns Entscheidung fällt, dem Negersklaven Jim bei seiner Flucht zu helfen.

Im 19. Jahrhundert wurden innerhalb der amerikanischen Literatur auch zahlreiche Werke mit didaktischer Ausrichtung verfasst. So entstanden Romane, in denen die zunehmende Macht von Industrie und Wirtschaft sowie die korrupten Praktiken politischer Machthaber angeprangert wurden. Mit Biographien u. a. über Horace Greeley (1885) und Thomas Jefferson (1874) etablierte sich James Parton als Pionier auf dem Gebiet der modernen biographischen Literatur in Nordamerika. Viele Autoren befassten sich mit geschichtlichen Themen, darunter George Bancroft, der die zehnbändige Abhandlung History of the United States (1834-1874; überarbeitete Fassung: 1884-1887, Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika von der Entdeckung des amerikanischen Kontinents bis auf die neueste Zeit) publizierte. Die zwei bedeutendsten Historiker der Romantik waren William Hickling Prescott, dessen drei Bände umfassende History of the Conquest of Mexico (Die Eroberung Mexikos) 1843 erschien, und Francis Parkman, der zwischen 1851 und 1892 eine umfassende Studie über das Wirken und den Einfluss der Franzosen und Engländer in Nordamerika herausbrachte. Den stilistisch meisterhaften Darstellungen des letztgenannten Schriftstellers ebenbürtig waren die Schriften des herausragenden Geschichtsphilosophen Henry Brooks Adams, der mit seiner neunbändigen History of the United States of America During the Administrations of Thomas Jefferson and James Madison (1889-1891) ein epochales Geschichtswerk vorlegte. Bereits hier zeigte sich jener analytischer Ansatz, den er in seiner kulturgeschichtlichen Studie über das Mittelalter Mont-Saint-Michel and Chartres (1904) und in seiner viel gepriesenen und von Skeptizismus geprägten autobiographischen Schrift The Education of Henry Adams (1906, Die Erziehung des Henry Adams, von ihm selbst erzählt) vervollkommnete. In letzterem Werk kontrastierte er die Errungenschaften des Mittelalters mit denen der modernen Welt.

Kritische Analysen der im Zuge des wirtschaftlichen Liberalismus propagierten Laissez-faire-Haltung boten die Abhandlung Progress and Poverty (1897, Fortschritt und Armut) des Wirtschaftswissenschaftlers Henry George und der Roman Looking Backward, 2000-1887 (1888, Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf das Jahr 1887) des Journalisten und Schriftstellers Edward Bellamy. Die beiden Schriften trugen wesentlich zum Entstehen einer Reformbewegung bei, die sich vom kapitalistischen Grundsatz uneingeschränkter Wirtschaftlichkeit abzusetzen suchte. Richtungweisend waren auch die gesellschaftswissenschaftlichen Studien Past, Present, and Future (1848) des Wirtschaftswissenschaftlers Henry Charles Carey und Dynamic Sociology (1883) des Mitbegründers der amerikanischen Soziologie Lester Frank Ward. Die Literatur sämtlicher wissenschaftlicher Disziplinen hat sich in den USA seitdem stetig weiterentwickelt. Als einer der großen Klassiker der Sachliteratur gilt The Principles of Psychology (1890, Prinzipien der Psychologie) des Philosophen und Psychologen William James. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich in Amerika ein tief greifender Wandel in der philosophischen und soziologischen Theoriebildung ab, der schließlich den von James in seinem Werk The Will to Believe and Other Essays (1897) skizzierten Pragmatismus einleitete.

Henry James In seinen Romanen, Kurzgeschichten und Essays beschäftigte sich Henry James, der 1875 aus England in die USA übersiedelte, mit den Gegensätzen zwischen der Alten und der Neuen Welt.

Während sich die Vertreter des Realismus und des Naturalismus damit befassten, inwieweit das Handeln des Menschen von Mächten außerhalb seiner Willenssphäre bestimmt und gelenkt wird, behandelte der Schriftsteller Henry James in seinen psychologisch-realistischen Werken subjektive Erfahrungen und persönliche Beziehungen, die er immer wieder in Konfliktsituationen auslaufen ließ. Sein Hauptthema, die Konfrontation amerikanischer Denkweisen und Wertvorstellungen mit denen der europäischen Gesellschaft, griff er in zahlreichen Romanen auf, darunter The American (1877, Der Amerikaner), The Portrait of a Lady (1881, Bildnis einer Dame), The Wings of the Dove (1902, Die Flügel der Taube), The Ambassadors (1903, Die Gesandten) und The Golden Bowl (1904, Die goldene Schale). Subtile Analysen und präzise Schilderungen kennzeichnen James’ einzigartig komplexen Erzählstil, der ebenso viele Kritiker wie Bewunderer fand. Dass er vor allem die Form des Kurzromans meisterlich beherrschte, demonstriert auf eindrucksvolle Weise die unheimliche Geschichte The Turn of the Screw (1898, Die sündigen Engel; auch: Die Drehung der Schraube), ein Meisterwerk der Erzählprosa zur Jahrhundertwende. Auch als Kritiker trat James hervor, u. a. mit seiner Schrift Notes on Novelists (1914) und insbesondere mit den Einleitungen, die er zur New Yorker Gesamtausgabe seines Werkes (1907-1916) verfasste und die später gesammelt in Buchform unter dem Titel The Art of the Novel (1934) erschienen. James beeinflusste in hohem Maß die weitere Entwicklung des amerikanischen Romans und wurde zum Vorbild späterer Romanciers unterschiedlichster Ausrichtung, darunter Edith Wharton mit ihren berühmten Werken The House of Mirth (1905, Das Haus der Freude) und The Age of Innocence (1920, Im Himmel weint man nicht). Aber auch die Südstaaten-Schriftstellerin Ellen Andeson Gholson Glasgow, die den Roman In This Our Life (1941, So ist das Leben) verfasste und schließlich Willa Cather mit den Romanwerken A Lost Lady (1923, Frau im Zwielicht; auch: Die Frau, die sich verlor und Sei leise, wenn du gehst) und Death Comes for the Archbishop (1927, Der Tod kommt zum Erzbischof) wurden von James’ Romankunst geprägt.


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Neue Entwicklungen im Bereich der Kommunikation prägten auch die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in den USA. Bald traten Bücher als Medium zur Unterhaltung und Bildung hinter Film, Rundfunk und Fernsehen zurück. Die im 19. Jahrhundert vorherrschende regionale Prägung der Literatur bestand Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch in den Werken einiger Südstaaten-Schriftsteller fort. Zugleich verstärkte sich der Einfluss amerikanischer Schriftsteller auf internationaler Ebene. Anfang des 20. Jahrhunderts standen in der amerikanischen Literatur die Gattungen der Epik, Lyrik und Dramatik im Zeichen des Experiments.

20. JAHRHUNDERT
Theodore Dreiser Der amerikanische Schriftsteller Theodore Dreiser gilt als Pionier der amerikanischen Literatur. Sein 1925 erschienener Roman An American Tragedy wird als sein bedeutendstes Werk eingestuft.

Sinclair Lewis Sinclair Lewis (1885-1951) war ein scharfer Kritiker der amerikanischen Mittelschicht. Mit Babbitt (1922) gelang ihm das eindrucksvolle Porträt eines kleinbürgerlichen amerikanischen Durchschnittsgeschäftsmanns, der sich kritiklos in das Wertgefüge seiner kapitalistischen Umwelt fügt. 1930 erhielt Lewis als erster Amerikaner den Literaturnobelpreis.

Upton Sinclair In seinem sozialkritischen Roman The Jungle (1906; Der Sumpf, auch: Der Dschungel) beschrieb Upton Sinclair (1878-1968) die katastrophalen hygienischen Zustände in den Schlachthöfen von Chicago sowie die missliche soziale Lage der dort beschäftigten Arbeiter. Strengere Lebensmittelgesetze waren die Folge.

Ein Großteil der afroamerikanischen Schriftsteller des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts entstammte der schwarzen Mittelschicht. Zu ihnen zählte der Soziologe und Literat William Edward Burghardt du Bois, der als Verfasser der Essaysammlung Souls of Black Folk (1903) und des Romanes The Quest for the Silver Fleece (1911) bekannt wurde. Er motivierte seine erfolgreichen afroamerikanischen Schriftstellerkollegen, denen er den Namen The Talented Tenth gab, mit ihm den Kampf um die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung Amerikas aufzunehmen. Die zornig-kämpferische Haltung dieser Schriftsteller manifestierte sich in vielen ihrer Werke. Beispielhaft für diese Literatur, deren Tenor zwischen dem Wunsch nach aktiver Auflehnung und der Sehnsucht nach Akzeptanz und Integration hin- und herschwankt, sind The Garies and Their Friends (1875) von Frank J. Webband und Imperium in Imperio (1899) von dem Baptistenprediger Sutton Griggs. Zur Gruppe der Talented Tenth gehörte auch Charles Waddell Chesnutt, der als Jurist in Cleveland lebte. Mit ethnischen Fragen befasste er sich sowohl in seinem Kurzgeschichtenband The Conjure Woman (1899, Der verwunschene Weinberg und andere Sklavenmärchen aus Nordamerika; auch: Die Zauberfrau) wie auch in dem Roman The Marrow of Tradition (1901).

An die Tradition der Erzähler des ausgehenden 19. Jahrhunderts knüpften Anfang des 20. Jahrhunderts Autoren wie Jack London mit dem bedeutenden und mehrfach verfilmten Abenteuerroman The Sea Wolf (1904, Der Seewolf) und David Graham Phillips mit Susan Lenox: Her Fall and Rise (verfasst 1908, publiziert 1917), ein Roman über die Stellung der Frau in der amerikanischen Gesellschaft, an. Bekanntheit erlangten auch Upton Sinclair, dessen drastisch sozialkritischer Roman über die Chicagoer Schlachthausbetriebe The Jungle (1906, Der Sumpf) auch in Deutschland großer Erfolg beschieden war, sowie der Romancier und Journalist Theodore Dreiser, der anfangs in der Tradition des Naturalismus schrieb und sich in späteren Jahren seines Schaffens der religiösen Mystik zuwandte. Sein erster Roman Sister Carrie (1900, Schwester Carrie) wurde als unmoralisch klassifiziert und nach seinem Erscheinen wieder aus dem Handel gezogen; mehr Erfolg hatte Dreiser mit seinen Romanen The Financier (1912) und The Titan (1914), die in deutscher Übersetzung gesammelt unter dem Titel Der Titan erschienen. Hierin schildert Dreisser das Leben eines skrupellosen Geschäftsmannes. Als sein Hauptwerk gilt gemeinhin der Roman An American Tragedy (1925, Eine amerikanische Tragödie), der – wie Norris’ Werk McTeague – zu den beispielhaften amerikanischen Romanen des Naturalismus gehört. Dreisers schonungslos offenen Darstellungen und die eindringlichen Schilderungen gesellschaftlicher Aspekte bewirkten, dass seine Romane in den USA nicht nur in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Interesse fanden, sondern heute immer noch gelesen werden.

Schon um die Jahrhundertwende zeichnete sich eine Abkehr von der idealisierenden amerikanischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts ab. Wesentlich verstärkt wurde diese Entwicklung durch die traumatischen Wirkungen des 1. Weltkrieges. Schrecken und Grauen des Krieges schlugen sich nachhaltig im Schaffen vieler amerikanischer Schriftsteller nieder. In Romanen wie Soldiers’ Pay (1926, Soldatenlohn) von William Faulkner und The Sun Also Rises (1926, Fiesta) und A Farewell to Arms (1929, In einem anderen Land) von Ernest Hemingway gerät das Soldatendasein zum Symbol einer sinnlosen Existenz des Menschen generell. Der 1. Weltkrieg bewirkte das Entstehen einer an der Realität orientierten Erzählprosa ohne romantisch-verklärende Elemente. Diese Orientierung blieb im Wesentlichen bis in die Gegenwart erhalten. Die amerikanischen Schriftsteller wandten sich mehr und mehr von der gefühlvollen Ausrichtung der Literatur ab und arbeiteten stattdessen verstärkt die psychologischen Hintergründe ihrer Themen heraus. Zu den Autoren, die diese Richtung vertraten, gehört die aus Virginia stammende Schriftstellerin Ellen Glasgow, die in ihren Romanen Barren Ground (1925) und Vein of Iron (1935, Die eiserne Ader) ein objektives Bild des Lebens der Südstaatler zeichnete und sich insbesondere mit der Rolle der Frau in der Südstaaten-Gesellschaft befasste. Im Zuge der Frauenbewegung Ende der siebziger Jahre fanden die Werke Glasgows neues Interesse.

Das Jahrzehnt nach dem 1. Weltkrieg wird oft als Jazz Age (Jazz-Zeitalter) oder The Roaring Twenties (Die wilden Zwanziger Jahre) bezeichnet. Die Auflehnung gegen das einengende Gedankengut des Puritanismus und des Viktorianischen Zeitalters bewirkten einen raschen gesellschaftlichen Wandel, der sich auch in der Literatur – und hier insbesondere in der Erzählprosa – manifestierte. Maßgeblichen Einfluss hierbei hatten die Werke Sherwood Andersons, der u. a. mit Winesburg, Ohio (1919), einer Sammlung psychologisch eindringlicher Kurzgeschichten über das Leben der „kleinen Leute”, hervortrat. Desillusionierung und Hoffnung spiegeln sich in den Werken des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, der in Romanen wie This Side of Paradise (1920, Diesseits vom Paradies) und The Great Gatsby (1925, Der große Gatsby) die gesellschaftliche Oberschicht satirisch porträtierte; bei The Great Gatsby handelt es sich um eine resignative Analyse des „amerikanischen Traums” vom Aufstieg zu Wohlstand und Macht. Sinclair Lewis wurde als erster amerikanischer Autor mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet (1930); seine brillanten satirischen Darstellungen der nach schnellem Reichtum strebenden Geschäftsmentalität jener Jahre in den Romanen Main Street (1920, Die Hauptstraße) und Dodsworth (1929, Sam Dodsworth) brachten ihm internationales Ansehen. Eines der frühesten Werke des Schriftstellers Thornton Wilder ist die berühmte Erzählung The Bridge of San Luis Rey (1927, Die Brücke von San Louis Rey). Ihr folgten im Lauf seiner langen Schriftstellerlaufbahn eine Vielzahl von Dramen und Romanen mit weltanschaulichen Fragestellungen. Sein erfolgreicher Roman Theophilus North (1973, Theophilus North oder ein Heiliger wider Willen) erschien fast ein halbes Jahrhundert nach seinem ersten Romanwerk.

Jack London Mit seinen Abenteuerromanen gehört Jack London (1876-1916) zu den populärsten Autoren der amerikanischen Literatur zur Jahrhundertwende. Als sein Meisterwerk gilt The Call of the Wild (1903, Wenn die Natur ruft; auch: Der Ruf der Wildnis).

Ernest Hemingway Ernest Hemingway war einer der Meister der amerikanischen Short Story, eine auf lakonische und präzise Darstellung abzielende Sonderform der Kurzgeschichte.

Gertrude Stein In den zwanziger Jahren versammelte Gertrude Stein zahlreiche amerikanische Schriftsteller und französische Künstler, darunter John Dos Passos, Ernest Hemingway, Pablo Picasso und Henri Matisse in ihrem Pariser Salon.

Die in Paris ansässige amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein prägte den Begriff der Lost generation für eine Gruppe junger amerikanischer Autoren, die sich – desillusioniert vom Erlebnis des 1. Weltkrieges – nach Kriegsende in Frankreich niederließen. Zu den Vertretern dieser Gruppe zählten Anderson, Fitzgerald und Wilder ebenso wie Ernest Hemingway, der bald darauf zu einem der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts avancierte. Neben seinen oftmals autobiographisch geprägten Romanen verfasste Hemingway in den zwanziger Jahren auch Kurzgeschichten, die gesammelt in den Bänden In Our Time (1924, In unserer Zeit) und Men Without Women (1927, Männer ohne Frauen) erschienen. Hemingway wurde 1954 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Wesentlichen Einfluss auf die Schriftsteller der Lost generation hatte Gertrude Stein, die diese nicht nur förderte, sondern ihnen auch Vorbild in Stilfragen war. Mit ihren zum Teil sprachlich experimentellen Werken durchbrach sie literarische Traditionen, so auch in den Erzählungen des Bandes Three Lives (1908, Drei Leben). Dominierend in jener Epoche war vor allem der Ire James Joyce. Der Einfluss seiner am Stream of consciousness orientierten Erzähltechnik, der Verwendung von Symbolen und seiner bewusst lyrisch gehaltenen Prosa, manifestierte sich in nahezu sämtlichen nach dem 1. Weltkrieg in Amerika und Europa entstandenen erzählerischen Werken.

F. Scott Fitzgerald F. Scott Fitzgerald war in den zwanziger Jahren gern gesehener Gast des Pariser Salons von Gertrude Stein. Mit seinen desillusionierenden Romanen und Kurzgeschichten gehörte er ebenso wie Ernest Hemingway zur so genannten Lost generation.

Thornton Wilder Thornton Wilder (1897-1975) wurde einem breiteren Publikum vor allem durch Our Town (1938, Unsere kleine Stadt) bekannt. Our Town wurde 1940 von Sam Wood verfilmt.

Kennzeichnend für den Zeitraum zwischen 1920 und 1930 war die verstärkte schöpferische Aktivität afroamerikanischer Literaten und Künstler. Das Zentrum dieser Strömung war der New Yorker Stadtteil Harlem, weshalb die Epoche auch als Harlem Renaissance bezeichnet wird. Das Hauptanliegen dieser Bewegung bestand darin, der schwarzen Bevölkerung Amerikas ihre kulturelle Identität wieder ins Bewußtsein zu rücken und die Entwicklung zum „New Negro” zu fördern. Den Begriff des „neuen Schwarzen” prägte 1925 der Soziologe und Kritiker Alain LeRoy Locke mit einer epochemachenden Anthologie gleichen Titels, in der er maßgebliche Schriften afroamerikanischer Schriftsteller zusammengestellt hatte. Vertreter der Harlem Renaissance waren die Schriftsteller Jean Toomer, der das viel gepriesene Werk Cane (1923, Zuckerrohr) sowie Kurzgeschichten, Lyrik und eine Novelle verfasste, und der aus Jamaika stammende Claude McKay mit seinen Romanen Home to Harlem (1928) und Banjo (1929). Zum Harlemer Literatenkreis gehörten ferner der Dichter Countee Cullen, der mit seinen Lyrikbänden Color (1925) und The Ballad of the Brown Girl (1927) bekannt wurde, und der ebenfalls renommierte Erzähler und Dichter Langston Hughes, der neben seinem erfolgreichen Lyrikband The Weary Blues (1926) nach zahlreiche weitere Sammlungen verfasste. Bekannt wurde vor allem seine Kurzgeschichtenfigur mit dem sprechenden Namen Jesse B. Simple, die Verkörperung des im Großstadtghetto lebenden Afroamerikaners.

Weltwirtschaftskrise
John Dos Passos John Dos Passos (1896-1970) schuf mit Manhattan Transfer (1925) ein herausragendes Beispiel für den modernen polyphonen Großstadtroman.

John Steinbeck Die Beschreibung des Überlebenskampfs der Unterprivilegierten und seine vehemente Kritik am „Amerikanischen Traum“ machten John Steinbeck zu einem der umstrittensten – und meistgelesenen – Autoren in den USA.

Glanz und Überschwang des Jazz-Zeitalters gingen mit dem New Yorker Börsenkrach 1929 in die als Decade of Anger (Dekade des Zorns) bezeichneten dreißiger Jahre über. Unter dem Eindruck der Härten der Weltwirtschaftskrise entstanden zahlreiche neonaturalistisch geprägte Romane, in denen die sozialen Missstände jener Zeit aufgezeigt wurden. Realistische Darstellungen sozialer Probleme legten in den dreißiger und vierziger Jahren Zora Neale Hurston mit Their Eyes Were Watching God (1937, Und ihre Augen schauen Gott) sowie Arna Bontemps mit God Sends Sunday (1931) und Black Thunder (1936) vor. Verzweiflung über die Härten des Daseins sprach aus den Werken John Steinbecks, darunter Of Mice and Men (1937, Von Mäusen und Menschen) und The Grapes of Wrath (1939, Früchte des Zorns). Steinbeck wurde 1962 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Konflikte in der Klassengesellschaft thematisierte der produktive John O’Hara in seinem bedeutendsten Roman Appointment in Samarra (1934, Treffpunkt in Samarra). James Thomas Farrell verfasste die Trilogie Studs Lonigan (1932-1935), und John Dos Passos schrieb zwischen 1930 und 1936 die drei Bände seiner U.S.A.-Trilogie; in beiden Zyklen kommen Bitterkeit und Zorn über die Lebensumstände im Amerika der dreißiger Jahre zum Ausdruck. Die eindringlichen und oftmals bitteren Romane Look Homeward, Angel (1929, Schau heimwärts, Engel!) und The Web and the Rock (1939, Strom des Lebens; auch: Geweb und Fels) von Thomas Clayton Wolfe spiegeln die individuelle Disposition des Verfassers, der darin ein optimistisches, bisweilen zum Mythos übersteigertes Bild Amerikas zeichnete. In seinen komplex erzählten Romanen aus dieser Zeit, The Sound and the Fury (1929, Schall und Wahn), Sanctuary (1931, Die Freistatt) und The Hamlet (1940, Das Dorf), schuf William Faulkner von Humor geprägte Beiträge zur Nachkriegsgeschichte des amerikanischen Südens. Seine herausragenden Kurzgeschichten erschienen gesammelt in den Bänden Go Down, Moses (1942, Das verworfene Erbe) und Collected Stories (1950, Erzählungen). Faulkner gilt als bedeutendster Vertreter des Kreises von Schriftstellern, die sich mit Themen des amerikanischen Südens auseinander setzten. Er wurde 1949 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Mit dem polyphonen Stil seiner Prosa wirkte er bis auf den deutschen Schriftsteller Uwe Johnson nach. Eine Ausnahmeerscheinung in der amerikanischen Literaturszene stellt seit den zwanziger Jahren Julien Green dar.

Prosa
Truman Capote Mit seinen Romanen und Erzählungen über Jugendliche und Außenseiter prägte Truman Capote (1924-1984) die amerikanische Literaturlandschaft nachhaltig. In In Cold Blood (1966; Kaltblütig) kombiniert er fiktive Elemente mit Faktischem und initiierte so die Romanuntergattung der so genannten non-fiction-novel.

Vladimir Nabokov Der russisch-amerikanische Romancier, Dichter und Literaturkritiker Vladimir Nabokov (1899-1977) verfasste seine Werke zunächst in russischer, später dann in englischer Sprache. Mit Lolita, einem Psychogramm der Liebe eines älteren Mannes zu einem jungen Mädchen, landete er einen Sensationserfolg und erlangte internationale Bekanntheit. Auch die Verfilmung seines Werks durch Stanley Kubrick (1961) erzielte einen weltweiten Erfolg.

In der Zeit zwischen der Weltwirtschaftskrise und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges entstanden mehrere Romane, die die persönliche Sichtweise der Autoren zu der in Amerika seit langem bestehenden und mit Vorurteilen belegten Rassenproblematik spiegeln. In dem Roman Native Son (1940, Sohn dieses Landes) und der Autobiographie Black Boy (1945, Ich, Negerjunge) von Richard Wright wird diese Thematik auf einprägsam-realistische Weise dargestellt. Auch in Ralph Waldo Ellisons Roman Invisible Man (1952, Unsichtbar) und in James Baldwins Roman Go Tell It on the Mountain (1953, Gehe hin und verkünde es vom Berge) sowie in seinem später erschienenen Essayband Nobody Knows My Name (1961, Schwarz und weiß) ist der Rassenkonflikt zentrales Thema. Die Vielfalt der ab dem 2. Weltkrieg entstandenen Erzählprosa lässt sich zwei Kategorien zuordnen. Ein Teil der Autoren bediente sich einer realistisch-naturalistischen Darstellungsweise, während die anderen die Schrecken des Krieges anhand von schwarzem Humor und absurd anmutenden Phantasien aufarbeiteten. Zwei der eindrucksvollsten Anti-Kriegsromane, in denen in scharfen Kontrasten die Auseinandersetzung des Einzelnen mit dem restriktiven Soldatendasein und der Maschinerie der Kriegsapparatur geschildert wird, waren From Here to Eternity (1951, Verdammt in alle Ewigkeit) von James Jones und The Naked and the Dead (1948, Die Nackten und die Toten) von Norman Mailer. Seit Ende der vierziger Jahre glänzte Paul Bowles mit seinen Romanen. Der 2. Weltkrieg wurde auch zum Thema der Erzähldebüts zweier erfolgreicher Romanschriftsteller: James Albert Micheners Kurzgeschichtensammlung Tales of the South Pacific (Im Korallenmeer; auch: Südsee) erschien 1947, und Irwin Shaw verarbeitete in seinem frühen Roman The Young Lions (1948, Die jungen Löwen) das Kriegsgeschehen in Europa. Galgenhumor kennzeichnet Romane wie A Bell for Adano (1944, Eine Glocke für Adano), in dem John Hersey das Leben in einem von amerikanischen Truppen besetzten italienischen Dorf schildert, und den im US-Marine-Milieu angesiedelten Roman Mr. Roberts (1946) von Thomas Heggon.

Zur Mitte des Jahrhunderts entstanden zahlreiche amerikanische Romane, die sich durch eine betont originelle Stilistik auszeichnen. Der in Russland geborene Vladimir Nabokov brachte es in seinen in englischer Sprache verfassten Erzählwerken zu bewundernswerter Meisterschaft. In Amerika angesiedelt sind seine Romane Lolita (1955) und Pale Fire (1962, Fahles Feuer); beide entstanden lange nach Nabokovs Einbürgerung in den Vereinigten Staaten und gelten als bemerkenswerte Beispiele tragikomischer Literatur. Von den seelischen Nöten eines Heranwachsenden handelt J. D. Salingers Roman The Catcher in the Rye (1951, Der Fänger im Roggen), der nach seiner Übersetzung durch Heinrich Böll auch in Deutschland stark rezipiert wurde. Ungebrochen ist auch die Wirkung der Anti-Kriegs-Satire Catch-22 (1961, Der IKS-Haken; auch: Catch-22) von Joseph Heller, in der der Autor der grausigen Absurdität des Krieges mit schwarzem Humor begegnet. Zeitkritische satirische Darstellungen und schwarzer Humor finden sich auch im Werk des ebenfalls sehr bekannten Romanciers Kurt Vonnegut. In Slaughterhouse-Five (1969, Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug), einem seiner innovativsten Romane, schildert Vonnegut eigene Erfahrungen als Kriegsgefangener in einem deutschen Lager. Durch einen surrealistisch anmutenden Szenenwechsel, der die Figuren vom Gefangenenlager auf einen fiktiven Planeten führt, rückt der auf mehreren Ebenen erzählte Roman in die Nähe der Sciencefiction-Literatur, die als Gattung in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg große Popularität genoss. Isaak Asimov bereichterte die Sciencefiction um wichtige Elemente (zwei weitere wichtige amerikanische Autoren des Genres sind Ray Bradbury, Philipp K. Dick und Michael Crichton; Stephen King benutzt Elemente davon immer wieder für seine Horrorgeschichten).

Joseph Heller Dem amerikanischen Schriftsteller Joseph Heller (1923-1999) gelang der literarische Durchbruch 1961 mit dem Roman Catch-22 (Der IKS-Haken), eine bitterböse Antikriegssatire, die Kultstatus erlangte. Seine späteren Werke fanden weniger Beachtung.

Norman Mailer Norman Mailer (*1923) wurde durch den Antikriegsroman The Naked and the Dead (1948; Die Nackten und die Toten) weltweit bekannt.

Zu den Schriftstellern der Nachkriegszeit, die sich an Faulkners bisweilen als Southern Gothik bezeichneter Südstaaten-Thematik orientierten, gehörten Carson McCullers mit ihrem Roman The Heart Is a Lonely Hunter (1946, Das Herz ist ein einsamer Jäger), Truman Capote mit Other Voices, Other Rooms (1947, Andere Stimmen, andere Stuben; auch: Andere Stimmen, andere Räume), Eudora Welty mit The Ponder Heart (1954, Mein Onkel Daniel) und Flannery O’Connor mit The Violent Bear It Away (1960, Das brennende Wort; auch: Ein Herz aus Feuer). Mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde der Roman All the King’s Men (1946, Des Königs Tross; auch: Der Gouverneur) des aus Kentucky stammenden Schriftstellers Robert Penn Warren, in dem er ein eindrucksvolles Porträt eines Südstaaten-Politikers schuf. Warren war ferner auch als Lyriker und Kritiker tätig und schrieb einige Abhandlungen zur amerikanischen Literaturgeschichte.

Zu den bedeutendsten amerikanischen Romanciers der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören zweifellos John Cheever und John Updike. Ihre teils distanzierten, teils mitfühlenden, immer aber auch satirischen Beschreibungen des Way of Life der Vorstadtamerikaner im Nordosten des Landes weisen Ähnlichkeiten in Thema und Ansatz auf. Cheevers Schriftstellerlaufbahn begann mit The Wapshot Chronicle (1957, Die lieben Wapshots; auch: Die Wapshots), in dem er die Geschichte einer wohlhabenden exzentrischen Familie schilderte. Düsterer wirken seine späteren Werke, darunter Falconer (1977) über einen Geschwistermord. In seinem letzten Werk, der Novelle Oh What a Paradise It Seems (1982, Kein schöner Land), scheint eine hoffnungsvollere Sichtweise durch. Updike wurde vor allem durch einen Romanzyklus bekannt, in dem er die Flucht eines Mannes vor der Realität und vor seiner sozialen Verantwortung thematisierte. Zu dieser 1960 begonnenen Reihe gehören die Werke Rabbit Is Rich (1981, Bessere Verhältnisse) und Rabbit at Rest (1990, Rabbit in Ruhe), die beide mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurden. Beachtenswert ist auch das Schaffen der produktiven Schriftstellerin Joyce Carol Oates, die sich zudem als Kritikerin und Hochschuldozentin profilierte. Die Romane A Garden of Earthly Delights (1967, Ein Garten irdischer Freuden) und Them (1969, Jene) gehören zu ihren bedeutendsten Werken. Sie befasste sich darin mit Gewalt und Selbstzerstörung. Thematisch ähnlich ist ihre das Leben mehrerer Generationen umfassende Familiensaga Bellefleur (1980) angelegt. Mit ihrem Roman Mysteries of Winterthurn (1984) belebte sie die Tradition des viktorianischen Kriminalromans neu.

Ernest Gaines Der amerikanische Schriftsteller Ernest Gaines erhielt große Anerkennung für seine Romane und Erzählungen über das Leben der schwarzen Landbevölkerung in den Südstaaten der USA. Seine Geschichten, meist angesiedelt auf den Farmen Louisianas, thematisieren die Armut der unterprivilegierten Schwarzen, die Mühsal der Landarbeit und die Rassendiskriminerung. Gaines wurde bekannt mit dem Roman The Autobiography of Miss Jane Pittman (1971), der das Leben einer Landarbeiterin von den Zeiten der Sklaverei bis zur Bürgerrechtsbewegung in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschreibt.

Stephen King Mit seinen subtilen Horrorromanen wurde der Amerikaner Stephen King einer der meistgelesensten Schriftsteller der Welt. Typischerweise beschreibt er gewöhnliche Menschen, die auf irritierende Weise mit dem Bösen oder dem Übernatürlichen in Kontakt kommen. Viele seine Bücher wurden erfolgreich verfilmt, u. a. Shining (1979) von Stanley Kubrick oder Dead Zone (1983) von David Cronenberg.

Nach 1945 erschienen die ersten literarischen Werke jüdischer Schriftsteller, die sich mit ihrem Dasein als Juden im amerikanischen Großstadtmilieu des 20. Jahrhunderts auseinander setzten. Die zuweilen von Hoffnungslosigkeit geprägten, doch oft auch mit humorvollen Schilderungen durchsetzten Werke bilden in ihrer Gesamtheit einen beachtenswerten Bereich der amerikanischen Erzählprosa. Herausragend unter den jüdischen Schriftstellern ist Saul Bellow, der die Romane The Adventures of Augie March (1953, Die Abenteuer des Augie March) und Herzog (1964) verfasste. Bellow wurde 1976 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Bekanntheit als jüdisch-amerikanischer Schriftsteller erlangte auch Bernard Malamud mit seinem Roman The Assistant (1957, Der Gehilfe) und mehreren eindrucksvollen Bänden mit Erzählungen, darunter Idiots First (1963, Schwarz ist meine Lieblingsfarbe). Themen aus der jüdischen Lebenswelt verarbeitete auch Philip Roth als Verfasser des Erzählungenbandes Goodbye, Columbus (1959, Anderer Leute Sorgen), des erfolgreichen Romans Portnoy’s Complaint (1969, Portnoys Beschwerden) sowie der Zuckerman-Romantrilogie Zuckerman Bound (1985, Der Ghost-writer / Zuckermans Befreiung; auch: Der entfesselte Zuckerman / Die Anatomiestunde).


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Paul Auster Mit seiner New-York-Trilogie (1987), bestehend aus Stadt aus Glas (1985), Schlagschatten (1986) und Hinter verschlossenen Türen (1986), avancierte Paul Auster zu einem der führenden Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Das Photo zeigt den Autor im Jahr 1999.

J. D. Salinger Der amerikanische Autor J. D. Salinger (*1919) wurde berühmt durch seinen Protestroman The Catcher in the Rye (1951, Der Fänger im Roggen). Holden Caulfield, die Hauptfigur dieser Geschichte, ist ein rebellischer Teenager, der versucht, in einer Erwachsenenwelt, die er für heuchlerisch und falsch hält, seine eigene Identität zu finden.

Lokalkolorit in der amerikanischen Erzählprosa spielte auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Rolle. So sind die Romane und Erzählungen der Schriftstellerin Anne Tyler im US-Bundesstaat Baltimore angesiedelt. Große Beachtung fand ihr Roman Dinner at the Homesick Restaurant (1982, Dinner im Heimweh-Restaurant), die retrospektiv aufgearbeitete Lebensgeschichte einer dominanten Mutter nach deren Tod. Die Lyrikerin und Romanschriftstellerin Alice Walker erregte erstmals mit ihrem Roman Meridian (1976, deutsch ebenso) Aufmerksamkeit. International bekannt wurde sie mit dem später von Steven Spielberg verfilmten Roman The Color Purple (1982, Die Farbe Lila), das nach dem Vorbild Faulkners als vielschichtige Erzählung angelegt ist und für das sie den Pulitzerpreis erhielt. Ihrem Werk verlieh die Autorin Authentizität, indem sie die Dialoge ihrer Romangestalten im Dialekt der schwarzen Landbevölkerung der Südstaaten gestaltete.

Arthur Miller In seinen Theaterstücken thematisierte Arthur Miller (*1915) immer wieder das Scheitern seiner – zumeist einfachen – Figuren an den Idealen ihrer selbst bzw. den Normen der Gesellschaft. Dabei wurde der Umstand, dass die Weltwirtschaftskrise Millers Vater in den Ruin trieb, bestimmend. All My Sons (1947, Alle meine Söhne), Death of a Salesman (1949, Tod eines Handlungsreisenden) und The Crucible (1953, Hexenjagd) gehören zu den Klassikern des zeitgenössischen Theaters und wurden teilweise auch verfilmt. 1996 kam der Film Crucible mit Daniel Day-Lewis und Winona Rider unter der Regie von Nicholas Hytner in die Kinos, bei dem Miller für das Drehbuch verantwortlich zeichnete.

Richard Wright In dem Roman Native Son (1940, Sohn dieses Landes) und der Autobiographie Black Boy (1945, Ich, Negerjunge) formulierte Richard Wright, der in den dreißiger Jahren der kommunistischen Partei beitrat, als einer der ersten farbigen Autoren seinen Protest gegen die Rassendiskriminierung in den USA.

Viele Schriftstellerinnen verarbeiteten Begebenheiten und Lebensumstände, die sie aus eigener Erfahrung kannten, und schufen, indem sie diese aus der Sichtweise der schwarzen Frau schilderten, eine Identifikationsfigur. Zu den wichtigsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur gehört Toni Morrison, die in ihren Werken The Bluest Eye (1969, Sehr blaue Augen) und Song of Solomon (1977, Solomons Lied) die Lebenswelt der schwarzen Südstaatler schilderte. Für ihren Roman Beloved (1987, Menschenkind) erhielt sie 1988 den Pulitzerpreis; 1993 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In ihrem aus sieben Geschichten bestehenden Erstlingsroman The Women of Brewster Place (1982, Die Frauen von Brewster Place) schildert die Schriftstellerin Gloria Naylor realistisch die Problematik des Lebens einer Afroamerikanerin.

Die Historiker Charles Austin Beard und Mary Ritter Beard legten mit ihrem Werk The Rise of American Civilization (1927) den Versuch einer Gesamtschau der amerikanischen Geschichte und Zivilisation vor. Mit dem gleichen Thema befassten sich Samuel Eliot Morison (The Oxford History of the American People, 1965) und Henry Steele Commager (The Search for a Usable Past, 1967). Werke über einzelne Entwicklungen und Epochen verfasste Richard Hofstadter: Er schrieb die Abhandlungen Anti-Intellectualism in America (1963) zum Thema Konservatismus und The Guns of August (1962) über den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Journalistin und Historikerin Barbara Tuchman trat als Autorin des Werkes A Distant Mirror: The Calamitous Fourteenth Century (1978, Der ferne Spiegel) hervor. In den dreißiger Jahren entstanden zahlreiche bedeutende politische Schriften, darunter das Buch Inside Europe (1936) des Journalisten John Gunther und das autobiographische Schrift The Life and Death of a Spanish Town (1937) des Romanciers Elliot Harold Paul. Ein weiteres wichtiges Werk aus dieser Zeit ist Not Peace but a Sword (1939), mit dem der Auslandskorrespondent Vincent Sheean die amerikanische Welt auf einen Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg vorbereitete. Die dramatischen Erlebnisse von sechs Überlebenden der Atombombenexplosion schilderte der Romancier John Richard Hersey in seinem Dokumentarwerk Hiroshima (1946; aktualisierte Neuauflage: 1985). Etliche Literaten versuchten in der Nachkriegszeit, Tatsachenbericht und Romanerzählung zu verbinden. Truman Capote gilt mit In Cold Blood (1966, Kaltblütig), in dem er einen Familienmord im Mittelwesten beschreibt, als Begründer des amerikanischen Non-Fiction- oder Tatsachenromans. Mailer bezog in The Armies of the Night (1968, Heere aus der Nacht) und Miami and the Siege of Chicago (1968, Nixon in Miami und die Belagerung von Chikago) als Gegner des Vietnamkrieges bzw. Kommentator aktueller politischer Ereignisse Stellung.

James Baldwin: The Fire Next Time „Liebe beraubt uns unserer Masken, ohne die wir glauben nicht leben zu können. Aber auch mit ihnen scheint uns das Leben unmöglich. Ich gebrauche das Wort Liebe hier nicht einfach in einem persönlichen Sinn, sondern meine damit einen Zustand des Seins, einen Zustand der Gnade, nicht in dem kindlichen Sinne des ,Glücklichgemachtwerdens’, den Amerikaner diesem Wort gerne geben. Ich verstehe Liebe in einem universelleren Sinn, als Suche, als Wagnis, als Wachstum”, schrieb James Baldwin 1963.

Toni Morrison Zu den wichtigsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur gehört Toni Morrison, die in ihren Werken The Bluest Eye (1969, Sehr blaue Augen) und Song of Solomon (1977, Solomons Lied) die Lebenswelt der schwarzen Südstaatler schilderte. Als achte Frau und erste afroamerikanische Autorin erhielt sie 1993 den Nobelpreis für Literatur. Fünf Jahre zuvor war sie bereits mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden.

Die Bürgerrechtsbewegung der fünfziger und sechziger Jahre brachte Schriftsteller hervor, die sich in ihren Werken mit der Situation der schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten auseinander setzten. Zu ihnen gehörte der Dramatiker und Lyriker Imamu Amiri Baraka, ein Pseudonym für LeRoi Jones. Der 1934 geborene Literat befasste sich kritisch mit der Situation der schwarzen Amerikaner, u. a. in Home: Social Essays (1966, Ausweg in den Haß) und Raise, Race, Rays, Raze: Essays Since 1965 (1971). Mit der amerikanischen Gesellschaft setzte sich der Politiker und Schriftsteller Eldridge Cleaver in den während seiner Haftzeit entstandenen Essays Soul on Ice (1967, Seele auf Eis) auseinander. Auch zahlreiche persönlich gefärbte Schriften schwarzer Autoren entstanden in dieser Zeit, darunter die Autobiographie des Bürgerrechtlers Malcolm X (Autobiography of Malcolm X, 1965, Der schwarze Tribun), an der Alex Haley als Koautor beteiligt war. Haley schrieb später den erfolgreich verfilmten Bestseller Roots (1976, Wurzeln), ein teils autobiographisches und teils fiktives Werk, in dem er die Suche nach den afrikanischen Ursprüngen seiner Familie schilderte und ihre Chronik bis in die Gegenwart aufzeichnete. Maya Angelou machte sich einen Namen mit Lyrik, Romanen und Kinderbüchern. Ihre Jugend in den Südstaaten beschrieb sie in ihrer eindrucksvollen Autobiographie I Know Why the Caged Bird Sings (1969, Ich weiß, daß der gefangene Vogel singt).

Saul Bellow In seinen Romanen und Erzählungen beschreibt Saul Bellow die Situation des jüdischen Intellektuellen und die gesellschaftliche Entfremdung des Individuums generell. 1976 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Andere aktuelle Themen, mit denen sich amerikanische Schriftsteller ab den sechziger Jahren auseinander setzten, waren der Krieg in Indochina, die zunehmende Umweltverschmutzung und die Gleichberechtigung der Frau. Über den Vietnamkrieg entstanden viele, zum Teil äußerst kritische Abhandlungen. Zu ihnen gehören u. a. My Lai 4 (1970) über das Massaker an der vietnamesischen Zivilbevölkerung durch amerikanische Truppen 1968 von Seymour M. Hersh, der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Auch Frances Fitzgerald erhielt einen Pulitzerpreis für das Buch Fire in the Lake: The Vietnamese and the Americans in Vietnam (1972). Die Frauenrechtlerin Betty Friedan analysierte in ihrer bahnbrechenden Studie The Feminine Mystique (1963, Der Weiblichkeitswahn) die gesellschaftliche Situation der Frau im Licht der ursprünglichen Zielsetzungen der Frauenrechtsbewegung.

Charles Bukowski: The Secret of My Endurance Durch seinen lakonischen, von obszönen Wörtern durchsetzten Stil wurde Charles Bukowski zu einem Vorbild der Underground-Kultur. Der Auszug aus The Secret of My Endurance wird von ihm selbst gelesen.Sander/Liaison Agency/"The Secret of My Endurance", geschrieben und gelesen von Charles Bukowski, aus A Century of Recorded Poetry: In Their Own Voices, ursprünglich gesammelt in Dangling in the Tournefortia (Cat.# Rhino Word Beat R2R4 72408) (c)1985 und 1994 Denny Bruce (p)1985 Freeway Records, lizenziert von Denny Bruce (p)1996 Rhino Records Inc.

In den siebziger Jahren brillierte Charles Bukowski mit Post Office (1971, Der Mann mit der Ledertasche). Der Erzählband Kaputt in Hollywood rief 1976 vor allem unter der jungen Generation bundesdeutscher Autoren ein großes Echo hervor. Paul Auster orientierte sich in seinem Romanschaffen seit den achtziger Jahren verstärkt an der Postmoderne. Zuvor hatte sich bereits Thomas Pynchon mit experimenteller Prosa in diesem Bereich hervorgetan. Oscar J. Hijuelos wurde 1989 mit dem in der Manier der Schallplatte in A- und B-Seite unterteilten Roman The Mambo Kings Play Songs of Love (1989, Die Mambo Kings spielen Songs der Liebe) über zwei unterschiedliche Brüder, die Ende der vierziger Jahre von Habana nach New York reisen, um in den Mamboclubs der Stadt zu spielen, auch international bekannt („Ich wollte die Geschichte der Latinos in den USA rekonstruieren”, beschrieb Hijuelos seine Autorenintention, „dafür stehen die beiden Brüder, der eine Draufgänger, Macho, der andere eher ein sensibler Typ”). Ein weiterer bedeutender Schriftsteller der achtziger und neunziger Jahre ist Amistead Maupin, der mit seinen Großstadtgeschichten hervortrat. Auch William S. Burroughs setzte neue Maßstäbe.

Alice Walker Alice Walker wurde durch ihren Roman The Color Purple (1982; Die Farbe Lila) international bekannt. Das Buch wurde 1985 von Stephen Spielberg mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle verfilmt.F. Capri/Saga/Archive Photos

Herausragende amerikanische Dramatiker der Nachkriegszeit waren Edward Franklin Albee und – vor allem – Arthur Miller.

Lyrik
T. S. Eliot Vor allem mit der Musikalität seiner Dichtung „Das wüste Land“ (1922) übte T. S. Eliot auf die Entwicklung der englischsprachigen Lyrik entscheidenden Einfluss aus.

W. C. Williams Durch seinen einfachen, beinahe prosaischen Stil beeinflusste W. C. Williams die Entwicklung der Lyrik auch außerhalb der USA.

Ezra Pound: Canto I Mit seiner Lyrik prägte der amerikanische Dichter Ezra Pound die Dichtung der Moderne nachhaltig. Während eines Hochverratsprozesses wegen antiamerikanischer Rundfunkreden während des 2. Weltkriegs wurde er für unzurechnungsfähig erklärt und bis 1948 in einer Nervenheilanstalt untergebracht.

Die Gründung der Zeitschrift Poetry: A Magazine of Verse (1912) durch die Dichterin und Herausgeberin Harriet Monroe leitete nach langen Jahren, in denen die amerikanische Lyrik wenig Beachtung gefunden und sich kaum entwickelt hatte, eine bedeutende dichterische Renaissance ein. Deren erste Phase, den Imagismus, initiierten die Dichter Amy Lowell (Men, Women, and Ghosts, 1916) und Ezra Pound (Ripostes, 1912). Die Imagisten strebten eine grundlegende Reform des dichterischen Schaffens an. Größere Bedeutung für die Entwicklung der Lyrik hatten jedoch zwei andere Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Zum einen war dies das Schaffen eines Dichterkreises in Illinois, dem die Lyriker Vachel Lindsay (The Congo and Other Poems, 1914), Edgar Lee Masters (Spoon River Anthology, 1915; Die Toten von Spoon River) und Carl Sandburg (Chicago Poems, 1915; Chicago-Gedichte) angehörten. Zum anderen gingen wesentliche Impulse von in Neuengland ansässigen Dichtern aus, darunter Edwin Arlington Robinson (The Town Down the River, 1910) und Robert Lee Frost (North of Boston, 1914). Insbesondere der Lyrik Frosts und Sandburgs wurde während deren langer Dichterlaufbahn große Wertschätzung zuteil. Nicht zu den genannten Dichterkreisen gehörte die bekannte und einflussreiche Lyrikerin Edna St. Vincent Millay (The Ballad of the Harp Weaver, 1922).

Die Veröffentlichung von The Waste Land (1922, Das wüste Land) des angloamerikanischen Lyrikers T. S. Eliot kennzeichnet einen Wendepunkt in der Entwicklung der amerikanischen Dichtung, indem es der Brüchigkeit der tradierten Werte und Ideale und der Illusionslosigkeit menschlicher Existenz mit einer gänzlich innovativen, an Religion und Mythos orientierten Metaphorik Ausdruck verlieh. Noch deutlicher als in Eliots Werk manifestierte sich die Hinwendung zum Avantgardismus in Ezra Pounds Cantos, die zwischen 1925 und 1960 erschienen. Sowohl Eliot wie auch Pound hatten mit ihrem dichterischen Schaffen und ihren kritischen Schriften wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Lyrik im 20. Jahrhundert. Auch der Schriftsteller William Carlos Williams, zu dessen umfangreichem literarischem Werk (40 Lyrik- und Prosabände) auch die autobiographische Dichtung Paterson (fünf Bücher, 1946-1958, deutsch ebenso) gehört, beeinflusste mit seiner konkret-präzisen Bildsprache das Schaffen mehrerer Generationen von Lyrikern. Experimentelle Lyrik von oftmals komplexer und hermetischer, also nur schwer zugänglicher Symbolik, schufen Crane, der vor allem durch seinen Gedichtband The Bridge (1930) bekannt wurde, Wallace Stevens (The Man with the Blue Guitar, 1937, Der Mann mit der blauen Gitarre) und Marianne Moore (Collected Poems, 1951, Gedichte). Die innovativen Werke des Dichters E. E. Cummings, von Is 5 (1926) bis 73 Poems (1963), zeichnen sich durch typographische und sprachliche Individualität aus, die sich auch in seiner Metaphorik manifestiert.

Robinson Jeffers schuf mit Werken wie Roan Stallion, Tamar, and Other Poems (1925) bedeutende Beiträge zur amerikanischen Naturlyrik. Randall Jarrell betonte in seinen sozialkritisch-anklagenden Dichtungen, darunter Losses (1948), die Sinnlosigkeit des Krieges; demgegenüber befassten sich Archibald MacLeish (Collected Poems, 1917-1952, 1952) und Richard Wilbur (Things of This World, 1956) mit Fragen der menschlichen Existenz ohne konkreten Zeitbezug. Die Vertreter der Beatgeneration brachten in ihren Werken in direkten Formulierungen eindrucksvoll ihren Protest gegen das Establishment der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft zum Ausdruck. Einen ganz anderen Tenor weisen die aus der mündlichen Erzähltradition der schwarzen Südstaatenbevölkerung hervorgegangenen lyrischen Werke auf. Beispiele für diese Art von Dichtungen finden sich im Werk der Schriftstellerinnen Gwendolyn Brooks (Annie Allen, 1949), Nikki Giovanni (Black Feeling, Black Talk, Black Judgement, 1970) und Maya Angelou (Just Give Me a Cool Drink of Water ‘fore I Die, 1971). Theodore Roethke bediente sich unterschiedlicher Formen des dichterischen Ausdrucks. Seine surrealistisch geprägten Dichtungen schrieb er in freien Versen; auch seine rationalen Betrachtungen fasste er in eine einfache lyrische Form. Exemplarisch für sein Schaffen ist der Gedichtband The Far Field, der posthum 1964 veröffentlicht wurde. Auf Robert Lowell (Lord Weary’s Castle, 1946) geht die amerikanische Tradition einer religiös geprägten, bekenntnishaften Dichtung als Ausdruck persönlicher Verunsicherungen und Ängste innerhalb der Moderne zurück. Von individuellen Ängsten zeugen auch die Gedichte der Lyrikerinnen Sylvia Plath (Ariel, 1965) und Anne Sexton (Live or Die, 1967, und The Awful Rowing Toward God, 1975).

Robert Lee Frost Mit seinen Gedichten, die in einfach-prägnanter Sprache zumeist alltägliche Ereignisse beschreiben, gab Robert Lee Frost der amerikanischen Lyrik entscheidende Impulse.

e. e. cummings: anyone Das Werk des amerikanischen Dichters und Dramatikers e. e. cummings ist vor allem durch Sprachexperimente (Aufbruch von Syntax und Grammatik, Kleinschreibung etc.) gekennzeichnet.

Allen Ginsberg: Howl Als führender Vertreter der Beatgeneration propagierte Allen Ginsberg einen konsequenten Individualismus und die radikale Ablehnung der Normen der bürgerlichen Mittelklasse, wie dies in seinem Gedicht „Howl“ zum Ausdruck kommt.

Gegen Ende der sechziger Jahre erlebte die Lyrik in Amerika eine neue Blüte. Neu gegründete Literaturzeitschriften boten den Dichtern Foren für ihre Werke, Hochschulen organisierten und förderten Lyrik-Workshops und erweiterten das Angebot für Studierende der Literaturwissenschaften um Seminare, die von an der Hochschule ansässigen Dichtern abgehalten wurden. Zu den Lyrikern der Gegenwartsliteratur, deren Werke formal und stilistisch eine große Bandbreite aufweisen, gehören May Swenson, Robert Bly und Galway Kinnellare mit ihrer klaren, oftmals von intensiver Naturbetrachtung charakterisierten Metaphorik. Die Bilder in den Dichtungen James Merrills dagegen sind stark subjektiv geprägt und bisweilen von okkulten Ideen inspiriert. Die sprachlichen Abstraktionen des Dichters John Ashbery sind dem Leser nur schwer zugänglich. Ashbery erhielt 1976 für seine Gedichtsammlung Self-Portrait in a Convex Mirror (Selbstporträt im konvexen Spiegel) den Pulitzerpreis. Im darauf folgenden Jahr erhielt Merrill die begehrte Auszeichnung für Divine Comedies. Die Würde des sechsten Poeta laureatus der USA wurde 1992 der Dichterin Mona Van Duyn verliehen, die bisher sieben Gedichtbände veröffentlicht hat, darunter Near Changes (Pulitzerpreis, 1991). In ihren ebenso geistreichen wie gefühlvollen Gedichten befasst sie sich mit Eltern-Kind-Beziehungen, Liebe und Ehe.

Literaturkritik
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Literaturkritik neuhumanistisch ausgerichtet und demzufolge bestrebt, klassische Traditionen aufrechtzuerhalten und für die Kunst eine solide ethische Grundlage zu schaffen. Zu den Vertretern dieser Richtung zählten die Kritiker Paul Elmer More (1864-1937), der in seinen Shelburne Essays (11 Bde., 1904-1921) seine Literaturtheorie erläuterte, William Crary Brownell (1851-1928) mit American Prose Masters (1909) sowie der an der Harvard University lehrende Literaturwissenschaftler Irving Babbitt (The New Laokoon, 1910). Ab den zwanziger Jahren wurden die Werke amerikanischer Schriftsteller in ihrer Gesamtheit von der Kritik als eigenständige Nationalliteratur wahrgenommen; die Grundlagen für diese Entwicklung legte der englische Romancier D. H. Lawrence mit seiner bahnbrechenden Abhandlung Studies in Classic American Literature (1923). Der amerikanische Gelehrte Vernon Louis Parrington stellte die amerikanische Literatur in seinem dreibändigen Werk Main Currents in American Thought (1927-1930) vor ihrem soziopolitischen Hintergrund dar. Eine allgemeiner angelegte Gesamtschau der amerikanischen Literatur stellte der Literaturhistoriker Van Wyck Brooks zusammen; als erster Teil seines vielbändigen Werkes wurde The Flowering of New England, 1815-1865 (1936) veröffentlicht. Etwa zur gleichen Zeit erschienen die Essays des Schriftstellers Henry Louis Mencken in seiner Zeitschrift American Mercury (1924-1933). In seinen Essays unterzog er den konservativen literarischen Geschmack seiner Zeit einer heftigen Kritik.

Ab Ende der dreißiger Jahre bis 1945 bildete sich die als New criticism bekannte Richtung der Literaturwissenschaft heraus. Ihr Name leitet sich vom Titel eines 1941 publizierten Essays John Crowe Ransoms ab. Der New criticism betrachtet vornehmlich das literarische Kunstwerk als von gesellschaftlichen und biographischen Zusammenhängen losgelöste Einheit. Zu den Vertretern dieser Richtung zählten Cleanth Brooks, Kenneth Burke, Ransom selbst, Alan Tate und Robert Penn Warren. Nicht dem New criticism zuzurechnen, doch ebenfalls sehr einflussreich war der Literaturwissenschaftler Joseph Wood Krutch, dessen Essays gesammelt in den Bänden The Modern Temper (1929) und The Measure of Man (1954) erschienen. Der Literaturkritiker Lionel Trilling verfasste mit The Liberal Imagination (1950) einen der einflussreichsten kritischen Essays der Gegenwart. Auch Malcolm Cowley als Verfasser des autobiographischen Berichtes Exile’s Return (1934) und Alfred Kazin mit On Native Grounds (1942, Der amerikanische Roman. Eine Interpretation moderner amerikanischer Prosaliteratur; auch: Amerika. Selbsterkenntnis und Befreiung) und The Inmost Leaf (1955) gaben der amerikanischen Literaturkritik wesentliche Impulse. Der Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler beleuchtete in seiner Studie Love and Death in the American Novel (1960, Liebe, Sexualität und Tod) einige der in der amerikanischen Literatur vorherrschenden Inhalte sowie deren Art der Verarbeitung.

Aus Encarta, ein Produkt der Microsoft Corp. - Danke Frau Storm für die Genehmigung

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Monika und Fritz Zehrer



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